Shimano hat bei seiner neuen XTR-Schaltung, der sogenannten M9100, ein zwölftes Ritzel nachgelegt. BIKE hat eine 1x12-Vorseriengruppe für einen Praxis- und Labortest loseisen können.
Nachdem SRAM 2012 mit der Einführung der XX1-Gruppe den Antrieb moderner Mountainbikes ein Stück weit revolutionierte, wartete man gespannt auf die Reaktion von Shimano. Würde der Komponenten-Riese aus Fernost nachziehen oder der 10-fach Philosophie treu bleiben? Nun, zwei Jahre später, ist die Katze aus dem Sack: Mit der neuen XTR Gruppe führt Shimano zwar eine 11-fach Kassette ein, lässt den Nutzern jedoch weiterhin alle Wahlmöglichkeiten bei der Anzahl der Kettenblätter.
Zudem wurde die XTR Bremse aktualisiert und neue Laufräder vorgestellt. Shimanos neue CS-M9000 Kassette hat 11 - 40 Zähne. Das ist, verglichen mit den aktuellen Shimano Kassetten (maximal 11- 36 Zähne) zwar eine Steigerung, liegt aber noch immer hinter SRAMs XX1-Kassette zurück (10 - 42). Im Gegenzug sind bei Shimano die Gänge feiner abgestuft und es wird - nachrüstfreundlich - kein spezieller Nabenkörper benötigt.
Am Schaltwerk (XTR RD-M9000, 214 Gramm) wurde die bekannte Shadow-Plus Technologie weiterentwickelt und ermöglicht eine neue, stufenlose Einstellbarkeit der Reibungsdämpfung. Das Profil des Schaltwerks wurde flacher, um Beschädigungen weiter zu verhindern. Bei den Triggern (XTR SL-M9000) setzt Shimano nun auf Schalthebel aus texturiertem Carbon.
Foto: Georg Grieshaber Das Schaltwerk der neuen Shimano XTR schaltet präzise wie ein Uhrwerk, kostet aber stolze 250 Euro.
Shimano XTR Umwerfer/Schaltwerk
Getestet: 2 x 11 Side Swing/langer Käfig Matsch und Schnee konnten Schaltwerk und Umwerfer fast nichts anhaben. Leit- und Führungsrolle sehen aus wie neu, nur am Umwerferblech sieht man deutliche Gebrauchsspuren. Der neue Side-Swing-Umwerfer sowie das Schaltwerk schalten kraftvoll und präzise, eine exakt justierte XT-Gruppe schaltet aber auch nicht schlechter. Der Shadow-Plus-Hebel ist etwas fummelig.
Dafür kann man die Federspannung nun exakt einstellen: von beinhart bis leicht (geringe Bedienkräfte).
Foto: Georg Grieshaber Der neue Side Swing-Umwerfer, den Shimano nun auch bei der XT einsetzt, schaltet extrem kraftvoll und schnell.
Shimano XTR Kurbel
Getestet: 2 x 11 Race, 36/26 Zähne, 175 mm Bereits nach wenigen hundert Kilometern sahen die Kurbelarme aus, als wäre jemand mit dem Schmirgelpapier drübergegangen. Hier scheint die Beschichtung nicht so widerstandsfähig zu sein wie bei den Vorgängerkurbeln.
Wegen der 36/26-Abstufung fuhren wir fast ausschließlich auf dem großen Kettenblatt. Das besteht aus einem Mix aus Alu und Carbon-Faser-verstärktem Kunststoff und sieht nach 2000 Kilometern noch sehr gut aus. Der kleinste Gang mit 26-40 Zähnen entspricht etwa 24-36 bei 10fach-Schaltungen. Beim Pressfit-Innenlager läuft die rechte Seite bereits etwas rau.
Foto: Georg Grieshaber Durchgescheuert wie ein altes Sitzpolster: Die Kurbelbeschichtung der neuen Shimano XTR scheint eine Schwachstelle zu sein.
