Shimano XTR 11-fach Kassette 11-46 im Test: Eine Überraschung aus Japan

In der Welt der Mountainbike-Schaltungen herrscht oft fanatische Loyalität. Doch angesichts der Tatsache, dass beide Schaltgruppen exakt die gleiche Aufgabe auf nahezu identische Weise erfüllen, sind solch kontroverse Ansichten seltsam.

Shimano hat die Bike-Community lange warten lassen, bis sie auf Srams XX1-Antrieb eine Antwort lieferten. Shimano kündigte eine neue 11-fach MTB Kassette mit 11-46 Zähnen an und zieht damit bei der Bandbreite mit US-Konkurrent SRAM gleich.

Technische Details und Features der Shimano XTR M9100

Das große Highlight der MTB-Produktneuheiten von Shimano ist die neue 11-fach Kassette mit 11-46 Abstufung. Die Bandbreite liegt damit ziemlich genau bei derjenigen, die auch die Konkurrenz aus dem Hause SRAM mit 10-42 erreicht - jedoch benötigt man für die SRAM Kassette den speziellen XD-Freilauf, wohingegen die Shimano-Kassette auf jeden herkömmlichen 10-fach Freilauf passt.

Ebenfalls neu für das Produktjahr 2017 sind 1×11 Kettenblätter für XT und XTR, die durch die neu entwickelte Dynamic Chain Engagement-Technologie eine bessere Kettenführung gewährleisten und damit Klemmer und Abwürfe verhindern sollen. Zudem verspricht Shimano mit den neuen Kettenblättern einen wesentlich leiseren Antrieb.

Dynamic Chain Engagement+

Shimanos XTR M9100 nutzt ein neues Dynamic Chain Engangement+, das in unseren Augen nahezu identisch aussieht wie SRAMs älteres Zahnprofil und - wenig überraschend - sehr effektiv ist. Wenngleich wir noch kein ganzes Jahr mit Shimanos XTR M9100 unterwegs gewesen sind, haben wir trotz aller Bemühungen wie idiotische Schaltvorgänge und unsere besten Künste im Rückwärts-Kurbeln die Kette nicht dazu gebracht, vom Kettenblatt herunterzuspringen.

SCYLENCE-Technologie

Shimanos Freilauf mit SCYLENCE-Technologie ist eine Offenbarung.

RD+ Clutch

Shimanos XTR M9100-Schaltwerk besitzt eine stärkere RD+ Clutch, welche die Kette spürbar fester hält und lautloses Fahrvergnügen abliefert.

Shimano XTR M9100 vs. SRAM X01 Eagle: Ein Vergleich

Shimano geht in direkte Konfrontation mit der formidablen SRAM X01 Eagle hinsichtlich Preis und Zielgruppe: Die XTR M9100 zielt auf anspruchsvolle Trail-Biker, die das Beste vom Besten wollen.

Um herauszufinden, welche der beiden Schaltungen der King im Ring ist, haben wir beide Schaltgruppen in unserem knallharten schottischen Outdoor-Testlabor auf die Probe gestellt: Bergauf und bergab, bei Regen und Sonnenschein, mit guter und schlechter Schalt-Technik - und waren dabei alles andere als zimperlich. Wir fuhren beide Antriebe nur mit einem 32er Kettenblatt in Front und ohne Kettenführung.

An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass ihr nun aufhören könnt zu lesen, falls ihr euch für Zweifach- oder Dreifach-Antriebe interessiert: Denn Shimanos XTR M9100 ist die einzige Schaltung für euch, die in einer Vielzahl an Konfigurationen erhältlich ist. Doch falls ihr euch, wie die meisten von uns, nach dem ultimativen Einfach-Antrieb umschaut, solltet ihr wissen, dass sich die SRAM X01 Eagle ihre herausragende Performance bereits in unserem Dauertest bewiesen hat.

Gewicht

Bei diesem Kampf der Schwergewichte ist natürlich klar, dass beide alles andere als schwer sind. Die Gewichte wurden sehr effektiv verringert und jede Komponente ist auf ihre bestmögliche Form reduziert worden - man würde vermutlich mehr Fett auf der Schürze eines Fleischers finden.

