Die Bremsscheibe ist ein essentielles Bauteil jeder Bremsanlage und der Reibpartner des Bremsbelags. Doch Bremsscheibe ist nicht gleich Bremsscheibe. Sie unterscheiden sich in Durchmesser, Stärke, Material und Form. Alle diese Faktoren beeinflussen die Bremseigenschaften deines Rades.
Materialien und Bauweise von Bremsscheiben
Man unterscheidet zwischen einteiligen und zweiteiligen (floating) Bremsscheiben. Die Reibfläche jeder Bremsscheibe (bis auf sehr wenige Ausnahmen) ist aus Edelstahl. Einteilige Bremsscheiben sind komplett aus Edelstahl und in einem Stück gefertigt. Zweiteilige Bremsscheiben haben in der Regel einen Spider aus Aluminium, der Reibring ist aus Edelstahl. Hintergrund für die zweiteilige Bauweise ist zum einen die geringe Dichte von Aluminium, somit wird eine Reduzierung des Gesamtgewichts erzielt, zum anderen hat Aluminium eine höhere Wärmeleitfähigkeit als Edelstahl und fördert die Kühlung der Bremsscheibe.
Einfluss des Durchmessers auf das Bremsverhalten
Der Durchmesser der Bremsscheibe beeinflusst das Bremsverhalten unter allen genannten Aspekten am stärksten. Je größer der Durchmesser der Bremsscheibe umso größer ist die Bremskraft, da der Hebelarm durch die Verwendung einer größeren Bremsscheibe größer wird, und sich somit das Kräfte - Übersetzungsverhältnis ändert. Eine größere Bremsscheibe begünstigt zudem die Kühlung der Bremsanlage, da die Bremsscheibe eine größere Oberfläche hat und aus mehr Material besteht.
Stärke der Bremsscheibe und Kompatibilität
Mittlerweile haben Bremsscheiben eine Stärke von ca. 1,6 mm bis sogar 2,3 mm. Die Stärke spielt damit bei der Kompatibilität neuerdings auch eine Rolle. Dank automatischer Belagnachstellung können auch schmale Scheiben verwendet werden bei Bremssystemen, deren originale Scheiben eine Stärke von beispielsweise 2,0 mm haben. Je dünner die Bremsscheibe, umso leichter ist Sie tendenziell, allerdings werden Sie aufgrund des geringen Materialeinsatzes auch schneller heiß.
Kühlung und Design der Bremsscheiben
Verallgemeinert kann man sagen, dass die Ausschnitte in der Reibfläche günstig für die Kühlung der Scheibe sind. Sie reduzieren das Gewicht und reißen die oberste Schicht des Bremsbelages wieder auf und verhindern so ein Verglasen des Belages.
Befestigung der Bremsscheiben
Üblicherweise werden Bremsscheiben mit 6 Linsenkopfschrauben (M5x10 bis M5x15 je nach Stärke der Scheibenbremsaufnahme) befestigt (6-Loch Standard). Wenige spezielle Naben gibt es mit 3-Loch, 4-Loch oder 5-Loch Befestigung, hierfür sind spezielle Bremsscheiben nötig. Des Weiteren ist die Centerlock Befestigung eine gängige Befestigungsmöglichkeit. Hier hat die Bremsscheibe eine zur Nabe passende Verzahnung und wird mit nur einer Mutter gesichert. Bei der Wahl des richtigen Verschlussrings ist zu beachten, dass Verschlussringe mit Innenverzahnung in der Regel nur bei Schnellspann- und Steckachsnaben bis 12 mm zu verwenden sind. Ist Deine Nabe für 15 oder 20 mm ausgelegt wie heutzutage an der Gabel im MTB-Bereich üblich brauchst Du einen Verschlussring mit Außenverzahnung.
