Shimano XT Tretlager: Werkzeug, Test und umfassende Anleitung

Das Innenlager - oft auch Tretlager genannt - ist eine zentrale Komponente an jedem Fahrrad. Es dient als Schnittstelle zwischen Kurbeln und Rahmen und sorgt dafür, dass die Kurbelwelle sich reibungsarm drehen kann.

Dieses an sich recht einfache Bauteil gibt es jedoch in so zahlreichen Varianten und Einbaumaßen, dass Du leicht den Überblick verlieren kannst. Wir helfen Dir, das richtige für Deinen Rahmen zu finden.

Grundlagen des Innenlagers

Die Bezeichnung „Innenlager“ stammt aus der Zeit der Patronenlager, die grundsätzlich im Tretlagergehäuse Platz genommen haben. Heute sitzen die Lager häufig in Lagerschalen außerhalb des Tretlagergehäuses. So können die Lager größer dimensioniert werden und durch die breitere Abstützung wird mehr Steifigkeit gewonnen.

Das Innenlager übernimmt die Aufgabe, Rahmen und Kurbeln zusammen zu bringen. Die Liste an Schnittstellen zum Rahmen auf der einen Seite ist lang - geschraubt, eingepresst, verschiedene Rahmenbreiten, verschiedene Durchmesser, Lager innen, Lager außen. Dann muss die Kompatibilität zur Kurbelwelle hergestellt werden.

Auch hier gibt es verschiedene Durchmesser, verschiedene Kurbelwellen-Längen und Unterschiede in den Durchmessern der Lagersitze. Egal, ob Du ein verschlissenes Lager ersetzen willst oder ein neues Bike zusammenstellst: Unser Ratgeber hilft Dir dabei, in wenigen Schritten das passende Innenlager für Dein Bike zu finden.

Das Innenlager vermittelt zwischen Rahmen und Kurbel. Die entscheidenden Parameter, wenn es darum geht das passende Innenlager für Dein Bike zu finden: Gehäusebreite, Einbautyp & Achstyp.

Den richtigen Innenlager finden

Mit Hilfe der Filter in unserem Onlineshop kannst Du die Auswahl passender Innenlager schrittweise eingrenzen. Ob Du dabei mit der Gehäusebreite und dem Einbautyp am Rahmen oder mit der Art der Kurbelwelle (Filter: Achstyp) startest, bleibt Dir überlassen.

Unabhängig von der Reihenfolge, in der Du die Filter setzt, sollten am Ende immer die passenden Tretlager angezeigt werden. In den folgenden Absätzen erklären wir Dir, was die einzelnen Filtermöglichkeiten bedeuten und wie Du herausfindest, welche Dich zum richtigen Ergebnis führen.

Dabei ist es von Vorteil, wenn Du einen Messschieber oder ein Lineal zur Hand hast, um das Tretlagergehäuse an Deinem Rahmen zu vermessen. Um alle wichtigen Schnittstellen messen zu können, darf kein Lager im Rahmen montiert sein. Wenn Du vom Rahmenhersteller ein Datenblatt vorliegen hast, ist das schon die halbe Miete.

Bei der Suche nach einem passenden Innenlager in unserem Shop helfen Dir die umfangreichen Filtermöglichkeiten. Sie ist einfach zu messen - auch, wenn ein Lager montiert ist. Dabei misst Du nur am Rahmen die Gesamtbreite des Gehäuses, also OHNE Lagerschalen und eventuelle Spacer.

Wenn die Gehäusebreite bekannt ist, kannst Du per Filterfunktion schon anfangen, einzugrenzen. Da die Hersteller über die Jahre immer neue Einbaumaße mit klangvollen Namen auf den Markt gebracht haben, gibt es leider keine einheitliche Linie in den Bezeichnungen. Die Buchstaben sind meist Abkürzungen.

Die Zahlen beziehen sich in einigen Fällen auf den Innendurchmesser des Rahmens, in anderen auf den Außendurchmesser der Kurbelwelle und in wieder anderen auf die Tretlagergehäusebreite. Um aber treffsicher den Rahmen mit der Kurbel zu verheiraten, müssen alle Parameter stimmen.

