Shimano EP8 RS Leistungstest: Das Light-E-MTB im Detail

Der Shimano EP8 RS ist ein spezieller E-Bike-Motor, der vor allem in Light-E-Mountainbikes wie dem Orbea Rise zum Einsatz kommt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Test und Vergleich des Motors, wobei Leistung, Fahrgefühl, Geräuschentwicklung, Akku-Konzepte und Bedienelemente unter die Lupe genommen werden.

Der Shimano EP8 und EP801 im Überblick

Auch wenn man Shimano-Motoren in zahlreichen E-MTBs findet, so ist es um die E-Entwicklungen der Japaner etwas stiller geworden. Mit dem EP801 löst Shimano nun den bewährten Vorgänger EP8 ab. Das neue Modell basiert zwar auf dem bewährten Shimano EP8, wurde aber sowohl in Soft- als auch Hardware nochmals überarbeitet. So soll er nicht nur mehr Maximalleistung bieten, sondern auch über einen breiteren Trittfrequenzbereich mit hoher Leistung unterstützen.

Der Shimano EP8 schneidet in den verschiedenen aktuellen Tests immer wieder etwa auf Augenhöhe ab mit den Mittelmotor-Wettbewerbern Bosch CX Gen. 4, Yamaha PW-X2/X3 oder Brose Drive S Mag. Er ist mit seinen 85 Nm Drehmoment nominell genauso stark wie der Bosch CX Gen. Dazu ist der Shimano EP8 mit 2,6 kg der aktuell leichteste Mittelmotor und einer der kleinsten überhaupt, sofern wir von den Light-Motoren von Fazua, dem TQ HPR 50 oder dem Specialized SL mit ihren light-Drehmomenten bis maximal 60 Nm absehen.

Der EP801 RS kommt nur am Light-E-MTB Orbea Rise zum Einsatz. Die Hardware basiert auf einem normalen EP801 und unterscheidet sich mit Ausnahme des RS-Stickers nicht von den herkömmlichen Shimano-Motoren in anderen Bikes. Die Software hingegen drosselt das maximale Drehmoment von 85 auf 60 Nm - auch wenn man beim RS-Emblem im ersten Moment mehr Power erwarten würde.

Auch wenn wir die 630-Wh-Akkus als goldene Mitte für viele Anwendungsbereiche ansehen, so wäre eine größere Akku-Option aus dem Hause Shimano wünschenswert. An einigen Bikes mit Shimano Motor EP801 sind größere Akkus von Drittanbietern mit Kapazitäten jenseits der 700 Wh zu finden. Wer von einem EP8-Bike auf ein EP801-Bike umsteigt und den alten Akku im neuen Bike weiter verwenden will, sollte bedenken, dass diese nicht mehr kompatibel sind.

Technische Details des Orbea Rise H10

Das Rise H 10 von Orbea ist das Top-Modell der Baureihe, die als Schwestermodell zum leichten Carbon-E-MTB Rise fungiert, aber mit einem hydrogeformten Aluminiumrahmen ausgerüstet ist. Wie bei der leichteren (und teureren) Schwester wird das von uns getestete Modell auch durch den exklusiv von Orbea genutzten und zusammen mit Shimano entwickelten EP8-RS-Motor angetrieben, der auf 60 Nm maximales Drehmoment reduziert wurde.

Das Rise H 10 bringt eine Batterie mit 540 Wh mit, die fest eingebaut ist und im Unterrohr des E-Mountainbikes integriert wird. Wer mehr Kapazität möchte, kann sich einen Range Extender mitbestellen, der weitere 252 Wh ins System einbringt. Ein Display sucht man beim Orbea Rise H 10 vergebens, stattdessen verbauen die Basken das Shimano EW-EN100 Junction, welches als Schnittstelle zwischen Smartphone, Garmin und Antriebssystem dient und per LEDs den aktuellen Status signalisiert.

In Sachen Federung ist beim 2022er-Modell eine Fox 34 Float Gabel und der Fox Float DPS Dämpfer verbaut, beide in der Factory-Version und jeweils mit 140 mm Federweg. Auf den Race Face Turbine-Laufrädern sind Reifen von Maxxis aufgezogen, vorne der Dissector und hinten der Rekon, beide 2,4″ Zoll breit, hinten aber wenigstens mit stabilerer EXO+ Karkasse.