SRAM hat zwar die Nase vorn, aber nur um ein paar Gramm und hauptsächlich wegen der leichteren X01-Carbon-Kurbel. SRAMs einteilige Kassette mit 10-50 Zähnen ist ebenfalls ein Kunstwerk, mit einem entsprechenden Preis, aber jegliche Gewichtsersparnis wird durch das schwerere X01 Eagle-Schaltwerk zunichte gemacht.

Auch wenn Shimano rein auf dem Papier im Nachteil ist, besitzt die XTR M9100 eine kleinere ungefederte Masse (Kassette + Schaltwerk) und steckt mehr Gewicht in die robustere Kurbel, wo die Extra-Gramm von Vorteil sein können.

Mit einer Carbon-Kurbel lässt sich zwar Gewicht sparen, aber wir haben noch nie einen gebrochenen XTR-Aluminium-Kurbelarm gesehen - und einige aus den 1990ern sind noch immer im Einsatz. Wenn ihr also regelmäßig mit euren Pedalen aufsetzt, könnte dieser Punkt eine Überlegung wert sein.

Schaltperformance

Als die SRAM X01 Eagle herauskam, definierte sie geschmeidiges Schalten neu: Die gleichmäßigen Gangsprünge verteilen sich auf den mittleren Kassettenbereich, nur der finale Sprung auf das große 50-Zahn-Ritzel ist spürbar. Im Gegensatz dazu besitzt Shimanos XTR M9100-Kassette eine größere Bandbreite und verschiebt die größeren Sprünge zwischen die Ritzel mit 28 und 39 Zähnen.

Auf dem Trail ergibt sich daraus ein sanfterer Übergang in das größte Ritzel mit 51 Zähnen, wodurch sich dieses mehr in die Bandbreite integriert anfühlt und weniger wie ein „Sicherheitsgang für den Notfall“. Etwas niedriger im Ritzelblock existieren jedoch einige größere Wechsel der Trittfrequenz.

Verglichen mit SRAMs X01 Eagle schaltet Shimanos XTR M9100 auf kurzen, knackigen Anstiegen und unter Last schneller und weicher auf die größten Ritzel. Das Einlegen des „Panik-Gangs“ in letzter Sekunde ist also kein Thema.

Welche Schaltung ihr favorisieren werdet, hängt stark von eurem Fahrstil und dem bevorzugten Terrain ab. Wer in welligem Terrain zuhause ist, wird die grandiose Abstufung des mittleren Gangspektrums der SRAM X01 Eagle lieben. Wer jedoch in der Nähe von steilem Gelände mit harten Anstiegen lebt, wird die sanfteren Trittfrequenz-Wechsel in den letzten drei Gängen von Shimanos XTR M9100 zu schätzen wissen.

Einstellung und Wartung

Es gibt keinen Zweifel daran, dass SRAMs X01 Eagle ein grandioser Antrieb ist, aber wie bei einem Supersportwagen sind sorgfältige Einstellung und Wartung nötig, um die beste Performance herauszukitzeln. Falls die B-Tension-Screw falsch eingestellt ist oder die Kabelspannung auch nur um das kleinste Maß nachlässt, beginnt sich die reibungslose Performance in Wohlgefallen aufzulösen und geisterhafte Schaltvorgänge und Verzögerungen treten auf.

In unserem Test hat sich Shimanos XTR M9100 ähnlich pingelig beim Einstellen verhalten, reagierte dafür aber unempfindlicher auf ein suboptimales Setup. Während unserer Testmonate mussten wir nicht ein einziges Mal in die Werkzeugbox greifen. Selbst als wir die B-Tension etwas verstellten, blieben die Schaltvorgänge weiterhin weich und präzise.

