Die Geschichte und Entwicklung der Shimano Deore XT

Mit sechs Ritzeln auf der Kassette fängt die Geschichte der Shimano Deore XT an. 1982 ist das. Der Name “XT M700” (“Cross Terrain”) klingt so schlicht - und steht doch für einen Meilenstein.

Die Anfänge und Etablierung als Premiumprodukt

Die Komponentengruppe aus Japan ist damals das Premiumequipment für Mountainbikes und bleibt es auch bis 1992, als Shimano ihr die Rennsport-orientierte XTR-Gruppe vorsetzt. Bei der Entwicklung orientierte man sich an bestehenden Rennradgruppen und machte diese geländetauglich. In der Praxis sah das so aus: Sechs Stufen am Lenkerschalter ratterten über dem Schraubkranz, drei Kettenblätter machten aus dem Mountainbike erst ein Bergrad und im Downhill griffen jetzt Cantis anstelle von Schuhsohlen oder dampfenden Trommelbremsen. Nur die optionalen Rahmenschalter wirkten etwas verstaubt in der Mountainbike-Gruppe.

Die Entwicklung selbst trieben Joe Breeze und Gary Fisher voran. Die Bike-Pioniere testeten die Prototypen bis zur Serienreife. Ein ständiger Austausch zwischen den Testern in den USA und den japanischen Ingenieuren bestimmten die Entwicklung. Dabei schrotteten Fisher und Co. die Komponenten und schickten die Einzelteile wieder zurück nach Osaka. Die Entwickler dort verbesserten die Teile und schickten sie wieder zurück - bis zum nächsten Bruch.

Nach und nach wurde eine Kinderkrankheit nach der nächsten geheilt: sei es die Kette, die sich nicht von den Blättern lösen wollte oder das Schaltwerk, das unter Schlammbeschuss die Arbeit verweigerte. Über Jahre hinweg war die Gruppe der Klassenprimus unter den Komponenten. Konkurrenz bekam sie nur aus den eigenen Reihen: Die “XTR” löste die “XT” an der Pole Position ab. Geändert hat sich an der “XT” fast alles. Geblieben ist der Name - und die Fan-Gemeinde.

Kontinuierliche Weiterentwicklung und Anpassung an neue Anforderungen

Nach und nach steigt die Anzahl der Zahnringe auf der Kassette - stets begleitet von emotionalen Diskussionen über die Notwendigkeit dafür. Während sich die Ritzel am Hinterrad also stetig vermehren, die Kettenblätter an der Kurbel ebenso reduziert und die Bremsen sich von einer Cantilever-Konstruktion zur Scheiben-Version entwickelt haben, ist die Gruppe immer ein Premiumprodukt geblieben, das letztlich sogar deutlich robuster als die filigran leichte Race-Gruppe ist. Sie ist damit sowas wie der Gold-Standard der Kettenschaltung.

Die Zuverlässigkeit und Funktion der hochwertigen Gruppe haben mit der Zeit immer mehr Freunde unter den Tourenfahrern gefunden. Und da sich manche Ansprüche zu Mountainbikern unterscheiden, hat Shimano der Mountainbike-XT (erkennbar am M in der Produktbezeichnung) eine Trekking-Version (mit T gekennzeichnet) zur Seite gestellt. Dazu gehören Ganganzeigen an den Schalthebeln zum Standard oder ein Nabendynamo und längere Bremshebel.

Innovationen und technische Meilensteine

Im Jahre 1992 begann die Geschichte der Mountainbike-Renn-Gruppe mit der 900er XTR. Hier wurden 8 Ritzel am Hinterrad eingeführt, während die XT desselben Jahres noch mit 7 Ritzeln auskommen musste. 1996 kommt die legendäre matt-graue 950er XTR Gruppe. Ich glaube ich bin nicht allein, wenn ich sage, dass diese Gruppe das schönste XTR-Schaltwerk aller Zeiten hervorbrachte! Auch die Kurbel ist wunderschön und vor allem innovativ: hohle Kurbelarme, vielfach verzahnte Achse und 4-Arm Kettenblätter.

