Shimano XT Bremse Nachrüsten: Eine Anleitung

Vor allem im Bereich der Mountainbike-Fahrer muss man sich auf das Thema Bremsen verlassen können! Die Scheibenbremsen müssen enorm zuverlässig, leistungsfähig, präzise und somit sicher sein! Wer mit seinem MTB im Offroad-Bereich unterwegs ist, verlangt den MTB-Bremsscheiben von Shimano einiges mehr ab, als im City- oder Trekkingbereich.

Shimano-Scheibenbremsen (Disc Brakes) haben eine deutliche höhere Bremswirkung als herkömmliche Felgenbremsen. Noch dazu gelten diese als extrem zuverlässig und sind außerdem wartungsarm. Heutzutage sind die Scheibenbremsen von Shimano bei guten neuen Fahrrädern bereits standardmäßig verbaut.

Wer nicht von Haus auf die Shimano Disc Brakes vertrauen kann, hat oftmals die Möglichkeit diesen beliebten Geschwindigkeitsreduzierer entsprechend nachzurüsten, sofern die Voraussetzungen am Fahrrad dies zulassen. Schauen Sie nach, ob Ihr Fahrrad an der Federgabel und am Hinterbau des Fahrradrahmens Discaufnahmen hat. Ebenso müssen am Hinterbau und am Oberrohr eine Bremsleistungsführung vorhanden sein.

Wenn Ihr geliebter Drahtesel über diese Komponenten verfügt, können Sie hier durchaus Shimano Scheibenbremsen nachrüsten. Wenn dem nicht so ist, müssen die entsprechenden Bauteile ausgetauscht werden, denn einzelne Aufhängungen sind nicht erhältlich. Machen Sie eine Kostenaufstellung und prüfen, ob es sich lohnt aufzurüsten - sowohl von den Kosten als auch vom Zeit-/Arbeitsaufwand her oder ob es ggf.

Wichtig ist, dass Sie die neuen Shimano-Bremsen immer genauestens nach der Hersteller-Anleitung von Shimano einbauen und sich dabei an die Vorgaben halten. Es gibt keine allgemeine Anleitung, da jeder Hersteller hier andere Vorgaben hat. Starten Sie mit der Scheibenbremsen-Montage auf der Fahrradnabe. Beachten Sie dabei unbedingt die Laufrichtung, welche meist mit einem kleinen Pfeil angegeben ist.

Wenn Sie nun die neue Bremsscheibe von Shimano auf die Nabe legen, achten Sie unbedingt auf die korrekte Laufrichtung. Shimano legt bei dem Bremsscheiben-Set spezielle Schraubensicherungen dazu. Nun die Schrauben soweit eindrehen, dass sich die Bremsscheibe noch ohne weitere Anstrengung bewegen lässt. Die Schrauben werden danach über Kreuz (!) leicht festgezogen.

Wenn Sie nun die Schrauben abschließend Anziehen, halten Sie dabei unbedingt die Herstellervorgaben zum optimalen Drehmoment ein! Die Centerlock Bremsscheibe von Shimano wird erst einmal auf den Nabenkörper positioniert. Dabei unbedingt die richtige Laufrichtung beachten.

Befestigen Sie dann die mitgelieferten Adapter nach der Shimano-Anleitung am Fahrradrahmen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht ausversehen den vorderen mit dem hinteren Adapter vertauschen. Ggf. Nun bringen Sie die Bremshebel am Fahrradlenker an und verlegen die Bremsleitungen.

Entfernen Sie dann die Transportsicherungen an den Bremsbelägen und GANZ WICHTIG: Betätigen Sie den Bremshebel NICHT! Herzlichen Glückwunsch!

