Sizilien mit dem Motorrad entdecken: Erfahrungen und Tipps

Bei unserem letzten Stammtisch wurde eine Motorrad- und Großrollertour auf/nach Sizilien vorgeschlagen. Ein Blick auf die Topografie der Insel lässt auf den ersten Blick höchst Interessantes erwarten. Was abschreckt, ist der weite Anfahrtsweg und evtl. üble Straßenverhältnisse und evtl. rücksichtslose Fiatfahrer.

Vielleicht kann ich Dir helfen. Ich war im Mai 2007 - ist also noch nicht so lang her - mit meiner Frau 2 Wochen auf Sizilien. Wir können die Insel sehr empfehlen! Sizilien ist Natur und Kultur, aber weit und groß! Am liebsten würde ich hier alles nochmal niederschreiben, aber das habe ich schon gemacht. Da findest Du den kompletten Bericht und viele Fotos. Gern auch im Vergleich mit Korsika und Sardinien.

Anreise und Fährverbindungen

Sizilien ist nämlich scheiße weit. Am Besten mit Pkw im Anhängerbetrieb - bei zwei Motorrädern billiger, bequemer. Wenns geht, nachts fahren Deutschland-Schweiz (zwei Vignetten)-Italien bis Fährhafen Savona, Genua oder Livorno (größte Entfernung). Fähre legt am Morgen zwischen 07.00 und 09.00 ab. Sonderangebote für das Auto auf der Fähre machen auch die Fähre in dieser Kombination billiger als zwei Motorräder.

Es gibt eine Fähre von Genua nach Palermo, fährt einen Tag und eine Nacht-eine Minikreuzfahrt also. Den anderen Weg dachte ich mir quer durch ganz Italien den Appenin entlang.

Wer auf eigenen Rädern bis nach Sizilien fahren möchte, sollte für die über 2000 Kilometer lange Strecke genug Zeit haben. Wesentlich kürzer gestaltet sich die Seereise von Genua bis Palermo. Die modernen Grimaldi-Fähren legen jeden Abend in Genua ab und erreichen 20 Stunden später Sizilien. Kosten pro Person und Motorrad in der Vorsaison ab 114 Euro. Wer es noch bequemer haben möchte, kann mit dem Autozug der Bahn von Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg oder Hildesheim über Nacht bis Alessandria fahren, eine Stunde nördlich von Genua gelegen. Eine Person mit Motorrad zahlt von Düsseldorf ab 189 Euro (einfach).

Zurück bin ich damals mit Fähre gefahren. Sizilien/Palermo - Sardinien/Olbia dann Genua...

Straßenverhältnisse und Fahrgefühl

Sizilien selbst sei anscheinend fahrttechnisch nicht sonderlich interessant. Zwar stimmt es, dass Sardinien im Durchschnitt (also über die ganze Insel gesehen) die besten Straßen hat, aber rings um den Ätna sind die Straßen noch besser! Die müssen nämlich alle paar Jahre überarbeitet werden! Ein enormer Teil der Straßen wurde nach dem großen Ausbruch 2002 komplett neu gemacht! Das sind die besten Straßen Italiens!!

Auch "nicht sonderlich interessant" würdte ich gern ergänzen: Die drei Naturschutzgebiete Siziliens im Norden und Osten sind nämlich fahrtechnisch sogar hochgradig interessant. Aber nur dort! Und "wenig Verkehr" bedarf, genau betrachtet, auch einer Ergänzung. Das gilt nämlich hauptsächlich im Westen Sardiniens.

Gibt`s auf Sizilien diesbezüglich was spezielles zu beachten (abgesehen der üblichen im südlicheren Italien = fahren wenn`s geht und auf die anderen sehen und nicht auf die STVO verlassen) ?

So wie du es für Süditalien beschreibst, eben sehr flüssig. Ein Problem haben aber wohl alle Südländer, wenn man sie überholt hat und man geht wieder auf seine Geschwindigkeit hängen sie am hacken und überholen bei der nächsten Gelegenheit ohne wenn und aber.

Aber aus unserer Erfahrung ist das auf Sizilien überhaupt kein Problem! Wenigstens in der von uns bevorzugten Vorsaison. Selbst durch Palermo sind wir relativ locker und bequem gefahren. Und wer überholen will, den lässt man eben.

Straßen gibt es von zum-niederknien-kurvig-griffig bis plomben-losrüttlend-schlaglochverseucht-wellig. Die Mafia hat angeblich den Strassenbau im Griff; könnten aber auch die Erdbeben sein, die das Wellblech verursachen. Wer auch immer die Kurven in die Landschaft gestreut hat, muß aber Motorradfahrer sein.

Vorsicht ist durch Marmorbeimischungen in der Asphaltierung mancher Strecken im Westen der Insel geboten. Also unbedingt langsam rantasten und immer wieder prüfen, wie viel Grip der Straßenbelag bietet.

Reisezeit

Sizilien ist gut im Mai/Juni da ist schon ganz warm (= eventuell schon baden im Meer) und die Natur ist noch grün. Motorrad fahren ist ok. anzugucken überall.

Reisezeit April/Mai geht schon. Juni wäre mir vermutlich schon zu heiß und im Spätfrühling grünt und blüht alles sehr schön.

Die schönste Zeit für Sizilien sind April und Mai, wenn der Frühling das Land erblühen lässt. Nur die Wassertemperaturen sind dann zum Baden noch etwas frisch. Ab Juni klettert das Thermometer schon über 30 Grad, und die Landschaft trocknet langsam aus, ändert ihr grünes Kleid zunächst in Gelb und schließlich in Braun. Im Hochsommer gerät Sizilien zum Glutofen mit Temperaturen bis 40 Grad. Im August, wenn ganz Italien Ferien macht, ist es zusätzlich noch voll. Klimatisch wird es erst Ende September wieder deutlich angenehmer. Wasserratten bieten sich bis in den Oktober gute Bedingungen.