Nach 7 Jahren (!!) in matt-grau kam 2003 die grau-chrom-glänzende 960er XTR Gruppe. Mit ihr wurden die zweiteiligen Hollowtech 2 Kurbeln auf spektakuläre Weise mit drei verschiedenen Lochkreisen für alle drei Blätter eingeführt. Außerdem tauchten hier die „grandiosen“ Dual-Control Schaltbremskombinationen auf. Klassische Rapid-Fire-Hebel gibt es in dieser Gruppe nicht mehr.

2007 dann wieder matt-grau bei der 970er XTR-Gruppe. Eine Hollowtech 2 Kurbel mit 104/64mm Lochkreis erlaubt das Tuning mit vielen anderen Kettenblättern. Dieser Fakt in Kombination mit dem geringen Gewicht und guter Stabilität machen sie zu einer der beliebtesten Top-Kurbeln für die verschiedenen MTB-Gattungen. Scheibenbremsen mit separaten Hebeln und die Wiedereinführung der XTR Rapid-Fire Schalthebel runden das Paket ab.

2011 kommt der nächste Revisionsstand und diesmal in zwei Ausführungen: Race und Trail. Für letztere gibt es Klickpedale mit kleiner Plattform, eine 2-fach Kurbel und etwas veränderte Bremsen. Diese verfügen in der Trailvariante über einen etwas breiteren Hebel und die Übersetzungsänderung Servo-Wave für schnelle Kolbenzustellung und mehr Bremskraft, welche sich vorher nur in den „einfacheren“ Gruppen fand. Außerdem haben die Bremsbeläge Kühlrippen auf der Rückseite. Ebenfalls zur Kühlung sollen die Ice-Tec-Scheiben mit Stahl-Alu-Sandwich beitragen. Diese Scheiben und die klappbare Bremshebelschelle finden sich bei beiden Bremsen.

Mit den I-Spec Schellen bietet Shimano das Gegenstück zu Srams Matchmaker um Brem- und Schathebel zu kombinieren. Die vorher in der XT-Gruppe eingeführten 10-fach Ritzel nach der Dyna-Sys-Philosophie finden jetzt auch in der XTR-Gruppe Einzug. Etwas nachgezogen wurde das Shadow Plus Schaltwerk präsentiert, welches eine die Spannung am Käfig erhöht und somit Kettenschlag verringern soll.

Test: Es ist wieder soweit! Shimano präsentierte am vergangenen Wochenende in Spanien die neueste Entwicklungsstufe ihrer ältesten, seit 1982 etablierten XT Gruppe. Es sind schon wieder fünf Jahre vergangen, seitdem Shimano mit der XT M8000 seiner wohl bekanntesten und wichtigsten MTB-Gruppe einen riesigen Evolutionsschub verpasste. Fünf Jahre - das dürfte den Shimano Fans bekannt sein - ist üblicherweise der Produktzyklus für die Gruppen aus Japan. So war es für uns keine allzu große Überraschung, als uns beim Pressecamp in Spanien vergangene Woche neben der neuen SLX auch eine neue XT Gruppe präsentiert wurde. Diese hört auf den Namen Shimano XT M8100 und um die wahrscheinlich drängendste Frage zu beantworten: Ja, sie „erbt“ den zwölften Gang von der im letzten Jahr vorgestellten XTR Gruppe.

Doch mit der Einführung der ersten MTB 12-fach Gruppe XTR M9100 schlug Shimano im vergangenen Jahr zurück und legt nun mit XT (und SLX) nach - und wie: Wie schon bei der Top-Gruppe bietet sich den Käufern der neuen XT die Wahl zwischen 1-fach und 2-fach Antrieben, zwischen der sehr breit abgestuften 10-51 Kassette und auch einer 10-45 Variante für Freunde kleinerer Gangsprünge. Wie schon bei der XTR lässt Shimano seinen Fahrern auch im Jahr 2019 noch die Wahl zwischen einem oder zwei Kettenblättern. Im 1-fach Setup hat man damit 510% (10-51) oder 450% (10-45) Bandbreite. Setzt man vorn auf eine Lösung mit zwei Kettenblättern, kann man sogar satte 632% Bandbreite bekommen - kleinere Gangsprünge gibt’s obendrein.

