Shimano XT Schaltwerk Feder wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Damit die Gangschaltung am Fahrrad reibungslos funktioniert und sich alle Gänge sauber schalten lassen, muss neben Schaltwerk, Schalthebel und Umwerfer auch der Schaltzug inklusive seiner Außenhülle intakt sein. Hakt die Gangschaltung, ist gegebenenfalls der Schaltzug verschlissen und/oder mit der Außenhülle verklebt. In diesem Fall ist es Zeit, den Schaltzug am Fahrrad zu wechseln.

Fehlerbehebung und Ursachenforschung

Bevor man mit dem Federwechsel beginnt, ist es wichtig, andere mögliche Ursachen für Schaltprobleme auszuschließen.

  1. Überprüfen der Schaltwerksrädchen: Die Schaltwerksrädchen auf Leichtgängigkeit überprüfen, leicht laufen sollten beide, aber das obere nur rotieren, das untere muss auch seitliches Spiel auf der Achse haben. Die unteren Röllchen sind in den preiswerten Schaltwerken auch Gleitgelagert, in den Höherwerteigen mit einem Rillenkugellager versehen, haben also fast kein axiales Spiel.
  2. Reinigung: Dann wird es Zeit, dich von deiner alten Zahnbürste zu trennen, auch die schwer erreichbaren Schmutzwinkel am Schaltwerk brauchen einen Frühjahrsputz!
  3. Anschläge: Achte besonders auf die Anschläge der seitlichen Begrenzungsschrauben.
  4. Schaltauge: Bei der Gelegenheit peile mal von hinten den Schaltwerkskäfig an, bei auffälliger seitlicher Schiefstellung ist entweder das Schaltwerk verbogen (selten!), oder (viel häufiger!) das Schaltauge des Rahmens. Dies kann genauso durch Auswechseln wie das Schaltwerk kuriert werden, wenn das Schaltauge aber integrierter Bestandteil des Rahmens ist ( bei den weitaus meisten Stahlrahmen), nicht versuchen, das Schaltwerk als Biegehebel zu missbrauchen, das geht unter Garantie in die Grütze, der gute Fachhandel hat für diesen Fall ein sinnvolles Werkzeug.
  5. Kette und Ritzel: Wann war der letzte Ketten- und/oder Ritzelwechsel?
  6. Schaltzug und Hüllen: Hast Du denn die Hüllen/Zug-Kombi schon erneuert?

Detaillierte Überprüfung der Komponenten

Nimm Dir zuerst die Kassette vor: Wenn Du das größte Ritzel im montierten Zustand an zwei gegenüberliegenden Stellen fasst und die Kassette dann zu kippen versuchst, darf nur wenig bis kein Spiel spürbar sein. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss. Kontrolliere die Kassette auch auf etwaige Beschädigungen wie beispielsweise krumme oder abgebrochene Zähne. Ist dies der Fall, muss sie ebenfalls getauscht werden.

Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Auf bockigen Abfahrten kann das Schaltwerk schon mal anecken und beim Kontakt gewinnt in aller Regel der Felsen. Durch das Gerüttel auf den Trails schlägt es auch irgendwann in seinen Gelenken aus. Dies spürst Du, wenn Du den Käfig unten fasst und seitlich bewegst. Nur ein spielfreies Schaltwerk kann die Gänge sicher, schnell und präzise wechseln.

Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her. Das Schaltwerk ist dann nicht mehr in der Lage, die Kette sauber unter dem gewünschten Ritzel in Position zu bringen und sie in der Flucht zu den Ritzeln zu halten.

Dann kannst Du gleich noch den Zustand der Zähne an den Schalträdchen checken: Genau wie bei der Kassette und dem vorderen Kettenblatt dürfen die Zähne der Schalträdchen ebenfalls nicht verschlissen oder beschädigt sein. Bist du unsicher, nimm Dir einfach ein Bild eines neuen Schalträdchens zur Hand, falls du gerade kein neues dahast.

Möchtest Du die Kette weiter benutzen und keine neue verbauen, solltest Du sie vorher mit einer Kettenlehre auf Längung prüfen. Gerade am Mountainbike schlägt die Kette durch die starken Vibrationen und Schläge zusätzlich seitlich aus. Spürst Du beim seitlichen Tordieren der Kette starkes Spiel und lässt sich die Kette sehr weit „biegen“, muss sie getauscht werden.