Der Mai gilt als beste Reisezeit, um die Sehenswürdigkeiten Siziliens zu erkunden, zu wandern oder Rad zu fahren. Es ist warm, aber noch nicht ganz so heiß, es regnet aber auch nicht mehr so viel.

Sehenswürdigkeiten und Routen

Wir fahren vorbei am entfernten Etna, durch grünste Wälder und kleine Städte in den Bergen. Die Highlights waren für mich dabei Rom, mit seinen spektakulären Sehenswürdigkeiten, Pisa, die Dolomiten und eigentlich alles was so entlang des Weges passiert ist.

Von unserem Hotel aus ist die ehemalige Boxengasse der Rennstrecke auf der holperigen (aber kostenfreien) A 19 in einem guten Stündchen zu erreichen. Was dann für den Rest des Vormittags folgte, ist Motorradfahren in Sizilien vom Allerfeinsten. Eine herrliche Berglandschaft, in der sich die eng angelegte Strecke zwischen schroffen Felsen, grünsilbernen Olivenhainen und knallgelben Ginsterbüschen bis auf 635 m emporwindet.

Wenn wir schon auf einer Motorradtour nach Süditalien sind, dann lassen wir lassen es uns eine Besichtigung der römischen Mosaiken in Piazza Armerina nicht nehmen. Denn dort finden sich die größten, die es im Römischen Reich gegeben hat. 120 Millionen Steine.

Durch endlose Orangenplantagen umrunden wir den Vulkan von Süden her. Dann schlagen wir uns auf die Autobahn, um möglichst zügig den Hafen von Messina zu erreichen.

Umwerfend ist allein die Lage der Altstadt auf einer Landzunge im Meer. Schmale, gepflasterte Gassen, manche nicht mal breit genug für ein Ape-Dreirad, verstecken sich zwischen den gleichförmigen vierstöckigen Häusern, von denen die meisten aus dem 16. Jahrhundert stammen. Auf den mit schmiedeeisernen Gittern bewehrten Balkonen weht in dichten Reihen Bettwäsche im Wind. Wir ordern fünf Kugeln vom vermutlich besten Eis der Welt, finden eine freie Bank zwischen bunten Fischerbooten am Stadtstrand, während vor uns die Sonne die letzten orangefarbenen Meter des Tages macht.

Direkt hinter Cefalù wachsen die Berge der Madonie in den wolkenlosen Himmel. Abgesehen von seiner Majestät, dem Ätna, erheben sich in der Madonie die höchsten Berge der Insel, der Pizzo Carbonara misst fast 2000 Meter. Die Madonie entzieht sich jedem Sizilien-Klischee, erinnert mit ihren dichten Buchenwäldern, engen Tälern zwischen schroffen Gipfeln und glasklaren wilden Bächen eher an die Alpen als an Südeuropa.

Von Nicolosi windet sich eine wunderbare neue Straße mit perfekten Radien durch schwarze Lavafelder hinauf zum Rifugio Sapienza, dem touristischen Hotspot am Ätna. Erst sieben Jahre ist es her, dass ein Lavastrom viele Andenkenläden, Parkplätze und die Seilbahn zerstörte, die noch weiter hinauf führt. Inzwischen ist alles wieder aufgebaut, aber die Besitzer der Souvenirbuden und Cafés wissen sehr wohl, dass ihre Existenz eine Frage der Zeit ist. Drohend erheben sich die vier dampfenden Gipfelkrater hoch über dem Rifugio.

Komplett erfüllt rollen wir in Taormina ein, der Touristenhochburg der Insel. Zu Recht, Altstadt und das exponierte Teatro Greco sind in der Tat sehenswert.

Die Strasse SS120. Diese Straße beginnt an der Nordseite der Insel kurz vor Cefalu und führt an die Westküste nördlich des Vulkans Ätna, aber südlich der Stadt Taormina.

Die Strasse SS116. Diese Straße beginnt in Randazzo und führt in den Norden, bis in den Ort Capo d' Orlando. Sie führt durch die Berge, durch einen Nationalpark, bis hoch an die Küste und bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Linken, oder zur Rechten abzubiegen und anderen weiteren interessanten Bergstrassen zu folgen.

Zusätzliche Tipps

  • Meide mit dem Mopped die mittelalterlichen Ortszentren im Landesinneren!!!
  • Benzin gibts eigentlich überall, wenn man sich an die Öffnungszeiten hält, die aber vom Tankstellenpersonal auch mal den persönlichen Bedürfnissen angepasst werden. Daher lieber 1x mal öfter tanken.
  • Wer auf den Vulkan aufsteigen will, sollte zwingend das Refugio an der Südzufahrt nehmen, dort übernachten und morgens als einer der ersten die Seilbahn auf den Gipfel nutzen. Wer in dem Refugio Sapienza übernachtet, der profitiert von einem 30%igen Rabatt für die Seilbahn. Wer noch höher hinaus möchte als einen die geländegängigen Busse sowieso schon bringen, der sollte sich zwingend einem Führer anschließen und die richtige Ausrüstung parat haben.

Fazit

Insgesamt bietet Sizilien eine Vielzahl an Möglichkeiten für unvergessliche Motorradtouren. Von den kurvenreichen Straßen rund um den Ätna über die historischen Stätten bis hin zu den malerischen Küstenstädten gibt es viel zu entdecken. Mit der richtigen Vorbereitung und etwas Flexibilität kann man die Insel in vollen Zügen genießen.

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