Die neue Shimano XTR-Serie umfasst nicht nur eine Funkschaltung, sondern auch überarbeitete Bremsen inklusive zugehöriger Scheiben. In der Option für Trail- und Enduro-Biker soll die neue Shimano XTR vor allem mit Robustheit, Steifigkeit und Power glänzen. Wir haben uns die Versprechungen genauer angesehen und die Bremsen einem ersten Test unterzogen.
So fahren sich die neuen Shimano-Bremsen
Eine große Stärke aller Shimano-Bremsen bringt auch die neue XTR wieder mit: Montage und Entlüftung sind ein Kinderspiel. Ebenfalls erfreulich bekannt: die kurze Einbremsdauer. Für eine leichte Race-Bremse legt die Zweikolben-XTR eine ordentliche Power an den Tag. Beherzt greifen die Stopper in die neuen Scheiben. Der Druckpunkt war im ersten Test durchgehend zuverlässig und konstant.
Gekonnt mittig platziert zischen knallhart und weich begeistern die neuen Shimano Bremsen mit guter Dosierfähigkeit. Ohne um die Hintergründe zu wissen, werden den meisten Bikern die Detailverbesserungen bei Ergonomie und Funktion vermutlich kaum auffallen. Oder anders gesagt: Bei einem Blindtest wäre vermutlich schwer auszumachen, ob eine neue oder eine alte XTR am Lenker klemmt. Die Shimano XTR Stopper kommen von einem hohen Niveau und docken dort in der Neuauflage nahtlos an. Schön: Das Klappern der IceTech-Bremsbeläge gehört endlich der Vergangenheit an.
Selbst im Marathon fuhr ich bislang die XTR-Bremsen mit vier Kolben. Die paar Gramm Gewichtsersparnis des kleineren Bremssattels wogen die Power der Trail-Version nicht auf. Ich bin aber erstaunt, wie viel Wumms die neue Crosscountry-Bremse hat. - Karl Platt, Team Bulls
Während die Trail- und Enduro-Version der neuen Shimano XTR Scheibenbremse auf vier Kolben setzt, kommt das Race-Modell mit gewichtsoptimierten zwei Kolben.
Rein optisch ist der Unterschied der Crosscountry-Bremshebel zum Vorgänger gering. Er baut deutlich schlanker als das Enduro-Modell.
In Sachen Aussehen ist bei der Enduro- und Trailversion der Shimano Scheibenbremsen mehr passiert. Die Leitung verläuft nun näher am Lenker. Optisch trägt die Vierkolben-Version auch am Hebel dicker auf als ihre schlanke Race-Schwester. Dass die Hebel nun in einem etwas flacheren Winkel stehen, soll die Hände und Arme auf anspruchsvollen Abfahrten entlasten und helfen den Schwerpunkt besser im Bike zu platzieren. Im ersten Test der neuen XTR-Vierkolben-Bremse verfehlte das Update seine Wirkung nicht. Auch die zügige Rückstellung der Hebel spart Körner und schafft Vertrauen. Zu merken ist der Unterschied zur Vorgängerin jedoch nur auf wirklich langen Trails. Die Trail- und Enduro-Variante verwöhnt mit der bekannt hohen Bremskraft. Einen Vorteil der nun geringeren Viskosität des Bremsmediums konnten wir im Testzeitraum nicht ausmachen. Auch hier hatten wir jedoch kein Druckpunktwandern zu beklagen.
Ich fahre meine Bremsen gerne mit Druckpunkt nah am Lenker. Dank der überarbeiteten Ergo-Flow-Technologie in den neuen XTR-Bremshebeln kann ich mein Ideal nun noch besser einstellen, als mit den alten Shimanos. Die Ergonomie-Updates am Hebel zeigen Wirkung, bemerkbar wird die allerdings erst auf wirklich langen Abfahrten. Obwohl Shimano nicht, wie inzwischen viele andere Hersteller auf dickere Scheiben setzt, konnte die Standfestigkeit im ersten Test überzeugen.- Jan Timmermann, BIKE Redakteur
Die Enduro-Bremse der neuen XTR-Familie setzt auf vier Kolben in je zwei unterschiedlichen Größen. Die Bremsbeläge klappern trotz Kühlrippen nicht.
Auf dem neuerdings einteiligen Bremssattel prangt das prestigeträchtige XTR-Logo. Die Enduro-Bremse ist nicht gerade filigran, dafür kräftig.