Der Federwechsel: Eine Herausforderung

Der Austausch der Feder im Shimano Deore Schaltwerk kann schwierig sein, da die Feder nicht einzeln erhältlich ist und keine offizielle Anleitung existiert. Einige Bastler haben jedoch erfolgreich Bolzen ausgebohrt und durch neue ersetzt, um die Feder zu wechseln.

Einige Tipps und Überlegungen:

  • Zugänglichkeit: An einer Seite der Feder sollte das Aushängen mit einer langen Spitzzange kein Problem werden da sehr gut zugänglich. Auf der Gegenseite sieht das allerdings schon anders aus.
  • Gewalt vermeiden: Entweder du ziehst das Teil mit ebenderselben Spitzzange mit GewaltKraft raus, indem der Haken verbogen wird und indem der Neueinsatz auch nur mit aufgeweitetem Haken möglich sein dürfte.
  • Bolzen entfernen: Oder du baust den Bolzen aus, in dem du die Sicherungseindellungen entfernst und irgendwie versuchst, das Teil zum Rausflutschen zu bewegen (Evtl. gegenüber ein 1,5 mm Loch bohren zur Rausschlagenkönnen). Der Federtausch ist anschließend ein Kinderspiel. (Das Reinigen endlich mal auch. ) Der Bolzen muß danach wieder mit Materialverformung des Umgebungsfleischs gesichert werden.
  • Alternative Bolzen: Es geht vielleicht auch, die Bolzen mit M2 (oder so, was halt passt) Schrauben (mit gewindefreiem Schaft nach Möglichkeit) zu ersetzten - kannst mal bei der Gelegenheit checken, ob die Lagerstellen ordentliche Buchsen (Messing/Bronze) haben.

Weitere Tipps und Tricks

  • Reibung reduzieren: Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.
  • Schaltauge prüfen: Schlägt das Schaltwerk gegen einen festen Gegenstand, verbiegt das Schaltauge auch gerne mal, obwohl das Schaltwerk selbst vielleicht gar nicht viel abbekommen hat. Ein sichtbar verzogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.
  • Schaltzug und Außenhülle: Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen. Beim Kürzen einer neuen Außenhülle ist wichtig, dass sie sauber und im 90°-Winkel abgeschnitten wird. Nimm hierzu auf keinen Fall einen Seitenschneider oder die Kombizange, da die Hülle hierbei gequetscht wird. Ein Bowdenzugschneider schert die Außenhülle sauber und quetschfrei ab. Mit einem speziell beschichteten Schaltzug verringerst Du die Reibung nochmals spürbar.

Einstellschrauben am Schaltwerk

Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Als Anschauungsobjekt dient hier ein SRAM Eagle 12-fach-Schaltwerk. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Einstellung

  1. Endanschlag unten (H-Schraube): Wenn Du auf das kleinste Ritzel schaltest, muss das obere Schaltröllchen in einer Flucht unter dem kleinsten Ritzel der Kassette stehen und darf nicht weiter Richtung Rahmen verfahren. Am besten geht diese erste Einstellung vonstatten, wenn noch kein Bowdenzug und keine Kette montiert sind. Drehst Du die Endanschlags-Schraube im Uhrzeigersinn, wird der Anschlag nach links, also Richtung Speichen, verschoben. Durch Drehen der Schraube gegen den Uhrzeigersinn stellst Du den Anschlag weiter nach rechts, Richtung Rahmen.
  2. Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen: Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus.
  3. Endanschlag oben (L-Schraube): Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert.

Zusätzliche Funktionen moderner Schaltwerke

Moderne 11- und 12-fach-Schaltwerke von Shimano und SRAM beherbergen eine Mechanik zur Erhöhung der Kettenspannung, die in der Verbindung von Schaltwerkskörper zum Käfig steckt. Mit einer Art Überlastkupplung im Gelenk des Schaltkäfigs wird durch Reibung die Kette gestrafft und so das Kettenschlagen deutlich abgemildert. Bei SRAM ist die Funktion permanent aktiv - bei Shimano kann man sie mit einem kleinen Hebel ein- und ausschalten.

Kontrolliere die Funktion bzw. die Wirkung der Kupplung: Der Käfig darf sich nur mit spürbarem Kraftaufwand nach vorne bewegen lassen - Du spürst ein deutliches Losbrechmoment im Gelenk, bevor du gegen die Federkraft andrückst.

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