Nach sieben Jahren ist es endlich so weit: Shimano bringt seine neue XTR-Gruppe auf den Markt - und sie ist jetzt vollständig elektrisch und wireless! Es ist die erste vollständig kabellose MTB-Schaltgruppe von Shimano und wurde vorgestellt, um dem Trend der Bike-Industrie zu folgen.
Die XTR Di2 gilt seit jeher als das Topmodell im Shimano-Portfolio. Sie vereint leichte Komponenten mit höchster Performance und ist für den Renneinsatz gebaut.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick
- Vollständig kabellose MTB-Schaltgruppe
- Zwei Varianten: XC (M9200) und Trail/Enduro (M9220)
- Zusätzlich E-MTB-Version mit kabelgebundenem Schaltwerk
- SHADOW ES Schaltwerk mit Impact Recovery
- Neue 9-45Z- und bewährte 10-51Z-Kassette
- App-Anbindung für Schaltlogik und Individualisierung
- Neue Vier- und Zweikolben-Bremsen mit optimierter Ergonomie
- Carbon-Laufräder für XC (1170 g) und Trail im Set
- Industrielager und 3,5° Freilaufwinkel bei neuen Naben
Erster Eindruck und Montage
Ganz ohne Züge und Kabel ist der Shimano XTR M9200 Antrieb im Handumdrehen montiert. Weder wird ein neuer Freilaufkörper notwendig, noch braucht es ein spezielles Schaltauge oder ein exotisches Werkzeug. Shimano setzt auf den bekannten Microspline-Freilauf, lässt Kompatibilität mit allen Schaltaugen (inklusive Sram UDH-Standard) zu und vertraut in Kombination mit wahlweise geschraubten BSA- oder verpressten Pressfit-Tretlagern auch an der Kurbel auf den bewährten Hollowtech II Standard.
Die XTR Di2 ist jetzt vollständig wireless - und das merkt man sofort: keine störenden Kabel, aufgeräumtes Cockpit, modernes Setup.
Zur Kopplung von Schaltwerk und -hebel braucht es die Shimano E-Tube-App. Den Durchschnitts-User sollte die digitale Einrichtung jedoch nicht vor Herausforderungen stellen. Nicht einmal ein Konto muss zwangsweise angelegt werden. Dafür lassen sich von Hebelfunktionen bis Multishift-Einstellung auf dem Smartphone alle möglichen Setups finden. Spannend: In der App lässt sich sogar die Schaltgeschwindigkeit von dezent bis blitzschnell einstellen.
Komponenten im Detail
Schaltwerk
Das Schaltwerk ist für mich das eigentliche Herzstück der neuen XTR. Shimano hat es komplett überarbeitet: Eine breitere Gelenkstruktur und ein spezielles Gleitplattendesign sollen das Schaltwerk robuster und langlebiger machen. Und das merkt man direkt beim Fahren - gerade im ruppigen Gelände.
Das elektronische RD-M9250-Schaltwerk ist entweder mit einem kurzen als auch mittellangen Käfig verfügbar, um unterschiedliche Kassetten-Bandbreiten abzudecken. Laut Shimano ist das neue Schaltwerk für die Verwendung mit UDH-Schaltwerken optimiert, auf die nahezu jedes moderne MTB setzt. Das soll die Schaltperformance nochmal verbessern, bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass die neuen Schaltwerke an Rahmen ohne UDH-Schaltauge nicht so optimal funktionieren.
Besonders genial finde ich, dass der Akku jetzt fest im Schaltwerk integriert ist. Der Akku selbst hat 310 mAh - das sind 10 mAh mehr als bei SRAM AXS.
Was ich persönlich super finde: Die Schaltrollen sind jetzt besser geschützt und geschlossen.