Detaillierte Betrachtung der Shimano XTR M9220-Vierkolbenbremse
Die neue Shimano XTR M9220-Vierkolbenbremse wurde ausgiebig getestet. Neben einer neuen Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe stellt der japanische Komponenten-Hersteller auch eine neue XTR M9200-Bremsen-Serie vor, die aus gleich drei Modellvarianten besteht: Denn es wurden ein neuer XTR BL-M9220-Bremshebel sowie zwei neue Bremssättel - für jeweils 2 und 4 Kolben - entwickelt. Die Idee dahinter? Die neuen Bremsen sollen eine konsistentere Bremsleistung und bessere Modulation ermöglichen. Während die Vierkolben-Variante weiterhin im Trail- und Enduro Einsatz findet, siedelt sich die Zweikolben-Version im XC-Bereich an. Preislich liegt ein Vierkolbenbremse-Set ohne Scheiben bei ca. 620 € und bringt rund 620 Gramm auf die Waage.
Auch wenn der XTR BL-M9220- Bremshebel weiterhin als Shimano-Bremshebel zu erkennen ist, ist er zusammen mit seiner angepassten Kabelführung die auffälligste Neuerung der Bremse. Der Drehpunkt des Alu-Hebels ist näher an den Lenker gewandert und hat eine leicht nach oben gebogene Hebelform bekommen, was die Ergonomie verbessern soll. Die Hebelweite könnt ihr - wie beim Vorgänger - werkzeuglos verstellen. Das Verstellrädchen ist dabei formschön im Alu-Hebel integriert und lässt sich auch mit Handschuhen leicht drehen. Eine Druckpunktverstellung gibt es allerdings nicht. Die Leitung verlässt jetzt sehr nah am Lenker den Bremshebel. Das sorgt zwar für eine aufgeräumtere Optik am Cockpit, kann aber auch wirken, als hätte man nachträglich etwas ausgebessert. Zudem neigen die Leitungen jetzt dazu, am Lenker zu klappern, wie es bei den ersten Stealth-Modellen von SRAM der Fall war - unserer Meinung nach laufen sie zu nah am Lenker.
Zum neuen Hebel gesellt sich der ebenfalls neue XTR BR-M9220 Bremssattel, der in seinem von uns getesteten Vierkolben-Design für den Trail- und Enduro-Einsatz gedacht ist. Dabei kommen zwei unterschiedliche Kolbendurchmesser zum Einsatz, womit der Hersteller eine verbesserte Dosierbarkeit verspricht. Auch ist im Bremssystem eine neue Bremsflüssigkeit mit geringerer Viskosität vorhanden, die nicht rückwärtskompatibel ist, denn es werden andere Dichtungen dafür benötigt. Ebenfalls neu: Der gesamte Bremssattel wurde aus einem Teil gefertigt, was die Steifigkeit optimieren und das Gewicht senken soll.
Für den XC-Einsatz wurde speziell ein XTR BR-M9200-Bremssattel entwickelt, der auf zwei Kunststoffkolben setzt. Kombiniert wird er gängigerweise mit dem XTR BL-M9200-Bremshebel im Carbon-Design. Dabei handelt es sich allerdings um das bereits auf dem Markt verfügbare Vorgängermodell, bei dem lediglich die Dichtungen angepasst wurden, um mit der neuen Bremsflüssigkeit zu funktionieren. Das heißt, der Hebel setzt auch auf die alte Leitungsführung, hat aber kein Verstellrädchen und keinen ERGO FLOW-Hebel. Für mehr Power bietet Shimano aber auch den Zweikolben-Sattel mit dem neuen BL-M9220 Bremshebel an, was dann die dritte Modellvariante ergibt.
Wir konnten die neue Shimano XTR M9220 Bremse - wie auch die neue XTR-Schaltgruppe - für mehrere Tage an unterschiedlichen Bikes testen, wobei wir an beiden Bikes eine Kombination aus XTR BL-M9220 Bremshebel und BR-9220 Bremssattel gefahren sind. Auf gut Deutsch ist das die neue XTR-Vierkolbenbremse. Kombiniert war sie vorne und hinten mit Shimano ICE-TECH-Bremsscheiben in 203 mm Durchmesser, welche kein Update bekommen haben.
Beim ersten Einstellen der XTR BL-M9220-Bremshebel muss man etwas aufpassen, denn durch die leicht gebogene Form befindet sich der äußerste Teil des Hebels etwas weiter oben. Zudem liegt der Drehpunkt des Hebels sehr nah am Lenker und wenn ihr euren Hebel etwas weiter weg haben wollt, läuft dieser in einem recht spitzen Winkel vom Lenker weg. Das zwingt euch dazu, von außen in Richtung Hebel zu greifen, was sich etwas ungewohnt anfühlt. Durch die Position des Drehpunkts steht der Hebel in einem steilen Winkel vom Lenker ab.
