Shimano XT M8000 Scheibenbremse im Test: Eine umfassende Analyse

Die Shimano XT ist wahrscheinlich die Bremse, die in den vergangenen Jahren am meisten an hochwertigen Bikes verbaut wurde. Fünf Jahre sind vergangen, seitdem Shimano mit der XT M8000 seiner wohl bekanntesten und wichtigsten MTB-Gruppe einen riesigen Evolutionsschub verpasste. Nun wurde sie für das neue Modelljahr modifiziert und hat neben einer neuen Farbe eine neue Gebereinheit bekommen.

Technische Details und Design

Die Unterschiede zwischen den Modellen sind klein, sodass sich wir uns für den Dauertest der XT M8100-Vierkolbenbremse entschieden haben. Doch seit knapp einem Jahr gibt es die aktuelle und superschicke Vierkolbenbremse auf XTR-, XT- und SLX-Level. Die großen Highlights der neuen Bremsen-Generation von Shimano stecken im Bremshebel. Er ist nicht nur mit einer breiten Klemme am Lenker befestigt, sondern stützt sich auch beim Bremsen an einem zweiten Auflagepunkt an den Lenker. So soll der Hebel beim Betätigen noch steifer und das Fingergefühl noch direkter sein.

Typisch Shimano kommt die Servo-Wave-Technologie zum Einsatz, bei der zu Beginn die Beläge schnell an die Scheibe gedrückt werden. Im Verlauf des Hebelwegs verändert sich das Hebelverhältnis und die Bremse wird kräftiger. Genau dadurch erzeugt Shimano das typische Fingergefühl, bei dem die XT M8100 sehr schnell,aber dennoch gut dosierbar zupackt. Ebenso typisch ist die werkzeuglose Hebelweitenverstellung, die einen breiten Einstellbereich bietet.

Diese wirkt deutlich schlanker und hat eine schmalere Lenkerklemme. Shimano Shifter lassen sich über die I-Spec II Kombi-Klemme am Bremshebel montieren. Gleich geblieben sind die individuellen Einstellmöglichkeiten. Werkzeuglos kann man die Hebelweite und mit einem Schraubendreher den „Free Stroke“ bzw. Druckpunkt verändern. Die hervorragende Hebelergonomie der neuen Shimano XT Bremse ist mit der ihres Vorgängers identisch.

ICE-TECH-Technologie

Die neu designten Kühlrippen der ICE-TECH-Bremsbeläge sehen einfach klasse aus, klappern aber auf ruppigen Strecken laut und nervig. Oftmals reicht es, die Belagfeder etwas weiter zu spreizen und die Beläge neu einzusetzen. Wenn das nichts hilft, lässt sich das Problem mit etwas Klettband zwischen Sattel und Kühlrippen in den Griff bekommen. Trotz anfänglichen Klappern setzt Felix weiterhin auf die ICE-TECH-Beläge mit Kühlrippen.

Die schicken ICE-TECH-Bremsscheiben mit den überdimensionalen Kühlflächen kommen mit Dauerbremsen richtig gut zurecht, sind aber nur mit Centerlock-Naben kompatibel. Sie sind ausschließlich für Centerlock erhältlich und mit der Icetec Freeza Technologie ausgestattet.

Performance auf dem Trail

Auf dem Trail überzeugt die Shimano XT M8100-Bremse vor allem mit ihrer Bremspower, die sie auch ohne viel Handkraft früh und vor allem konstant bereitstellt. Auch auf langen Abfahrten von 1.000 Höhenmetern und mehr konnte Felix trotz seiner 93 kg Gewicht die sehr hitzebeständige Bremse nicht überfordern. Dazu tragen sicherlich auch die leichten ICE-TECH-Bremsscheiben mit Aluminiumkern und großzügigen Kühlflächen ihren Teil bei.

Unser 92 kg schwerer Testchef Felix hat die mittelpreisige Shimano XT M8100 Vierkolben Bremse - mit 203 mm Bremsscheiben vorne und hinten versteht sich - über 10 Monate in seinem abfahrtsorientierten NICOLAI G1 getestet.

Deutlich auffälliger und das ebenfalls im höchsten Sinne positiv war die Performance der Bremse. Wir waren mit der neuen 4-Kolben Anlage unterwegs - mit einem Wort: Bissig! Knackiger Druckpunkt, geballte Bremspower ohne dabei große Abstriche bei der Dosierbarkeit machen zu müssen. Die Haptik des Geberkolbens konnte uns gleich beim Einstellen überzeugen.

