Shimano XT Schaltauge verbogen: Reparatur und Ausrichtung

Ein Schaltauge ist die Verbindung des Fahrradrahmens zum Schaltwerk. Die Funktion des Schaltauges ist, den Fahrradrahmen im Fall von Stößen auf das Schaltwerk (z. B. durch Umfallen oder Stürze) vor Beschädigungen durch Verbiegen oder Abbruch zu schützen. Ein Schaltauge kann gebrochen bzw. verbogen sein oder das Gewinde vom Schaltauge bzw. der Befestigung am Rahmen defekt sein. Schaltaugen haben eine unterschiedliche Anzahl Löcher, manche dienen zur Befestigung am Rahmen, andere zur Befestigung des Schaltwerks.

Die Funktion des Schaltauges

Das Schaltauge verbindet den Fahrradrahmen mit dem Schaltwerk. Es ist die Sollbruchstelle vor dem Schaltwerk und bewahrt den Rahmen des Fahrrads bei Stößen vor einem Schaden. Damit erfüllt das Schaltauge auch seinen Zweck, denn es muss bei Beschädigung immer getauscht werden.

Allerdings hat das Teil noch eine andere Funktion - sollte es zu einem Sturz kommen, verbiegt sich das Schaltauge als erstes, weil es aus einem weichen Aluminium besteht. Das sich ein Schaltauge aufgrund des Materials leicht verbiegt, kann es dazu auch ohne einen Sturz kommen. Zum Beispiel beim Parken des Fahrrads am Fahrradständer. Oder wenn man aus Versehen etwas kräftiger mit dem Fuß dagegen kommt. Ist das Schaltauge verbogen, funktioniert die komplette Schaltung nicht mehr richtig.

Die meisten modernen Fahrräder verfügen meistens über eine Schaltung und somit über mehrere Gänge. Grundsätzlich gibt es zwei Schaltungsarten - Nabenschaltung und Schaltung über ein Schaltwerk. Bei der Schaltungsart mit einem Schaltwerk befindet sich ein Ritzelpaket am Hinterrad, auch Kassette genannt. Das Schaltwerk wird meistens über Züge vom Lenker aus angesteuert. Mittlerweile gibt es aber auch elektrische oder sogar hydraulische Schaltwerke.

Erste Anzeichen eines verbogenen Schaltauges

Ist das Schaltauge verbogen, hakt nicht nur die Schaltung. Es kann sogar zu schlimmen Unfällen kommen.

Schon rasselt die Kette, überspringt beim Schalten Gänge oder fällt im schlechtesten Fall im kleinsten Gang sogar in die Speichen. Viele Schaltaugen sind bereits im Neuzustand leicht verbogen. Dann läuft die hochwertige XT nur noch wie eine billige Shimano Altus. Nur die wenigsten Radläden kontrollieren diesen Punkt bei der Endmontage.

Läuft beispielsweise die Schaltung prinzipiell ganz gut, wird jedoch schlechter, je weiter man nach innen schaltet? Dann liegt der Fehler in den meisten Fällen am Schaltauge.

Reparatur oder Austausch?

In solchen Fällen wird meistens empfohlen, das komplette Schaltauge auszutauschen. Shimano selbst stellt keine Ersatzschaltaugen her. Selbst bei Google findet man mit dem Suchbegriff “schaltauge shimano” nichts.

Nein, nicht unbedingt! Es kommt natürlich als erstes auf den Ausmaß des Schadens an. Ist das Schaltauge sehr stark verbogen, kann es passieren, dass es bricht, wenn man versucht, es wieder gerade zu biegen. Dann muss man das Schaltauge natürlich wechseln. Allerdings kann man ein verbogenes Schaltauge meistens wieder gerade biegen - und ein Versuch ist das auf jeden Fall wert.

Allerdings ist es bei modernen Rahmen mit Steckachse meist massiver, aus CNC-gefrästem Alu, daher schwer zu richten. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.

Ein zweites Schaltauge als Ersatz auf Lager zu haben, ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen.

Experten empfehlen deshalb, ein Schaltauge immer zu wechseln. Denn wer sein verbogenes Schaltauge nur richten will, spielt mit seiner Gesundheit. Für einen Austausch spricht zudem, dass du mit einem neuen Ersatzgerät das Schaltwerk schützt, bevor es selbst noch Schaden nimmt.

Wichtig: Die kleinste Deformierung und Schiefstellung führt bei weiterer Verwendung im schlimmsten Fall zu schweren Unfällen, denn das lädierte Schaltauge mit seiner Sollbruchstelle erfüllt nicht mehr seine Funktion.

Sonderfall X-12 Schaltaugen

Ein Sonderfall sind X-12 Schaltaugen. Bei diesem Modell hat die Schraube eine Sollbruchstelle. Ist ein solches Schaltauge betroffen, lohnt es sich, den Fahrradrahmen zu prüfen. Einige Hersteller haben dort irgendwo eine Ersatzschraube montiert.