Shimano XTR Kette
Getestet: HG 900-11 Die laufrichtungsgebundene Elffach-Kette der XTR ist nicht dieselbe wie die der Elffach-Rennradgruppen. Bei der Haltbarkeit enttäuschte uns die speziell beschichtete Kette allerdings: Bereits nach 1500 Kilometern war das 50 Euro teure Bolzen-Laschen-Konstrukt laut Verschleiß-Lehre reif zum Wechseln. Das geringe Gewicht der schmalen 11-fach-Kette scheint auf Kosten der Haltbarkeit zu gehen.
Ein günstigeres, etwas schwereres Modell bietet Shimano auch an. Die dürfte etwas langlebiger sein. Diese Vermutung bestätigte unser Verschleiß-Test der Elffach-Antriebe in BIKE 10/2015. Er zeigte, dass die 11-fach-Kette der Shimano XTR schneller verschleißt als das alte 10-fach-Modell der XTR.
Foto: Georg Grieshaber Unser Verschleiß-Test von 11-fach-Antrieben zeigte, dass die Shimano XTR-Kette länger hält als die 1x11-Ketten von SRAM.
Shimano XTR Kassette
Getestet: CS-M9000, 11-40 Zähne
Nachdem wir nach 1500 Kilometern eine neue Kette montiert hatten, rutschte sie unter Last übers 11er-Ritzel drüber. Alle anderen Ritzel der 300 Euro teuren Kassette funktionierten allerdings einwandfrei. Das verwundert nicht, bestehen doch sechs der Ritzel (19 bis 35 Zähne) aus Titan. Doch wir sehen ein anderes Problem: Durch die enge Kurbelabstufung (36/26) nutzt man bei Geschwindigkeiten über 25 km/h fast nur die kleinen Ritzel.
Die verschleißen schneller, da sich die Kettenlast auf weniger Zähne verteilt als bei größeren Ritzeln.
Foto: Georg Grieshaber Die Shimano XTR-Kassette dagegen hielt im Verschleiß-Test der 11-fach-Antriebe nicht so lang wie die SRAM-Kassetten der XX1 und X1.
Shimano XTR Schalthebel/Züge
Getestet: SL-M9000 2/3 x 11-fach mit Schelle
Die Schalthebel der XTR waren bereits in der Vergangenheit schlanker und filigraner als die der günstigeren Gruppen. Das setzt die 2015er-XTR fort. Bestehende Eigenschaften wie das Schalten von mehreren Gängen mit Zeigefinger- und Daumenhebel hat Shimano übernommen. Die Schaltvorgänge sind sehr direkt. Der Hebelweg am Umwerfer unterscheidet sich nicht spürbar von einer aktuellen XT. Die abgedichteten Zughüllen samt der Polymer-beschichteten Züge funktionieren nach 2000 Kilometern einwandfrei und reibungsarm.
Foto: Georg Grieshaber Schlank und filigran: Die Schalthebel der neuen Shimano XTR im Test.
Die Elffach-XTR-Gruppe ist wie ein Ferrari-Motor: ein absolutes Highend-Produkt mit tadelloser Funktion bei geringstem Gewicht, allerdings teuer im Unterhalt.
Shimano MTB-Schaltungen in der Übersicht
Shimano Schaltungen gelten bei MTB-Sportlern seit Jahren als ausgereifte und stets verlässliche Schaltgruppen mit Top-Performance. Wir zeigen die verschiedenen Modelle im Detail und beraten bei der Kaufentscheidung.
Shimano XT M8100
Diese Schaltung wird im Modelljahr 2020 für Wirbel sorgen: Das erste Mal in der Geschichte der XT kommt die Mittelklasseschaltung aus Japan in einer 1x12-Version auf den Markt. Mit der exakten Bandbreite wie die Topgruppe XTR (10-51 Zähne auf der Kassette) bietet das Modell eine enorme Bandbreite und modernste Technik. Für Fans von zwei Kettenblättern gibt es die Gruppe laut Shimano ab Anfang 2020 auch mit Umwerfer und 10-45 Kassette sowie verschiedenen Kettenblattversionen. In unserem ersten Test gegen die Sram GX konnte die neue XT bereits punkten.
Nachrüster aufgepasst: Es ist ein spezieller Microspline-Freilaufkörper nötig, um die XT zu verbauen.
