Shimano XTR Bremsbeläge wechseln – Eine detaillierte Anleitung

Gut funktionierende Bremsen sind das A und O für die Sicherheit beim Mountainbiken. Nichts ist schlimmer, als am höchsten Punkt einer Tour festzustellen, dass die Bremse nicht richtig bremst. Vorbeugend hilft: regelmäßig Bremsbeläge checken und gegebenenfalls austauschen.

Vielleicht hast Du es bei Deiner letzten Mountainbike-Tour schon gehört: Ein leichtes Kratzen bei jeder Bremsung. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Bremsbeläge Deiner Scheibenbremse runtergefahren sind und ausgewechselt werden müssen. Im besten Fall kommt es gar nicht erst soweit und Du checkst regelmäßig den Zustand der Bremsbeläge. Spätestens vor einer großen Tour solltest Du Dein Fahrrad und die Bremsen prüfen. Wenn der Bremsbelag auf einer Trägerplatte dünner als 1mm ist, heißt es: Der Bremsbelag muss gewechselt werden.

Zum Glück brauchst Du dafür Dein Mountainbike nicht in die Werkstatt bringen und lange auf die Reparatur warten. Denn die Bremsbeläge Deiner Scheibenbremse kannst Du auch ganz einfach selber wechseln. Im Folgenden beschreibe ich Dir Schritt-für-Schritt, wie Du dabei vorgehst. Wenn Du die Brembeläge Deiner Scheibenbremse selber wechseln möchtest, solltest Du Dir dafür Zeit nehmen und sorgfältig vorgehen - schließlich geht es hier um Deine Sicherheit!

Außerdem: Die Bremsbeläge sollten am besten immer zuhause gewechselt werden, da Du dort einfach das bessere Werkzeug parat hast und zur Not noch schnell in das nächste Bike-Geschäft gehen oder online etwas nachbestellen kannst. Trotzdem empfiehlt es sich, unterwegs immer ein Paar Ersatzbeläge dabei zu haben. Schließlich hast Du auch immer ein Multitool und einen Reifenheber in der Tasche.

Benötigtes Material und Werkzeug

Zum Wechseln Deiner Scheibenbremsen-Beläge brauchst Du zunächst natürlich die richtigen Bremsbeläge. Denn je nach Fahrrad-Bremsanlage gibt es hier Unterschiede. Um den richtigen Bremsbelag für Deine Fahrrad-Scheibenbremse zu finden, solltest Du die Nummer auf dem Bremssattel ablesen. Diese Nummer sollte sich auch auf der Verpackung der Ersatzbeläge wiederfinden. Nicht jeder Bremsbelag ist für jede Scheibenbremsanlage geeignet. Neben den neuen Ersatzbelägen sollte auch das richtige Werkzeug griffbereit sein:

  • etwas Bremsenreiniger
  • ein sauberes Tuch
  • einen speziellen Bremskolben-Spreizer von Park Tool oder einen stabilen, möglichst breiten Reifenmontierhebel oder einen breiten Schlitz-Schraubenzieher, um die Bremskolben zurückzudrücken
  • einen spitzen, dünnen Gegenstand, um den Führungsstift/-splint zu entfernen

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Vorbereitung

Am besten funktioniert das Wechseln der Beläge, wenn das Rad in einen Montageständer gespannt ist. Spanne also das Rad in einen Montageständer oder sorge für einen sicheren Stand z. B. mit einer stabilen Stange, sodass sich das entsprechende Rad frei drehen und herausnehmen lässt. Als erstes klemmt ihr das Fahrrad an einen Montageständer oder hängt es mit dem Sattel auf eine stabile Stange. Alternativ kannst Du das Fahrrad auch umdrehen, wie im Video gezeigt.

2. Laufrad ausbauen

Um an der Bremse vernünftig arbeiten zu können, muss man als erstes das Laufrad ausbauen. Anschließend demontiert ihr das Laufrad. Nach dem Ausbau könnt ihr direkt die Bremsscheibe überprüfen.

3. Führungsbolzen entfernen und Bremsbeläge herausziehen

Nachdem das Rad demontiert ist, kann der Führungsbolzen entfernt werden. Hierbei kann es sich je nach Hersteller um eine Inbusschraube handeln, die Du mit einem passenden Inbusschlüssel herausdrehen kannst. Entfernt zunächst die Sicherung der Beläge. Im Anschluss entweder den Splint mit einer Zange oder die Schraube mit dem entsprechenden Werkzeug herausziehen. Ist ein einfacher Splint verbaut, kann dieser zum Beispiel mit einem Seitenschneider gerade gebogen und herausgezogen werden. Ist der Führungsbolzen entfernt, kannst Du die Bremsbeläge aus der Bremszange ziehen.

