Die Frage, welche Schaltung die beste Leistung bietet, beschäftigt viele Mountainbike-Fahrer. Dieser Testbericht vergleicht die 1x12-Schaltungen von Shimano und SRAM, um herauszufinden, welche Gruppe das beste Gesamtpaket bietet. Ist es am Ende nur eine Frage des persönlichen Geschmacks?
Shimano gegen SRAM: Ein Duell der Giganten
Seit über zwei Jahrzehnten liefern sich Shimano und SRAM ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Während Shimano in der 3x9-Ära mit feinen Satinfinishs, sanften Gangwechseln und gedeckten Silbertönen dominierte, setzte SRAM auf glänzendes Chromfinish, knackige Gangwechsel und auffällige Farben. Mit der Einführung der 11-fach-Schaltungen wagte SRAM Revolutionäres: ein Kettenblatt statt zwei oder drei. Die XC- und Enduro-Rennfahrer waren begeistert, während Tourenbiker Shimanos 2x11-Gruppen bevorzugten, die in Sachen Bandbreite überlegen waren.
Erst mit Srams Eagle-Gruppen, die 1x12 Gänge boten, wendete sich das Blatt. Shimano hatte mit der teuren XTR-Gruppe (1x12 und 2x12) Startschwierigkeiten. Doch jetzt schlägt Shimano mit den erschwinglichen "Volksgruppen" SLX und XT zurück, die wie Eagle in einer 1x12-Variante kommen und dank 10-51er-Kassette noch mehr Bandbreite als Sram bieten.
Der Test: Shimano SLX und XT gegen SRAM NX Eagle und GX Eagle
Für diesen Test wurden die 1x12-Varianten von SLX und XT den bewährten SRAM-Gruppen NX Eagle und GX Eagle gegenübergestellt. Preis und Gewicht liegen eng beieinander. SLX und NX kosten fast gleich viel, wobei die SLX leichter ist. XT und GX wiegen fast das Gleiche, aber die GX ist etwas preiswerter. Auch in Bezug auf Optik und Haptik sind die Unterschiede gering. Die Shimano-Schaltungen agieren sogar etwas knackiger als die SRAM-Pendants.
Ergebnis: Die neue Shimano XT setzt den Maßstab in dieser Klasse. Srams GX ist ebenfalls eine Topgruppe, aber in Nuancen schlechter. Die Shimano SLX kann sich leicht von der NX Eagle absetzen und Platz 3 im Vergleich erobern.
Shimano SLX (M7100) im Detail
Die Shimano SLX kam zeitgleich mit der neuen XT auf den Markt. Sie bietet dank der großen 10-51er-Kassette die gleiche Bandbreite wie die Shimano XT und übertrifft den direkten Konkurrenten SRAM NX Eagle. Das Gewicht ist geringer als bei der NX. Im Vergleich zur XT läuft das System etwas rauer, und der Gangwechsel ist minimal träger. Beim Schalten unter hoher Last ächzt die SLX, führt den Schaltbefehl jedoch problemlos und präzise aus.
Der SLX-Schalthebel ist einfacher gehalten als der der XT. Auf die Gummibeschichtung sowie auf die "Multi-Shift"-Funktion am kleinen Hebel wurde verzichtet. Es lässt sich nur ein Ritzel auf einmal nach unten wechseln. Auch können nur drei Gänge auf einmal in Richtung großes Ritzel geschaltet werden. Der kleine Hebel kann mit Zeigefinger oder Daumen betätigt werden, was der SLX in Sachen Ergonomie eine sehr gute Note einbringt.
Technische Daten Shimano SLX (M7100)
- Gänge: 1x12
- Zähne: 32 vorne, 10-51 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,63:1; Größter Gang: 3,20:1
- Gewicht: 310 g Schaltwerk, 116 g Hebel o. Zug, 527 g Kassette, 255 g Kette (116 Glieder), 645 g Kurbel (o. Innenlager), 1853 g komplett
| Kriterium | Wertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung | 16% |
| Testergebnis | SEHR GUT (76 Punkte) |
SRAM NX Eagle im Detail
Die SRAM NX Eagle machte die 1x12-Philosophie der US-Amerikaner noch attraktiver. Der Preis ist niedriger, was durch die Verwendung von günstigeren Materialien und die Größe des kleinsten Ritzels erreicht wird. Statt 10-50 bietet SRAM die NX mit einer 11-50-Zähne-Kassette an. Dadurch ergibt sich eine Bandbreite von nur 454 statt der 500 Prozent. Ein Vorteil ist, dass die Kassette auf herkömmlichen Shimano-Freiläufen montiert werden kann.