Schaltauge richten: So geht's

Normalerweise benötigt man ein spezielles Schaltauge Fahrrad Richtwerkzeug. Allerdings gehen die Preise dafür bei ca. 30 € los und können sogar im 100-Bereich enden bei professionellen Werkzeugen. Und wenn man kein Fahrradmechaniker ist, der solch ein Werkzeug regelmäßig verwenden würde, und einfach nur sein Fahrrad wieder fit machen möchte, ohne gleich viel Geld ausgeben zu müssen, dann stellen wir euch eine einfache Lösung her. Damit kann jeder versuchen, sein gebogenes Schaltauge wieder gerade zu biegen, und das ohne spezielles Schaltauge Richtwerkzeug. Und im schlimmsten Fall kauft man sich einfach ein neues Schaltauge, da es günstiger wird, als sich ein spezielles Werkzeug zu kaufen.

Benötigte Materialien

  • 2 Gewindestangen M8 und M10 oder 2-mal M8
  • Passende Muttern und Unterlegscheiben
  • Fahrrad mit einem gebogenen Schaltauge
  • Zwei Hände 🙂
  • 20 Minuten Zeit

Statt Gewindestangen kann man auch lange Bolzen nehmen. Hauptsache, dass die Bolzen bzw.

Schritt-für-Schritt Anleitung

  1. Um das Schaltwerk abzubauen, muss die Schraube gelöst werden, mit der das Schaltwerk am Schaltauge befestigt ist.
  2. Die M8-Gewindestange wird am Schaltauge mit Muttern und Unterlegscheiben festgeschraubt.
  3. Die M10-Gewindestange wird an der Stelle am Rahmen verbaut, wo sonst die Hinterradachse hinkommt. Eine M8-Gewindestange geht hier auch.
  4. Nachdem die zweite Gewindestange mir Muttern und Unterlegscheiben am Rahmen festgemacht wurde, wird das Schaltauge durch das ziehen der an ihm befestigten Gewindestange wieder gerade gebogen.

Professionelle Ausrichtung mit Richtwerkzeug

Kleinere Abweichungen können in der Regel ausgerichtet werden, das passende Werkzeug (z. B. Park Tool DAG-2.2, kostet 72,99 Euro bei Wigglesport) vorausgesetzt. Ist das Schaltauge stark verbogen, reißt es beim Ausrichten oft direkt ab. Den Mythos, dass man ein Schaltauge auf dem Trail einfach wieder geradebiegen kann, muss ich leider zerstören. Meist begrenzt man nur den Schaden. Präzises Schalten ist aber nicht mehr möglich.

So misst man richtig

  1. Richtwerkzeug verwenden: Bevor es ans Ausrichten geht, ist es wichtig, dass das Hinterrad gerade im Rahmen sitzt, keinen Seitenschlag hat und alle Schrauben fest sind.
  2. Danach wird mit der Richtlehre oben und unten an der Felge Maß genommen.
  3. Ist das Schaltauge gerade, sollte der Abstand der Lehre rundherum gleich sein. Ist er das nicht, kann man das Auge mit Hilfe der Lehre vorsichtig geradebiegen.

Nach dem Richten oder Wechseln

Nachdem das Schaltauge an deinem Bike wieder passend eingebaut ist, kontrollierst du den Zustand. Diesen kannst du prüfen, indem du den Abstand der Kette zum nächstgrößeren Ritzel auf dem kleinsten und auf dem vorletzten, also zweitgrößten Ritzel begutachtest. Wenn der Abstand der Kette zum höheren Ritzel stimmt, ist alles gut. Im anderen Fall ist das Schaltauge immer noch leicht verbogen, entweder nach außen oder innen. Die Richtung der Deformierung erkennst du am Abstand des vorletzten Ritzels. Ist er kleiner, hat sich das Schaltauge nach innen gekrümmt. Diese Variante ist am häufigsten das Problem.

Das Schaltauge sollte immer genau in einem Winkel von 90 Grad zur Achse des Hinterrades stehen. Ist das nicht der Fall, ging beim Wechsel etwas schief.

Ob das Schaltwerk einwandfrei funktioniert, kannst du nicht nur durch einen Sichttest prüfen. Fahre vorsichtig eine kleine Runde auf einem verkehrsfreien Areal und probiere das Schalten der Gänge aus.

Jetzt montierst du das Schaltwerk wieder. Jetzt läuft die Schaltung am Fahrrad wieder rund und der nächsten Fahrt steht nichts im Weg.

