Die Kette hakt am Kettenblatt, der Gang ist bergauf zu dick oder bergab nicht dick genug? Möglicherweise ist es an der Zeit für ein neues Kettenblatt! Ein verschlissener Antrieb ist nicht nur nervig, weil die Schaltung dann meistens nicht mehr sauber funktioniert, es kann sogar gefährlich werden.
Wartet man zu lange mit dem Tauschen der Antriebskomponenten, kann die Kette beim Antreten durchrutschen. Dann trittst Du ins Leere und gehst im schlimmsten Fall über den Lenker, ist mir selber schon passiert. Deshalb zeige ich Dir hier wie Du den Verschleiß Deiner Kettenblätter erkennst und sie wechselst.
Grundsätzlich kann man sagen, dass diese Anleitung für Rennrad und Mountain Bike Kettenblätter gleichermaßen gilt. In diesem Montagebeispiel zeigen wir neben der Direct Mount Kettenblattmontage noch wie Du die Kurbel ausbaust und Dein Tretlager checkst. An unserem Bike war eine Shimano Kurbel verbaut, natürlich gibt es mehrere Tretlagerstandards, die wir hier nicht alle aufführen konnten. Also können manche Montageschritte abweichen.
Kettenblatt Verschleiß erkennen
Bevor Du jetzt anfängst Deine Kettenblätter zu tauschen, kannst Du Dich noch vergewissern, ob das Kettenblatt wirklich verschlissen ist. Den Verschließ kannst Du an der Form der Zähne erkennen. Im Bild sind drei Indikatoren für den Verschleiß angegeben:
- Durch die voranschreitende Abnutzung der Kettenblätter, werden auch die Grate auf den Zähnen immer größer.
- Die Zähne werden oben immer runder.
- Beim Treten wird die Kette vom Kettenblatt gezogen, deshalb wird der Zahn dieser Seite mehr abgenutzt.
Zum Vergleich: Die Zähne des oberen Kettenblattes sind neu. Oben ein neues und unten ein altes Kettenblatt.
Werkzeuge und Hilfsmittel
Du brauchst nicht viel Werkzeug, um deine Shimano Kurbelgarnitur zu ersetzen.
- Inbusschlüssel (4 mm, 5 mm, 10 mm)
- Kettenblattschlüssel
- Kurbelmontage-Werkzeug (Artikel-Nr.: 28705)
- Drehmomentschlüssel (optional, aber empfohlen)
- Pedalschlüssel oder Inbusschlüssel (zum Entfernen der Pedale)
- Bolzenschneider (falls die Kette auch getauscht wird)
- Kunststoffhammer (optional)
- Bremsenreiniger
- Montagefett
- Sauberes Tuch oder Küchenrolle
- Kleine Schälchen oder Schachteln zur Aufbewahrung von Schrauben
Einen Drehmomentschlüssel brauchst du nicht unbedingt, aber er ist sehr praktisch. Du kannst auch einen normalen Inbusschlüssel verwenden, aber dann kannst du deine neue Kurbelgarnitur weniger präzise festdrehen.
Zusätzliche Hilfsmittel
- Kettenschmierstoff
- Speiche als Haltehilfe
- Lappen
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Kettenblattwechsel
1. Vorbereitung
Der erste Schritt ist das Entfernen deiner Pedale. Hierfür brauchst du den Inbus- oder Pedalschlüssel.
2. Kette entfernen
Als Erstes solltest Du natürlich die Kette entfernen. Da man beim Kettenblattwechsel auch meistens die Kette tauscht, kannst Du diese mit einem Bolzenschneider durchschneiden. Das ist einfach und erspart Dir Zeit. Bevor Du die Kette durchknippst, schalte noch vorne und hinten auf die kleinsten Kettenblätter bzw. Ritzel, damit entspannst Du die Kette.
Aber Vorsicht - die Kette steht immer noch unter Spannung, Du solltest sie also irgendwie fixieren. Manche neueren Schaltwerke haben auch eine Lockfunktion. Bei diesen Schaltwerken kann man den Käfig des Schaltwerks nach vorne drücken und fixieren. So wird auch die Kette entspannt. Willst Du die Kette nach der Demontage doch nochmal verwenden, solltest Du sie natürlich aufnieten. Halte die Kette beim Cutten fest, damit sie Dir nicht Dein Bike verkratzt.
