Shimano XT Schalthebel 10-fach Rechts: Ein Test

Die Shimano XT Schaltgruppe ist seit vielen Jahren eine feste Größe am Fahrradmarkt und steht wie kaum ein anderer Name für Qualität. Diesem Ruf wird sie auch in ihrer neuesten Ausführung als M8100 voll und ganz gerecht - nun jedoch eben mit deutlich größerer Bandbreite.

Überblick über Shimano Deore M6100, M5100 und M4100 Serien

Der japanische Fahrradteilehersteller stellt mit der DEORE M6100 das neueste Mitglied der 12-fach MTB Komponentenfamilie her und präsentiert parallel dazu eine 11-fach DEORE M5100 sowie die 10-fach-Variante M4100, die ebenfalls den klangvollen Namen SHIMANO DEORE trägt. Die M6100 Serie basiert auf der DNA der SHIMANO Top-MTB-Gruppen XTR, DEORE XT und SLX.

Technologien und Optionen

Zum Einsatz kommt dieselbe DYNAMIC CHAIN ENGAGEMENT+ Technologie wie bei den XTR, DEORE XT und SLX Kurbeln, die mit ihren speziell geformten Zähnen gleichermaßen den Rückhalt der Kette auf dem Kettenblatt wie den reibungslosen und leisen Lauf garantiert. Zur Wahl stehen Kubelarmlängen von 170 mm oder 175 mm, Kettenblätter mit 30 oder 32 Zähnen (wobei die größeren oder kleineren Kettenblätter der SLX, XT oder XTR auch mit der DEORE Kurbel genutzt werden können und das Spektrum entsprechend erweitern) sowie Versionen mit drei verschiedenen Q-Faktoren: 172 mm (für 142/148 mm O.L.D.), 178 mm (148 mm O.L.D.) und 181 mm (O.L.D. 157 mm).

Kassette und Kette

Die SHIMANO DEORE 12-fach MICROSPLINE Kassette (CS-M6100) besteht aus 12 haltbaren Edelstahl-Ritzeln und hat eine Übersetzung von 10-51 Zähnen. Und zwar selbst unter hoher Last. Die SHIMANO DEORE 12-fach HG Kette (CN-M6100) ermöglicht eine leise und leichtgängige Kraftübertragung und zugleich besseren Rückhalt auf Ritzeln und Kettenblätter.

Schaltwerk und Schalthebel

Das DEORE 12-fach-Schaltwerk (RD-M6100-SGS) garantiert schnelle und präzise Schaltvorgänge über die gesamte Bandbreite von 10-51 Zähnen. Der rechte 12-fach-Schalthebel der DEORE (SL-M6100-IR) profitiert von denselben Technologien wie seine Geschwister auf XTR, DEORE XT und SLX Niveau, unter anderem von I-Spec EV.

Bremsen und Zusatzausstattung

Die DEORE M6100 Bremsen kommen in zwei Versionen auf den Markt - mit XC-spezifischem Zwei-Kolben-Bremssattel (BR-M6100) oder mit einem Vier-Kolben-Bremssattel für den Trail/Enduro-Einsatz (BR-M6120). Dazu sind die Bremshebel mit SHIMANOs bewährter SERVO WAVE Technologie ausgestattet, die mit dem ersten Teil des Hebelwegs die Beläge schnell nahe an die Scheiben führt und im zweiten Teil viel Hebelweg für den eigentlichen, leistungsstarken und gut kontrollierbaren Bremsvorgang zur Verfügung stellt. Ein optionaler Auslösehebel für versenkbare Sattelstützen (SL-MT500) komplettiert nach Wunsch das DEORE Cockpit. Mit diesem Hebel lassen sich Dropper-Posts betätigen, ohne den festen Griff am Lenker lockern zu müssen.

Vielfältigkeit der DEORE Gruppe

Die DEORE, die neben der neuen 12-fach-Linie auch eine neue 11-fach-Serie sowie weiterhin eine 10-fach Serie enthält, erhöht die Vielseitigkeit und das Einsatzspektrum dieser Gruppe um ein Vielfaches.

