Shimano Ultegra: Unterschiede zwischen langem und kurzem Schaltkäfig

Beim Aufrüsten eines Schaltwerks stellt sich oft die Frage nach der richtigen Käfiglänge. SS, GS und SGS sind Bezeichnungen, die die Länge des Schaltkäfigs am Schaltwerk bestimmen.

Diese Länge ist entscheidend, da sie festlegt, welche Kombinationen von Kettenblattgrößen vorne an der Kurbel und Ritzelgrößen hinten am Zahnkranz möglich sind.

  • SS steht für einen kurzen Käfig.
  • GS steht für einen mittellangen Käfig (bei Mountainbikes auch als kurzer Käfig bezeichnet).
  • SGS steht für einen langen Käfig.

Die Wahl des richtigen Schaltkäfigs hängt von der gewünschten Übersetzungsbandbreite ab. Mit dem Aufkommen der Kompaktkurbel entstand der Bedarf nach größeren Kassetten.

Vor allem muss man aufpassen, dass das Schaltwerk lang genug ist, um die Kette zu spannen. Allerdings kann man nicht ohne Weiteres eine größere Kassette montieren.

Kapazität und Zähnezahl

Die verschiedenen Schaltwerke haben auch verschiedene maximale Aufnahmemöglichkeiten für Ritzel. Diese Information beschreibt, wie groß die Kassette maximal sein kann.

So ist es zum Beispiel, beim Ultegra 6700A Schaltwerk, möglich, um eine Kassette mit maximal 30 Zähnen auf dem größten Blatt zu montieren. Hier wäre also eine 12-30 Kassette sinnvoll.

Viele Fabrikanten geben an, dass ihr Schaltwerk mit einem maximalen Zahnunterschied an den Kettenblättern benutzt werden kann. Wird dieser Abstand nicht beachtet, dann kann das dazu führen, dass die Kette durchhängt, da das Schaltwerk die Spannung nicht aufrecht erhalten kann.

Beim Ultegra 6700A Schaltwerk beträgt der Abstand für die kurze Ausführung 16 Zähne. Hat das große Kettenblatt 52 und das kleine 39, so beträgt der Abstand 13 Zähne. Diese Kombination kann also ohne Probleme verwendet werden.

Genauso wie 50 und 34 Zähne. Bei einem Dreifach-Blatt wird es allerdings schwierig, da man schnell über 16 Zähne Unterschied kommt. Hier zählt die Anzahl Zähne am größten Blatt und die Anzahl am kleinsten Blatt.

Eine 50 und 30 Zähne Kombination wäre bereits nicht mehr möglich, da hier 20 Zähne Abstand vorliegen. Zum Schluss muss man auf die Kapazität des Antriebs achten. Diese kannst du mit folgender Formel ausrechnen: (Maximaler Unterschied an den Kettenblättern) + (Maximaler Unterschied zwischen dem größten und kleinsten Ritzel).

Wenn wir also ein Kompakt-Kettenblatt 50|34 haben, dann beträgt der Unterschied 16 Zähne. Eine 12-30 Kassette hat einen Unterschied von 18 Zähnen. Die Kapazität des Antriebs beträgt also 16+18=34 Zähne.

In der Praxis kommt es vor, dass man sich ein Rennrad kauft und einige Zeit später damit in den Bergen fahren will. Die verbaute 11-28 Kassette scheint dafür allerdings nicht geeignet zu sein.

Ein Rennrad mit Ultegra 6800 11 Gang Kompakt, 50-34 und kurzem Schaltwerk. Maximale Kassettengröße: Bei den kurzen Shimano Schaltwerken kann maximal eine 28 Zahn Kassette verbaut werden.

Eine Kassette mit einem Ritzel mit mehr als 28 Zähnen ist daher nicht möglich. Eine mögliche Lösung wäre hier, dass man ein neues Schaltwerk mit langem Käfig verbaut.

Zum Beispiel das Ultegra 6800 Schaltwerk mit langem Käfig. Der maximale Unterschied bei den Kettenblättern beträgt 16 Zähne, was in den Bereich eines langen Schaltwerkes fällt. Die Kapazität des Antriebs beträgt (50-34)+(32-12)=36 Zähne.

Beispiele und Kapazitäten

Hier sind einige Beispiele für die maximale Kassettengröße und Kapazität bei verschiedenen Schaltwerken:

  • Rennrad mit Veloce 10 Speed Compact, 50-34 und kurzem Schaltwerk:
    • Maximale Kassettengröße: 27 Zähne
    • Maximaler Unterschied bei den Kettenblättern: 12 Zähne (mittleres Schaltwerk)
    • Kapazität des Antriebs: (50-34)+(32-12)=36 Zähne
  • Mountainbike mit XTR GS medium Schaltwerk und 40-28 doppeltem Kettenblatt:
    • Maximale Kassettengröße: 36 Zähne
    • Maximaler Unterschied bei den Kettenblättern: 12 Zähne (normaler Mountainbike-Bereich)
    • Kapazität des Antriebs: (40-28)+(36-11)=37 Zähne (Problem: XTR Schaltwerk hat eine Antriebskapazität von 35 Zähnen)
  • Mountainbike mit einem X.0 medium Schaltwerk und einem 38-24 doppeltem Kettenblatt:
    • Maximale Kassettengröße: 36 Zähne
    • Maximaler Unterschied bei den Kettenblättern: 14 Zähne (normaler Mountainbike-Bereich)
    • Kapazität des Antriebs: (38-24)+(36-11)=39 Zähne (Problem: X.0 Schaltwerk hat eine Antriebskapazität von 35 Zähnen. Lösung: X.0 mit langem Käfig verbauen)

Diese Tabelle veranschaulicht die Zusammenhänge zwischen Schaltwerkstyp, maximaler Kassettengröße und Antriebskapazität.