Druckpunktwanderung

Doch ein Problem konnte Shimano auch mit der neuesten Bremsen-Generation nicht in den Griff bekommen: Der Druckpunkt der Shimano XT M8100-Bremse wandert vor allem auf ruppigen Trails beachtlich. Bei einer Bremsung packt die Bremse genauso zu wie man es sich wünscht, während der Druckpunkt vor der nächsten Kurve viel weiter vom Hebel entfernt sitzt, nur um vor dem nächsten Steilstück fast am Griff zu liegen.

Unser Tester Felix bekam das Druckpunktwandern mit regelmäßigem Entlüften und Überfüllen des Hebels - mit der Trichter-Methode wenigstens schnell und einfach - in den Griff, ganz weg war es allerdings nie. Beim Wechsel der Beläge ist dann allerdings Vorsicht geboten, um die Dichtungen des Bremshebels beim Zurückdrücken der Kolben nicht zu sehr zu belasten. Hier empfiehlt es sich, den Entlüftungstrichter am Hebel anzusetzen und/oder die Druckpunktverstellung ganz zuzudrehen.

Alternativen und Wettbewerb

Die Konkurrenz hat jedoch nicht geschlafen. Während es in der Vergangenheit nur wenige Alternativen gab, haben andere auf das Niveau aufgeschlossen. Auf sie haben schon sehr viele der schnellsten Fahrer der Welt vertraut.

Shimano SAINT

Eine SAINT-Bremse ans Bike zu schrauben kommt einem Statement gleich: Was zählt, ist Abfahrtsperformance! Die vier 16/18 mm großen Keramikkolben packen hart zu und bremsen kraftvoll ab, wieder und wieder. Wärme wird buchstäblich überall abgeführt, an Kühlrippen, langen Flanken und IceTech-Scheiben mit Aluminiumkern. Der Hebel liegt gut in der Hand und schon die leichteste Berührung hat massive Bremswirkung zur Folge.

Leider bewirkt die Free-Stroke-Schraube noch immer gar nichts - wir haben uns schon gefragt, ob sie überhaupt mit irgendwas verbunden ist. Die Kolben haben viel Hub und so ist es sehr einfach, die Bremse schleiffrei einzustellen. Das Entlüften ist einfach, wie von Shimano gewohnt. Die Power auf dem Trail ist enorm, aber kontrollierbar. Wenn man die Bremse gefühlvoll zieht, ist die Dosierbarkeit okay. Greift man jedoch kräftig zu, ist es, als würde jemand einen Stock in die Speichen stecken.

Auch nach einer ganzen Saison gibt es nichts an der Zuverlässigkeit auszusetzen und die Sinterbeläge sind langlebig - das ist auch gut so, denn die Beläge mit Kühlrippen sind teuer. Richtig eingebremst sind sie bei jedem Wetter leise. Mit großer Leistung kommt bei der SAINT aber auch hohes Gewicht. Die Shimano Saint ist immer noch einer der besten Allrounder, wenn es um massive Power und unglaubliche Zuverlässigkeit geht.

Shimano XT M8000 im Renneinsatz

Shimanos neues Volumenmodell XT mit dem Kürzel M8000 hat zweifellos eine harte Zeit bei uns. Zwei Einsätze bei Etappenrennen. Schonungsloser geht es kaum. Der Dauertest hätte aber auch noch härter ausfallen können. Denn während die teurere Schwester XTR über 2000 Kilometer im Winter bestehen musste (Dauertest in BIKE 5/15), blieben der XT die extrem schlammigen Kilometer vorerst erspart. Dies ist also eine erste Statusmeldung, der Dauertest geht weiter.

Fazit des 1000-Kilometer-Tests

Die Elffach-XT-Gruppe überzeugt durch ihre einwandfreie Funktion, ihre Zuverlässigkeit und Haltbarkeit. Einzig die Oberflächen könnten widerstandsfähiger sein. Vernünftiger Preis im Vgl. zur XTR.

Weitere Features der Shimano XT M8000 Gruppe

Mit der neuen XT möchte Shimano sich so breit wie möglich aufstellen und das Einsatzgebiet sehr variabel gestalten. Die Gruppe wird als 1x11, 2x11 und 3x11 angeboten. Wobei die 1x11 Gruppe in Kombination mit einer 11-42 Kassette gefahren wird. 2-fach und 3-fach werden mit einer Bandbreite von 11-40 Zähnen ausgeliefert. Identisch zur großen Schwester, der XTR, lassen sich auch an der XT Kurbel die Spider tauschen. So kann die Einfach-Kurbel jederzeit auf 2-fach umgerüstet werden und umgekehrt. Optisch kommt die Gruppe offiziell in Schwarz daher. Praktisch ist sie aber eher schwarz-anthrazit.