Antriebsoptionen

Im Gegensatz zur 12-fach DEORE, haben diese beiden Serien auch eine 2-fach Option (2×11, 2×10) im Line-up. Wer sich für ein 11-fach-System entscheidet, hat die Wahl, entweder die 10-51Z HG Kassette (CS-M5100) mit einer 1-fach Kurbel (FC-M5100) mit 30 oder 32 Zähnen oder die 11-42Z HG Kassette mit einer 2-fach Kurbel mit Standard- (FC-M5100-2) oder Boost-Einbaubreite (FC-M5100-B2) und 36-26 Zähnen zu kombinieren. Die Schaltwerke sind jeweils von der Wahl des Antriebsstrangs abhängig.

Schaltwerke im Detail

So ist das SHIMANO SHADOW RD+ Schaltwerk RD-M5100-SGS für den Einsatz mit einem 1×11-fach-Antrieb vorgesehen. Es kommt spielend mit der großen Bandbreite der 11-51Z-Kassette zurecht. Das RD-M5120-SGS Schaltwerk weist ebenfalls das für SHIMANO SHADOW RD+ typische flache Profil auf und ist auf Kassetten bis 42 Zähne (2×11/2×10-fach) bzw. bis 46 Zähne (1×10-fach) ausgelegt.

Umwerfer und Schalthebel

Die DEORE Umwerfer (FD-M5100/M4100) garantieren leichtgängige, leise und reibungslose Schaltvorgänge vorne und bieten zugleich ausreichend Freiraum für breite Reifen (bis zu 2,3“) auf breiten Felgen. Sowohl für 1-fach- als auch für 2-fach-Systeme bieten die zugehörigen Schalthebel (SL-M5100-IL/IR) mittels I-SPEC EV die Möglichkeit, Schalt- und Bremshebel bzw. bei 1-fach auch einen Auslösehebel für versenkbare Sattelstützen integriert mit den Bremshebeln an einer gemeinsamen Schelle zu montieren. Dies ermöglicht ein cleanes Cockpit-Design und lässt viele Freiheiten für eine ergonomische Positionierung der Bedienelemente.

RAPIDFIRE PLUS Technologie

Auf der linken Seite kommt bei den 2-fach-Schalthebeln die RAPIDFIRE PLUS MONO Technologie zum Einsatz, bei der mit nur einem Hebel hoch- wie heruntergeschaltet wird, was eine schnelle, direkte und vor allem intuitive Bedienung ermöglicht. SHIMANOs DEORE RAPIDFIRE PLUS Schalthebel sorgt für leichtgängiges und reaktionsschnelles Schalten und für bessere Kontrolle auf dem Trail. Seit 1985 wird RAPIDFIRE PLUS von Mountainbikern eingesetzt. Noch immer ist RAPIDFIRE PLUS die erste Wahl verschiedenster Fahrergruppen, angefangen von XC-Rennfahrern bis zu Freeridern und Downhillern. RAPIDFIRE PLUS eignet sich für schnelles Schalten.

Bremsen und Steifigkeit

Passend zu den 10-fach- und 11-fach-Versionen der DEORE sind Scheibenbremssysteme verfügbar, bei denen der Bremshebel BL-M4100 wahlweise mit einem Zwei- oder einem Vier-Kolben-Bremssattel kombiniert wird. Auch der BL-M4100 ist wie seine großen Geschwister zusätzlich am Lenker abgestützt und so signifikant steifer als Vorgängermodelle. Zudem weist auch er einen kürzeren Leerweg auf.

Shimano XT M8100 im Dauertest

Mit der XTR M9100 wagte Shimano 2018 den ersten Schritt in Richtung 12-fach Mountainbike-Gruppen. Knapp ein Jahr später wurde das 12-fach Vergnügen mit der Shimano XT M8100 erschwinglicher und zugänglicher für die Massen. Zum Launch haben wir die Gruppe bereits umfangreich vorgestellt.