Fahrgefühl und Leistung auf dem Trail

Auf dem Trail zeigt sich das Rise H 10 dann sehr agil und auch verblockte Uphills mit engen Kurven konnten gut bewältigt werden. Die Unterstützung des Shimano EP8-RS wurde dabei als ausreichend gut empfunden. Man merkt zwar, dass die Leistung reduziert wurde, allerdings lässt einen der Antrieb nicht völlig im Stich. Für die Strapazen entschädigt hat uns das Orbea Rise H 10 dann mit seiner Performance im Downhill.

Auf der Jumpline zieht das Orbea Rise H 10 auch alle Register und lässt sich dank poppigen Fahrwerk leicht abziehen und je nach Lust und Laune auch in der Luft querlegen. Alles in allem hat Orbea mit dem Rise H 10 ein spaßiges E-Trailbike auf die Räder gestellt, welches sich zwar gerne der Klasse der Light-E-MTBs zugehörig fühlen möchte, dies aber nur in Sachen Motorleistung auch wirklich erfüllt.

Shimano EP801: Verbesserungen und Neuerungen

Auch wenn man beim Shimano Motor EP801 rein äußerlich keinen Unterschied zum Vorgänger namens EP8 erkennt, hat sich im Inneren viel getan. Nicht nur die komplette Elektronik wurde überarbeitet, auch die Maximalleistung steigt von 500 auf 600 Watt. Damit und mit seinen 85 Nm Drehmoment liegt er zumindest auf dem Papier mit dem Bosch Performance Line CX (Gen 4 und 5) gleichauf. In Sachen Gewicht ist der Shimano EP801 mit 2,7 kg genauso schwer wie sein Vorgänger und gehört damit zu den leichteren Full-Power-Motoren.

Der Shimano EP801 überzeugt auf dem Trail mit seinem gutmütigen Charakter. Auch im stärksten, dem Boost-Modus in der Standardeinstellung, lässt er sich gut dosieren und reagiert berechenbar. Als Fahrer erhält man immer die richtige Dosis an Unterstützungsleistung zurück, und auch Einsteiger mit einem unrunden Tritt werden von dem Motor nicht aus dem Sattel geworfen, denn der Motor kaschiert Kadenzschwankungen gekonnt und ist so für Anfänger intuitiv zu fahren.

Durch die Anhebung der Maximalleistung beim EP801 hat sich der Abstand mittlerweile verringert. Dennoch liefert der Japaner im Boost-Modus in der Praxis nach wie vor spürbar weniger Power als der Bosch Performance Line CX (Gen 4 und 5) mit den gleichen Eckdaten. Das zeigt sich auch im Labor, denn egal, bei welcher Trittfrequenz, die Shimano EP801-Leistungskurve verläuft immer etwas unterhalb der Bosch Performance Line CX-Leistungskurve (Gen 4).

Besondere Features des Shimano EP801

In Kombination mit der neuen Shimano XT Di2-Schaltgruppe hält der EP801-Antrieb einige clevere Features bereit. So ermöglicht es die Schaltgruppe wie bei der Pinion MGU E1.12 Motor-Getriebe-Einheit, mit der FREE SHIFT-Funktion die Gänge zu wechseln, ohne gleichzeitig pedalieren zu müssen. AUTO SHIFT erkennt Fahrszenarien selbständig und wählt dann automatisch den richtigen Gang. Gerade für schaltfaule Tourenbiker ist das eine coole Option.

Vor- und Nachteile des Shimano EP801

Der Shimano Motor EP801 ist zwar keine Revolution, sondern vielmehr eine sinnvolle Evolution. Er überzeugt in der Praxis mit gutmütigem Charakter, der Anfänger nicht überfordert und reduziert die Lücke zum Bosch Performance Line CX, kann aber mit der Power der stärksten im Test nicht mithalten. Das Motorsystem komplettiert das breite Angebot an Displays, Remotes und Akkus, in dem auch Drittanbieter eigene Produkte beisteuern und die Auswahl für die Bike-Hersteller und letztendlich den Kunden nochmals vergrößern. Nur die Klappergeräusche in der Abfahrt trüben den guten Gesamteindruck.

Der EP8 RS im Detail

Der Orbea EP8 RS ist Hardware-seitig identisch mit dem klassischen Shimano EP8. Gewichtstechnisch hat er gegen die exklusiv als Light-Antrieb konzipierte Konkurrenz also klar das Nachsehen. Mindestens 600 Gramm muss man für das Aggregat draufzählen. Dafür ist der Motor mit exklusiver Orbea-Software verhältnismäßig kräftig und robust. Mit ordentlicher Leistung, kräftigem Drehmoment und großem Akku kann der EP8 RS fast mit klassischen E-MTB-Motoren mitfahren. Das Systemgewicht ist allerdings entsprechend hoch und liegt deutlich über dem der anderen Light-Kandidaten unseres Vergleichstest.