Die erste und wichtigste Unterscheidung ist jedoch, ob es sich um ein per Gewinde verschraubtes oder eingepresstes Innenlager handelt. Dies kannst Du sofort am Rahmen und am Innenlager erkennen? Ist hier ein Gewinde vorhanden oder nicht?

Wir unterscheiden bei der Art der Montage die Innenlager, die verschraubt werden … … und Innenlager, die eingepresst werden (Press-Fit).

Einbautypen: Innenlager mit Gewinde

Ein Gewinde-Innenlager erkennst Du im montierten Zustand daran, dass die Lagerschalen außen eine Werkzeugaufnahme haben, meist eine Verzahnung, die die Lagerschale außen umläuft.

Es gibt derzeit folgende Varianten, die Du bei demontierten Lagern relativ leicht am Innendurchmesser des Tretlagergehäuses und der Richtung der Gewinde unterscheiden kannst:

Einbautyp Innendurchmesser Gewinderichtung
BSA etwa 34 mm Linksgewinde auf der Antriebsseite Rechtsgewinde auf der Nichtantriebsseite
ITA etwa 35 mm Rechtsgewinde auf beiden Seiten (seltener als BSA)
T45, auch Colnago ThreadFit 82,5 genannt etwa 44 mm Linksgewinde auf der AntriebsseiteRechtsgewinde auf der Nichtantriebsseite
T47 etwa 46 mm Linksgewinde auf der Antriebsseite Rechtsgewinde auf der Nichtantriebsseite
T47A (Asymmetrical) gleiche Gewinde und Durchmesser wie T47 Tretlagergehäuse aber seitlich versetzt

BSA- und ITA-Lager sehen sich sehr ähnlich, daher ist die Unterscheidung per Sichtkontrolle schwierig. Es ist aber so, dass die allermeisten Rahmen dem BSA-Standard folgen. Der ITA-Standard war, wie der Name schon erkennen lässt, ein italienischer Standard, der mittlerweile fast irrelevant geworden ist. BSA hat sich flächendeckend durchgesetzt.

Die Lager mit dem "T" (T45, T47 und T47A) sind optisch leicht gegenüber BSA und ITA zu unterscheiden. Hier kommt es aber auf die Feinheiten an, die Du in der Tabelle nachschauen kannst.

Einbautypen: Innenlager ohne Gewinde (meist Press-Fit genannt)

Bei Tretlagergehäusen ohne Gewinde werden die Kugellager direkt oder mit Lagerschalen aus Aluminium oder Kunststoff in den Rahmen gepresst. Das Prinzip ähnelt dem von Steuersätzen. In dem Kontext taucht oft der Begriff „Pressfit“ oder das entsprechende Kürzel „PF“ auf.

Die Gehäusetypen kannst Du am Innendurchmesser und der Breite unterscheiden. Den Durchmesser misst Du am besten mit einem Messschieber direkt am Rahmen bei demontiertem Innenlager.

Folgende Innendurchmesser kannst Du dann den Einbautypen zuordnen:

Innendurchmesser Einbautyp
37 mm BB90 , BB95
41 mm Pressfit BB86, BB92, BB104,5, BB107, BB121
42 mm BB30 , BB30A
46 mm Pressfit PF30, BB386 Evo, BBright
42 und 46 mm OSBB gibt es in 42 und 46 mm - bitte Datenblatt und Produktbeschreibung beachten

Die verschiedenen Einbautypen mit gleichem Durchmesser unterscheiden sich in der Gehäusebreite. Wenn Du den entsprechenden Filter gesetzt hast, wird die Auswahl entsprechend reduziert.

Der Achstyp oder auch die Kurbelwelle

Mit dem Filter "Achstyp" kannst Du die Auswahl der Innenlager nach Kompatibilität zu Deiner Kurbel eingrenzen. Eigentlich ist "Achse" bei einer Kurbel das falsche Wort, denn sich drehende Achsen sind Wellen, also sollte es "Kurbelwelle" heißen. Im Sprachgebrauch hat sich aber die "Achse" etabliert, daher benennen wir es so.