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Montage

Hebelmontage

  1. Richtige Position: Schieben Sie den Bremshebel zwischen Schalthebel und Griff auf den Lenker. Bei einigen Bremsen (z. B. The Cleg) empfiehlt es sich, Bremse und Schalter umgekehrt zu positionieren.
  2. Richtiger Winkel: Nachdem Sie den Lenkergriff montiert haben, stellen Sie den Bremshebel so ein, dass Ihre ausgestreckte Hand bei gewohnter Sitzposition leicht nach oben abknickt.
  3. Hebelweite/Druckpunkt: Via Madenschraube oder Stellrad (z. B. Shimano) stellen Sie die Hebelweite ein. Im Moment, wenn der Druckpunkt voll greift, sollte der Hebel parallel zum Lenker stehen.
  4. Abstand vom Griff: Um den Hebel mit einem Finger betätigen zu können (s. Bild 3), müssen Sie die Befestigungsschelle nach innen schieben. Als Maß dienen je nach Bremse ein bis zwei Finger.

Bremssattel und Scheibe

  1. Sattel anbringen: Setzen Sie, falls nötig, erst den passenden Adapter (s. Bild 10), dann den Bremssattel auf die Bohrungen an Gabel oder Rahmen. Schrauben leicht reindrehen, nicht anziehen!
  2. Disc montieren: Ziehen Sie die sechs Torx-Schrauben "über Kreuz" an. Heißt: Sie drehen eine leicht an, dann die gegenüberliegende. Weiter im Uhrzeigersinn und schließlich fest (ca. 5 Nm) ziehen.
  3. Centerlock: Centerlock-Discs können nur an speziellen Naben montiert werden. Dazu nehmen Sie das Kassetten-Werkzeug und ziehen den großen Schraubring (40 Nm) fest.
  4. Der noch lockere Sattel richtet sich nun aus und kann danach fest angezogen werden.
  5. Spaltmaß begutachten: Schleift die Disc? Dann blicken Sie zwischen die Beläge, lösen eine Schraube leicht und drücken den Sattel mit Fingerspitzengefühl in die perfekte Position. Anziehen, fertig.

Je nach Rahmen, Gabel und gewünschter Scheibengröße benötigen Sie unterschiedliche Adapter. Der Pfeil verrät die Montagerichtung, die oft kryptische Bezeichnung das Maß.

Leitung Kürzen

  1. Leitung lösen: Ziehen Sie die Gummistulpe, die die Sechskantschraube abdeckt, ab und lösen Sie die Schraube mit einem 8-mm-Maulschlüssel. Vorsicht: austretende Bremsflüssigkeit auffangen.
  2. Länge festlegen: Die Leitungslänge sollten Sie im Optimalfall so wählen, dass diese bei vollem Lenkeinschlag noch etwas Spiel hat. Markieren Sie die Stelle mit Daumen und Zeigefinger.
  3. Leitung kappen: Für die Montage ist ein gerader Schnitt wichtig. Nehmen Sie ein scharfes Teppichmesser, legen Sie die Leitung auf einen Holzblock und schneiden Sie das Ende im 90°-Winkel ab.
  4. Montage-Kit: Schieben Sie die Stulpe und die Überwurfmutter auf die Leitung, dann den Schneidring ("Olive"). Jetzt treiben Sie die Stützhülse mit einem Hammer bis zum Anschlag in die Leitung.
  5. Leitung ansetzen: Drücken Sie die Leitung samt Schneidring in die Gewindeöffnung am Bremshebel und drehen Sie die Mutter anschließend von Hand in das Gewinde.
  6. Festziehen: Nach dem Anziehen der Mutter (ca. 5 Nm) darf sich die Leitung nicht aus dem Hebel ziehen lassen.

Austausch der Bremsanlage

Durch den Tausche der Bremsanlage wollte ich den letzten Schmerzpunkt beseitigen, den ich mit der herstellerseitigen Ausstattung noch hatte. Natürlich ist es etwas überzogen, die Shimano Deore Bremsen an meinem Trekkingrad als „Schmerzpunkt“ zu bezeichnen. Denn sie wären vermutlich jederzeit dazu in der Lage, das Rad inkl. mir als Fahrer abzubremsen - und das auch absolut zuverlässig und ausreichend.

Hersteller müssen zwischen ihren verschiedenen Modellen sinnvolle Abstufungen bei der Auswahl der eingesetzten Komponenten vornehmen. Nur so können sie zu den Preisvorstellungen von verschiedenen Fahrern die passenden Bikes anzubieten. trotzdem komme ich nicht so recht damit zurecht, wenn an einem 3000 EUR Fahrrad nicht mindestens ein vergleichbar hochwertiges Bremssystem wie die Shimano Deore XT Bremse montiert wurde. Besonders auffällig wird es in dem Segment der E-Bikes, die oftmals nur noch mit Shimano BR-MT200 oder BR-MT400 Scheibenbremsen ausgestattet sind.