Shimano SLX M7100
Günstiger und schwerer: Das ist meist das Credo der SLX-Gruppe im Vergleich zur Mittelklassegruppe XT. In Sachen Funktion und Performance steht die SLX der Schwestergruppe nur in wenigen Dingen nach. Der größte Unterschied zwischen SLX und XT liegt im Schalthebel: während man mit dem XT Trigger in einem Rutsch zwei Gänge rauf und vier Gänge runterschalten kann, sind bei der SLX zwei Ränge rauf und zwei runter möglich.
Zudem ist die Schaltgeschwindigkeit ein wenig langsamer als bei der XT. Die neueste SLX wird es in 2x12 und 1x12 geben. Erstere Gruppe kommt mit einer 10-45 Kassette zum Kunden, die 1x12 mit einer großen 10-51-Range.
Ein Mircospline-Freilaufkörper ist auch bei der SLX 7100 nötig, in Sachen Kurbel bietet Shimano für jeden Achsstandard ein passendes Modell an.
Wie schlagen sich die neuen 1x12-Schaltgruppen gegen die bewährte SRAM-Eagle Konkurenz? Wir haben es getestet:
Shimano XTR M9100
Mit der M9100 stellten die Japaner 2018 ihre erste 1x12-Mountainbike-Schaltung vor. Die Kassette übertrumpft durch ihre enorme Bandbreite von 10-51 Zähne knapp die Übersetzungsrange von Sram Eagle-Gruppen. Weiterhin bietet Shimano die Topgruppe mit Umwerfer an, die 2x12 Antriebe kommen mit einer speziellen Kassette, deren Spektrum 10-45 umfasst. Typisch XTR fällt das Gewicht der Topgrupe angenehm gering aus.
Shimano XTR M9000 Di2
2014 präsentierte Shimano die erste elektronische Schaltung fürs Mountainbike. Die Gänge werden von einem elektronische Stellmotor am Schaltwerk gewechselt, der seine Befehle vom Schalthebel per Kabel übermittelt bekommt. Verschiedene Konfigurationen der Di2 sind verfügbar, besonders an den Highend-Bikes wurde die Di2 ab 2014 oft verbaut. Wir haben die Gruppe in einem ausgiebigen Dauertest auf ihre Alttagstauglichkeit getestet.
Alle Shimano Gruppen im tagesaktuellen Preisvergleich:
Shimano XTR M9000
In der mechanischen Ausführung ist die Shimano XTR noch günstiger als ihre elektronische Schwestergruppe mit Di2-Technik zu haben. Die M9000 ist als Zweifach-Gruppe entwickelt, alle 2x11-Varianten kommen mit speziell verstärkten Schaltwerk, welches mit Shadow Plus Technologie Kettenschlagen verhindern soll. Die M9100 wurde gegen Ende der Produktion von Shimano auch als 1x11-Gruppe angeboten. Alle Kurbeln sind aus hohlgeschmiedeten Aluminium - preislich ist die ehmalige Topgruppe seit Einführung der neuen M9100-XTR im Jahre 2018 sehr akttaktiv geworden. Unseren Dauertest über tausende Kilometer überstand sie nahezu fehlerfrei.
Shimano XT M8000
Für Sparfüchse die eine solide Gruppe für wenig Taler suchen, kommt die M8000er XT in die engere Auswahl: Die Gruppe ist als 2x11-Gruppe entwickelt worden, dennoch kann man sie einfach auf eine kompakte 1x11-Gruppe umrüsten. Das Finish zeigte sich in diversen Radtests als sehr langlebig, preislich wird sie spätestens ab 2020 durch die neuere M8100er XT deutlich attraktiver werden.
Shimano XT M8000 Di2
Nachdem Shimano die elektronische Di2-Technologie auf der XTR präsentierte, rollten die Japaner ihre Elektro-Offensive auch auf die Mittelklassegruppe XT aus. Hauptsächlich ergibt die Di2-Technologie für Biker Sinn, die auf einen Zweifach-Antrieb setzen wollen. Besonderer Clou bei der Di2: Der zweife Schalthebel lässt sich demontieren, wenn man den Syncrosshift-Modus fährt. Dann nämlich übernimmt die Schaltung das Schalten des Umwerfers wie von Geisterhand selbst.