Du hast die Möglichkeit, Deine Kurbelachse (oder auch -Welle) selbst zu vermessen oder die entscheidenden Parameter aus dem Datenblatt oder der Beschreibung zu beziehen. Dabei können wir die Achstypen in zwei Gruppen einteilen: Systeme, bei denen sie Teil der Kurbel ist, also fest an den Kurbelarmen angebracht, und Systeme, bei denen die Kurbelwelle zum Innenlager gehört.

Es gibt nicht für jede Kombination aus Kurbel und Rahmen ein passendes Lager, so ist Auswahl an Kurbelmodellen je nach Rahmenmodell eingeschränkt.

Die Kurbelwelle zweiteiliger Kurbeln

Bei den meisten Kurbeln an hochwertigen Bikes ist die Kurbelwelle fest mit einem Kurbelarm verbunden. Die Maße der Shop-Filter und im Datenblatt entsprechen in der Regel dem Außendurchmesser der Kurbelwelle, den Du mit einem Messschieber an der Stelle messen kannst, wo sie im Lager sitzen würde. Alternativ kannst Du auch den Innendurchmesser des Lagers messen - also das Loch, durch das die Kurbelwelle gesteckt wird.

Folgende Systeme gibt es derzeit:

Innendurchmesser System
19 mm FSA MegaExo
24 mm Shimano Hollowtech II und kompatible Produkte anderer Hersteller
24 / 22 mm die Kurbelwelle an GXP-Kurbeln von SRAM misst auf der Antriebsseite 24 mm und auf der Nichtantriebsseite 22 mm
25 mm Campagnolo Ultra-Torque und Power-Torque
28,99 mm SRAM DUB, auch Truvativ
30 mm diverse Hersteller
30 / 28 mm Praxis Works M30, die Kurbelwelle misst auf Antriebsseite 30 mm und auf Nichtantriebsseite 28 mm

Die Länge der Kurbelwelle kann ebenfalls variieren. Die tatsächliche Länge ist aber irrelevant - die Kurbel orientiert sich mit ihrer Bezeichnung meist an der Innenlagergehäuse-Breite. Wenn Du nur das Innenlager wechseln willst und Kurbel und Rahmen schon erfolgreich miteinander funktioniert haben, dann brauchst Du Dir darüber keine Gedanken zu machen.

Wenn Du eine neue Kurbel verbauen willst, dann wird es wichtig, dass die Kurbelwelle auf die jeweilige Gehäusebreite am Rahmen abgestimmt ist. Diese Information findest Du immer in den Details der Kurbeln auf unseren Produktseiten.

Bei der Auswahl des Lagers muss der Innendurchmesser des Lagers auf den Kurbelwellen-Durchmesser abgestimmt sein. Meist handelt es sich dabei um sogenannte Patronenlager, also in sich geschlossene Einheiten, die fast komplett im Rahmen verschwinden. Links und rechts schaut die Kurbelwelle heraus. Die beiden Kurbelarme werden einzeln auf der Welle verschraubt.

Um die Kraft zu übertragen, ist die Schnittstelle zwischen Kurbelarm und -welle entweder ein konisch zulaufendes Vierkantprofil oder ein Vielzahn. Die üblichen Systeme sind:

  • Vierkant (JIS) - vorwiegend bei asiatischen Herstellern (z. B. Shimano)
  • Vierkant (ISO) - vorwiegend bei europäischen Herstellern
  • Octalink MTB - Vielzahn mit acht Zähnen, Verzahnung länger als bei Octalink Road
  • Octalink Road - Vielzahn mit acht Zähnen, Verzahnung kürzer als bei Octalink MTB
  • ISIS - Vielzahn mit zehn Zähnen
  • Power Spline - Vielzahn mit zwölf Zähnen

Die beiden Vierkant-Varianten sind nicht miteinander kompatibel. Mit dem falschen Innenlager kannst Du Deine Kurbel beschädigen. Da sie nur schwer zu unterscheiden sind, solltest Du Dich beim Hersteller Deiner Kurbel informieren, welcher Vierkant passt.

Außerdem gilt es bei Innenlagern mit integrierter Welle, neben der Einbaubreite des Innenlagers auch die Gesamtlänge der Welle passend zur Kurbel auszuwählen. Sie entscheidet über die Kettenlinie, den Q-Faktor und darüber, dass Deine Kurbel nicht mit den Kettenstreben kollidiert.