Tipp: Schau Dir kurz die alten Bremsbeläge an. Sind diese plan und nahezu identisch abgefahren, scheint die Bremse in Ordnung zu sein. Sind sie aber deutlich einseitig abgenutzt, deutet das auf einen feststehenden Kolben hin. Auch können die Beläge nicht plan, sondern schief abgenutzt sein. Ist dies der Fall, könnte ein Kolben leicht schief im Bremssattel stehen oder dieser war schief montiert.

4. Bremskolben zurückdrücken

Als nächstes drückst Du die Bremskolben ca. Dazu einfach vorsichtig den Bremshebel betätigen. Falls die Bremskolben nicht leicht herausstehen (ca. 2 mm), betätigt die Bremse leicht. Bitte darauf achten, dass die Kolben nicht zu weit heraus gedrückt werden. Fährt nur ein Kolben aus der Zange, kannst Du diesen mit dem Bremskolben-Spreizer festhalten, sodass sich der andere bewegen kann.

Achtung: Achte darauf, dass die Kolben nicht zu weit heraus gedrückt werden. Ansonsten können sie aus der Zange fallen, was zum Auslaufen der Bremsflüssigkeit führt.

5. Bremskolben reinigen

Sind die Kolben ca. 2mm aus dem Sattel gedrückt, entferne vorhandene Ablagerungen an den Bremskolben mit dem Bremsenreiniger und einem sauberen Tuch. Im Übrigen solltet ihr die Bremskolben regelmäßig reinigen, da sie im Laufe der Zeit durch Bremsstaub und äußere Einflüsse verschmutzt werden. Dazu könnt ihr SHIMANO Mineralöl verwenden. Mit einem Tuch nochmal im Zwischenraum überschüssiges Öl abwischen.

6. Bremskolben zurückdrücken

Die sauberen Bremskolben müssen nun wieder in den Bremssattel zurückgedrückt werden. Bei diesem Schritt solltest Du besonders sorgfältig sein, damit die Bremse wieder einwandfrei funktioniert. Bevor die Kolben wieder in den Sattel gedrückt werden, empfiehlt es sich, etwas Bremsflüssigkeit auf die Kolben zu tröpfeln. Dies erleichtert das Zurückdrücken und macht die Dichtungen wieder geschmeidig.

Hast Du etwas Bremsflüssigkeit auf die Kolben gegeben, können diese am besten mit dem Bremskolben-Spreizer durch vorsichtiges Hebeln zurückgedrückt werden. Hast Du keinen solchen Spreizer in der Werkzeugkiste, kann dies auch mit einem stabilen Reifenheber geschehen. Achte darauf, dass Du die Kolben nicht schief in den Sattel zurückdrückst und sie vielmehr leicht in den Sattel gleiten.

Musst Du etwas mehr Kraft aufwenden, um die Kolben wieder zurückzudrücken oder waren die Bremsbeläge stark einseitig abgefahren, müssen die Kolben wieder gängig gemacht werden. Dazu einfach die Kolben öfter aus dem Sattel pumpen und wieder hineinhebeln. Sind alle Kolben gängig und vollständig in den Bremssattel gedrückt, wische die überschüssige Bremsflüssigkeit mit einem Tuch ab.

Bevor Du die neuen Bremsbeläge wieder eingesetzt, kannst Du durch vorsichtiges und kurzes Ziehen am Bremshebel die Funktion der Bremse und der Dichtungen überprüfen. Dabei sollten sich alle Kolben gleichzeitig aus dem Sattel bewegen und nach dem Loslassen wieder ein Stück zurückfahren. Ist dies nicht der Fall, einfach die Schritte 4 und 5 nochmal wiederholen. Hilft auch das nichts, müssen letztlich alle Dichtungen, Kolben und die Bremsflüssigkeit erneuert werden.

7. Neue Bremsbeläge einsetzen

Nachdem die Kolben nun wieder schön gleiten und vollständig zurückgedrückt sind, kannst Du die neuen Bremsbeläge einsetzen. Dazu einfach die Feder zwischen die beiden Beläge legen und zusammendrücken. So können dann die Beläge in der richtigen Stellung wieder in den Bremssattel geschoben werden. Es gibt Bremsbeläge, die eine Laufrichtung besitzen. Diese einfach entsprechend in den Sattel legen.