Weitere Ursachen für Schaltprobleme

Oft ist nicht nur das Schaltauge Schuld, wenn Gänge springen oder die Kette rasselt. Auch andere Faktoren können das Schaltverhalten teils gewaltig beeinflussen. Hier die häufigsten Fehler:

  • Kette verschlissen: Eine alte Kette schaltet oft schlecht. Gerade bei 1x11- oder 1x12-Antrieben haben die Ketten nach längerer Laufzeit teils enormes Seitenspiel. Auch abgefahrene Ketten­blätter und Kasset­ten tragen zu schlechtem Schalten bei.
  • Schaltzüge erneuern: Auch Schaltzüge und Außenhüllen müssen regelmäßig gewechselt werden. Nachschmieren hilft hier meist nicht, da das Öl nur Schmutz bindet und in die Hülle zieht. Auch aufgespleißte Außenhüllen sind ein häufiger Fehler.
  • Schraube locker? Regelmäßig überprüfen sollte man das Anzugsdrehmoment von Kettenblatt- und Schaltwerksschrauben sowie von Schaltauge und Kassette. Letztere wird gerne vergessen, weil man zum Überprüfen das Hinterrad ausbauen muss.

Kompatibilität der Schaltungskomponenten

Um Deine Schaltung bestmöglich einstellen zu können, gibt es ein paar Voraussetzungen. Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen. Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden. Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden. Dies führt unweigerlich zu Problemen bis hin zur kompletten Fehlfunktion.

Auch wenn andere Hersteller kompatible Teile anbieten, schwöre ich persönlich auf Originalbauteile des jeweiligen Gruppen-Herstellers, um die beste Performance zu gewährleisten. Für beste Performance ist ein markenreines, in sich kompatibles System obligatorisch. Hier: Shimano XT 12-fach.

Pflege und Schmierung der Kettenschaltung

Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein. Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, darfst Du ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren. Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen.

Grundsätzlich sollen alle Komponenten, die mit im Spiel sind, vor dem Einstellen der Schaltung sauber und natürlich technisch einwandfrei sein. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.

Bauteile prüfen

Nimm Dir zuerst die Kassette vor: Wenn Du das größte Ritzel im montierten Zustand an zwei gegenüberliegenden Stellen fasst und die Kassette dann zu kippen versuchst, darf nur wenig bis kein Spiel spürbar sein. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss. Kontrolliere die Kassette auch auf etwaige Beschädigungen wie beispielsweise krumme oder abgebrochene Zähne. Ist dies der Fall, muss sie ebenfalls getauscht werden.

Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Auf bockigen Abfahrten kann das Schaltwerk schon mal anecken und beim Kontakt gewinnt in aller Regel der Felsen. Durch das Gerüttel auf den Trails schlägt es auch irgendwann in seinen Gelenken aus. Dies spürst Du, wenn Du den Käfig unten fasst und seitlich bewegst. Nur ein spielfreies Schaltwerk kann die Gänge sicher, schnell und präzise wechseln. Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her. Das Schaltwerk ist dann nicht mehr in der Lage, die Kette sauber unter dem gewünschten Ritzel in Position zu bringen und sie in der Flucht zu den Ritzeln zu halten.

Dann kannst Du gleich noch den Zustand der Zähne an den Schalträdchen checken: Genau wie bei der Kassette und dem vorderen Kettenblatt dürfen die Zähne der Schalträdchen ebenfalls nicht verschlissen oder beschädigt sein. Bist du unsicher, nimm Dir einfach ein Bild eines neuen Schalträdchens zur Hand, falls du gerade kein neues dahast.

Möchtest Du die Kette weiter benutzen und keine neue verbauen, solltest Du sie vorher mit einer Kettenlehre auf Längung prüfen. Gerade am Mountainbike schlägt die Kette durch die starken Vibrationen und Schläge zusätzlich seitlich aus. Spürst Du beim seitlichen Tordieren der Kette starkes Spiel und lässt sich die Kette sehr weit „biegen“, muss sie getauscht werden.

Reibungsdämpfer prüfen

Moderne 11- und 12-fach-Schaltwerke von Shimano und SRAM beherbergen eine Mechanik zur Erhöhung der Kettenspannung, die in der Verbindung von Schaltwerkskörper zum Käfig steckt. Mit einer Art Überlastkupplung im Gelenk des Schaltkäfigs wird durch Reibung die Kette gestrafft und so das Kettenschlagen deutlich abgemildert. Bei Stößen aufs Bike und Landungen von Sprüngen beispielsweise kann der Käfig nicht mehr unkontrolliert nach vorne ausschwingen und dadurch die Kette zum Schlagen bringen, wie es bei Schaltwerken ist, bei denen lediglich die Feder für Spannung des Käfigs sorgt. Dadurch wird der Antrieb im ruppigen Gelände deutlich ruhiger und die Kette kann kaum noch vom Kettenblatt fallen.