Im Grunde funktioniert der Wechsel bei fast allen Fahrrad-Modellen auf die gleiche Art und Weise. Und weil es bereits sehr viele Anleitungen und Tutorials darüber gibt, wie die notwendigen Arbeiten am Bike durchzuführen sind, habe ich mich dagegen entschieden, noch eine weitere Anleitung zu schreiben und hier zu posten.

Wie bereits beschrieben, waren an meinem Stevens C12 lite Trekkingrad Shimano Deore BR-M6000 Bremssättel mit BL-M6000 3-Finger Bremshebeln montiert. Das Set für Vorder- und Hinterrad ist für 115,00 EUR zu bekommen. Wer diese verkaufen möchte bekommt auf den bekannten Auktionsplatformen in neuwertigem Zustand ca. 80 EUR dafür. Wenn man Ein- und Ausgaben miteinander verrechnet, kostet das Update somit um die 200 EUR für die Bremssättel Version mit 4-Kolben.

Das Stevens Bike hat außen am Rahmen verlegte Züge. Das sieht zwar nicht so schön clean aus, wie bei Rahmen mit innenverlegten Zügen, dafür ist ein Wechsel der Züge oder Bremsschläuche bedeutend einfacher und geht entsprechend schneller von statten. Ein weiterer Vorteil ist, dass man bei der Demontage der gesamten Bremsanlage die Bremsleitungen nicht lösen muss.

Obwohl der Wechsel der Bremsanlage aus meiner Sicht keine Raketenwissenschaft ist, möchte ich dennoch davor warnen, Veränderungen an sicherheitsrelevanten Teilen vorzunehmen. Wenn man keine Ahnung davon hat und nicht genau weiß was man tut, kann das auch ins Auge gehen. Wer sich sein Wissen auf Youtube angeeignet hat, sollte sich auch dessen bewußt sein und selbst einschätzen, ob man sich die Arbeiten zutraut oder nicht.

Auf keinen Fall kann man am Ende jemand anderen dafür verantwortlich machen, wenn man solche Arbeiten nicht einer Fachwerkstatt überlassen hat. Wer sich trotzdem an den Wechsel herantrauen will, sollte sich mit dem Entlüften der Scheibenbremse vertraut machen. Das dürfte der schwierigste Arbeitsschritt sein, denn darüber hinaus sind nur noch ein paar Schrauben zu lösen und wieder anzuziehen. Außerdem möchte ich noch erwähnen: Wer vorschnell die alten innenverlegten Leitungen aus dem Rahmen gezogen und kein spezielles Einziehwerkzeug zur Hand hat, kann sich schon mal darauf einstellen, dass die Montage der neuen Bremsleitung einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Shimano XT Bremsen fahre ich schon ewig. Sogar mein erstes Mountainbike hatte schon Shimano XT Bremsen. Ich habe daher bis auf ein paar Fahrten mit Avid Elixir Bremsen kaum Erfahrungen mit anderen Bremssystemen. Mit Shimano XT Bremsen kenne ich mich aber ziemlich gut aus und habe sie über viele Jahre als sehr zuverlässig und wartungsarm zu schätzen gelernt. Meine guten Erfahrungen damit waren sicher ausschlaggebend für die Entscheidung, diese auch wieder am Stevens C12 lite fahren zu wollen.

Vergleich: Shimano Deore vs. Shimano Deore XT

Grundsätzlich ist es etwas unfair, einen 2 Kolben Bremssattel mit einem 4 Kolben Bremssattel zu vergleichen. Vor allem, da es die Shimano Deore Bremse mit dem Modell BR-M6100 auch als 4 Kolben Version gibt. Allerdings hab ich diese Bremse herstellerseitig noch nie an einem Fahrrad verbaut gesehen, immer nur das 2 Kolben Modell. Es ist daher wahrscheinlicher, diese Bremse gegen eine Hochwertigere ersetzen zu wollen.

