Slick Reifen am Fahrrad: Vor- und Nachteile

Die Reifen sind eines der wichtigsten Teile am Fahrrad, egal ob E-Bike oder traditionelles Fahrrad, egal ob Urban Bike, Gravelbike oder Cruiser Bike. Denn sie entscheiden maßgeblich über das Fahrgefühl und die Sicherheit, weil die Reifen Einfluss auf alle entscheidenden Parameter am Fahrrad haben: Rollwiderstand, Pannenschutz, Grip und Kurvenhalt.

Wann brauche ich eigentlich einen neuen Reifen?

Du solltest die Reifen an deinem Fahrrad oder E-Bike nicht erst tauschen, wenn er einen Defekt hat. Ist ein Fahrradreifen auf der Lauffläche stark abgefahren - oft ist in der Mitte eine leichte Kannte erkennbar - dann muss ein neuer her. Wenn das Gummi bereits rissig wird oder die Karkasse, also das Netzgewebe unter der Gummischicht, bereits sichtbar wird, dann wird der Reifen sogar zum Sicherheitsrisiko und du musst ihn sofort wechseln. Viele Fahrradreifen besitzen eine Verschleißanzeige - eine schmale, durchgehende Vertiefung oder mehrere regelmäßig verteilte Vertiefungen. Wenn die nicht mehr zu erkennen sind, ist der Reifen so stark abgefahren, dass du ihn tauschen musst.

Schritt 1: Welche Reifengröße passt?

Im ersten Schritt musst du wissen, welche Größe die Reifen für dein Fahrrad haben müssen. Zwei Maße sind dabei wichtig. Fix ist das Maß, welchen Durchmesser die Felge beziehungsweise der darauf montierte Reifen überhaupt haben muss. Bei Fahrrädern für Erwachsene gibt es die Größen 26 Zoll, 27,5 Zoll (auch 650B genannt), 28 Zoll, und 29 Zoll. Kinderräder haben kleinere Reifen, gängig sind hier 16, 20 und 24 Zoll.

Das zweite entscheidende Maß ist die Breite des Reifens, auch sie wird meist in Zoll angegeben und variiert je nach Fahrrad-Typ zwischen 0,75 und bis zu 2,6. Bei der Breite hast du Spielraum: Etwas schmaler als der aktuell montierte Reifen geht immer. Wenn du einen etwas breiteren Reifen montieren willst, zum Beispiel für etwas mehr Komfort, dann musst du checken, ob zwischen den Ketten- und Sitzstreben, in der Gabel und unter den Schutzblechen genug Platz vorhanden ist. Generell solltest du nie zu stark von der aktuell montierten Breite abweichen. Am einfachsten orientierst du dich am aktuell montierten Reifen, auf dem das passende Maß angegeben ist, und zwar in einer dieser Angaben:

  • Reifenmaß in Zoll, z.B. 28 x 1,75 (der Reifen hat 28 Zoll Durchmesser und 1,75 Zoll Breite).
  • Reifenmaß nach ERTO in Millimeterm, z.B. 35 - 622 (der Reifen ist 35 mm breit und hat einen Durchmesser von 622 mm)

Schritt 2: Welchen Reifentyp brauche ich?

Brauchst du einen Reifen mit Profil oder einen glatten Slick - oder irgend etwas dazwischen? Es gibt zahlreiche unterschiedliche Oberflächen, zwischen denen du dich bei Fahrradreifen entscheiden kannst. Grundsätzlich gilt:

Reifen ohne Profil (Slicks)

  • geringer Rollwiderstand
  • hoher Grip auf glattem, festem Untergrund
  • leichter als vergleichbare Reifen mit Profil
  • schlecht auf losem Untergrund

Reifen mit Profil (Stollenreifen)

  • guter Halt auf losem Untergrund
  • schwerer als vergleichbare Slicks
  • höherer Rollwiderstand

Daraus ergibt sich: Auf einem Mountainbike brauchst du einen Stollenreifen, auf einem Urban Bike einen Slick, logo. Etwas schwieriger wird es zum Beispiel bei Touren- oder Trekkingbikes, mit dem du sowohl auf festem Untergrund, aber auch mal auf Schotterwegen oder Forstwegen unterwegs bist. Hier gilt es abzuwägen, wo du hauptsächlich unterwegs bist, und was dir wichtiger ist: sicherer Grip auf jedem Untergrund oder geringer Rollwiderstand? Als Kompromiss gibt es auch sogenannte Semi-Slicks mit glatter Lauffläche in der Mitte und leichten Stollen seitlich.

Wichtig zu wissen: Du kannst auch mit einem wenig profilierten Reifen oder einem Slick den Halt auf unebenem Untergrund verbessern, indem du den Luftdruck verringerst, denn so vergrößert sich die Kontaktfläche des Reifens zum Untergrund - mit dem Nachteil von höherem Rollwiderstand und einem höheren Pannenrisiko. Experimentiere etwas und verringere Schrittweise den Reifendruck, bis du das Optimum für deine Bedürfnisse herausfindest.