Beide Kassetten setzen auf den neuen Microspline Freilauf. Das ist mutig von Shimano, aber folgerichtig: Nach der Einführung mit der XTR Gruppe im letzten Jahr haben mittlerweile einige Dritthersteller (z.B. DT Swiss, Mavic, I9) diesen Freilauf im Programm und man ist damit nicht auf Naben aus Japan festgelegt. Trotzdem dürfte es spannend sein zu beobachten, wie sich der Markt entwickelt, da nun im MTB Bereich drei Freilaufstandards konkurrieren: Der bekannte Shimano/Sram 11-fach Standard, XD und nun Microspline.

Die Kassetten bestehen aus jeweils 10 Stahl- und zwei Aluminiumritzeln. So bekommt man eine vergleichsweise lange Haltbarkeit bei den kleineren Ritzeln, die meist deutlich öfter beansprucht werden und spart Gewicht bei den beiden größten, die üblicherweise nur während steiler Anstiege zum Einsatz kommen. So konstruiert kommen die Kassetten auf 470g (10-51) bzw. 461g (10-45).

Wer vorn mit einem Kettenblatt unterwegs ist, hat die Wahl zwischen 28, 30, 32, 34 oder 36er Kettenblatt, das per Direct Mount direkt am ebenfalls komplett neuen, natürlich hohlgeschmiedeten, Kurbelarm befestigt wird.

All das wird natürlich erst mit den entsprechenden Schaltwerken möglich: Hier gibt’s bei der Shimano XT M8100 zwei: Entweder für 1-fach oder 2-fach Antriebe. Gemeinsam haben sie das vergrößerte obere Leitröllchen mit 13 Zähnen, das die Kettenführung und damit die Schaltqualität verbessern soll.

Zu neuen Schaltwerken gehören auch entsprechende Schalthebel: Bei der XT M8100 setzt Shimano (zum Glück…) weiterhin auf den ISPEC-EV Montagestandard, mit dem sich die Schalthebel - falls gewünscht - an der Schelle der Bremsen befestigen lassen. Shimano-Fans dürften erfreut zur Kenntnis nehmen, dass es auch bei der neuen XT Gruppe weiterhin möglich ist, zwei Ritzel auf einmal nach unten bzw. drei nach oben zu schalten. Ergonomisch bleibt vieles beim Bewährten, positiv fällt die gummierte Oberfläche des großen Schalthebels auf.

Neben der Schaltgruppe präsentierte uns Shimano auch die neuen XT Bremsen, die die großen Fußstapfen des Vorgängers füllen sollen. Bei der für den XC-Bereich vorgesehenen 2-Kolben Variante gibt es beim Bremssattel - vom Design abgesehen - keine Neuerungen, während die für Trail und Enduro konstruierten 4-Kolben Version mit dem Vorgänger nichts mehr gemein hat. Diese basiert auf der 4-Kolben Version der XTR M9100 und nutzt auch deren Beläge.

Neu sind in beiden Fällen die Bremsgeber: Auf den ersten Blick ähneln sie ihren Vorgängern wie ein Ei dem anderen, bei genauerer Betrachtung fällt jedoch eine Abstützung des Ausgleichsbehälters am Lenker auf. Die Features der Bremse kennt man bereits vom Vorgänger: Werkzeuglose Hebelweiteneinstellung ist ebenso an Bord wie die Free-Stroke Einstellung, mit der sich die Position des Druckpunkts feinjustieren lässt.

Nicht nur optisch, auch technisch durchaus auffällig kommen die neuen XT Scheiben daher. Sie sind ausschließlich für Centerlock erhältlich und mit der Icetec Freeza Technologie ausgestattet.