Da diese Technik ebenfalls einem Verschleiß unterliegt, kontrolliere die Funktion bzw. die Wirkung der Kupplung: Der Käfig darf sich nur mit spürbarem Kraftaufwand nach vorne bewegen lassen - Du spürst ein deutliches Losbrechmoment im Gelenk, bevor du gegen die Federkraft andrückst. So soll es sein! Prüfe den Widerstand des Käfigs sowie eventuelles Spiel in den Gelenken und Röllchen.

Schaltzug und Außenhülle

Damit der Schaltgriff exakte „Befehle“ an das Schaltwerk weiterleiten kann, muss der Schaltzug und die schützende Außenhülle akkurat angeschlossen sein. Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen. Beim Kürzen einer neuen Außenhülle ist wichtig, dass sie sauber und im 90°-Winkel abgeschnitten wird. Nimm hierzu auf keinen Fall einen Seitenschneider oder die Kombizange, da die Hülle hierbei gequetscht wird. Ein Bowdenzugschneider schert die Außenhülle sauber und quetschfrei ab. Mit einem speziell beschichteten Schaltzug verringerst Du die Reibung nochmals spürbar.

Prüfe die Reibung des Schaltzugs in der Außenhülle. Präzises Schalten geht nur mit wenig Reibung!

Zu enge Radien bei der Verlegung der Außenhülle erhöhen die Reibung unnötig und sollten daher vermieden werden. Die Endkappe muss kräftig auf die Hülle gedrückt werden, damit sie später nicht noch weiter nachgibt, was die Schaltzug-Spannung wiederum verändern würde.

Überblick der Einstellschrauben

Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Als Anschauungsobjekt dient hier ein SRAM Eagle 12-fach-Schaltwerk. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

Endanschlag unten (H-Schraube)

Schaltest Du das Schaltwerk in den leichtesten oder schwersten Gang, besteht bei schlechter Justierung die Gefahr, dass sich die Kette unten zwischen dem kleinsten Ritzel und dem Rahmen oder oben zwischen dem größten Ritzel und den Speichen verklemmt, sollte sie über das jeweilige Ritzel springen. Hierzu lässt sich der Schwenkbereich des Schaltwerks in beide Richtungen mit sogenannten Endanschlägen begrenzen. Dies sind kleine Haken am Schaltwerkskörper, die bei Bewegung des Schaltwerk-Parallelogramms als Endanschlag fungieren und jeweils gegen eine Schraube fahren, die man individuell justieren kann. So wird das Schaltwerk daran gehindert, zu weit auszulenken und die Kette über die Kassette hinaus zu werfen.

Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Hierbei steht das „high“ sinnbildlich für den schwersten Gang. Wenn Du auf das kleinste Ritzel schaltest, muss das obere Schaltröllchen in einer Flucht unter dem kleinsten Ritzel der Kassette stehen und darf nicht weiter Richtung Rahmen verfahren. Am besten geht diese erste Einstellung vonstatten, wenn noch kein Bowdenzug und keine Kette montiert sind. Wichtig: der Schaltgriff muss auf den schwersten Gang geschaltet sein. Willst Du die Begrenzung nur kontrollieren oder nachjustieren, dann geht das aber auch mit Kette und Zug.

Drehst Du die Endanschlags-Schraube im Uhrzeigersinn, wird der Anschlag nach links, also Richtung Speichen, verschoben. Durch Drehen der Schraube gegen den Uhrzeigersinn stellst Du den Anschlag weiter nach rechts, Richtung Rahmen. Drehst du die H-Schraube im Uhrzeigersinn, verstellst du den Anschlag nach innen, in Richtung Laufrad.

Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen

Von hier aus wird nun die Zugspannung eingestellt. Als Faustregel gilt: Befindet sich das Schaltwerk mit dem Röllchen unter dem kleinsten Ritzel, soll der Schaltzug minimal vorgespannt sein. Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus. So hast Du in beide Richtungen Spielraum beim Einstellen. Ist der Schaltzug in dieser Einstellung am Schaltwerk zu stark gespannt, zu sehr entspannt oder befindet sich das Schalträdchen nicht exakt unter dem kleinsten Ritzel, muss die Klemmung des Zuges am Schaltwerk nachgestellt werden. Wurde ein Schaltzug schon mehrfach an- und wieder abgeklemmt, sollte er getauscht werden, da dann einzelne Drähte oft zertrennt sind und der Zug zu reißen droht.

Ist der Schaltzug korrekt angeklemmt, kann der überschüssige Teil mit einem Bowdenzugschneider abgeschnitten werden. Zum Schutz des abgeschnittenen Endes wird eine Endtülle auf den Zug gequetscht.

Endanschlag oben (L-Schraube)

Nun stellen wir den "oberen" Endanschlag ein, also am größten Ritzel der Kassette. Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert.

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