8. Führungsbolzen montieren

Sind die Bremsbeläge richtig im Sattel positioniert, kann der Führungsbolzen sauber gemacht und hineingeschraubt werden. Achte darauf, dass Du die kleine Sicherungsklammer wieder aufsteckst. Beläge sichern: Sichern Sie die Beläge mit Sicherungsschraube und Splint bzw. dem Sicherungssplint. War ein Splint verbaut, einfach einen neuen Splint einsetzen und dessen überstehendes Ende mit einer Zange oder einem Schlitzschraubenzieher aufspreizen.

9. Bremsscheibe prüfen und ggf. austauschen

Nach dem Ausbau könnt ihr direkt die Bremsscheibe überprüfen. Sie sollte eine Mindestdicke von 1,5 mm haben. Das könnt ihr mit einem Messschieber messen. Bevor Du das Laufrad wieder einsetzen kannst, solltest Du unbedingt auch die Bremsscheibe untersuchen, da auch diese verschleißen kann. Dazu mit dem Finger die Reibfläche und den Stern abfahren. Ist dort am Übergang eine deutliche Kante oder Einbuchtung zu spüren bzw. zu sehen, solltest Du auch die Bremsscheibe austauschen.

Muss diese erneuert werden, achte beim Kauf der Scheibe auf die richtige Größe und auf die richtige Befestigungsart. Nachdem Du die verschlissene Bremsscheibe demontiert hast, die Nabe an der entsprechenden Stelle mit einem Tuch abwischen, anschließend die Bremsscheibe auflegen und die Schrauben mit den Sicherungsfedern ansetzen. Auch hier auf die Laufrichtung der Bremsscheibe achten. Sind alle Schrauben angesetzt, diese dann zuerst über Kreuz leicht anziehen und anschließend in einem zweiten Durchgang nochmal alle gut nachziehen. So vermeidest Du, dass sich die Bremsscheibe verspannt.

Kannst Du die alte Bremsscheibe aber noch verwenden, solltest Du diese mit Bremsenreiniger und einem Tuch reinigen.

10. Laufrad einbauen und Bremssattel zentrieren

Ist nun die Bremsscheibe sauber bzw. ersetzt worden, kannst Du das Laufrad wieder einbauen. Ist das Laufrad eingebaut und der Druckpunkt wieder hergepumpt, solltest Du noch überprüfen, ob der Bremssattel richtig zentriert ist. Dies sollte vor allem dann geschehen, wenn die alten Bremsbeläge nicht plan, sondern schief abgenutzt waren.

Dazu drehst Du an dem entsprechenden Rad. Läuft dieses geräuschlos und stehen die Bremsbeläge parallel zur Bremsscheibe, musst Du nichts mehr machen. Ist jedoch ein permanentes Schleifen zu hören oder die Bremsbeläge stehen nicht parallel zur Scheibe, muss der Bremssattel zentriert werden. Dazu einfach die beiden Schrauben lösen, mit denen der Bremssattel befestigt ist und den Bremshebel betätigen. Mit dem gezogenen Bremshebel die Schrauben wieder zuerst leicht anziehen und erst dann nochmal fest nachziehen.

Nun das Laufrad wieder drehen lassen. Sollte Du immer noch ein schleifendes Geräusch hören, einfach das Ganze wiederholen. Ist nur ein kurzes bzw. unterbrochenes Geräusch zu hören, ist die Bremsscheibe leicht verbogen. Dies kannst Du durch leichtes Biegen mit einer Zange an entsprechender Stelle in entsprechende Richtung korrigieren. Dazu das Laufrad drehen lassen und die Bremsscheibe beobachten, wie sie durch den Bremssattel läuft. So lässt sich ein vorhandener Schlag leicht erkennen.

11. Bremse einbremsen

Hat man Bremsbeläge und Laufrad wieder eingebaut muss man die Bremse nun wieder neu einbremsen. Dazu die Bremse in kontrolliertem Umfeld mehrmals richtig heiß bremsen, damit sie ihre volle Bremsleistung entfalten kann.