Zu guter Letzt gibt’s auch neue Laufräder aus der XT Reihe: Wie bei den Bremsen hat man auch hier die Wahl zwischen einer Variante für die XC Racer und Marathonisti und den Trail- und Enduropiloten. Bei ersteren halten Straight Pull Speichen die 24mm breiten Alufelgen an den neu konstruierten XT Naben. Die Felge der Enduro-Variante ist 30mm breit, der Aufbau kommt ohne Straight Pull aus. Beide Varianten sind jeweils in 27,5″ und 29″ erhältlich und ausschließlich für Boost Gabeln bzw. Rahmen. Das Gewicht ist durchaus konkurrenzfähig: Die XC Variante kommt auf 1.764g (27,5″) bzw. 1.840g (29″), der Trail Laufradsatz ist mit 1.846g (27,5″) bzw.

Angefangen mit der Schaltperformance: Schon auf den ersten Metern im Uphill zeigte sich ein deutlicher Unterschied zum Vorgänger. Die Schaltwechsel gingen spürbar schneller vonstatten, ohne jedoch das Shimano-typische smoothe Schaltverhalten vermissen zu lassen. Selbst ungeschickte Schaltvorgänge mit großen Druck auf dem Pedal brachten die Gruppe nicht aus dem Tritt. Es ist schwierig, viele Worte über die Performance der neuen Shimano XT M8100 zu verlieren. Dafür war sie im besten Sinne zu unauffällig: Kein Haken, kein Klappern - auch nach mehreren Tagen feuchten und teils nassen Bedingungen.

Wir waren bei der Enduro-Testrunde auf einem Scott Genius mit einem Kettenblatt vorn und der neuen 10-51 Kassette unterwegs. Auffällig war die geringe Geräuschkulisse der Gruppe - eine Wohltat für jeden Fahrer. Um das viel-zitierte Haar in der Suppe zu suchen: Ein klein wenig mehr Feedback während des Schaltens hätten wir uns am Hebel gewünscht.

Deutlich auffälliger und das ebenfalls im höchsten Sinne positiv war die Performance der Bremse. Wir waren mit der neuen 4-Kolben Anlage unterwegs - mit einem Wort: Bissig! Knackiger Druckpunkt, geballte Bremspower ohne dabei große Abstriche bei der Dosierbarkeit machen zu müssen. Die Haptik des Geberkolbens konnte uns gleich beim Einstellen überzeugen.

Funkelnd und edel flimmern aktuell Hochglanz-Bilder des neuen Schaltungs-Flaggschiffs über die Bildschirme. Kein Wunder, schließlich ist eine neue MTB-Schaltung von Shimano ein ziemlich großer Deal. Lange Zeit waren die Japaner Marktführer für Mountainbike-Teile. Mehr noch: Die erste jemals extra für den Geländeradsport auf breiten Reifen entwickelte Schaltgruppe stammte von Shimano.

Ein Dämpfer kam durch die Markteinführung der elektronischen Schaltwerke der größten Konkurrenz. Die Sram-AXS-Schaltwerke sollten den Markt nachhaltig verändern. Plötzlich wollte jeder sich von lästigen Zügen lossagen und auch die kabelgebundene Elektro-Schaltungen der Shimano Di2-Baureihe setzten Staub an. Jetzt ist Shimano endlich zurück. Sieben Jahre lang ließ man sich mit der Neuentwicklung der XTR Di2 Zeit. Ein Blick auf die Shimano XT von 1982, der Urgroßmutter aller MTB-Schaltungen, zeigt, dass der Weg zur ersten Funk-Schaltgruppe von Shimano ein langer war. Zeit zurückzublicken.

Bye bye Kabelschlinge: Die Shimano XTR Di2 M9200 2025 ist die erste Shimano-Schaltung, welche die Gänge ohne Seilzug oder Kabel wechselt.

Von 65 D-Mark zu 665 Euro: Aus Schaltung wird Roboter

Als 1869 die erste Fahrrad-Kettenschaltung der Geschichte das Licht der Welt erblickte, war Mountainbiken noch nicht einmal als Idee geboren. Mit dem Rad durchs Gelände fahren, Trails gar? Damals undenkbar. Radprofis gab es zwar auch damals schon, bei der Tour de France waren sie jedoch mit schmalen Asphaltschneider-Reifen und Singlespeed-Antrieben unterwegs. Ihre Skepsis gegenüber Getrieben fürs Fahrrad hielt sich fast 100 Jahre lang.