Welche Wellenlänge für Deine Kurbel benötigt wird, kannst Du in der Dokumentation des Herstellers herauslesen. Hast Du bereits ein solches Innenlager verbaut, miss einfach die Länge der Welle "über alles", also die Gesamtlänge zwischen den beiden Stirnflächen.

Arten und Qualität der Lager

Die verschiedenen Preisklassen bei Typ-gleichen Innenlagern unterscheiden sich meist in der Fertigungsqualität und der Art der Lager. Heutzutage kommen meist gekapselte Kugellager zum Einsatz - oft als Industrielager bezeichnet. Sie bestehen entweder aus klassischem Stahl, Edelstahl oder Keramik.

Während normaler Lagerstahl bei guter Pflege sehr langlebig ist, hat Edelstahl den Vorteil, dass er korrosionsbeständig (also rostfrei) ist. Wenn Du viel im Regen unterwegs bist oder Dein Rad oft wäschst und keine Zeit hast, die Lager regelmäßig zu inspizieren und bei Bedarf neu zu fetten, dann ist Edelstahl eine gute Wahl.

Keramiklager sind ebenfalls korrosionsbeständig und durch das sehr harte Material sehr langlebig.

Montage und Werkzeug

Je nach Innenlager benötigst Du zur Montage und Demontage verschiedene Spezialwerkzeuge. Um weder Rahmen noch Innenlager zu beschädigen, solltest Du stets auf das vom Hersteller vorgegebene Drehmoment achten.

Zur Montage von Innenlagern brauchst Du Spezialwerkzeuge. Für Innenlager mit Gewinde gibt es verschiedene Schlüssel, je nach System. Für Lager ohne Gewinde benötigst Du ein Einpresswerkzeug. Zur Demontage eingepresster Lager wird ein Ausschlagwerkzeug (auch Austreiber genannt) benötigt.

Ein Sonderfall sind Innenlager für gewindelose Tretlagergehäuse, bei denen die beiden Hälften miteinander verschraubt werden. Für sie brauchst Du kein Einpresswerkzeug, sondern einen Schlüssel wie für Gewinde-Lager. Das Lager zieht sich durch die Verschraubung im Rahmen zusammen.

Wir empfehlen in jedem Fall, Dich vorm Bestellen zu informieren, welche Art von Werkzeug zu Deinem neuen Innenlager passt. Bei der Montage solltest Du die Drehmomente beachten und auf jeden Fall Montagefett verwenden.

Bei einem neuen Rahmen solltest Du prüfen, ob die Lagersitze sauber vorbereitet sind. Eventuell ist es nötig, die Stirnfläche planzufräsen oder die Gewinde nachzuschneiden.

Mit neuem Innenlager dreht sich die Kurbel wieder, wie sie soll: leichtgängig, geschmeidig und spielfrei.

Das Shimano Hollowtech II Tretlager

Beim Hollowtech II Tretlager wurde diesen hohen Belastungen Rechnung getragen: Die Kugellager sitzen außerhalb des Tretlagergehäuses in Lagerschalen. Als Kugellager kommen beidseitig Rillenkugellager zum Einsatz. Damit realisiert Shimano einen größtmöglichen Abstand zwischen den beiden Lagern, eine größere Dimensionierung der Lager im Durchmesser und eine hohe Tragfähigkeit der Wälzlager an sich.

Der dazu passende Hollowtech-Tretkurbelsatz besteht aus Tretkurbeln, Kettenblättern und Tretlagerwelle. Kettenblätter und Tretlagerwelle sind dabei mit der rechten Tretkurbel fest verbunden. Die Tretkurbeln sind hohl geschmiedet (hohl = hollow) und auch die Tretlagerwelle ist hohl ausgeführt. In Summe gewährleistet diese Konstruktion hohe Belastbarkeit bei geringem Gewicht.

Die geringere Masse der Kurbeln reduziert zudem auch die bewegte Masse beim Pedalieren, ein wichtiger Einflussfaktor beim Beschleunigen im Wettkampf.