Schritt 3: Was ist mit dem Pannenschutz?

Die meisten Reifen besitzen serienmäßig eine spezielle Schicht zwischen Gummi und Karkasse, die besonders resistent gegen Durchstiche ist, also zum Beispiel Scherben oder andere spitze Gegenstände. In den letzten Jahren haben sich diese Pannenschutzschichten deutlich verbessert, sie wurden leichter und geschmeidiger, wodurch sie den Rollwiderstand nur noch unwesentlich verschlechtern - das war früher ein Problem. Heute kann man also sagen: Auf guten Pannenschutz solltest du bei Fahrradreifen nicht verzichten, egal ob du in der Stadt, auf Touren oder im Gelände unterwegs bist. Im Zweifel solltest du in einen etwas teureren Reifen investieren, der dafür eine moderne Pannenschutzschicht besitzt und trotzdem kaum schwerer ist als ein günstigerer reifen mit schlechterem Pannenschutz.

Schritt 4: Weitere Eigenschaften von Fahrradreifen?

Abgesehen von den vielen Funktionen, die ein Fahrradreifen erfüllen muss, haben manche Modelle noch weitere praktische Features parat, über die du nachdenken kannst. Bist du auch bei Dämmerung oder nachts mit dem Fahrrad unterwegs, dann sind Fahrradreifen mit Reflektoren eine gute Sache. Meist ist auf der Seitenwand durchgehend ein reflektierender Streifen aufgebracht - der erhöht deine Sichtbarkeit und damit Sicherheit enorm.

Eher was für echte Vielfahrer sind Tubeless-Reifen: Hier kommt der Reifen ohne Schlauch aus. Beim Auto und Motorrad ist das völlig normal, bei Fahrradreifen nur am Mountainbike weit verbreitet. Die Vorteile von Tubeless-Reifen am Fahrrad: Das System ist leichter, rollt besser, und bietet in Verbindung mit einer speziellen Pannenschutzmilch auf Latex-Basis auch extrem hohen Pannenschutz. Die Nachteile: Tubeless-Reifen funktionieren nur auf speziellen tubeless-tauglichen Felgen, und sie sind recht teuer.

Schritt 5: Sonst noch was?

Wenn du neue Reifen montierst, solltest du mindestens genau prüfen, in welchem Zustand der bisher verwendete Schlauch ist - und ihn im Zweifel auch ersetzen. Denn auch der Schlauch altert und ist dauerndem Stress ausgesetzt, vor allem in dem Bereich, in dem das Ventil eingeklebt ist. Außerdem solltest du bei der Gelegenheit auch das Felgenband checken. Sitzt es noch mittig?

Die passende Reifenbreite

Auf glattem, hartem Untergrund (Asphalt, Beton, …) eignen sich am besten schmale Fahrradreifen und ein hoher Luftdruck. Das reduziert den Rollwiderstand und ermöglicht eine höhere Geschwindigkeit. Darunter leidet natürlich der Komfort. So können dünne Reifen unter hohem Luftdruck die Unebenheiten vom Untergrund nicht so komfortabel abfedern wie breitere Reifen, die eben mit geringerem Luftdruck gefahren werden. Dünne Reifen kommen an Cyclocross Bike, Crossrad, Gravelbike, Fitnessbike und Rennrad zum Einsatz. Für Cityrad und Tourenrad finden dagegen eher breitere Reifen Verwendung. Hier wird eben ein höherer Fahrkomfort bei geringerer Geschwindigkeit angestrebt.

Für Gelände und unbefestigte Wege eignen sich am besten besonders breite Reifen mit grobem Stollenprofil. In Verbindung mit relativ geringem Luftdruck gewährleisten solche Reifen ein Höchstmaß an Traktion und sehr hohen Fahrkomfort: Stöße und Schläge aus dem Geländeprofil werden in gewissen Grenzen von diesen Reifen weich abgefedert. Solche Reifen kommen beim MTB zum Einsatz.

Den unterschiedlichen Einsatzbereichen lassen sich folgende Reifenbreiten zuordnen:

Fahrradtyp Breite [mm] Breite [Zoll]
Rennrad 23 - 28 1,0 - 1,1
Cyclocross-Bike 28 - 40 1,1 - 1,6
Gravelbike 28 - 40 1,1 - 1,6
Citybike 23 - 57 1,0 - 2,1
Trekkingbike 23 - 57 1,0 - 2,1
Mountainbike 48 - 64 1,9 - 2,5

Prüfe vor dem Kauf, ob Fahrradrahmen und Gabel ausreichend Platz für die gewünschte Reifenbreite bereithalten. Berücksichtige aber auch deine Schutzbleche: Sie müssen ebenfalls mit der gewünschten Reifenbreite klar kommen. Es kann übrigens von Vorteil sein, für das Vorderrad breitere Reifen zu wählen als für das Hinterrad. Ein breiterer Reifen hat ein höheres Dämpfungs-Potenzial sowie eine bessere Haftung in Kurvenlage.