Akkukonzepte des EP8 RS

Aktuell hat Orbea drei E-Mountainbikes mit EP8 RS im Portfolio. Alle setzen dabei auf einen fest verbauten Akku im Unterrohr, der durch einen Range Extender im Trinkflaschenformat aufgestockt werden kann. Das Top-Fully Rise M mit Carbonrahmen ist auf Gewicht getrimmt, drum sitzt hier ein 360-Wattstunden-Akku drin. Das günstigere Alu-Modell Rise H kommt mit größerem 540er-Akku und damit beachtlicher Reichweite.

Fahrgefühl und Kraftentfaltung

Seine volle Leistung ruft der EP8 RS beim Orbea im Grund-Setup des Turbo-Modus schon bei geringem Fahrer-Input ab. Dadurch fühlt sich der Motor in der Praxis sogar noch etwas kräftiger an, als es die Laborwerte vermuten lassen. Im Vergleich der Leicht-Klasse ist die Kraftentfaltung schon bei niedriger Trittfrequenz gut. Das erleichtert technische Anstiege und Schlüsselstellen.

Im Turbo-Modus fehlt dem EP8 RS allerdings, ähnlich wie dem klassischen EP8, die Spritzigkeit. Denn bei sehr hohen Kadenzen bricht die Power etwas ein. Das fällt besonders beim sportlichen Beschleunigen oder beim Schwung holen für kurze Steilstücke negativ auf. Im Trail-Modus wird das Fahrgefühl deutlich harmonischer. Über die E-Tube-App kann man auch den Turbo-Modus dynamischer einstellen und so die Motor-Power besser an den Fahrer-Input koppeln. Aus unserer Sicht macht das bei einem sportlichen Light-Bike absolut Sinn.

Labortest des EP8 RS

Unsere Labormessungen auf dem Rollenprüfstand von PT Labs bescheinigen dem Orbea EP8 RS eine maximale Leistung von 339 Watt und ein Drehmoment von 56 Newtonmetern. Im Light-Vergleich steht der Motor damit gut im Saft. In der Praxis fühlt sich der Antrieb sogar noch etwas kräftiger an.

Seine volle Leistung ruft der EP8 RS schon bei geringen Trittfrequenzen ab und hält sie über ein großes Drehzahlband konstant. Bei sehr hohen Kadenzen über 100 bricht die Leistung allerdings ein. Dieses Phänomen zeigt sich nicht nur im Labortest, sondern ist auch in der Praxis spürbar - wenn auch nicht gar so drastisch wie beim klassischen EP8.

Dauerlast-Betrieb

Wenn ein Light-Antrieb dafür prädestiniert ist, dann ist es definitiv der EP8 RS. Logisch, schließlich ist das Aggregat hardwareseitig auf deutlich höhere Belastungen (nämlich die 85 Nm des EP8) ausgelegt. Entsprechend unbeeindruckt zeigt sich der Orbea-Antrieb von harten Dauerbelastungen. Auch Dauer-Turbo-Fahrer werden mit diesem Motor keine Probleme bekommen. Weiterer Pluspunkt: Mit 540 Wattstunden bietet Orbea den größten Akku im Light-Segment.

Geräuschentwicklung

Die gute Nachricht vorne weg: Der Motor-Sound des EP8 RS ist klar leiser als der des klassischen EP8. Diese Erkenntnis haben wir bei jedem Orbea-Testbike erlangt, das wir bisher mit dem RS-Antrieb gefahren sind. Das Antriebsgeräusch ist zudem eher tieffrequent und gleichmäßig, dadurch wird es von den meisten Testern als wenig unangenehm beschrieben.

Die schlechte Nachricht: Das Getriebeklappern, das alle EP8-Motoren haben, konnte auch Orbea dem RS nicht austreiben. Heißt: Beim Überrollen von Hindernissen klappert das Getriebe metallisch. Trail-Abfahrten werden von einem permanenten Klackern begleitet. Ein wirklich leises Bike mit EP8 RS gibt es also leider nicht.

