Monika Schwinn: Erfahrungen in Vietnam und der Kriegsgefangenschaft

Monika Schwinn aus Lebach (Saarland) war eine Krankenschwester, die sich dem Malteser Hilfsdienst anschloss, um in Vietnam zu helfen. Sie wollte die Leiden der Zivilbevölkerung lindern, die unter dem Krieg litt. Am 27. April 1969 geriet sie jedoch mit vier Kollegen in die Fänge des Vietcong, was zu einer vierjährigen Gefangenschaft in verschiedenen Lagern führte.

Die Entführung und der Marsch in die Gefangenschaft

Am 27. April 1969 brachen fünf junge Menschen zu einer Landpartie von An Hoa auf. Sie gerieten in einen Hinterhalt und in Kriegsgefangenschaft. Sie wurden von Bewaffneten umzingelt, die sich als Guerillas herausstellten.

Die Soldaten waren sehr aufgeregt und bildeten einen Kreis um die Gruppe. Nach Verhandlungen mit einem Mann mit Kartentasche wurden die Malteser gezwungen, mitzukommen. Die Situation wurde bedrohlich, als sie von einer Gruppe junger Leute mit dem Ruf »cat dau« (Kopf ab) empfangen wurden. Sie marschierten stundenlang, verloren die Orientierung und mussten in Erdhütten vor Suchflugzeugen versteckt werden.

Monika Schwinn erinnert sich: "Wir mussten immer wieder marschieren, man steckte uns in diverse Dschungellager."

Die Bedingungen in den Gefangenenlagern

Nach elf Tagen erreichten sie ein Gefangenencamp des Vietcong im Dschungel. Sie mussten schwarze Pyjamas tragen und erhielten zweimal täglich Reis und eine Art Maggi-Soße. Die hygienischen Bedingungen waren katastrophal.

Schwinn beschreibt ihre Zelle als klein, etwa eineinhalb Meter breit und zweieinhalb Meter lang, mit einem primitiven Bett und einem Toiletteneimer.

48 Stunden nach der Ankunft wurden Marie-Luise Kerber, Georg Bartsch und Bernhard Diehl krank. Kerber starb trotz Schwinns Bemühungen um ihre Pflege.

Die Isolation und der Kampf ums Überleben

Monika Schwinn wurde in ein zweites Camp verlegt, wo sie die anderen Malteser krank vorfand. Sie selbst brach zusammen und verbrachte sieben Wochen in Bewusstlosigkeit. Hindrika Kortmann und Georg Bartsch starben während dieser Zeit.

Nach ihrer Genesung wurde Schwinn mit Bernhard Diehl in ein drittes Camp verlegt, wo sie sechseinhalb Monate unter schlimmsten Bedingungen verbrachten. Der Monsun machte alles noch schlimmer, überall regnete es durch und dazu kam die Kälte.

Um nicht zu verblöden, haben sie stundenlange Gespräche geführt, speziell über Themen, die zwischen ihnen kontrovers waren. Sie haben über Erziehung gesprochen. auch über Religion, weniger über Politik.

Monika Schwinn versuchte, die Situation zu ertragen und ihren Verstand zu bewahren. Sie malte Bilder, um ihre Zelle zu schmücken, und bat um Bücher und Schreibmaterial, um sich abzulenken.

Die Begegnung mit Vertretern der DDR-Botschaft

Im März 1971 wurde Monika Schwinn von zwei Europäern besucht, die sich als Vertreter der DDR-Botschaft in Hanoi herausstellten. Statt Hilfe anzubieten, verhörten sie sie und stellten unangenehme Fragen über ihre Vergangenheit und die ihres Vaters. Schwinn war schockiert und enttäuscht von ihrem Verhalten.

Die Freilassung und die Rückkehr nach Deutschland

Nach langen vier Jahren brachte das Pariser Abkommen über die Beendigung des Vietnam-Krieges Schwinn und Diehl 1973 endlich die Freiheit. Am Flughafen in Frankfurt wurden sie mit Plakaten begrüßt. Funk und Presse reißen sich um sie.

Am 7. März 1973 wurden Monika Schwinn und Bernhard Diehl aus nordvietnamesischer Kriegsgefangenschaft freigelassen.

Das Leben nach der Gefangenschaft

Nach ihrer Freilassung kehrte Monika Schwinn nach Lebach zurück und arbeitete wieder als Krankenschwester. Sie half auch vietnamesischen Flüchtlingen, die nach Lebach kamen. Monika Schwinn starb am Montag im Alter von 76 Jahren im Lebacher Krankenhaus.

Für die Jahre ihrer Gefangenschaft im Dschungel bekam sie keine Rente, obwohl die Bundesrepublik damals so stolz darauf war, dass Monika Schwinn in das Kriegsgebiet ging, um zu helfen.

Die Bedeutung von Monika Schwinns Geschichte

Monika Schwinns Geschichte ist ein Zeugnis von Mut, Durchhaltevermögen und Menschlichkeit in einer unmenschlichen Situation. Sie zeigt, wie wichtig es ist, auch in den dunkelsten Zeiten die Hoffnung nicht aufzugeben und sich für andere einzusetzen.

Chronologie von Monika Schwinns Gefangenschaft

Datum Ereignis
27. April 1969 Entführung durch den Vietcong
Mai 1969 Ankunft im ersten Gefangenencamp
Mai 1969 Tod von Marie-Luise Kerber
Mai 1969 Verlegung in ein zweites Camp
Juni/Juli 1969 Tod von Hindrika Kortmann und Georg Bartsch
September 1969 Verlegung in ein drittes Camp
März 1971 Begegnung mit Vertretern der DDR-Botschaft
7. März 1973 Freilassung aus der Kriegsgefangenschaft

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