Testbedingungen und Konfiguration

An unserem Ibis Ripley Testbike haben wir die komplette XT-Gruppe montiert, um einen möglichst guten Gesamteindruck zu bekommen. Bei der Übersetzung haben wir uns für 30er Kettenblatt entschieden und diese mit der 10-51 Kassette kombiniert. Allerdings erfordert es für die Kassette den neu entwickelten Microspline-Freilauf. Hier sollte man überprüfen, ob man seinen bestehenden Laufradsatz darauf umrüsten kann. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten ist das jedoch für die gängigsten Naben meist kein Problem mehr. Dazu passend haben wir auch die Trail-Variante der Bremssättel gewählt mit vier statt zwei Bremskolben und zusätzlichen Kühlrippen.

Preis und Optik

Bei der Markteinführung lag der Preis für die XT M8100 bei ca.950 Euro, mittlerweile bekommt man die Komplettgruppe (Anfang 2021) aber schon für ca. 760 Euro. Im Vergleich dazu kostet die XTR-Gruppe in gleicher Ausführung in etwas das Doppelte, wobei man damit lediglich ca. Persönlich würde ich fast soweit gehen, die XT M8100 als die schönere XTR-Gruppe zu bezeichnen. Die 12-Fach XT Gruppe ist größtenteils in schlichtem Schwarz gehalten. Somit ist die Gruppe optisch sehr neutral und kann in verschiedene Aufbauten farblich gut integriert werden, ohne jedoch optisch langweilig zu sein.

Ergonomie und Haptik

Die Ergonomie einer Gruppe wird durch die Kontaktpunkte zum Fahrer bestimmt. Das sind im Grunde Schalthebel und Bremsgriff. Bei der XT-Gruppe sind diese durch die I-Spec Technologie ergonomisch und aufgeräumt am Lenker befestigt. So sind Schalt- und Bremshebel gut angeordnet, um diese jederzeit gut erreichen zu können. Der Schalthebel kann zusätzlich nach links und rechts um ca.

Schaltvorgänge und Bremsleistung

Hochgeschalten wird mit dem kleineren Hebel dieser kann mit Druck und Zug ausgelöst und mit dem größeren Hebel wird heruntergeschaltet, beide Hebel haben eine griffige Oberfläche, so rutscht man selbst bei nassen und schlammigen Bedingungen nur schwer beim Schalten ab. Zudem sind die Schalthebel ergonomisch geformt und schmiegen sich gut an den Daumen bzw. Die Bremshebel sind als Einfinger-Bremshebel ausgelegt, was dem Anspruch der meisten Biker genügen sollte. Shimano setzt auf dieses bewährte Design schon seit einigen Jahren. Die Hebel liegen sehr ergonomisch am Finger an und an der Außenseite sind runde Einsenkungen eingefräst worden, damit man mehr Grip bei den Bremsmanövern hat und der Hebel einem nicht so leicht vom Finder rutscht. Außerdem verfügen die Bremshebel über einen großzügigen Einstellbereich der Griffweite, dieser kann werkzeuglos über einen Drehregler eingestellt werden. So sollte sehr kleine als auch sehr große Hände die richtige Griffposition finden können. Kleine Ausfräsungen am Bremshebel sollen den Grip erhöhen.

Schaltperformance und Übersetzung

Das im Vergleich zum Vorgänger hinzugekommene Ritzel beeinträchtigt die Schaltperformance nicht. Die Schaltvorgänge finden fast digital mit dem richtigen Feedback am Schalthebel statt. Aufs kleinere Ritzel können zwei Gänge mit einem Druck geschalten werden. Auch nervöse Schaltvorgänge mit viel Zug auf der Kette bereiteten der XT-Gruppe keine Probleme. Schlamm und Dreck machen das Treten und Schalten lauter, beeinflussen die Performance jedoch nicht eklatant. Die Übersetzung mit dem 30er Kettenblatt und der Kassette von 10-51 ist mehr als ausreichend für den Traileinsatz.