Shimano liefert beim Hollowtech II Tretlager mehrere Spacer (Abstandsringe) als Beipackteile: 2 x 2,5 mm, 1 x 1,8 mm, 1 x 0,7 mm. Sie kommen bei der Montage der Lagerschalen links/rechts zum Einsatz, um das Tretlager auf unterschiedliche Einbauverhältnisse anzupassen. Das Ziel ist dabei stets eine saubere Kettenlinie zwischen den Kettenblättern vorne und der Kassette hinten.

Werkzeug für Arbeiten am Hollowtech II Tretlager

Je nach Arbeitsumfang und Tretlager-Ausführung benötigst du folgendes Werkzeug:

  • Inbusschlüssel 5 mm (zum Lösen der Verschraubung linke Kurbel / Tretlagerwelle)
  • Shimano-Werkzeug TL-FC16 (zum Lösen der Kurbelkappe in der linken Kurbel)
  • Dünnes Messer oder ähnliches (zum Demontieren von Lager-Abdeckung und Dichtscheibe)
  • Passender Lager-Austreiber (zum Rausziehen der Kugellager aus den Lagerschalen)
  • Shimano-Werkzeug TL-FC32 bzw. TL-FC36 (zum Demontieren / Montieren der beiden Lagerschalen links und rechts am Tretlagergehäuse des Fahrradrahmens)
  • Ggf. Adapter TL-FC24 als Ergänzung zum TL-FC32/36 (für neuere Dura-Ace und XTR Innenlager: SM-BB9000, SM-BB93, BB-R9100)
  • Ggf. Adapter TL-FC25 als Ergänzung zum TL-FC32/36 (für SM-BBR60, BB-MT800)

Wartung am Hollowtech II Tretlager

Die Wartung besteht im Wesentlichen aus dem Überprüfen, Reinigen und Fetten der Kugellager. Dafür müssen folgende Bauteile demontiert werden:

  • linke Tretkurbel
  • rechte Tretkurbel samt Kettenblättern und Tretlagerwelle
  • die Lager-Abdeckungen beidseitig
  • die Dichtscheiben beidseitig

Demontage Schritt für Schritt

  1. Fahrradkette vom Kettenblatt abheben und auf dem Tretlager-Rohr des Fahrradrahmens ablegen (wenn die Kette nicht sowieso schon für andere Wartungsarbeiten entfernt wurde).
  2. Linke Kurbel: Zuerst beide Inbusschrauben lösen und entfernen, danach die Zwischenplatte (Stopper Plate) aus dem Kurbelschlitz entfernen.
  3. Linke Kurbel: Kurbelkappe lösen mit Shimano-Werkzeug TL-FC16.
  4. Linke Kurbel von der Tretlagerwelle abziehen (Zahnprofil).
  5. Rechte Kurbel/Kettenblätter/Tretlagerwelle durch leichte Schläge von links nach rechts aus dem Tretlager herausschieben/ziehen.

Jetzt hast du freien Zugang zu beiden Lagerschalen und kannst manuell die Gängigkeit der Kugellager prüfen. Fühlst du einen unregelmäßigen oder rauen Lauf, ein Spiel oder eine Schwergängigkeit, dann ist das betreffende Lager reif für eine Wartung.

Für die weiteren Arbeiten gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du schraubst die Lagerschalen per Shimano-Werkzeug TL-FC32 bzw. TL-FC36 aus dem Tretlagergehäuse aus (dann hast du freien Zugang zu den verbauten Kugellagern von beiden Seiten), oder du belässt die Lagerschalen im Tretlagergehäuse (dann ist der innenseitige Zugang nur von der gegenüberliegenden Tretlagerseite aus möglich).

Abdeckung und Dichtscheibe entfernen

Um die Lager reinigen und fetten zu können, musst du als nächstes Abdeckung und Dichtscheibe demontieren. Greife bei der Abdeckung von außen vorsichtig mit einer Messerspitze oder ähnlichem hinter die Kunststoffscheibe und hebe sie leicht an. Wandere nun in kleinen Schritten mit diesem Hebeln um das gesamte Lager herum und achte darauf, dass die Abdeckung nicht zu stark verkantet und erst recht nicht beschädigt wird beim Demontieren.