Schaltperformance im Dauertest

In unserem Dauertest konnte die SRAM X01 Eagle bereits ihre beeindruckende Schaltperformance unter Beweis stellen, doch wie hat sich die neu XTR geschlagen? Auch in dem Versuch, jegliche Marketing-Übertreibungen oder kritische Kommentare zu vermeiden - was das Schalten angeht, ist Shimanos XTR M9100 einfach phänomenal. Selbst wenn man wie ein Idiot schaltet und unter Last die Gänge durch den Ritzelblock nach oben jagt: Das Schaltwerk verspottete unsere vergeblichen Versuche und arbeitete sich mit Nähmaschinen-gleicher Präzision durch die Gänge.

Das Schalten ist knackig und wunderbar leichtgängig, mit gerade genug Widerstand, um eine grandiose Rückmeldung zu geben. Im direkten Vegeich zu SRAMs X01 Eagle rasten die Gänge mit Shimanos neuem Instant Release-Mechanismus unter Last schneller und geschmeidiger ein, speziell in den größten Ritzeln.

Ergonomisch gesehen sind die Schalthebel der Shimano XTR 9100 mit dem langen, gummierten Bereich unschlagbar - und die Möglichkeit, mit einem langen Drücken doppelt herunterzuschalten, kann SRAM ebenfalls nicht kontern.

Fazit

In diesem Duell der Schwergewichte lieferten sich die beide Kontrahenden einen Kampf auf Augenhöhe, doch am Ende kann es nur einen Sieger geben. Shimano hat den Kampf zurück an SRAMs Türschwelle getragen und trumpft mit leichteren und effizienteren Schaltvorgängen gegenüber der SRAM X01 Eagle auf. Mit zuverlässiger Performance und überragender Ergonomie auf dem Trail sichert sich die XTR M9100 verdient den Sieg.

Allerdings hat sie auch eine Schwäche, eine Achillesferse und letztendlich hat das Ergebnis damit einen sehr faden Beigeschmack. Einen neuen Standard in Form des MICRO SPLINE-Freilaufs einzuführen, war kein unerwarteter Schritt - SRAM hat damals mit seinem XD-Freilaufkörper dasselbe getan. Aber da lediglich einige wenige Hersteller aktuell über kompatible Laufradsätze verfügen, werden die meisten Fahrer, die sich nach einem Upgrade umsehen - und wahrscheinlich bereits im Besitz eines teuren, jedoch inkompatiblen Laufradsatzes sind - den 7,6 Grad-Einrastwinkel der XTR-Nabe mit Konuslager als einen Schritt rückwärts ansehen.

Obwohl die XTR M9100 für Shimano einen riesigen Sprung nach vorn darstellt und die Messlatte in Sachen Schalten und Ergonomie höher legt, bedeutet der MICRO SPLINE-Freilauf in puncto Kompatibilität einen Schritt zurück. Wir freuen uns schon, wenn die Technologie auch auf das SLX- und XT-Level portiert wird und mehr Laufrad-Optionen erhältlich sein werden.

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Modell Geeignet für Anzahl Gänge Gewicht Übersetzung Material
Bolany BIKECO-04020 Mountainbike 10 Gänge 460 g leichte Übersetzung beschichteter Stahl
Shimano Deore XT Citybike | Mountainbike | Rennrad 11 Gänge 600 g leichte Übersetzung Aluminium
ZTZ MTB-Kassette 10-fach Mountainbike | Rennrad 10 Gänge 515 g leichte Übersetzung beschichteter Stahl
Gdwd 31 Citybike | Mountainbike | Rennrad 10 Gänge 538 g leichte Übersetzung Stahl
Ktkeet ‎11-32T Mountainbike | Rennrad 10 Gänge 356 g mittlere Übersetzung Stahl
Shimano CS-HG500 Citybike | Mountainbike | Rennrad 10 Gänge 300 g leichte Übersetzung beschichteter Stahl
Mszweirad Shimano CS-HG200 Citybike | Mountainbike | Rennrad 9 Gänge 450 g leichte Übersetzung beschichteter Stahl
Edge CSM6010 Mountainbike 9 Gänge ca. 400 g leichte Übersetzung Stahl

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