Die Frage, welche Schaltung die beste Leistung und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, beschäftigt viele Biker. In diesem Artikel vergleichen wir die 1x12-Schaltungen von Shimano und SRAM, um herauszufinden, wer die Nase vorn hat. Ist es am Ende nur eine Frage des persönlichen Geschmacks?
Shimano gegen SRAM: Eine Dekaden alte Rivalität
Die "Fehde" zwischen Shimano und SRAM ist fast zwei Jahrzehnte alt. Anfangs, in der 3x9-Ära, war es vor allem eine Geschmacksfrage. Shimano überzeugte mit feinem Satinfinish, sanften Gangwechseln und gedeckten Silbertönen, während SRAM mit glänzendem Chromfinish, knackigen Gangwechseln und auffälligen Farben punktete. Trotz vieler SRAM-Fans dominierte Shimano, auch in der folgenden 2- bzw. 3x10-Epoche.
SRAMs Revolution mit 1x11
Mit der Einführung der 11-fach-Schaltungen wagte SRAM Revolutionäres: ein Kettenblatt statt zwei oder drei, kein Umwerfer, kein zweiter Schalthebel - ein Konzept, das XC- und Enduro-Rennfahrer begeisterte. Tourenbiker standen dem jedoch ablehnend gegenüber, da Shimanos 2x11-Gruppen in Sachen Bandbreite deutlich überlegen waren. Erst mit den Eagle-Gruppen vor fünf Jahren wendete sich das Blatt, da SRAM nun genügend Bandbreite für alle Biker bot. Zudem führte SRAM die Eagle-Technik nach und nach auch in attraktiven Preisbereichen ein.
Shimanos Antwort: SLX und XT mit 1x12
Die erste Antwort des japanischen Riesen, die teure Shimano-XTR-Gruppe mit 1x12 und 2x12 Gängen im Jahr 2018, hatte mit extremen Startschwierigkeiten zu kämpfen. Doch jetzt schlägt Shimano zurück! Die neuen, erschwinglichen "Volksgruppen" SLX und XT kommen à la Eagle in einer Variante mit 1x12 Gängen und bieten dank 10-51er-Kassette sogar noch mehr Bandbreite als Sram (10-50 bzw. 11-50 Zähne). Wer noch mehr Vielfalt benötigt, kann eine 2x12-Variante wählen.
Für einen fairen Vergleich wurden die 1x12-Varianten von SLX und XT den bewährten SRAM-Gruppen NX Eagle und GX Eagle gegenübergestellt. Preis und Gewicht liegen eng beieinander. SLX und NX kosten fast gleich viel, wobei die SLX leichter ist. XT und GX wiegen fast das Gleiche, hier ist die GX etwas preiswerter. Auch in Sachen Optik und Haptik sind die Unterschiede nicht groß, die Shimano-Schaltungen agieren sogar etwas knackiger als die SRAM-Pendants.
Shimano SLX (M7100)
Die Shimano SLX kam zeitgleich mit der neuen XT auf den Markt. Optisch und technisch ist sie auf dem neuesten Stand, etwa dank der großen 10-51er-Kassette, die dieselbe Bandbreite wie bei der Shimano XT bereitstellt und damit den direkten Konkurrenten Sram NX Eagle (11-50 Zähne) um über 50 % Bandbreite abhängt! Auch das Gewicht ist um rund 180 g geringer als bei der NX. Im Vergleich zur XT läuft das System etwas rauer, und der Gangwechsel läuft minimal träger ab. Beim Schalten unter hoher Last ächzt die SLX, führt den Schaltbefehl jedoch problemlos und präzise aus.
Der SLX-Schalthebel ist einfacher gehalten als der der XT, ohne Gummibeschichtung und "Multi-Shift"-Funktion am kleinen Hebel. Es lässt sich also nur ein Ritzel auf einmal nach unten wechseln. Auch können nur drei Gänge auf einmal in Richtung großes Ritzel geschaltet werden. Wie bei der XT praktisch: Der kleine Hebel kann mit Zeigefinger oder Daumen betätigt werden, was der SLX in Sachen Ergonomie eine sehr gute Note einbringt.