Laut Shimano hält der Akku ca. 340 km, wenn man von 30 Schaltvorgängen pro Minute ausgeht, was ziemlich ist. Nach 20 Minuten geht das Schaltwerk zudem in einem Schlafmodus über und lässt sich nur Betätigung des Schalthebels und nicht durch Wackeln wieder aufwecken. Das ist praktisch, denn so müsst ihr den Akku beispielsweise bei der Autofahrt nicht entnehmen, wo er sich sonst durch Vibrationen entladen würde. Ein spezielles Ladegerät liefert Shimano natürlich dazu.
Shimano hat am neuen XTR M9250 Di2-Schaltwerk auf eine Kupplung verzichtet. Stattdessen setzt der Komponenten-Hersteller auf ein doppelt gefedertes Design, was dem Schaltkäfig eine extreme Spannung verleiht, aber auch zu Problemen führt.
Das neue SHADOW ES-Schaltwerk ist flacher, widerstandsfähiger und mit der neuen Automatic Impact Recovery ausgestattet: Bei einem Schlag entkoppelt sich das Schaltwerk kurz und setzt sich automatisch wieder in die richtige Position. Das doppelt gefederte Käfigdesign sorgt für mehr Kettenspannung - gerade auf ruppigen Trails ein Pluspunkt.
Schalthebel
Der Trigger hat ein Upgrade bekommen und lässt sich jetzt ausschließlich mit dem Daumen bedienen. Das mag für eingefleischte Shimano-Fans etwas gewöhnungsbedürftig sein, schließlich konnte man bisher auch mit dem Zeigefinger schalten. Aber das neue Design wirkt stimmig und das Feedback beim Schalten ist richtig gut.
Der SW-M9250 Di2-Schalthebel glänzt mit super Ergonomie und vielen Einstellmöglichkeiten. Mit einem kleinen Inbus lassen sich die Schaltwippen in ihrer Position verdrehen oder auch tauschen, denn es gibt eine größere und eine kleinere Wippe - praktisch!
Zudem gibt es mehrere Schaltmodi und eine Multi-Shift-Funktion, wenn ihr den Schalthebel gedrückt haltet. Drückt ihr einen Hebel komplett durch, könnt ihr zwei Gänge auf einmal schalten, oder mit einem Einzelklick einen Gang. Über die Shimano E-TUBE App lassen sich die Tasten auf eure Bedürfnisse konfigurieren.
Montiert wird der Di2-Hebel entweder über die I-SPEC-Klemmung mit einer Shimano-Bremse oder mit einer eigenen Klemmschelle. Allerdings sind das zwei unterschiedliche Bauteile und ihr müsst euch bereits beim Kauf für eine Option entscheiden.
Der neue RAPID ES-Schalthebel bietet klar spürbares, taktiles Feedback. Es gibt mehrere Schaltmodi: Multi-Shift beim Gedrückthalten, Doppelklick oder klassisches Einzelschalten. Der Doppelklick kann am Hebel deaktiviert werden, ideal für E-MTBs.
Kassette
Die neue 12-fach-Kassette bleibt dem Micro-Spline-Standard treu, hat jetzt aber sechs Steighilfen und besteht wie bisher aus Stahl, Titan und Aluminium. Sie ist leicht und trotzdem haltbar - eine richtig gute Kombi.
Für Racer interessant: Die neue 9-45-Kassette mit 500 % Übersetzung - super für alle, die Gewicht sparen oder mehr Bodenfreiheit wollen.
Die neue CS-M9200 12-fach-Kassette gibt es sowohl in einer 10-51- als auch in einer 9-45-Abstimmung und beide Modelle setzen auf die HYPERGLIDE+ Technologie.
Kurbel
An der Kurbel hat sich wenig verändert: Hollowtech-II bleibt, dazu alle SM-CRM96-Kettenblätter kompatibel.
Für Enduro gibt es eine verstärkte Version mit 160 mm Länge.
Das Kettenblatt ist weiterhin per Direct Mount befestigt und setzt auf Dynamic Chain Engagement.
Shimano bietet es in 28 bis 38 Zähnen an - immer in Zweierschritten.