Erst in den 1960ern nämlich begann die Verbreitung von Schaltungen an Rennrädern. 1973 war das erste Zehnfach-Schaltwerk geboren. Einige Jahre später stolperten in Kalifornien junge Wilde auf umgebauten Militär-Fahrrädern über die Berge - die Geburtsstunde des Mountainbikens. Der neue Funsport wurde bald zu einer richtigen Bewegung und Yoshizo Shimano erkannte den Bedarf nach einer robusten Schaltung mit Aktivierung vom Lenker aus. 1982 präsentierte sein Unternehmen der jungen Bike-Welt die Shimano Deore XT M700. Eine Highend-Schaltgruppe mit sage und schreibe drei mal sechs Gängen.

Erst 1992 schuf Shimano mit der XTR eine neue Oberklasse für Mountainbike-Schaltungen. Hinter der Entwicklung der ersten Schaltgruppe für Mountainbikes steckten keine geringere Namen als die der MTB-Pioniere Joe Breeze und Gary Fisher. Gemeinsam mit den japanischen Ingenieuren von Shimano brachten sie die XT vom Prototypen bis zur Serienreife. Beide Charakterköpfe sind auch heute noch im Bike-Cosmos unterwegs und konnten in den vergangenen 53 Jahren beobachten, wie nach und nach immer mehr Schwachstellen von MTB-Schaltungen eliminiert wurden.

In den frühen Jahren plagte Mountainbiker vor allem das Thema Haltbarkeit: Ketten rissen bei hektischen Schaltvorgängen, Schaltwerkskäfige wurden von Felsen geköpft und der Schlamm setzte den Antrieb zu. Aber auch in der Funktion mussten Biker lange Kompromisse eingehen. Die schmale Übersetzungsbandbreite der Kassetten machte lange einen Umwerfer und mehrere Kettenblätter notwendig, um steile Berge zu erklimmen. Erst 2019 brachte Shimano die erste Zwölffach-Schaltung auf dem Markt.

Dass die Shimano XTR von 2025 zwölf Gänge sortieren kann, verwundert niemanden. Dass sie dass ganz ohne Schaltzug oder Kabel tut, ist bei den Japanern eine große Neuheit. Die Shimano XTR Di2 M9200 setzt voll auf Elektronik. Optisch ist das moderne Schaltwerk fast doppelt so groß, wie das Modell von 1982, trotzdem ist es inklusive Akku “nur” gut 130 Gramm schwerer. Modernste Elektrotechnik und wirtschaftliche Entwicklungen haben den Preis von damals 65 D-Mark auf heute 665 Euro fürs Schaltwerk alleine getrieben. Ist die XTR Di2 Generation 2025 deshalb auch zehn mal so gut? Mit Sicherheit! Die Präzision, mit der das Teil die Gänge wechselt spielt in einer ganz anderen Liga. Trotz weniger Bauteile realisiert die Schaltgruppe genügend Übersetzungsbandbreite für große Touren. In der App lassen sich die Funktionen der Shimano XTR Di2 M9200 individualisieren. An E-Bikes schaltet sie sogar auf Wunsch vollautomatisch.

Mit einer extra starken Schaltwerksstabilisierung, kompakterem Käfig, stärkeren Links sowie Umlenkrollen, abgerundeten Oberflächen und einer automatischen Recovery-Funktion dürfte die neue XTR zudem die stabilste Shimano-Schaltung aller Zeiten sein.

Funk vs. Seilzug: Trotz Elektronik hat sich Shimano bemüht der neuen XTR-Schaltung eine ansprechende Haptik zu verleihen.

Futuristisch und ohne Kabel: Die Shimano XTR Di2 M9200 von 2025 ist ein absolutes Highend-Produkt der modernen MTB-Welt.