Käfiglänge messen

Eigentlich ist es ganz einfach, die Länge eines Schaltwerkkäfigs zu messen. Wer einen Meßschieber hat, kann das. Sinnvollerweise mißt man da die Länge des Spannarms (Mitte Drehpunkt (Achse) zu Mitte Spann-Röllchen (Achse).

Es sei darauf hingewiesen, daß es Schaltwerke gibt, bei denen das Schaltröllchen eine eigene Achse besitzt (Exzentrisch zu der Achse des Spannarms).

Zu den Hoch-Zeiten der 3x9 Schaltwerke (ca. 2000 bis 2010) gab es folgende Hebellängen der Spannarme:

  • Etwa: 50 [mm] = kurz (RR-kurz !)
  • 75 [mm] = mittellang (MtB-kurz = mittellang = Shimano Nebelkerze !)
  • 95 [mm] = lang

Mit dem Trend zu den 1-fach Schaltungen haben sich offenbar auch die Käfiglängen vergrößert. Die größten Ritzel sind nun 52-er (Waren 34-er).

Das ZEE-Schaltwerk (10-fach) ist ein MtB-Schaltwerk für Freeride, hat aber einen "kurzen" "Rennrad-Käfig", als kurzes MtB-Schaltwerk wäre eigentlich 75 [mm] zu erwarten gewesen. Das gelieferte funktionierte bei mir mit einem Ritzel-Paket 11-36 (10-fach) sehr ordentlich, wurde aber ausgemustert, weil ich wegen des großen Lochs nun 11-fach fahre (XT mittellang = 95 [mm], wobei einzig zwischen den Ritzeln 11 und 13 ein zusätzliches 12-er werkelt).

Das SORA-Schaltwerk soll(te) bei mir nur als Kettenspanner am 406-er Faltrad arbeiten und ist mit 75 [mm] dafür zu lang (Geht, aber ist dann ein Schmutzfänger !). Natürlich frage ich mich, warum ein kurzes RR-Schaltwerk (Auf der Verpackung richtig als "kurz" markiert) falsch mit einem 75 [mm] Käfig geliefert wird ?

Schon ein mittellanges Schaltwerk am Faltrad (406-er) ist von Übel ! Das für einen Bekannten gekaufte MtB-Schaltwerk sollte einen "kurzen" (MtB-kurz) haben und hat einen 100 [mm] langen Käfig. Die neueren MtB-(Trekking- ?) Schaltwerke haben (wegen der inzwischen sehr großen Ritzel bei 1-fach ?) längere Käfiglängen.

Eine Bestellung "kurzes" Schaltwerk, wo beim Versender Längen vom Äquator bis zum Nordpol oder von der Erde bis zum Mond verstanden werden, ist unbrauchbar. Das einfachste wäre eine Angabe in "[mm]".

Für fast alle Händler (Das sind Alle bis auf endlich Wenige) ist solch ein Sachverhalt zu schwierig. Bei deiner akribischen Schalwerksvermessung ist mir nur eins aufgefallen: Die Käfiglänge allein ist ja nicht alles, sondern auch die Geometrie um die Käfigführung drumrum.

Nur so als Beispiel: die kritischste Situation hat man sicher, wenn der Käfig genau senkrecht steht. Doch in welchem Gang/welchen Gängen ist das der Fall? Das bestimmt auch, wie weit der Käfig dann vom Reifen weg steht, und damit ob es bei Kurvenlage eng wird, oder nicht. Und das obere Schaltwerksröllchen wandert in Relation ja immer weiter runter, je höher man schaltet. Als senkrechtes Schaltwerk im schnellsten Gang ist viel unkritischer als senkrechtes Schaltwerk im Klettergang.

Immerhin hat Shimano extra für die "Klappräder" die Capreogruppe rausgebracht (und wegen des überragenden Erfolgs alsbald auch wieder auslaufen lassen?

Erstmal möchte ich nur, daß eine Bestellung "Schaltwerk mit kurzem Käfig" auch so ausgeführt wird. Bei einem RR-Schaltwerk sollte ein kurzer Käfig ca. 50 [mm] haben. Wenn die Verpackung ein "kurzes" Schaltwerk ausweist, dann sollte auch ein kurzes Schaltwerk geliefert werden.

Die Kinderräder mit kleineren Laufrädern habe ja vorne sinnvollerweise nur ein Kettenblatt, und die Kassetten keine so großen Spreizungen angepasst an die kleinere Entfaltung Da langt ja dann ein kurzes Schaltwerk, da die Kapazität kleiner gewählt werden kann

Kurzer/mittellanger/langer Käfig zielt halt schlicht auf die Kapazität des Schaltwerks ab. Ist auch naheliegend, weil ich beim gleichen Schaltwerk über die Käfiglänge die Kapazität variieren kann. Und weil man den Käfig genau zu diesem Zweck auch manchmal tauschen kann.

Aber die Angabe sagt halt überhaupt gar nix zur Bauhöhetiefe des Schaltwerks unterhalb des Schaltauges aus, behauptet auch keiner. insbesondere an der Stelle: Kurzer/mittellanger/langer Käfig zielt halt schlicht auf die Kapazität des Schaltwerks ab. Ist auch naheliegend, weil ich beim gleichen Schaltwerk über die Käfiglänge die Kapazität variieren kann. Und weil man den Käfig genau zu diesem Zweck auch manchmal tauschen kann.

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