Greife mit dem Hilfswerkzeug auch nicht zu tief hinter die Abdeckung, um die Dichtlippe der darunter befindlichen Dichtscheibe nicht versehentlich zu beschädigen. Sicherer als die beschriebene Methode per Messerspitze von außen ist natürlich das Austreiben mit einem passenden Austreiber von der anderen Lagerseite aus. Das setzt aber voraus, dass die Lagerschale vorab aus dem Tretlagergehäuse demontiert wurde (Ablauf siehe unten).

Greife nun bei der Dichtscheibe von innen vorsichtig dahinter und hebe sie leicht an. Wandere auch hier in kleinen Schritten den gesamten Lagerumfang ab, bis dir die Dichtscheibe entgegenfällt.

Kugellager reinigen und fetten

Jetzt hast du freien Zugang zu den Kugellagern und kannst mit der Reinigung beginnen. Weil die Kugellager nicht zerlegt werden können, bleibt dir an dieser Stelle lediglich eine Behandlung mit einem sauberen Putzlappen von außen bei gleichzeitiger Drehung der inneren Kugellager-Schale.

Verwende hierbei (wenn überhaupt) ausschließlich Reinigungsmittel, die sich vollständig verflüchtigen (z. B. Bremsenreiniger). Sollte das Kugellager allerdings schon festsitzen (durch starke Korrosion), dann lohnt sich der Versuch, es mit einem Rostlöser (Caramba) wieder gängig zu bekommen.

Nach der Reinigung fettest du das Kugellager mit einem guten Wälzlagerfett (z. B. Castrol LMX). Auch hierbei ist das Prozedere etwas mühsam und zeitraubend: benetze das Kugellager stirnseitig mit Fett und drücke es mit der Fingerkuppe zwischen die Kugeln, während du an der inneren Lagerschale drehst. Nach und nach verteilt sich das Fett dabei zwischen den Kugeln und am Ende erhältst du ein gut gefettetes Kugellager.

Kugellager austauschen

Lassen sich die Kugellager nicht mehr durch Reinigen und Fetten instandsetzen, musst du nicht gleich die gesamte Lagerschale samt Kugellager austauschen. Vielmehr reicht es, wenn du lediglich das Kugellager demontierst und gegen ein passendes Industrielager ersetzt.

Um ein Verkanten beim Herausziehen des Lagers zu vermeiden, solltest du spätestens jetzt die Lagerschale aus dem Tretlagergehäuse herausschrauben, damit du einen freien Zugang von hinten hast (siehe nächster Abschnitt). Danach treibst du mit einem maßlich passenden Werkzeug das zerstörte Kugellager von hinten aus der Lagerschale heraus.

Lagerschalen ausbauen links / rechts

Ist es unumgänglich, die Lagerschalen samt Kugellager auszubauen (Anlässe siehe oben), benötigst du das Shimano-Werkzeug TL-FC32 bzw. TL-FC36. Sorge für eine stabile Arbeitsposition, denn bei der Demontage wirken sehr hohe Kräfte (40 Nm + x): Stelle das Fahrrad auf den Sattel oder nutze einen robusten Montageständer.

Beachte auf jeden Fall die Gewinde-Richtung an deinem Tretlager: Hat das Tretlagergehäuse an deinem Fahrrad ein BSA-Gewinde, dann gilt: linke Seite trägt Rechtsgewinde, rechte Seite trägt Linksgewinde. Besitzt das Tretlagergehäuse dagegen ein ITA-Gewinde, dann findest du beidseitig Rechtsgewinde vor.

Achte bei der Demontage auf die Spacer, also die Distanzringe, die zwischen Lagerschale und Tretlagergehäuse auf beiden Tretlager-Seiten verbaut sind. Sie unterscheiden sich in Anzahl und Breite (siehe oben) und sorgen für die korrekte maßliche Positionierung der Lagerschale zu Rahmen und Kettenlinie. Sorge dafür, dass du später bei der Montage wieder alle Spacer auf der richtigen Seite einbaust.

Die Stirnflächen am Tretlagergehäuse

Sind die Lagerschalen ausgebaut, hast du den freien Blick auf die Stirnflächen am Tretlagergehäuse in deinem Fahrradrahmen. Prüfe bei dieser Gelegenheit, ob die Stirnflächen sauber und plan bearbeitet wurden im Zuge der werksseitigen Montage-Vorbereitung.

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