Auf dem Trail liefert die XTR-Vierkolbenbremse die gewohnt starke Brems-Performance, übertrifft ihren Vorgänger aber nicht in dessen Power. Geblieben ist auch das typisch digitale Bremsgefühl von Shimano, was sich mit der neuen XTR-Reihe allerdings etwas besser dosieren lässt und kein direktes Klicken erzeugt, wie man es vom Vorgänger kennt.
Insgesamt überzeugt die neue Shimano XTR-Vierkolbenbremse weiterhin mit guter Bremspower, ohne dabei in irgendwelchen Belangen besonders positiv oder negativ herauszustechen. Leider klapperten bei allen Testbikes die Leitungen gegen den Lenker und wir mussten diese zusätzlich befestigen.
Die neue Shimano XTR M9220-Vierkolbenbremse liefert eine feinere Dosierbarkeit, ohne den gewohnt digitalen Charakter und die starke Bremsleistung seines Vorgängers zu verlieren. Das neue und formschön integrierte Verstellrädchen funktioniert gut, jedoch klappern die zu nah am Lenker laufenden Leitungen gegen den Rahmen und die neuen gebogenen Bremshebel erfordern etwas Umgewöhnung.
Shimano XTR RT-MT905 Bremsscheibe - Ice-Tech FREEZA
Die RT-MT905 ist die erste 6-Loch-Bremsscheibe von Shimano mit Ice-Tech-FREEZA-Technologie. Dabei wird der bewährte Sandwich-Aufbau mit Aluminium-Kern und Edelstahl-Mantel durch eine speziell beschichtete Rippenstruktur im Aluminium ergänzt, was für noch schnellere Wärmeableitung sorgt. So kannst Du Dich auch im Extremeinsatz auf eine konstante Bremsleistung verlassen. Dank der gegenüber herkömmlichen Edelstahl-Bremsscheiben um mindestens 100 Grad gesenkten Oberflächentemperatur werden Fading und Bremsgeräusche verringert und auch die Lebensdauer der Bremsbeläge verlängert sich.
RT-MT905 wurde für XTR-Bremssysteme entwickelt, ist aber auch mit zahlreichen anderen Modellen aus dem MTB-, Gravel- und Rennradsegment kompatibel.
Technische Daten:
- Montage: 6-Loch
- Durchmesser: 180 mm, 203 mm
- Bauart: 2-teilig
- Material Disc: Sandwichverbund aus Edelstahl außen mit Aluminium-Kern
- Material Spider: Aluminium
Kompatibilität:
- Bremsenkompatibilität: BR-M9100*, BR-M9120, BR-M9000, BR-M9020, BR-M8100, BR-M8120, BR-M8110-R*, BR-M8000, BR-M8020, BR-M7100, BR-M7120, BR-M7110-R*, BR-M7000, BR-M6100, BR-M6120, BR-M6000, BR-MT520, BR-MT420, BR-M820, BR-M640, BR-U8000, BR-U8020, BR-S7000, BR-S700, BR-R9170-F*, BR-R8170*, BR-R8070*, BR-R7170*, BR-R7070*, BR-4770*, BR-RS805*, BR-R785*, BR-RS785*, BR-RS505*, BR-RS405*, BR-RX820*, BR-RX820-LE*, BR-RX810*, BR-RX400*
- Bremsbelagskompatibilität: gesintert**, organisch (* nicht mit 203 mm kompatibel, ** mit BR-S700 und BR-S7000 nur organisch)
Features:
- Ice-Technologies FREEZA- und Sandwich-Konstruktion für noch schnellere Wärmeableitung
- Hitzeverteilende Lackierung
- Erstklassige Bremsleistung, Beständigkeit und Kontrolle selbst unter den anspruchsvollsten Fahrbedingungen
- Deutlich niedrigere Oberflächentemperatur für höhere Bremsleistung und weniger Fading bei weniger Bremsgeräuschen und längerer Bremsbelag-Lebensdauer
- Spider eloxiert, Disc geschliffen
- Mit selbstsichernden Plättchen
Technologie:
Shimano Ice-Technologies sorgen für eine schnelle Wärmeableitung an Deiner Scheibenbremse. Die Bremsbeläge sind dabei mit Kühlrippen aus Aluminium ausgestattet. Die Bremsscheibe ist in einer Sandwich-Technik aufgebaut, bei der Edelstahl einen Kern aus Aluminium umschließt. Der Edelstahl an beiden Flanken sorgt für eine lange Haltbarkeit, das Aluminium für den Wärmeabtransport.