Bei der Shimano XTR M9200 Di2-Kurbel gibt es zwei Modelle. Eine gewichtsoptimierte Variante für den XC-Einsatz und eine robustere Version für den Trail- und Enduro-Bereich. Beide Versionen sind aus Aluminium, wobei letzteres eine steifere Achse für den härteren Einsatz besitzt. Verfügbar sind sie in unterschiedlichen Längen, von 160 mm bis 175 mm.
Bremsen
Die 2-Kolben-Bremse bekommt ein neues Low-Viscosity-Öl, das die Performance im Grenzbereich verbessern soll - allerdings nicht rückwärtskompatibel.
Die 4-Kolben-Bremse hat für mich das spannendste Upgrade: Die Leitungsanschlüsse wandern Richtung Lenker - perfekt für integrierte Züge. Die Griffweitenverstellung sitzt jetzt schick im Bremsgriff und lässt sich leicht einstellen.
Im Test hat die Bremse sofort überzeugt: stark, präzise und vorhersehbar. Die neuen Bremsbelag-Aufnahmen sind leiser und klapperfreier.
Besonders bei den Enduro-Bremsen hat Shimano nachgelegt:
- Neues Mineralöl (orange) mit niedriger Viskosität - für stabilen Druckpunkt auch bei Kälte
- Neue Kunststoffkolben statt Keramik - sollen robuster sein
- ERGO FLOW-Hebel mit natürlicher Fingerführung
- SERVO WAVE-Technologie für schnell ansprechende, fein dosierbare Bremskraft
Die Vierkolben-Stopper (Trail) und die leichteren Zweikolben-Bremsen (XC) kommen mit überarbeiteten Sätteln, verbesserter Dichtung und klapperfreien Belägen mit Kühlrippen.
Laufräder
Shimanos neue Laufräder setzen auf die neuen wartungsarmen Kompaktlager und Boost-Naben (28 oder 32 Loch).
Der XC-Laufradsatz wiegt unter 1300 g - für einen klassischen Hakenfelgen-Satz wirklich beeindruckend.
Shimano bleibt seinem Ruf treu: Haltbarkeit und höchste Qualität.
Der Enduro-Laufradsatz setzt auf eine 30 mm breite, hakenlose Carbonfelge und Edelstahl-J-Bend-Speichen.
Shimano verspricht hier seinen stabilsten Laufradsatz - gemacht für die härtesten Enduro-Rennen.
Die neuen Laufräder und Naben werden sicher einen hervorragenden Job machen - gerade der XC-Laufradsatz verspricht eine echte Waffe zu sein.
Auch bei den Laufrädern hat sich einiges getan:
- WH-M9220 (Trail): 30 mm Maulweite, hakenlose Felge, 28-Loch, Edelstahl-Speichen
- WH-M9200 (XC): 29,6 mm Maulweite, Carbon-Felge, 24-Loch, Titan-Speichen, nur 1170 g
Neu: Shimano verabschiedet sich vom Konuslager - und setzt auf Industrielager, wie man sie von DT Swiss kennt. Die neuen M9210-Naben sind leichter, wartungsärmer und bieten einen 3,5°-Eingriffswinkel.
Fahrtest und Performance
Bereits im Februar hatten wir die Chance, zwei Tage mit der neuen Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe die Trails in Spanien unsicher zu machen. Dabei sind wir einen Tag auf einem analogen SCOTT Genius und einen zweiten Tag auf dem E-MTB Cannondale Moterra unterwegs gewesen, um beide Versionen zu testen. Auch haben wir einige Tage auf unseren Hometrails absolviert, um weitere Eindrücke zu gewinnen.
Im Praxistest hat die Schaltung auf ganzer Linie überzeugt: schnell, präzise und spürbar schneller als die Konkurrenz. Aber: Unter Volllast wirkt das Ganze etwas filigraner als ein SRAM-Schaltwerk - es kracht mehr, wenn ich richtig reintrete. Laut Shimano soll das aber keine Probleme verursachen.
Die Schaltung selbst liefert genau das, wofür Shimano seit jeher steht: schnell, präzise und zuverlässig. Der integrierte Akku und die komplett geschlossenen Schaltrollen sind durchdachte Details, die die Haltbarkeit und Funktionalität noch einmal verbessern.