Bremspower auf einem anderen Level: Shimano Bremsen im Laufe der Zeit

Natürlich haben sich in 53 Jahren nicht nur Gangschaltungen enorm weiterentwickelt. Dank technischen Fortschritt konnten Mountainbikes immer schneller durchs Gelände bewegt werden. Um den neuen Speed zu kontrollieren brauchte es immer stärkere Bremsen. Die Shimano Deore XT Gruppe von 1982 umfasste auch einen Satz Felgenbremsen - nach damaligen Standards ein echter Anker, denn Breezer und Fisher hatten im regen Austausch mit anderen Testfahrern aus den USA und den Entwicklern in Asien dafür gesorgt, dass die Bremsschuhe die Felge nicht nur harmlos streichelten. Im Vergleich zu den damals weit verbreiteten Trommelbremsen ein echter Fortschritt!

Die erste hydraulische Scheibenbremse entwickelte Formula schon 1987 in Italien. Schon 15 Jahre zuvor experimentierte Shimano mit Scheibenbremsen an Fahrrädern. Fürs Gelände eignete sich allerdings erst die hydraulische Deore XT aus dem Jahre 2003 wirklich. 2017 folgte in der XT-Familie die erste Vierkolben-Bremse für noch mehr Verzögerungsleistung.

Welche dieser Shimano Bremsen hat wohl mehr Bremspower? Die Felgenbremse von 1982 ist es sicher nicht. Die neue XTR Vierkolben-Scheibenbremse ist dagegen ein richtiger Anker.

Shimano hat sich mit der Performance seiner Scheibenbremsen über die Jahre einen guten Namen gemacht. Die Shimano XTR aus dem Jahre 2025 knüpft an die Erfolge der letzten Jahre an und kommt mit kleinen aber feinen Detailverbesserungen. So wurde der Hebel für eine bessere Ergonomie neu designet und der Hebelweg soll besonders reibungslos und direkt in Bremskraft übersetzt werden. Der Bremssattel wiederum kommt mit einer Option für Enduro- und Trailbiker mit vier Kolben. Crosscountry-Racer können weiterhin auf eine leichte Zweikolben-Variante mit Carbon-Hebel zurückgreifen. Ein optimiertes Mineralöl und verbesserte Dichtungen im Inneren sollen den Druckpunkt konstant halten. Von so viel Bremspower konnte man vor 53 Jahren nicht einmal träumen.

Otto-Normalradler wissen meist nicht besonders detailliert über aktuelle Fahrradtechnik und die Unterschiede zwischen verschiedenen Fahrradgattungen Bescheid, doch mit der „XT-Schaltung“ scheinen die meisten Käufer bekannt zu sein. Das mag damit zu tun haben, dass es seit einigen Jahren gängig ist, Schaltwerke mit „XT Inschrift“ als Blender zu verbauen, da dies meist am besten heraussticht. Doch auch abseits davon steht der Name Deore XT für Qualität, Funktionalität und Zuverlässigkeit.

Die XT-Gruppe trägt oft auch den Beinamen Deer-head bzw. auf Deutsch Hirschkopf, was mit der ersten Version der heute legendären Gruppe zu tun hat. Nahezu jede Komponente war von einem stattlichen Hirschkopf geziert. Man kann nur mutmaßen welche Entwicklung das Mountainbike ohne Shimano genommen hätte, man merkt aber anhand historischer Dokumente gut, wie ernst das Thema Shimano scheinbar war. In einer Shimano Publikation aus dem Jahr 1983, dem Jahr als die Deore XT Schaltung erstmalig auf den Markt kam (vorgestellt 82), finden sich sechs Seiten alleine mit Interviews, rund um das Thema Mountainbiking, dessen Besonderheiten und der dahinter stehende Spirit. Darunter auch ein Interview mit dem bis heute legendären „Garry Fischer“, einer der Pioniere des Mountainbikes.