Schaltwerksdämpfung und Bremsen

Über Jahre hinweg hat sich die Shadow Plus Schaltwerksdämpfung bewährt und auch am neuen XT 12 Fach-Schaltwerk wurde die Kette ruhig gehalten. Auch die Shimano-Scheibenbremsen haben sich über die Jahren hinweg schon bewährt. Inzwischen sind sie an einem Punkt angekommen, wo man sich fragen muss, ob Verbesserungen überhaupt noch notwendig sind.

Bremsgriffdesign

Doch auch bei der aktuellsten Evolutionsstufe der Shimano-Bremsen wurde ein kleines Detail ergänzt, was die Performance sehr positiv beeinflusst. Nahe der Hebelachse des Bremsgriff wurde ein Steg ergänzt, der sich am Lenker abstützt. Bisher gab es nur über die Schelle den Kontakt zum Lenker. Mit dieser zusätzlichen Abstützung wird der Griff an sich um einiges steifer. Im direkten Vergleich mit der Vorgängerbremse ist das nicht nur spür- sondern auch sichtbar, da sich der Hebel nicht mehr verwinden kann.

Dosierbarkeit und Zuverlässigkeit der Bremse

Ansonsten war die Performance der Bremse sehr solide. Manchmal werden Shimano Bremsen als eher schwieriger dosierbar beschrieben. Unserer Meinung war aber die Dosierbarkeit für den Traileinsatz mehr als ausreichend. Trotz der Standard-Shimano-Bremsscheiben hatten wir keine Temperaturprobleme mit der Bremse.

Montage und Justierung

Zunächst einmal funktionierte die Montage völlig problemlos. Die Schaltung war schnell eingestellt und auch die Bremsen waren schnell befüllt und entlüftet. Über die gesamte Saison hinweg mussten wir an keiner Stelle wirklich nachjustieren. Daran hat jedoch auch der edle Ibis Ripley Rahmen seinen Anteil. Die Züge konnten schnell verlegt werden und der Rahmen war top ausgerichtet. Kettenlinie und Ausrichtung des Schaltauges waren perfekt für die verbaute XT-Gruppe. Die Hinterbauten vieler Rahmen sind leider leicht verzogen, was sich negativ auf die Schaltperformance auswirkt, obwohl die Schaltung selbst nicht dafür verantwortlich ist.

Verschleiß und Haltbarkeit

Nach ca. 1500 km mit der Gruppe konnten wir nur sehr wenig Verschleiß feststellen. Die Kette sitzt noch sehr stabil auf dem Kettenblatt und auch die Zähne an den Kettenblätter und Kassette sehen noch sehr frisch aus. Auch die Bremsbeläge würden wir als sehr haltbar beschreiben.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die neue Shimano XT-Gruppe kann alles genauso gut wie der teurere Bruder XTR. Wer nicht nicht aufs letzte Gramm schaut und den Geldbeutel schonen möchte, der muss mit der günstigeren Shimano-Gruppe keine Abstriche machen.

Shimano DEORE XT Di2

Die E-Bike-Entwicklung schreitet in rasantem Tempo voran. Doch die meisten Schaltungen funktionieren weiterhin nach einem fast schon antiquierten Prinzip. Shimano will die technologische Lücke zu High-Tech-E-MTBs mit der elektronischen DEORE XT Di2-Schaltung mit Automatik-Modus schließen und liefert neue Features für Einsteiger und Experten.

Anforderungen an E-Bike-Schaltungen

Die Anforderung an eine E-Bike-Schaltung sind hoch: Generell treten beim E-Biken dank Motorunterstützung höhere Kräfte auf, man legt im Schnitt weitere Strecken zurück und da sich Kurbel und Kettenblatt unabhängig voneinander drehen können, weiß der E-Biker nicht immer, was die Kette gerade so treibt. Schaltfehler sind vorprogrammiert und treiben den Verschleiß der Komponenten voran.

LINKGLIDE-Schaltung

2021 reagierte Shimano mit der LINKGLIDE-Schaltung, die auf Belastungen am E-Bike besonders widerstandsfähig reagiert. Ein Jahr später präsentieren die Japaner mit der neuen DEORE XT Di2 nun eine komplett in das Motorsystem integrierte elektronische Schaltung.