Bedienelemente

Die Bedienelemente des Orbea-Antriebs stammen komplett aus Shimanos Steps-Linie und sind altbekannt. Wahlweise gibt’s die Bikes der Spanier mit gut geschütztem, unauffälligem Display hinter dem Lenker oder minimalistischer Drahtloseinheit. Das können Kunden über den guten MyO-Konfigurator auf der Orbea-Homepage selbst wählen.

Der Steps-Bedienhebel ist schlicht und top-funktional und deswegen in der EMTB-Testredaktion beliebt. Gleiches gilt für die übersichtlichen Shimano-Displays, die bei Stürzen gut geschützt sind. Hier vermissen wir lediglich eine prozentgenaue Akku-Anzeige. Der Batteriestand wird über fünf Balken nur recht grob angezeigt.

Apps

Shimanos E-Tube-App war eine der ersten Apps, die die individuelle Justierung der Fahrmodi ermöglichte. Beim Orbea EP8 RS funktioniert alles genauso wie beim klassischen EP8. Die Logik hinter den Einstellungen und der Einfluss auf die Unterstützung ist allerdings nicht so klar wie bei anderen Apps.

Eine weitere Möglichkeit, Daten vom RS-Antrieb anzeigen zu lassen, ist die Garmin-App “Orbea RS Toolbox”. Damit lassen sich auf Garmin-Geräten mehr Informationen aus dem Steps-System herauskitzeln. Unter anderem auch eine Akku-Anzeige in Prozent. Leider kommt es bei der Installation dieser App häufig zu Problemen.

Vergleich mit anderen Light-E-MTB Motoren

Die Hersteller gehen bei diesen Sparmaßnahmen unterschiedlich drastisch vor. Selten waren die Differenzen in einem Motorentest so deutlich. Batterien zwischen 250 und 540 Wattstunden und obendrein große Schwankungen bei Leistung und Gewicht. So finden sich im Test Antriebe, die durchaus klassischen E-MTBs Konkurrenz machen können. Am anderen Ende liegen minimalistische Ansätze, die eher Biker ansprechen, die sich ein klassisches Mountainbike mit eingebautem Rückenwind wünschen. Welcher Motor der Beste ist, hängt bei der Light-Klasse also mehr denn je vom Einsatzbereich und den persönlichen Vorstellungen ab.

Gewichte im Vergleich

Wir haben alle E-Bike-Motoren und Akkus ausgebaut und gewogen. Das macht unsere Werte perfekt vergleichbar. Um die Gewichte in Relation zu setzen, haben wir die Werte eines Bosch Performance CX Smartsystem mit aufgeführt. Der Vergleich zeigt: Das Systemgewicht ist am meisten von der Akku-Kapazität abhängig. Maxon setzt sich mit Mini-Batterie an die Spitze. Die Gewichte der E-Bike-Motoren liegen sehr nahe beieinander, einzig Orbeas EP8 RS ist deutlich schwerer als die Konkurrenz. Boschs Smart-System mit Powertube 750 liegt 1,9 bis 3,9 Kilo über den Light-Systemen.

Tabelle: Gewichte der E-Bike Motoren und Akkus im Vergleich

Motor Motor Gewicht Akku Gewicht System Gewicht
Maxon Bikedrive Air 2,02 kg 1,43 kg (242 Wh) 3,45 kg
TQ HPR 50 1,89 kg 1,85 kg (360 Wh) 3,74 kg
Specialized SL 1.1 1,95 kg 1,84 kg (320 Wh) 3,79 kg
Forestal F60-S1 2,03 kg 1,9 kg (360 Wh) 3,93 kg
Fazua Ride 60 2,02 kg 2,22 kg (432 Wh) 4,24 kg
Orbea EP8 RS 2,65 kg 2,78 kg (540 Wh) 5,43 kg
Bosch Perf. CX 2,96 kg 4,35 kg (750 Wh) 7,31 kg

Fazit

„Standfest, kräftig, reichweitenstark: Das RS-System von Orbea schließt die Lücke zwischen minimalistischen Light-Antrieben und der Power-Klasse. Insbesondere mit dem großen 540er-Akku ist das System reichweitenstark und ausdauernd - Zielgruppe und Einsatzbereich sind damit größer als bei den meisten anderen Light-Antrieben, vorausgesetzt der fest eingebaute Akku stört nicht. Nachteile: hohes Systemgewicht und Klappern in der Abfahrt. Mit dem Rise M (360 Wh) zeigt Orbea, dass man auch mit dem verhältnismäßig schweren System konkurrenzfähig leichte E-Bikes bauen kann.”

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