Hardtails haben das natürlichste Fahrgefühl unter allen Mountainbikes. Mit dem starren Hinterbau spürt man jede Wurzel, über die man rollt. So ein Hardtail ist fast wie eine kleine Domina, die einen zur sauberen Fahrtechnik zwingt. Bei Fehlern schnalzt die Peitsche. Bei der richtigen Fahrtechnik zieht es einem die Mundwinkel nach oben.
Kurzum, sowohl Fullys als auch Hardtails haben ihre Berechtigung. Welches Konzept für dich persönlich passt, hängt ganz maßgeblich davon ab, wie du gewisse Faktoren wie den Abfahrtsspaß oder Komfort für dich bewertest. Oder ganz einfach, welches Budget du zur Verfügung hast.
Mit der Entscheidung zwischen Fully oder Hardtail ist es aber noch lange nicht getan. Bei der Frage nach dem Federweg am Hardtail ist aber mehr nicht zwingend besser. Denn mit einem starren Heck wird es schwer, das Potenzial zu heben, das die Gabel, Reifen und Bremsen von so einem Trail-Hardtail mit 140 mm Federweg haben.
Die Evolution des Federwegs bei Hardtails
100 Millimeter Federweg waren über Jahrzehnte der Standard bei Race-Hardtails. Aber 100-Millimeter-Race-Hardtails wie das Scott Scale, das Merida Big Nine oder auch das Cube Elite sind mittlerweile super spartanische Geräte für die Rennstrecke. Wir haben die Urväter aller Bikes, in einem separaten Artikel, mit modernen 120er Hardtails ausführlich verglichen. Hardtails mit 120 mm Federweg und mit Teleskopstütze wiegen bei ähnlichem Preis nur ca. 700 Gramm bis 1 Kilo mehr und sind deutlich geländegängiger. Dabei ist uns aufgefallen, dass man den zusätzlichen Federweg zwar spürt, dass der im Vergleich zur Teleskopstütze aber nicht der Gamechanger ist.
120 mm vs. 140 mm Federweg: Was ist der Unterschied?
Aber was passiert, wenn man von 120 wie beim Focus Raven oder dem Rose PDQ auf 140 Millimeter Federweg geht? Sind Trailhardtails, wie das Rose Bonero oder das Orbea Laufey geil? Um die Frage nach dem optimalen Federweg am Hardtail wirklich sauber zu klären, haben wir uns zwei absolut vergleichbare Bikes besorgt. Beide Bikes haben denselben Rahmen, aber eine unterschiedliche Ausstattung. Während die 120er-Version auf leicht profilierten Reifen rollt, hat die 140er-Trail-Version nicht nur deutlich gröbere Stollen, sondern auch Alu-Laufräder, dickere Standrohre an der Gabel und eine Vier-Kolben-Bremsanlage am Vorderrad. Das ganze Konzept ist also deutlich mehr auf Abfahrt ausgelegt, was in Anbetracht des zusätzlichen Federwegs auch wirklich Sinn macht.
Wir haben zwei Liteville H-3 mit demselben Rahmen, aber unterschiedlichen Gabeln und Ausstattungen getestet. Das Rose Bonero für 2200 € brachte bei 140 mm Federweg 12,6 Kilo auf die Waage. Das Orbea Laufey für 2500 € wiegt 13,7 Kilo. Das ist wohl ein deutlich realistischeres Gewicht für ein Trailhardtail. Es gibt also einen Unterschied in Gewicht und Ausrichtung.
Fahrgefühl und Kontrolle im Singletrail
Wenn man direkt zwischen den Bikes wechselt, merkt man sofort, dass man auf dem 140er Trailhardtail aufrechter sitzt. Dabei lastet deutlich weniger Druck auf den Handgelenken als beim 120er-Bike. Die ganze Front unter dem Lenker kommt etwas höher. Man muss sich das so vorstellen: Mit der längeren Gabel rotiert die ganze Geometrie des Bikes um die Hinterradachse zwei Zentimeter nach oben. Dadurch wird das Oberrohr, wenn man es waagrecht misst, kürzer, und der Stack steigt an. Let's fetz! Auf dem 120er-Bike sitzt man etwas sportlicher.
Im Singletrail bergab dreht sich der Spieß um. Allerdings weniger, als man es vermuten würde. Man steht beim 140er-Bike aufrechter hinter dem Lenker und hat so etwas mehr Kontrolle. Aber: Auch das Trail-Hardtail bleibt ein Hardtail! Man kann damit nicht doppelt so schnell bergab fahren wie mit der 120er-Version. Irgendwann prasseln die Schläge am Hinterrad einfach so stark ein, dass es schwer wird, das Ganze unter Kontrolle zu halten.
Um das volle Potenzial der größeren Gabel im Gelände zu heben, bräuchte es ein Fully. Um das Potenzial der 140er-Gabel und der groben Reifen voll auszunutzen, bräuchte das Bike einen Dämpfer im Heck. Die Disbalance zwischen Front und Heck wächst mit 140 mm Federweg in einem Bereich, der sich nicht nur durch eine gute Fahrtechnik ausgleichen lässt. Mit dem 140er-Trailhardtail sind zweifelsohne auch größere Sprünge möglich. Auf gröberen Trails ist man mit mehr Federweg bei angepasstem Tempo sicherer unterwegs. Man kann den Gashahn aber nicht gedankenlos aufreißen und drauflos ballern.
Empfehlungen für die Wahl des Federwegs
Nach unserem Praxistest ist klar: Beide Liteville-Hardtails machen verdammt viel Spaß. Zweitens: Sie stellen natürlich den günstigsten Einstieg in den Sport dar. Wenn beides auf dich nicht zutrifft, dann solltest du dir kein klassisches 100 Millimeter Race-Hardtail mehr kaufen.
Trailhardtails wie das H3 in der Trailbike-Ausstattung oder das Rose Bonero haben ihre absolute Berechtigung, wenn der Fahrspaß bergab an erster Stelle steht, das Budget aber nicht für ein Fully reicht. Wenn du gerne auf ganz ruppige Trails abbiegst, aktuell aber nur 2000-2500 € für ein Bike ausgeben kannst, sind Trailhardtails eine sehr gute Wahl. Denn sie sind leichter und vor allem hochwertiger ausgestattet als Fullys. Für trailsüchtige mit begrenztem Budget sind Trailhardtails the way to go.
Egal, für wie viel Federweg du dich entscheidest. Obwohl klassische Hardtails mit 100 Millimeter Federweg für immer weniger Biker die richtige Wahl darstellen, blüht das Hardtail-Genre jüngst förmlich auf. Denn mit den aktuellen Hardtails mit 120 Millimeter Federweg und Teleskopstütze gibt es Bikes, die einen ganz großen Kundenkreis ansprechen und glücklich machen. Trailhardtails mit 140 mm Federweg haben ihre Berechtigung für Biker, die den Abfahrtsspaß über alles stellen und ein geringes Budget haben.
Hardtail vs. Fully - Die Vor- und Nachteile auf einen Blick
| Hardtail | Fully |
|---|---|
PRO:
| PRO:
|
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