Kompatibilität und Varianten

Die neue Shimano DEORE XT Di2 ist eine reine E-Bike-Schaltung. Sie kommt nur an E-Bikes mit dem Shimano EP801-Motor und Shimano EP6-Motor, der aktuellsten Evolutionsstufe unter den Shimano-Motoren, zum Einsatz. Im Ersatzteileregal beim Bikehändler eures Vertrauens werdet ihr sie nicht finden, daher stehen noch keine Preise und konkreten Verfügbarkeitstermine für die Komponenten fest. Sowohl Schaltung als auch Motoren wurden jeweils aufeinander abgestimmt, weshalb die Schaltung nicht abwärtskompatibel zu einem Shimano EP8-Motor ist. Die -Shimano DEORE XT Di2 erscheint in einer 12-fach HYPERGLIDE+ und einer 11-fach-LINKGLIDE-Variante.

Elektronische Schaltung

Beide Versionen arbeiten komplett elektronisch mittels eines kleinen Servomotors im Schaltwerk. Sie sollen schnell und zuverlässig schalten, trotz hohem Motordrehmoment. Zudem sollen beide Schaltungen durch die neue FREE SHIFT-Funktion auch für mehr Balance und Kontrolle bei dynamischen Geländeveränderungen sorgen. Mit FREE SHIFT wird es möglich, die Gänge zu wechseln ohne gleichzeitig pedalieren zu müssen, der Motor übernimmt das Andrehen des Kettenblattes und der Kette.

HYPERGLIDE+ und LINKGLIDE im Vergleich

Die 12-fach-HYPERGLIDE+Schaltung richtet sich mit ihren etwas feineren Gang-Abstufungen mehr an sportliche Fahrer. Die 11-fach-LINKGLIDE-Schaltung will mit ihren robusteren Komponenten dagegen nicht nur bei Kilometer-Killern punkten, sondern liefert noch einen zusätzlichen Schaltungs-Modus.

Bedienung und Individualisierung

Die Hardware und Integration der Schaltung in das Motorsystem sind top. Die Shimano DEORE XT Di2 kommuniziert mit dem Display und dem Motor. Die Tasten des ergonomischen Schalthebels lassen sich individuell belegen und auch mit der Belegung der Motor-Remote-Tasten tauschen. Betätigt man beim Pedalieren die Schaltwippe, wechselt die Schaltung zuverlässig die Gänge ohne jegliches Drama. Die MULTI SHIFT-Funktion wurde von den bereits bestehenden Shimano Di2-Schaltungen übernommen: Hält man die Schaltwippe gedrückt, wechselt sie je nach Einstellung gleich zwei, drei oder unbegrenzt viele Gänge.

FREE SHIFT-Funktion

Der neue Schalthebel der Shimano XT Di2 besitzt neben den zwei Schaltwippen noch einen dritten Knopf, um die Schaltmodi zu wechseln. Aktiviert man die FREE SHIFT-Funktion in der App, kann man die Gänge manuell wechseln, ohne zu pedalieren. Das ist besonders für ambitionierte Trailpiloten auf Sekundenjagd praktisch: Rollt man z. B. durch eine langgezogene Kurve, hinter der ein Sprung wartet, kann noch in der Kurve ein schwererer Gang eingelegt werden. Der Motor dreht das Kettenblatt dann von alleine an, die Schaltung wechselt automatisch die Gänge. Nach der Kurve kann dann mit wenig Pedalumdrehungen der benötigte Speed für den Sprung aufgebaut werden, was einen unangenehmen Tritt ins Leere verhindert.