3. Kurbel demontieren
Die Kurbeln sind immer an der linken Seite deines Fahrrads befestigt. Die zwei Schrauben in der Kurbel sorgen dafür, dass diese gut hält. Drehe also erst diese zwei Schrauben lose. Die Schraubenmutter aus Plastik hält die beiden Kurbelarme nun noch fest. Die Kurbelmutter sitzt eigentlich nie besonders fest und du kannst sie mit dem Kurbelschlüssel einfach lösen.
Die linke Kurbel sitzt oft ziemlich fest. Jetzt kannst du die linke Kurbel vom Tretlager abnehmen. Dafür brauchst du vielleicht ein bisschen Kraft. Um die Kurbel zu lösen, kannst du ein wenig an ihr rütteln.
Nun kannst du die Drive Side mit den Kettenblättern vom Tretlager abnehmen. Die Kurbelgarnitur nimmst du wahrscheinlich nicht oft ab. Mit einem sauberen Tuch kannst du den Schmutz so gut es geht abwischen. Mach das ordentlich! Auf Wasser solltest du jedoch besser verzichten, damit es nicht in deine Lager kommt.
Um Die Kurbel auszubauen, musst Du als Erstes die Klemmschrauben, auf der antriebsabgewandten Seite des Kurbelarms, mit einem 5er Innensechskant lösen. Jetzt kann, mit dem Kurbelmontage-Werkzeug (Artikel-Nr.: 28705), die Kurbelschraube gelöst werden. Das Sicherungsblech im Klemmschlitz nicht vergessen.
Jetzt kannst Du den Kurbelarm abnehmen. Pass aber auf, dass der Dichtungsring, der normalerweise mit ein wenig Fett im Kurbelarm sitzt, nicht verloren geht. Nun kann die Antriebsseite der Kurbel rausgedrückt werden. Falls Du die Kurbel nicht mit der Hand durch das Tretlagergehäuse geschoben bekommst, kannst Du die Achse mit leichten Kunststoffhammer-Schlägen lösen. Danach kannst Du die Achse in Richtung Antriebsseite rausschieben.
4. Tretlager prüfen
Ist die Kette unten, kann die Kurbel frei drehen. Um zu prüfen, ob das Tretlager noch sauber läuft, drehst Du die Kurbel mit einem Finger. Merkst du irgendwelche Unregelmäßigkeiten, Knirschen oder lässt sich das Lager schwer drehen, solltest Du Dir das Lager, nach dem Ausbau der Kurbel, nochmal genauer angucken. Außerdem solltest Du die Kurbel ein paarmal ganz schnell drehen lassen.
Während die Kurbel sich dreht, achtest Du auf die Lagergeräusche. Ist das Laufgeräusch blechern, als würde Metall auf Metall laufen, ist das Lager noch in Ordnung, aber viel zu trocken und muss dringend gefettet werden. Drehe die Kurbel mit Gefühl und achte auf einen widerstandsfreien Lauf.
Um zu prüfen, ob das Lager horizontal oder vertikal ausgeschlagen ist, packst Du das Ende des Kurbelarms, der Antriebsseite, und probierst die Kurbel nach links und rechts zu bewegen. Wenn Du kein Spiel merkst, dann ist alles in Ordnung. Kannst Du den Kurbelarm bewegen, dann solltest Du das Lager wechseln. Hierbei gilt, je größer die Bewegungsfreiheit, desto verschlissener ist das Lager. Achte aber darauf, dass Du nicht um den Pedalkörper packst, sonst fühlst Du nur das Spiel in der Pedallagerung.
Ist die Kurbelgarnitur ausgebaut, kannst Du nochmal am Tretlager- Lager drehen. Achte dabei auf Widerstände oder Knirschen. Falls Du merkst, dass das Lager unsauber läuft, sollte es mal sauber gemacht werden oder es mal sauber machen.
5. Alte Kettenblätter demontieren
Jetzt kannst Du die verschlissenen Kettenblätter demontieren. Direct Mount Kettenblätter werden nicht auf einem Spider verschraubt, hier sitzt das Kettenblatt direkt auf der Kurbel. Es wird von einer Mehrfachverzahnung mitgenommen und mit Schrauben (je nach Standart unterschiedlich viele) von hinten fixiert. Schrauben zur Fixierung des Kettenblattes lösen.