FREEZA ist die Weiterentwicklung der Bremsscheibe, bei der zusätzliche Rippen im Aluminium der Scheibe für einen noch besseren Wärmeausgleich sorgen. Diese Kühltechnologie schafft eine gleichbleibend hohe Bremsleistung sowie eine längere Haltbarkeit des Bremsbelags und reduziert dabei Fading und Bremsgeräusche.
Bremsen im Vergleich: Ein umfassender Testüberblick
Um einen umfassenden Überblick über die Bremsleistung verschiedener Modelle zu erhalten, wurden zahlreiche Bremsen unter standardisierten Bedingungen getestet. Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse einiger getesteter Bremsen:
Magura MT7
Die Magura MT7 überzeugt mit hoher Leistung und Standfestigkeit. Sie neigt jedoch zum Schleifen, auch wenn der Bremssattel exakt ausgerichtet ist. Der Hebel lässt sich in einem weiten Bereich einstellen und ist somit gut für alle Handgrößen geeignet.
Hope Tech 3 E4
Die Hope Tech 3 E4 ist eine der leichtesten, individuellsten und auch günstigsten Bremsen im Test. In puncto Leistung erreicht sie nicht das Niveau der anderen Stopper, Fading war aber keines bzw. nur kaum zu spüren.
Hayes Dominion A4
Die Hayes Dominion A4 überzeugt mit hoher Leistung, guter Standfestigkeit und angenehmer Ergonomie. Sie liefert mit die meiste Power und zeigt kaum Fading. Die Standfestigkeit war über den gesamten Testverlauf gegeben.
Sram Code RSC
Die Sram Code RSC ist eine ästhetische und zugleich leistungsstarke Bremse. Sie brauchte deutlich mehr Einbremszeit, bis sie ihre volle Leistung entfaltete. Das Dauerbremsen war die Disziplin der Code - sie überzeugte vollends, ohne jegliche Auffälligkeiten.
Shimano XTR M9120
Die Shimano XTR M9120 ist eine Bremse, vollgepackt mit Innovationen. Sie bietet eine perfekte Hebelergonomie, einen definierten Druckpunkt und eine gut dosierbare Leistung. Bei Vollbremsungen ab 50 km/h aufwärts setzt deutliches Fading ein. Ein bekanntes Verhalten von Shimano Bremsen ist das merkliche Wandern des Druckpunkts - so auch bei der XTR.
Trickstuff Direttissima
Die Trickstuff Direttissima ist sehr edel, lässt sich sehr angenehm bedienen und hat eine hohe Bremsleistung. Bei zunehmender Hitze wandert aber der Druckpunkt.
Tabelle: Übersicht der getesteten Bremsen
| Bremse | Besondere Merkmale | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|
| Magura MT7 | Individuelle Anpassung möglich | Hohe Leistung, Standfestigkeit | Neigt zum Schleifen |
| Hope Tech 3 E4 | Leicht, individuell, günstig | Geringes Gewicht | Leistung nicht auf Top-Niveau |
| Hayes Dominion A4 | Crosshair Technology | Hohe Leistung, gute Standfestigkeit | Wandernder Druckpunkt bei Dauerbremsung |
| Sram Code RSC | Ästhetisch, Oil slick Schrauben | Hohe Bremskraft, standfest | Benötigt mehr Einbremszeit |
| Shimano XTR M9120 | Ice-Tech, Keramikkolben | Perfekte Hebelergonomie, gut dosierbar | Fading bei Vollbremsungen, wandernder Druckpunkt |
| Trickstuff Direttissima | Edel, minimalistisch | Hohe Bremsleistung | Wandernder Druckpunkt bei Hitze |
Weitere Aspekte des Bremsentests
Im Rahmen des Tests wurden auch verschiedene Aspekte wie Bremsflüssigkeit (Mineralöl vs. DOT), Bremsbeläge (metallisch vs. organisch) und Bremsscheiben (einteilig vs. zweiteilig) berücksichtigt. Die Wahl der Bremsflüssigkeit obliegt dem Hersteller, und ein Wechsel zwischen verschiedenen Flüssigkeiten ist nicht möglich. Bremsbeläge gibt es meist in zwei Arten: metallische und organische, wobei sich die Grund-Bestandteile nicht unterscheiden. Die Bremsscheiben für MTB-Bremsen bestehen alle aus Stahl, wobei die Dicke variiert und die Wärmeableitung beeinflusst.
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