Technische Daten Shimano SLX (M7100):
- Gänge: 1 x 12
- 32 Zähne vorne, 10-51 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,63 :1; Größter Gang: 3,20 :1
- Gewicht: 1853 g komplett
- Testergebnis: SEHR GUT (76 Punkte)
SRAM NX Eagle
Die NX Eagle machte die 1x12-Philosophie von SRAM noch attraktiver, da sie einen günstigeren Einstieg in die 12-fach-Welt ermöglicht. Der Preis hat jedoch einen Haken: die Verwendung von günstigeren Materialien (Stahl und Kunststoff statt Alu) und die Größe des kleinsten Ritzels. Statt 10-50 bietet SRAM die NX mit 11-50-Zähne-Kassette an, was eine Bandbreite von nur 454 statt der 500 Prozent ergibt. Ein Vorteil ist, dass die Kassette auf herkömmlichen Shimano-Freiläufen montiert werden kann.
Der Kunststoffhebel ist der leichteste im Test, die Kassette aus einzelnen Stahlritzeln hingegen die schwerste. Auch optisch wirkt die Kassette wenig edel. In Summe ist die NX die deutlich schwerste Gruppe im Testfeld. Bei der Schaltperformance sind hingegen klar die Gene der teureren Eagle-Brüder erkennbar. Der Gangwechsel verläuft zuverlässig, leise und butterweich. In Richtung der großen Ritzel ist der Schaltvorgang aber eine Spur zu schwammig. Die NX bietet die Möglichkeit, fünf Gänge auf einmal hoch- und einen runterzuschalten.
Technische Daten SRAM NX Eagle:
- Gänge: 1 x 12
- 32 Zähne vorne, 11-50 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,64:1; Größter Gang: 2,91:1
- Gewicht: 2028 g komplett
- Testergebnis: GUT (69 Punkte)
Shimano XT (M8100)
Die Erwartungen an die neue XT-Gruppe waren hoch. Mit einer Kassette mit 10-51 Zähnen bietet die neue XT satte 511 Prozent Bandbreite. Auch in Sachen Ergonomie setzt die Shimano XT ein dickes Ausrufezeichen. Ein gummierter Schalthebel sorgt für perfekten Grip. Zudem können durch die "Multi-Shift"-Technik gleich zwei Gänge auf einmal in Richtung kleine Ritzel geschaltet werden, was in diesem Test ein Alleinstellungsmerkmal ist. Es lassen sich zudem bei einem Schaltvorgang bis zu vier Gänge auf einmal hochschalten. Einziges Manko: Die Fingerkraft beim Betätigen des kleinen Hebels ist spürbar höher, als man es von einer XT gewohnt ist.
Egal ob unter voller Last oder beim gemütlichen Fahren, die Gänge werden knackig und maximal präzise eingelegt und stehen sofort zur Verfügung. Die Montage ist einfach, einzig dass der neue "Micro-Spline-Freilauf" etwas fummeliger ist, könnte man bemängeln - hier hat Sram die Nase vorn. Verarbeitung, Gewicht, Bandbreite, Ergonomie - alles top.
Technische Daten Shimano XT (M8100):
- Gänge: 1 x 12
- 32 Zähne vorne, 10-51 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,63:1; Größter Gang: 3,20:1
- Gewicht: 1759 g komplett
- Testergebnis: ÜBERRAGEND (90 Punkte)
SRAM GX Eagle
Die GX Eagle brachte den 1x12-Antrieb zu erschwinglichen Preisen auf den Markt. Die Montage der GX ist recht einfach, die Kassette besteht aus einem Stück und wird auf den speziellen XD-Freilauf aufgeschraubt. Die Haptik und Optik der GX Eagle kommt nahe an die Top-Gruppen X01 und XX1 von Sram heran, auch wenn Sram etwas weniger hochwertige Materialien verwendet. Dennoch ist die GX in diesem Test, ganz knapp vor der XT, die leichteste Schaltgrupppe.