6. ReinigungWenn die Kettenblätter demontiert sind, macht es Sinn, die Achse und die Kettenblattaufnahme gründlich zu säubern. Die Kurbel gründlich mit Bremsenreiniger sauber machen. Jetzt kannst Du noch die Kettenblattschrauben reinigen. Dazu legst Du sie einfach in den Bremsenreiniger-Deckel und spritzt sie mit Bremsenreiniger ab. Danach die Schrauben ein bisschen im Deckel mit Bremsenreiniger schwenken, abtrocknen, fertig.
Auch die Tretlagerdichtungsringe hinter den Kurbelarmen können oft eine Reinigung vertragen. Der Dichtungsring der Antriebsseite muss oft vorsichtig herausgehebelt werden. Achte auf das richtige Einsetzen der Dichtungen, sie haben 2 verschiedene Seiten, eine Gummi- und eine Metallseite. Die Gummiseite zeigt im montierten Zustand immer Richtung Tretlager.
Damit das dreckige Tretlager die sauberen Teile nicht wieder einsaut, solltest Du auch das sauber machen. Dazu nimmst Du Dir einfach etwas Küchenrolle und entfernst das alte Fett gründlich. Auf keinen Fall das Lager mit Bremsenreiniger besprühen, sonst wird das Fett im Inneren des Lagers ausgespült.
7. Neue Kettenblätter montieren
Sieht alles wie neu aus?! Dann kannst Du jetzt die Kettenblätter montieren. Dabei fängst Du immer mit dem größten Kettenblatt an. Damit die Steighilfen am Kettenblatt richtig arbeiten können, muss das Kettenblatt in der richtigen Position am Spider festgeschraubt werden.
Wenn der nach außen stehende Bolzen am Kettenblatt direkt hinter der Kurbel sitzt, ist das Kettenblatt richtig positioniert und kann festgeschraubt werden. Auch bei der Montage der kleinen Kettenblätter musst Du auf die Positionierung achten. Im inneren Kreis des kleinen Kettenblatts ist auch eine Nase. Diese muss, genauso wie beim großen Kettenblatt, auch hinter dem Kurbelarm sitzen. In dieser Position kannst Du das Blatt festmachen.
Wie oben schon beschrieben, werden Direct Mount Kettenblätter, direkt auf der Kurbel montiert. Sie werden auf eine Mehrfachverzahnung geschoben und mit Schrauben fixiert. Achtet beim Anziehen der Schrauben auf das angegebene Drehmoment. Wie bei Kassetten, passt diese Verzahnung nur in einer Position, also achtet genau auf die Nasen und Nuten am Kettenblatt bzw. an der Kurbel.
Aber Vorsicht, auch hier gibt es, je nach Hersteller, mehrere Standards, die nicht untereinander kompatibel sind.
8. Kurbel montieren
Fette deine neue Kurbel und auch die Innenseite vom Tretlager. Jetzt kannst du die Drive Side wieder durch dein Tretlager stecken. Hol dir die Kette auf die richtige Seite, bevor du die Kurbel durch das Tretlager steckst. Während des Einschiebens kannst du die Kette auf das kleinste Blatt legen.
Wenn die Fahrradkette an Ort und Stelle ist und dein rechter Kurbelarm gut sitzt, kannst du die linke Kurbel auf den sichtbaren Teil deines Tretlagers schieben. Achte auf die Position des Kurbelarms auf der Drive Side und wähle natürlich die gegenüberliegende Position. Vergiss auch nicht, ein wenig Montagefett auf der Innenseite des Gewindes deiner neuen Kurbel aufzutragen. Jetzt kannst du händisch die Kurbelmutter wieder festdrehen.
Rüttel ein kleines(!) bisschen mit dem Kurbelarm, während du die Kurbelmutter mit dem Kurbelschlüssel andrehst. Dadurch kannst du Spiel in der Kurbelgarnitur vorbeugen. Hierbei musst du gut aufpassen. Das Anziehen der Kurbelschrauben muss gleichmäßig geschehen und mit der richtigen Dosis Kraft. Drehe nicht erst die eine und dann die andere Schraube fest. Drehe sie immer abwechselnd stets fester.