Die Trigger machen einen sehr hochwertigen Eindruck und der Daumenhebel ist aus Metall gefertigt und liegt durch seine Länge und Form sehr gut am Daumen an. Der kleine Trigger-Hebel (2-Way-Release-Hebel) kann sowohl mit dem Daumen als auch mit dem Zeigefinger bedient werden, er ist also in beide Richtungen schaltbar. Mit dem Daumen lassen sich in einem Rutsch vier Gänge schalten. Du bist also mit drei Daumen-Moves von unten auf dem obersten 40er Ritzel. Nach unten geht es in sehr knackigen Einer- oder Zweier-Schritten.

Die Schalthebel sind dank der I-Spec II-Schelle am Bremshebel montiert und lassen sich dort individuell an die Hand und Vorlieben des Fahrers anpassen. Das Shadow Plus Schaltwerk kommt mit einer ultrastarken Feder daher und das meine ich wirklich so. Die Feder ist so stark, dass schon nach der Montage klar wird, dass eine Kettenführung nicht nötig ist. Bei der Montage des Hinterrades macht der Hebel zur Federhärteverstellung nun tatsächlich Sinn und der Gebrauch ist hier zu empfehlen.

Eine komplette Neuerung ist der High Direct Mount Side Swing Umwerfer. Dieser wird von vorne angesteuert. Auf der einen Seite erleichtert diese Technik das Schalten, auf der anderen Seite ermöglicht sie zukünftig den Rahmenbauern mit dem Hinterrad noch näher an das Sattelrohr zu bauen, da eine Schaltzugführung „hinten herum“, also hinter dem Sitzrohr wegfällt.

Kurz vorab: Die Schaltung funktioniert so, wie ich es erwartet habe. Einwandfrei und ohne Mucken. Auffällig ist aber der deutliche und knackige Druckpunkt für das Runterschalten am Hinterrad. Der Druckpunkt ist so eindeutig, dass dieser mir persönlich eine wirkliche Unterstützung beim Biken gegeben hat. Den Trigger mit Daumen oder Zeigefinger betätigt, und sofort hauen Gang oder Gänge rein. Ob unter Voll-Last oder Halb-Last, völlig egal. Die Schaltung schaltet sauber, exakt und zuverlässig. Nach oben schalten die Gänge einfach und entspannt. Beim ersten Mal Durchschalten hatte ich nach dem knackigen Runterschalten mit etwas mehr Daumendruck gerechnet. Dem war aber nicht so.

Persönliche Erfahrungen und Fazit

Die Shimano XT M8000 ist eine sehr unauffällige Schaltgruppe. Meine erste spontane Aussage zu der Frage, wie sie funktioniert, war einfach nur: „Gut.“ Hört sich jetzt lapidar an, aber was erwarte ich von einer Schaltung? Sie soll ohne Geräusche, schnell und exakt in den Gang wechseln, den ich brauche. Die Kette soll nicht abspringen und der Verschleiß soll sich ebenfalls in Grenzen halten und das ist der Fall. Wie immer hat mich Shimano überzeugt und gezeigt, wie viel Entwicklungspotential nach wie vor in der Schaltung liegt, ohne direkt elektronisch zu werden. Aus meiner persönlichen Sicht absolut empfehlenswert.

Zusammenfassung der Testergebnisse

Die Shimano XT M8000 scheint ihre zweifelhafte Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben und bietet jetzt eine gute, zuverlässige Performance. Sie ist für Fahrer geeignet, die auf einen harten Druckpunkt und viel Biss stehen.

Mit der neuesten Generation der XT-Vierkolbenbremse ist Shimano nicht nur optisch ein absolutes Highlight gelungen. Die XT M8100 zählt auch zu den kraftvollsten und standfestesten Bremsen auf dem Markt. Love it or hate it - ersteres gilt für das Shimano-typische Hebelgefühl, das nicht nur unser Tester Felix sehr schätzt.

Im Handel genießen die Shimano-Bremsen den Status eines Sorglos-Produktes. Dranschrauben und genießen. Auch die neue XT, die für attraktive 180 Euro gehandelt wird, will in diese Kerbe schlagen. Dafür begeisterte die XT mit guter Bremskraft, Top-Ergonomie und -Dosierbarkeit. Ab einem Fahrergewicht von 85 Kilo kann jedoch die Bremsscheibe bei extremer Belastung schmelzen. Die defekte Scheibe beschädigt anschließend die Beläge.

FUNKTIONALITÄT: 6 von 6 Punkten

HALTBARKEIT (NACH 1000 KM): 5 von 6 Punkten

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