In der Praxis erfolgen die Wechsel in den leichteren Gängen meist so sanft, dass man sie nicht mal hört. Beim Schalten in schwerere Gänge rastet die Kette dafür satt, schnell und selbst unter Last stets präzise ein. Auch der kleine Hebel lässt sich definiert drücken - bietet aber im Gegensatz zur Shimano XT lediglich einen Gangsprung zum nächstkleineren Ritzel. Hoch lassen sich bei der GX an der 10-50-Kassette fünf Gänge auf einmal schalten (bei Shimanos XT vier). Generell liegen die Hebel absolut angenehm am Daumen an, bieten sehr gute Schaltergonomie.
Technische Daten SRAM GX Eagle:
- Gänge: 1 x 12
- 32 Zähne vorne, 10-50 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,64 :1; Größter Gang: 3,20 :1
- Gewicht: 1747 g komplett
- Testergebnis: SEHR GUT (83 Punkte)
Tabellarische Übersicht der getesteten Gruppen
| Gruppe | Gänge | Zähne vorne | Kassette | Gewicht (komplett) | Testergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Shimano SLX (M7100) | 1 x 12 | 32 | 10-51 | 1853 g | SEHR GUT (76 Punkte) |
| SRAM NX Eagle | 1 x 12 | 32 | 11-50 | 2028 g | GUT (69 Punkte) |
| Shimano XT (M8100) | 1 x 12 | 32 | 10-51 | 1759 g | ÜBERRAGEND (90 Punkte) |
| SRAM GX Eagle | 1 x 12 | 32 | 10-50 | 1747 g | SEHR GUT (83 Punkte) |
Worauf man bei der Wahl einer neuen Schaltung achten sollte
Die Wahl einer neuen Schaltung ist ein wichtiger Schritt, aber es gibt noch mehr zu beachten. Insbesondere der Freilauf muss passen. Hier eine Übersicht:
Welcher Freilauf?
- Standard: Nimmt alle 8-/9-/10-fach-Kassetten auf, zudem die 11-fach-Modelle von Shimano. Nicht passend für alle Sram-11-fach- und 12-fach-Kassetten - mit Ausnahme der preiswerten NX-Eagle-Kassette.
- XD-Body: Standard für alle Sram-Kassetten mit kleinem 10er-Ritzel.
- Micro spline: Benötigen die neuen Gruppen SLX, XT und XTR den neuen Micro-Spline-Freilauf.
Kurbeln von Fremdanbietern
Grundsätzlich ist es unserer Erfahrung nach aber kein Problem, eine Fremdkurbel mit 12-fach-kompatiblem Blatt zu fahren, die Kette läuft aber meist spürbar schlechter und lauter. Auch Shimano empfiehlt für beste Performance die hauseigenen Kurbeln, "verbietet" den Einsatz fremder Produkte aber nicht.
Alternativ schalten
- Umwerfend: Die breitbandige 2 x 12-Variante von SLX, XT und XTR mit Umwerfer und komplett neuem "Mono"-Hebel. Dieser funktioniert extrem intuitiv.
- Elektronisch: Die neuen Eagle X01 AXS und Eagle XX1 AXS wechseln die Gänge nicht nur elektronisch mittels kleinem Servomotor am Schaltwerk, sondern auch noch kabellos.
- Kompakt: Alle Welt schreit nach 12-fach - und was macht der kleine Schaltungshersteller BOX? Der setzt seine neue "Prime"-Gruppe nun auf 9-fach.
Fazit
Tatsächlich setzt die neue Shimano XT den neuen Maßstab in dieser Klasse. Srams GX ist ebenso eine Topgruppe, in Nuancen aber schlechter. Ebenso kann sich die Shimano SLX leicht von der NX Eagle absetzen und Platz 3 im Vergleich erobern.
Verwandte Beiträge:
- Shimano Ultegra Kettenblatt 30 Zähne: Kaufberatung & Montage
- Shimano Kettenblatt 50 Zähne: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano Ultegra FC-6800 50 Zähne Kettenblatt: Test & Kaufberatung
- Shimano Kettenblatt 28 Zähne: Auswahl, Montage & Kompatibilität
- E-Bike Motoren im Test: Entdecken Sie den Perfekten Antrieb für Ihr Fahrrad!
- E-Bike und Pedelec auf dem Fahrradweg: Alle wichtigen Regeln und Tipps, die Sie kennen müssen!
Kommentar schreiben