Das passende Reifenprofil

Für einen glatten, trockenen Untergrund und hohe Geschwindigkeiten sind Fahrradreifen ohne Profil ideal (Slick). Für unbefestigten Untergrund (Schotter, Waldboden) eignet sich grobes Stollenprofil am besten.

Je nach Einsatzbereich kannst du jetzt zwischen diesen beiden Extremen weiter ausdifferenzieren und findest auf dem Markt quasi für jede Anwendung das passende Reifenprofil. Die Wahl wird allerdings schwierig, wenn du sowohl Straße als auch unbefestigte Waldwege befährst. Dann musst du Kompromisse bei Traktionsvermögen, Laufwiderstand und Verschleiß eingehen, wenn du lediglich einen einzigen Fahrradreifen kaufen willst. So nutzt sich grobes Stollenprofil (in der Regel weicher Gummi) auf Asphalt schneller ab als auf weichem Waldboden und der Laufwiderstand ist deutlich höher als bei einem dünneren Reifen mit glattem Straßenprofil (und in der Regel hartem Gummi).

Weil solche Anwendungsfälle aber relativ häufig vorkommen, hält der Reifenmarkt auch dafür passende Produkte bereit: So gibt es Reifen mit überwiegend glattem Straßenprofil auf der Reifenmitte und einem nicht zu groben Stollenprofil auf den Seitenflächen (Semi-Slicks).

Der Pannenschutz im Fahrradreifen

Um den Schutz vor Reifenpannen zu erhöhen, gibt es mittlerweile verschiedene Ansätze. So gibt es z. B. Hierbei ist die Reifendicke im Bereich der Lauffläche so stark, dass selbst Reißbrettstifte nicht bis zum Schlauch durchdringen können. Diese Reifen bringen natürlich ein höheres Gewicht auf die Waage und kosten wegen der Walkarbeit etwas mehr Krafteinsatz.

Wer auf ein geringeres Reifengewicht setzt, findet alternativ Schutzgürtel aus speziellen Geweben.

Aufbau der Fahrradreifen

Reifen bestehen aus mehreren Komponenten, die unterschiedliche Funktionen haben:

  • Karkasse
  • Gummimischung
  • Reifenwulst

Karkasse

Für eine ausreichend hohe Festigkeit gegen den Luftdruck und die schlagartigen Einwirkungen von außen im Laufbetrieb beinhaltet jeder Reifen eine Gewebeeinlage, die Karkasse. Gemessen wird bei der Karkasse die Anzahl der Fäden pro Zoll (TPI = Threads per Inch). Dünne Fäden werden dichter gewebt, erzeugen somit einen höheren TPI-Wert. Die Karkasse ist flexibler, der Reifen leichter aber auch anfälliger für Beschädigungen.

Gummimischung

Umspritzt wird diese Karkasse dann mit einem elastischen Kunststoff, der je nach Gummimischung mehr oder weniger steif und verschleißfest ist. Ein weicherer Gummi gewährleistet eine bessere Bodenhaftung, verschleißt aber stärker. Einen guten Kompromiss bilden an dieser Stelle die Dual-Compound-Reifen: In der Mitte der Lauffläche kommt hierbei ein härterer Kunststoff zum Einsatz, um die Verschleißfestigkeit zu steigern, ohne dabei auf die höhere Haftung in Kurvenlage (durch den dort weicheren Kunststoff) verzichten zu müssen.

Reifenwulst

Der nach außen stehende Reifenwulst (siehe oben) hält den Reifen beidseitig sicher hinter dem Felgenhorn.

Der richtige Luftdruck im Fahrradreifen

Auf der Seitenflanke eines jeden Fahrradreifens ist die Vorgabe des Herstellers für den empfohlenen Reifendruck vermerkt. Im Rahmen dieser empfohlenen Spanne bewirkt ein geringer Luftdruck höheren Fahrkomfort und ein hoher Reifendruck einen geringeren Rollwiderstand. Generell begünstigt ein höherer Reifendruck auch eine höhere Verschleißfestigkeit, weil die Walkarbeit deutlich geringer ausfällt als bei niedrigerem Luftdruck und somit Risse auf den Seitenflanken vermieden werden.

Du solltest also regelmäßig den Reifendruck an deinem Fahrrad kontrollieren und bei Bedarf nachpumpen. Weil jedoch ab ca. 2,5 Bar Luftdruck die Sensorik in unseren Händen für eine halbwegs genaue Beurteilung des Reifendrucks nicht mehr ausreicht, empfiehlt sich eine Luftpumpe mit Manometer oder ein Luftdruckmessgerät. Diese Investition solltest du von vornherein in deinem Budget mit berücksichtigen, wenn du neue Fahrradreifen kaufen willst. Der neue Reifen wird es dir danken.

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