Dieser wurde, wie viele andere Enthusiasten aus diesem Bereich, von den Japanern in die Entwicklung der Deore XT Komponenten miteinbezogen. Shimanos Trick war, deren Eigenentwicklungen weiterzudenken und sie in eine Komplettgruppe für Jedermann-/frau zu gießen. Seit der ersten Deore XT Mountainbike Gruppe mit der Modellnummer M700 hat sich einiges getan, der Grundgedanke ist aber erhalten geblieben. Damals wie heute war es wichtig, das Rad jederzeit sicher kontrollieren zu können, auch bei schnellen und ruppigen Bergabfahrten. Erreicht wurde dies, heute wie damals, über Daumenschaltungen und besonders griffige Bremse. Was sich jedoch grundlegend veränderte, sind die Übersetzungsverhältnisse.

Zu Zeiten Garry Fischers war es üblich, etwa mit Pickup-Trucks die Berge hochzufahren, um dann in rasantem Tempo mit dem Rad diese wieder herunter zu fahren. Dieser Umstand bzw. Sport ist heute als Downhill bekannt. Das ist auch der Grund, warum die Übersetzung an damaligen Mountainbikes eher der heutiger Rennräder, anstatt Mountainbikes entspricht. Sprich, die Ritzel am Hinterrad waren sehr klein, wohingegen die Kettenblätter sehr groß waren - ergo eine Übersetzung für Bergabfahrten. Die heutigen Cross-Country Mountainbikes - das Äquivalent der damaligen Mountainbikes - setzen eher auf riesige Ritzel am Hinterrad und eher kleine und wenige Kettenblätter.

1986 stellte Shimano eine Revision der Original Deore XT Gruppe vor - ohne Hirschkopf aber mit indexierter Schaltung - was Shimano unter dem Begriff SIS - Shimano Index Shifting - vermarktete. Diese trug die Modellbezeichnung M730 und vereinfachte die Schaltungsbedienung am Mountainbike enorm. Nur ein Jahr später folgte die Deore XT M732 Modellreihe (auch bekannt als Deore XT 2), welche als große Neuerung neben U-Brakes (die Cantilever-Bremsen waren weiterhin erhältlich) das Shimano Hyper-Glide (HG) System bot. Hypergilde bezeichnet eine Vorrichtung an den Ritzeln am Hinterrad, welche durch diverse Kerben und ähnliches einen problemloseren Gangwechsel ermöglicht. Diese Technik findet sich - wie auch SIS - bis heute an Shimanos Komponenten. Statt 6 Ritzel gab es nun außerdem 7 Ritzel, was zu insgesamt 21 Gängen führte.

Als bis heute anhaltende Neuerung erwies sich auch Shimanos Pedaling Dynamics Technik, kurz SPD. Es mussten acht weitere Jahre vergehen, bis Shimano in der XT Gruppe die bis heute an Einsteigerädern eingesetzten, sehr kraftvollen, V-Brakes einführte. Nur vergleichsweis kurze 4 Jahre später, stellte Shimano im Jahr 1999 seine erste hydraulische Mountainbike Scheibenbremse vor. Die XT-Bremse war damals mit stattlichen vier Bremskolben pro Bremse ausgestattet und bot einen gewaltigen Anstieg der Bremskraft im Vergleich zu V-Brakes oder gar Cantilever-Bremsen. Die Deore XT Bremsen sind bis zum heutigen Tage extrem beliebt und als sorglos-Bremsen bekannt.

Im Jahr 2003 folgte dann die nächste, bis heute anhaltende Revolution - bekannt als Hollowtech. Shimano erkannte die Vorteile weiter außenliegender Lager und das Bedürfnis nach Gewichtsersparnis.

Shimano XTR Di2 M9200 vs. Shimano Deore XT M700

Die folgende Tabelle vergleicht die Shimano XTR Di2 M9200 von 2025 mit der Shimano Deore XT M700 von 1982:

Merkmal Shimano XTR Di2 M9200 (2025) Shimano Deore XT M700 (1982)
Gänge 1 x 12 (elektronisch via Funk) 3 x 6 (mechanisch)
Gewicht (Schaltwerk) 388 g 254 g
Preis (Schaltwerk) 664,95 Euro 65 D-Mark

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