Es schaltet aufs größere Blatt, wenn der letzte Gang auf der Kassette erreicht ist, oder schaltet auf das kleine Kettenblatt wenn der kleinste Gang auf der Kassette erreicht ist und der Kettenschräglauf zu extrem wird. Viel Hightech bedeutet einen hohen Preis. Im Langzeittest konnte uns die XT allerdings Di2 begeistern.
Shimano unterteilt den Mountainbike-Bereich in vier grundlegende Kategorien: Während der Fokus im wettkampforientierten Cross-Country Segment eher auf dem konditionellen Anspruch liegt, stehen beim Enduro-Sport eher die fahrtechnisches Herausforderungen im Vordergrund. Shimano sieht in beiden Segmenten zusätzlich noch freizeitorientierte Teilbereiche, einmal eher konditionell und einmal eher technisch ausgeprägtes Trail Riding.
Shimano-Schaltwerk Vergleich 2025
Die besten Shimano-Schaltwerke: Wählen Sie Ihren persönlichen Testsieger aus der Bestenliste.
Tabelle: Shimano-Schaltwerk Vergleich
| Modell | Kompatibilität | Anzahl der Gänge | Größe der Zahnräder | Käfigtyp | Gewicht |
|---|---|---|---|---|---|
| Shimano Deore RD-M592 | MTB | Trekkingbike | 9-fach | 11 bis 36 Zähne | SGS | 300 g |
| Shimano Deore 9V | MTB | Trekkingbike | 9-fach | 11 bis 34 Zähne | SGS | 381 g |
| Shimano Acera RD-M360 | MTB | 7- bis 8-fach | 11 bis 34 Zähne | SGS | 200 g |
| Shimano Deore XT RD-M781 | MTB | 10-fach | 11 bis 36 Zähne | SGS | 400 g |
| Shimano Deore XT RD-M8000 | MTB | 11-fach | 11 bis 40 Zähne | SGS | 275 g |
| Shimano Deore XT Trekking RD-T8000 | Trekkingbike | 10-fach | 11 bis 36 Zähne | SGS | 253 g |
| Shimano Deore 12s RD-M6100-SGS | MTB | 12-fach | 13 bis 51 Zähne | SGS | 100 g |
| Shimano Altus RD-M310 | MTB | 7- bis 8-fach | 11 bis 34 Zähne | GS | keine Herstellerangabe |
XTR war schon immer der Inbegriff für maximale Performance und Leichtbau. In den letzten 12 Monaten hat Trev den aktuellen XTR M9000 11-fach-Antrieb bei jedem Wetter auf Herz und Nieren geprüft. Von praktisch vertikalen Endurotrails bis zu schwer bepackten Alpentouren war alles dabei und auch vor Stürzen und schlechten Schaltvorgängen blieb er nicht verschont.
In der Praxis schaltet das Shimano-Flaggschiff präzise wie ein Laser und Trev gefällt die Möglichkeit, mit einer Hebelbewegung am langen Hebel bis zu 4 Gänge auf einmal zu schalten. Im Herzstück des Systems, dem XTR M9000-Schaltwerk, sorgen beschichtete Buchsen für weiche Schaltvorgänge und selbst endlose Erschütterungen haben nicht zu unerwünschtem Spiel geführt. Die Kettenspannung lässt sich gut einstellen und die Schwingungen werden sehr gut gedämpft.
Eine geringere Kettenspannung sorgt für leichtere mehrfache Schaltvorgänge, in schwerem Gelände und bei Matsch ist aber eine straffere Einstellung zu empfehlen, damit die Kette zuverlässig auf dem Kettenblatt bleibt. In wirklich rauem Gelände hat Trev ein paar Mal die Kette verloren, sodass er jetzt das M9000 Dyna-Sys 32T-Kettenblatt mit einer Führung fährt. Die 40T-Kassette hat schon einiges mitgemacht, der sichtbare Verschleiß macht sich allerdings im Gebrauch nicht bemerkbar. Es macht einfach Spaß, Shimanos Flaggschiff zu benutzen.
Alles an Trevs Bike hat im Testzeitraum an irgendeinem Punkt Probleme gemacht - bis auf die XTR M9000. Shimano bleibt seinem Ruf treu: Haltbarkeit und höchste Qualität.
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