  • Nach dem Einbau der neuen Bremsbeläge solltest Du aus moderater Geschwindigkeit (ca. 25 km/h) mehrfach mittelstark abbremsen (20 - 30 Mal). Hierbei solltest Du spüren wie die Bremskraft bei jeder Bremsung zunimmt.
  • Jetzt solltest Du das eigentliche Ausgasen provozieren (wichtig bei organischen Belägen), indem Du auf einer nicht zu langen Abfahrt die Bremsen schleifen lässt bis sie relativ heiß werden.
  • Erst wenn Du spürst dass die Bremswirkung nicht mehr zunimmt ist der Belag richtig eingebremst, verschleiß- und standfest.

12. Abschließende Kontrolle

Ist letztlich alles erledigt, kannst Du das Fahrrad wieder vom Montageständer holen. In unserer Anleitung stellen wir das Mountainbike zur Reparatur auf den Kopf. Wenn Du Deine Scheibenbremse jedoch regelmäßig entlüftest und Du außerdem mehrmals den Bremshebel betätigst, bevor Du Dich nach der Reparatur wieder aufs Bike setzt, ist dies in der Regel unproblematisch.

Wichtige Hinweise zum Einbremsen neuer Bremsbeläge

Moderne Shimano Scheibenbremsen am Fahrrad - egal, ob Citybike, Trekkingrad oder MTB - sollten optimal bremsen: Wohl dosiert, aber auch kraftvoll. Unabhängig vom Wetter, z.B. bei Schnee oder Regen oder auf schlammigem Untergrund müssen die Bremsbeläge der Shimano Fahrradbremsen immer gleich und vor allem zuverlässig greifen.

Wenn Sie neue Shimano Scheibenbremsen an Ihrem Bike haben bzw. die Shimano Bremsbeläge neu sind, achten Sie darauf, diese ab dem 1. Tag nach dem Austausch passend „einzubremsen“ bzw. „einzufahren“. Beim Einschleif- bzw. Einbremsprozess passen sich der Bremsbelag und die Shimano Bremsscheibe (auch Disc Brake genannt) perfekt aneinander an. Dabei werden kleinste mikroskopische Unebenheiten auf beiden Bauteilen perfekt weggeschliffen. Ganz schnell liegt dann der Bremsbelag beim Bremsen plan auf der Bremsscheibe, was sehr wichtig ist. So finden dann künftig bei verschiedenen Bremsvorgängen diese beiden Komponenten optimal Kontakt und die Geschwindigkeit am Laufrad wird reduziert.

Noch dazu finden beim kräftigen Einbremsen neuer Bremsbeläge vom namhaften Hersteller Shimano chemische Prozesse statt. Diese sind sehr wichtig, da der Belag ab Werk noch sehr weich ist und beim Bremsen der Bremsbelag stark erhitzt wird. Das Material gast dabei aus und der ehemals weiche Belag härtet aus, ist temperaturresistent und kann seine optimale Bremswirkung hervorragend entfalten.

Wenn Sie den Einbremsprozess nicht durchführen, findet kein Aushärten der Bremsbeläge statt und diese sind weiterhin weich. Dann verschleißen diese extrem schnell und müssen entsprechend früher auch gewechselt werden. Sie sehen, der Einbremsprozess der Shimano Scheibenbremsen-Beläge ist unabdingbar - ein Unterlassen geht mit einem unnötig erhöhten Kostenaufwand und deutlich verminderter Sicherheit im Straßenverkehr einher.

Gemäß Shimano Herstellerangaben sollte beim Einbremsen das Fahrrad auf 30 km/h beschleunigt werden, um dann die nötigen 30 (manchmal auch mehr) Vollbremsungen durchzuführen. Dies ist auf jede Bremse bezogen, also 30 x vorne, 30 x hinten. Folgen Sie der Anleitung zum Einfahren bzw. Diesen Brems-Vorgang wiederholen Sie je 30 Mal vorne und auch 30 Mal hinten, wenn die Bremsbeläge von Shimano neu sind. Nach und nach merken Sie eine zunehmend bessere Bremswirkung (meist ist dies ab ca.

Wichtiger Tipp bei organischen Bremsbelägen: Unbedingt nach dem Einbremsen die Bremsbeläge noch richtig heiß bremsen, um so das sogenannte Ausgasen der Lösungsmittel im Material hervorzurufen. Lassen Sie hierzu am besten auf einer steilen Abfahrt die Bremsen einzeln schleifen bis diese richtig heiß sind. (Bei sinter-metallischen Bremsbelägen ist dies nicht nötig, da hier meist nur wenig bzw.

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