Baue dabei den Druck so auf, dass die Kraft gleichmäßig verteilt wird. Du kannst sie in 4 Schritten festziehen. Ansonsten kann es sonst passieren, dass die eine Schraube vielleicht mit 12 Nm fest ist, die andere aber viel fester. Wenn die Schrauben fest sind, kannst du dein Tretlager auf Spiel kontrollieren. Dazu hältst du mit der einen Hand dein Fahrrad fest und rüttelst mit der anderen am Kurbelarm.
Vor dem Einschieben solltest Du die Achse sorgfältig fetten, am saubersten geht das mit einem Pinsel in entsprechender Breite. Jetzt kannst Du die Achse wieder durch das Tretlager schieben. Bevor Du jetzt den anderen Kurbelarm aufschiebst, solltest Du die Achse auch auf dieser Seite nochmal kurz einfetten. Achte dabei aber auf den Dichtring im Kurbelarm; die Gummiseite des Rings zeigt immer Richtung Tretlager.
Jetzt musst Du das Sicherungsblech im Klemmschlitz der Kurbel wieder hinunterdrücken. Jetzt kannst Du die Kurbelschraube festziehen. Falls die Schraube fest ist, die Kurbel aber noch nicht richtig sitzt, kannst Du die Kurbel auch mit leichten Hammerschlägen weiter eintreiben. Wenn sich die Kurbel durch die Schläge noch setzt, musst Du danach die Kurbelschraube nochmal anziehen. Stelle sicher, dass die Kurbel richtig sitzt.
Als Letztes musst Du die Kurbel noch mit der Innensechskantschraube klemmen. Nutze zum Festziehen der Schraube einen Drehmomentschlüssel und achte auf die angegebenen Werte. Oft steht das Drehmoment direkt neben dem Schraubenloch. Nutze für die Klemmschraube auf jeden Fall einen Drehmomentschlüssel. Wenn jetzt der Drehmomentschlüssel klickt, bist Du fast fertig.
9. Pedale montieren
Wenn alles soweit gut montiert ist, kannst du jetzt auch die Pedale wieder befestigen. Achte darauf, welches das linke und welches das rechte Pedal ist. Wenn du das richtige Pedal hast, kann das Fahrrad die meiste Arbeit selbst erledigen. Zunächst jedoch mit Montagefett schmieren natürlich!
10. Abschließende Kontrolle
Gib deinem Kurbelarm einen tüchtigen Schubs. Wenn er nicht 1 ganze Runde flüssig herumdreht, sitzt deine Kurbelmutter zu fest. Dreht er mehr als nur eine Runde? Ist das der Fall? Jetzt darfst du auf dein Fahrrad hüpfen und prüfen, ob alles gut funktioniert. In diesem Fall merkst und hörst du nichts auffälliges.
Nur noch die Kette wieder montieren und go. Also dann viel Spaß beim Wiederverschleißen.
Wichtige Hinweise zum Schluss
- Reinigerverbot: Kettenreinigungsmaschinen und spezielle Fettlöser schaden der Kette mehr als sie nutzen.
- Nietverbot: An der Stelle des Verbindungsstiftes darf eine Kette nicht wieder geöffnet werden!
- Kürzverbot: Campagnolo hat am Kettenende mit den Außenlaschen einen Warnhinweis angebracht.
Wann sollte man die Kettenblätter wechseln?
Für den Tausch von Kettenblättern kann der ungefähre Richtwert von etwa 25.000 bis 30.000 km genannt werden, bis ein Wechsel nötig ist. Das kleinste Kettenblatt hat km-mäßig noch mehr Luft. So müssen meist nur Tourenfahrer oder Extrembiker das Kettenblatt am Fahrrad wechseln.
Anhand der spitz zugeschliffenen Zähne erkennen Sie an Ihrem „Drahtesel“ ein verschlissenes Kettenblatt - meist sieht man es am größten Kettenblatt am besten. Wenn sie dies dann bemerken, ist es dringend nötig das Shimano-Kettenblatt zu tauschen.
Empfehlung
Wir empfehlen Ihnen, beim Austausch der Kettenblätter von Shimano auch gleich die Fahrradkette und die Ritzelkassette zu ersetzen.
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