AUTO SHIFT-Funktion

Speziell für die Trekking- und Citybiker-Fraktion hat Shimano die neue DEORE XT Di2 LINKGLIDE zusätzlich mit der AUTO SHIFT-Funktion ausgestattet. Neben dem manuellen Modus lassen sich zwei Profile für vollautomatisches Schalten per App aktivieren und konfigurieren. In der E-TUBE PROJECT App gibt man das Fahrszenario (MTB oder Asphalt) und eine bevorzugte Trittfrequenz zwischen 50 und 80 Umdrehungen pro Minute an. Der Motor liefert Daten zur Geschwindigkeit, dem Pedaldruck und der Trittfrequenz. Ein Schaltalgorithmus „vermischt“ diese Werte und leitet daraus die Fahrsituation und eine entsprechende Gangempfehlung ab. Nehmen Geschwindigkeit und Trittfrequenz ab - bei gleichzeitiger Zunahme des Pedaldrucks - vermutet die Schaltung, dass es bergauf geht und wechselt automatisch in einen kleineren Gang. Geht es schnell und ohne zu pedalieren eine Straße hinab, wählt die Shimano-Schaltung einen höheren Gang. Rollt man langsam auf eine rote Ampel zu, schaltet die DEORE XT Di2 bis zu einem vordefinierten Startgang herunter.

Manuelle Übersteuerung und Grenzen der Automatik

Allerdings kann die Schaltung nicht in die Zukunft sehen. Bremst man etwa nur wenige Meter vor der Ampel komplett ab, reicht das dem Modus nicht aus, um beispielsweise aus dem elften Gang in den dritten zu wechseln. Für solche Fälle gibt es den Manual Override: Einfach den Schalthebel betätigen und der Schaltalgorithmus wird vorübergehend überstimmt. Trailshredder werden mit der Automatik trotz Manual Override allerdings nicht glücklich. Zwar lässt sich die Schaltung in einem App-Untermenü feintunen, von schaltfaul bis hin zu übereifrig. Es ist jedoch nicht möglich, sie auf die hohe Varianz und Dynamik von Trailfahrten abzustimmen. Will man einen steilen Anstieg mit hoher Trittfrequenz bestreiten, kann es vorkommen, dass die Schaltung immer wieder in einen schwereren Gang zurückspringt. Tritt man für einen kurzen Sprint im Wiegetritt hart in die Pedale, kann das ebenfalls missinterpretiert werden. Um dem Fahrer einen Gefallen zu tun, wechselt sie in einen leichteren Gang, wodurch man plötzlich ins Leere tritt und die Balance verliert. Um solche Situationen zu vermeiden, muss die Reaktivität der Schaltung weit runtergedrosselt werden. Im Wiegetritt macht die AUTO SHIFT-Funktion besser Pause.

Zukünftige Entwicklungen

Ist der Traum von einer automatischen Schaltung für sportliche E-Mountainbiker damit geplatzt? Nicht unbedingt! Unser Testexemplar befindet sich noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium. Besonders in puncto Software sollen weitere spannende Neuerungen kommen. Für die Schaltung ist ein Lernmodus angedacht, der dem Schaltalgorithmus einzelne Fahrsituationen antrainieren kann. Nutzt man an steilen Anstiegen immer den Manual Override, um in einen leichteren Gang und eine höhere Kadenz zu wechseln, könnte die Schaltung diese Präferenz wiedererkennen und sich entsprechend anpassen. Darüber hinaus sind noch weitere Schaltcharakteristiken denkbar, die über die Software realisierbar sind.

Potenzial für Effizienz und Langlebigkeit

Die Schaltung könnte beispielsweise die Akkureichweite optimieren, indem sie eine Trittfrequenz wählt, in der der Motor am effizientesten unterstützt. Die Schaltung könnte zudem für eine längere Lebensdauer der Komponenten sorgen. Nicht nur durch das Minimieren von Schaltfehlern, sondern auch indem sie in wenig kritischen Fahrsituationen einen Gang neben dem persönlichen “Lieblingsgang” wählt und so die Ritzel der Kassette gleichmäßiger abnutzt.

Fazit zur Shimano DEORE XT Di2 LINKGLIDE 2023

Die neue Shimano DEORE XT Di2 LINKGLIDE 2023 bringt für schaltfaule City-und Tourenbiker mit der AUTO SHIFT-Funktion eine spannende Neuerung. Sportliche E-Mountainbiker profitieren hingegen eher von der FREE SHIFT-Funktion, dem “pedalierlosen” Schalten.

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