Als Erstes fällt die sehr gelungene Hebel-Ergonomie auf, die mit ihren vielen Verstellmöglichkeiten glänzt. Wir haben den kürzeren Hebel vorne montiert und den längeren Hebel hinten, um mehr Platz für unsere Finger zu schaffen. Auch die Gummierung ist gelungen und man rutscht nicht vom Hebel ab. Das Klicken der Hebel ist deutlich spürbar und fühlt sich knackig an. So weiß man immer genau, wann man geschaltet hat. Auch die Doppelklick-Funktion - bei der man den Hebel zwei Rasterungen durchschaltet - funktioniert gut und fühlt sich definiert an.
Die neuen XTR-Bremsen bieten massig Power, lassen sich dabei aber deutlich besser dosieren als bisherige Shimano-Bremsen. Das Bremsgefühl blieb jederzeit konstant und selbst auf einer steilen 1000 hm-Abfahrt blieben die Stopper entspannt, Fading Fehlanzeige!
Die Bremsen haben mich im Test auf ganzer Linie überzeugt. Das neue Öl bringt noch mehr Konstanz und macht eine ohnehin sehr gute Bremse noch besser.
So viel ist klar: Die Haptik des Schaltgefühls ist Shimano sehr gut gelungen. Mit einem definierten Klacken wird der Hebel ausgelöst und die Kette wechselt mit knackiger Reaktion aufs nächste Ritzel. Die Hebel lassen sich zwar vielseitig verdrehen, für unser Gefühl stehen sie jedoch etwas zu sehr übereinander, sodass zur Betätigung des unteren Hebels etwas zu sehr in den Controller gegriffen werden muss.
Die Gangwechsel funktionieren definiert und selbst unter Last problemfrei. Unsere Tester bestätigen Karl Platts Ersteindruck: Die neue XTR ist schnell. Das war die alte auch, ihr Nachfolger setzt die Schaltvorgänge jedoch in hektischen Situationen etwas genauer und zuverlässiger um.
Preis und Verfügbarkeit
Preislich liegt die neue Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe auf dem High-End-Niveau der elektronischen Konkurrenz.
Zusätzlich zu allen einzelnen Komponenten gibt es für 999 € auch ein Upgrade-Kit, das Schaltwerk, Schalthebel, Akku und Ladegerät enthält.
Eine gesamte Gruppe gibt es leider nicht zu kaufen und ihr müsst hier alle Einzelpreise kombinieren. So kommt ihr dann bei ca. 2.000 € für eine komplette XTR-Gruppe raus.
Vor- und Nachteile
Vorteile:
- Schnelle und präzise Schaltvorgänge
- Kabellose Technologie für ein aufgeräumtes Cockpit
- Robuste Bauweise und hohe Langlebigkeit
- Individuelle Anpassungsmöglichkeiten per App
- Leistungsstarke Bremsen mit guter Dosierbarkeit
Nachteile:
- Hoher Preis
- Komplexere Installation und Einrichtung
- Lautere Schaltgeräusche im Vergleich zur Konkurrenz
- Potenzielle Probleme mit Kettenschlag bergab
Gewichte im Überblick
Wie immer haben wir alle Komponenten selbst gewogen - mit unserer kalibrierten Präzisionswaage in der Redaktion. Die hier aufgeführten Werte beziehen sich auf Einzelkomponenten. Angaben in Gramm:
| Komponente | Gewicht (g) | Preis (Euro) |
|---|---|---|
| Schaltwerk (kurzer Käfig, inkl. Akku) | 388 | 664,95 |
| Schalthebel | 101 | 234,95 |
| Kassette (9-45 Z.) | 322 | 504,95 |
| Kette (ungekürzt) | 269 | 78,95 |
| Kettenblatt (30 Z.) | 63 | 174,95 |
| Kurbel (170 mm) | 528 | 334,95 |
| Innenlager (BSA) | 75 | 50,95 |
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