Der Kunststoffhebel ist der leichteste im Test, die Kassette aus einzelnen Stahlritzeln hingegen mit Abstand die schwerste. Auch optisch wirkt die Kassette wenig edel. In Summe ist die NX die deutlich schwerste Gruppe im Testfeld. Bei der Schaltperformance sind hingegen klar die Gene der teureren Eagle-Brüder erkennbar. Der Gangwechsel verläuft zuverlässig, leise und butterweich. In Richtung der großen Ritzel ist der Schaltvorgang aber eine Spur zu schwammig. In Richtung der kleinen Gänge verzögert sich der Schaltvorgang schon mal, ist dann aber schön knackig. Die NX bietet die Möglichkeit, fünf Gänge auf einmal hoch- und einen runterzuschalten.
Technische Daten SRAM NX Eagle
- Gänge: 1x12
- Zähne: 32 vorne, 11-50 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,64:1; Größter Gang: 2,91:1
- Gewicht: 344 g Schaltwerk, 98 g Hebel ohne Zug, 612 g Kassette, 273 g Kette (126 Glieder), 701 g Kurbel (ohne Innenlager), 2028 g komplett
| Kriterium | Wertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung | 16% |
| Testergebnis | GUT (69 Punkte) |
Shimano XT (M8100) im Detail
Die Shimano XT bietet satte 511 Prozent Bandbreite mit einer Kassette mit 10-51 Zähnen. Das ist genau ein Zahn mehr als die direkte Konkurrenz der SRAM GX Eagle - bei nur minimal mehr Gewicht. Auch in Sachen Ergonomie setzt die Shimano XT ein Ausrufezeichen. Ein gummierter Schalthebel sorgt für perfekten Grip. Zudem können durch die "Multi-Shift"-Technik gleich zwei Gänge auf einmal in Richtung kleine Ritzel geschaltet werden, was in diesem Test ein Alleinstellungsmerkmal ist. Es lassen sich zudem bei einem Schaltvorgang bis zu vier Gänge auf einmal hochschalten. Einziges Manko: Die Fingerkraft beim Betätigen des kleinen Hebels ist spürbar höher, als man es von einer XT gewohnt ist. Doch egal ob unter voller Last oder beim gemütlichen Fahren, die Gänge werden knackig und maximal präzise eingelegt und stehen sofort zur Verfügung. Die Montage ist einfach, einzig dass der neue "Micro-Spline-Freilauf" etwas fummeliger ist, könnte man bemängeln - hier hat SRAM die Nase vorn.
Dennoch: Die XT kann ihr Revier als Volksgruppe Nr.1 wieder knapp für sich gewinnen. Verarbeitung, Gewicht, Bandbreite, Ergonomie - alles top.
Technische Daten Shimano XT (M8100)
- Gänge: 1x12
- Zähne: 32 vorne, 10-51 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,63:1; Größter Gang: 3,20:1
- Gewicht: 281 g Schaltwerk, 117 g Hebel o. Zug, 469 g Kassette, 257 g Kette (116 Glieder), 635 g Kurbel (o. Innenlager), 1759 g komplett
| Kriterium | Wertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung | 16% |
| Testergebnis | ÜBERRAGEND (90 Punkte) |
SRAM GX Eagle im Detail
Mit der GX Eagle hat SRAM 2017 den 1x12-Antrieb zu erschwinglichen Preisen auf den Markt gebracht. Die Montage der GX ist recht einfach, die Kassette besteht aus einem Stück und wird auf den speziellen XD-Freilauf aufgeschraubt. Die Haptik und Optik der GX Eagle kommt nahe an die Top-Gruppen X01 und XX1 von SRAM heran, auch wenn SRAM etwas weniger hochwertige Materialien verwendet. Dennoch ist die GX in diesem Test, ganz knapp vor der XT, die leichteste Schaltgruppe.