Auswahl der richtigen Bremsscheibe
Grundsätzlich gilt: Am Hinterrad kann die Bremsscheibe im Vergleich zu vorne eine Größe kleiner ausfallen, da am Vorderrad ca. 2/3 der Bremskraft übertragen werden können, am Hinterrad nur ca. 1/3. Wer viel am Hinterrad bremst oder die Bremse gerne schleifen lässt wählt die gleiche Scheibengröße wie am Vorderrad. Je nach Einsatzbereich und Anspruch wählst Du die passende Scheibe. Für dein leichtes XC Bike ist jedes Gramm wichtig und Du bist technisch versiert? Dann wählst Du Scheiben mit 160 mm / 160 mm oder 160 mm / 140 mm (VR / HR) Durchmesser mit geringer Stärke und kleiner Reibfläche. Für dein All-Mountain Bike wählst Du Scheiben mit 180 mm/ 160 mm Durchmesser mit etwas größerer Reibfläche und Stärke oder 203 mm / 180 mm mit kleiner Reibfläche. Für Enduro oder Freeride Bikes empfiehlt sich die Kombination von 203 mm / 180 mm Durchmesser. Da Performance und Standfestigkeit hier eine größere Rolle spielen solltest Du hier auf Bremsscheiben mit großer Reibfläche und mehr "Fleisch" setzen. Zudem empfiehlt es sich für schwere Fahrer die Scheiben eine Nummer größer zu wählen. Auch wer viel in technisch anspruchsvollem Gelände fährt oder die Bremsanlage zeitweise stark beansprucht wählt die Bremsscheiben eine Nummer größer oder greift auf ein robusteres Modell zurück.
Verschleiß und Mindeststärke von Shimano XT Bremsscheiben
Um den Verschleiß an den Fahrrad-Bremsscheiben korrekt zu messen, benötigt man einen Messschieber. Ohne geht es kaum. Bei SHIMANO-Bremsscheiben gibt es beispielsweise eine 1,5 Millimeter-Grenze. Die Bremswirkung ist bei heruntergefahrenen Bremsscheiben deutlich gemindert. Das ist auch ein Sicherheitsrisiko. Bei SHIMANO ist es z.B. Die haben normalerweise 1,8 mm, diejenigen anderer Hersteller 2,0 mm. Mindestdicke gibt Shimano mit 1,5 mm an. Die Magura Storm HS mit ihrer 2mm Stärke dürfen gegenüber der Shimano mit 1,8mm Stärke auch nicht bis auf 1,5mm sondern nur bis 1,65mm verschlissen werden.
Austausch der Bremsscheibe
Spätestens wenn die Mindestdicke erreicht ist, solltest Du Deine Bremsscheibe wechseln. Allerdings halten gute Bremsscheiben wie welche von SHIMANO deutlich länger als die Bremsbeläge. Diese muss man meistens nach ein paar tausend Kilometer wechseln. Um die Bremsscheibe vom Rad abzuziehen, benötigt man spezielles Werkzeug.
Lebensdauer von Bremsscheiben
Eine allgemeine Empfehlung ist hier schwierig, da es viel auf das Fahrverhalten und Bremsverhalten des Fahrers oder der Fahrerin ankommt. Man kann sagen, dass es zwischen 3.000 und 25.000 Kilometern liegt. Wenn man auf der Ebene fährt, bremst man naturgemäß weniger als wenn man viel in den Bergen ist und dann viel bergab fährt. Und ja, je nach Einsatzbedingungen variert die Lebensdauer der Scheiben enorm.
Besondere Hinweise zu Ice Tech-Scheiben
Wenn es lange halten soll sind Ice Tech-Scheiben m.e. nicht erste Wahl. Bei den Sandwich-Scheiben mit Alukern muss man halt vorsichtiger sein weil irgendwann das Alu hervorkommt. Dabei wird der Vollstahl garantiert nicht so gefährdend sein wie der noch hauptsächlich verbleibende Alukern bei den Shimanos, der bei langen Abfahrten vielleicht schon wellig wird...
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