Der Hauptsächliche Unterschied der Shimano Deore XT Bremse ist die schnellere und höhere Kraftübertragung. Durch die 2 zusätzlichen Kolben wirken die Kräfte zudem gleichmäßiger auf der gesamten Auflagefläche des Bremsbelages.

Der Deore Bremssattel hat einen geraden Bremsleitungs-Anschluss, während die Richtung des Anschlusses des Deore XT Bremssattels angepasst werden kann um die Bremsleitung bestmöglich am oder im Rahmen verlegen zu können. Das kann unter Umständen ein Vorteil sein, allerdings kenne ich bislang nur Rahmen bei denen die Zuführung der Bremsleitung zur Bremse gerade verläuft. Eine Anpassung der Zuführung wird daher nur sehr selten erforderlich bzw.

Nicht außer Acht zu lassen ist auf jeden Fall die bessere Optik des Deore XT Bremssattels. Er ist hochglänzend in dunkel-grau metallic lackiert und hebt sich dadurch deutlich mehr an schwarzen Fahrradrahmen ab, wie die schwarz lackierte Deore Bremse. Das zwei zusätzliche Kolben eingebaut sind, kann man dem Gehäuse des Bremssattels äußerlich ansehen, wodurch die Bremse insgesamt wuchtiger wirkt. Den letzten Schliff geben dann die Bremsbeläge, die bei der Deore XT Bremse bereits Kühlrippen besitzen. Allerdings gibt es auch für den Deore Bremssattel passende Beläge mit Kühlrippen.

Die ursprünglich an meinem Rad verbauten, BL-T6000 3 Finger Bremshebel wurden durch den Umbau ja ebenfalls durch die entsprechenden Hebel der 8100er Produktserie, nämlich den BL-T8100 Bremshebeln ersetzt. Die Unterschiede sind aber wirklich kaum der Rede wert. Der Deore XT Hebel ist geringfügig leichter. Ansonsten lesen sich die Spezifikationen fast identisch. Beide Hebel besitzen I-SPEC-II kompatible Befestigungsschellen, und besitzen eine Schraube, mit sich die Griffweite werkzeuglos einstellen läßt.

Die 3-Finger Version des Deore XT Hebels bietet nicht die Möglichkeit den Leerhub zu verändern, so wie es bei dem 2-Finger Hebel BL-M8100 der Fall ist.

Bei allen Scheibenbremsen ist wichtig, die Bremsbeläge zunächst einzubremsen. Dadurch erhöht sich die Bremswirkung noch mal deutlich. Das Einbremsen funktioniert so, dass man ca. 20 Mal aus normalem Fahrtempo bis zur Schrittgeschwindigkeit herunterbremst.

Wenn alles funktioniert hat, sollte das Endergebnis so wie auf den folgenden Bildern aussehen.

Ich kann aber jetzt schon sagen, dass die Bremswirkung erheblich hoher ist, als mit der originalen Shimano Deore Bremse. Vermutlich wird man auch mit der 2 Kolben Version am Trekkingrad gut auskommen. Die 4-Kolben Bremse wurde ja eigentlich für schwere Räder wie z.B. E-Bikes mit Gewichten zwischen 20-30 kg entwickelt. Trotzdem läßt sich die Bremskraft auch für mein Rad gut dosieren. Ein Fehlkauf war es daher nicht.

Fahrrad fahren macht Spaß - kann aber auch gefährlich sein. Daher ist es umso wichtiger, dass Thema Sicherheit immer im Focus zu haben.

Wie in allen anderen Bereichen des täglichen Gebrauchs, wird auch im Fahrrad-Segment durch die Hersteller die Produktlinie weiterentwickelt und verbessert. Daher ist es für den „User“ nicht leicht ständig am Ball der Zeit zu sein. Ein Fahrrad ist wie ein Auto kein Gegenstand, den man mal fix alle ein zwei Jahre austauscht, um auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben. Wer mit seinem Fortbewegungsmittel zufrieden ist und es gut in Schuss hält, muss dieses nicht innerhalb kürzester Zeit ersetzen.

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