In der Praxis erfolgen die Wechsel in den leichteren Gängen meist so sanft, dass man sie nicht mal hört. Beim Schalten in schwerere Gänge rastet die Kette dafür satt, schnell und selbst unter Last stets präzise ein. Auch der kleine Hebel lässt sich definiert drücken - bietet aber im Gegensatz zur Shimano XT lediglich einen Gangsprung zum nächstkleineren Ritzel. Hoch lassen sich bei der GX an der 10-50-Kassette fünf Gänge auf einmal schalten (bei Shimanos XT vier). Generell liegen die Hebel absolut angenehm am Daumen an, bieten sehr gute Schaltergonomie.
Technische Daten SRAM GX Eagle
- Gänge: 1x12
- Zähne: 32 vorne, 10-50 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,64:1; Größter Gang: 3,20:1
- Gewicht: 292 g Schaltwerk, 107 g Hebel ohne Zug, 448 g Kassette, 273 g Kette (126 Glieder), 627 g Kurbel (ohne Innenlager), 1747 g komplett
| Kriterium | Wertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung | 16% |
| Testergebnis | SEHR GUT (83 Punkte) |
Know-how Schaltungen
Die Wahl der richtigen Schaltung ist nur der erste Schritt. Besonders der Freilauf muss passen. Hier ein Überblick über die verschiedenen Freilauf-Standards:
- Standard: Der klassische Freilauf ist noch immer an vielen Radnaben zu finden. Er nimmt alle 8-/9-/10-fach-Kassetten auf, zudem die 11-fach-Modelle von Shimano. Nicht passen alle Sram-11-fach- und 12-fach-Kassetten - mit Ausnahme der preiswerten NX-Eagle- Kassette.
- XD-Body: Mit Einführung der XX1-Gruppe (1x12) brachte SRAM auch einen neuen Freilauf, den XD-Body. Er ist seitdem Standard für alle SRAM-Kassetten mit kleinem 10er-Ritzel. Auch einige Fremdanbieter wie E13 oder Hope nutzen den XD-Freilauf.
- Micro Spline: Da es Shimano nicht übers Herz brachte, auf einen SRAM-Standard zu setzen (dennoch aber ein 10er-Ritzel verbauen wollte), benötigen die neuen Gruppen SLX, XT und XTR den neuen Micro-Spline-Freilauf. Der ist jetzt endlich auch bei fast allen Laufradherstellern erhältlich.
Alternativen und Ergänzungen
- Kurbeln von Fremdanbietern: Grundsätzlich ist es unserer Erfahrung nach aber kein Problem, eine Fremdkurbel mit 12-fach-kompatiblem Blatt zu fahren, die Kette läuft aber meist spürbar schlechter und lauter. Auch Shimano empfiehlt für beste Performance die hauseigenen Kurbeln, "verbietet" den Einsatz fremder Produkte aber nicht.
- Alternativ schalten: Es gibt sie: die breitbandige 2x12-Variante von SLX, XT und XTR mit Umwerfer und komplett neuem "Mono"-Hebel. Dieser funktioniert extrem intuitiv.
- Elektronisch: Auch SRAM war in diesem Jahr nicht untätig und brachte die neuen Eagle X01 AXS und Eagle XX1 AXS heraus. Diese beiden teuren, edlen Highend-Gruppen wechseln die Gänge nicht nur elektronisch mittels kleinem Servomotor am Schaltwerk, sondern auch noch kabellos. Der kleine Controller am Lenker sendet ein verschlüsseltes Funksignal. Des Weiteren lassen sich viele Funktionen der Schaltung per App individualisieren.
- Kompakt: Alle Welt schreit nach 12-fach - und was macht der kleine Schaltungshersteller BOX? Der setzt seine neue "Prime"-Gruppe nun auf 9-fach. Die Bandbreite passt dank 11-50 Zähnen an der Kassette dennoch. Die Vorteile sollen in der enormen Robustheit und Langlebigkeit liegen.
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