Da sag noch einmal einer, es gäbe keine preiswerten E-Bikes mehr. Smafo, eine deutsche E-Bike-Schmiede aus Paderborn, möchte mit seinen City-Pedelecs mit diesem Vorurteil aufräumen. Ab 2399 Euro bietet die relativ neue, Paderborner-Radschmiede "Smafo" ihr City-E-Bike Luca im Online-Shop an. Zum BikeX-Test meldet sich das champagnerfarbene Sondermodell zum fünfjährigen Bestehen der Marke als Tiefeinsteiger, vermarktet wird es unter dem Namen "Luca". Wir haben im Alltag nachgesehen, was das preisgünstige Pedelec mit Bafang-Motor und 522-Wattstunden-Akku kann.
Technische Details und Ausstattung
Von nichts kommt nichts - auch bei diesem Preis nicht. Wer beim Motor an Namen wie Shimano oder Bosch denkt, dürfte enttäuscht werden. Vielmehr setzt das Smafo Luca auf einen gut werkelnden Hecknabenmotor von Bafang. Immerhin 45 Newtonmeter Drehmoment leistet das Motörchen zwischen den Speichen, gespeist wird er aus einem immerhin 522 Wattstunden fassenden Akku als selbem Hause. Sowohl Spitzenleistung als auch Akkugröße sind allesamt unterer Durchschnitt, für den Preis aber zu erwarten. Im Stadtbetrieb sind sowohl Leistung als auch Ausdauer aber kein Hindernis. Interessant: Das Smafo gibt es sowohl als Diamant- als auch wie hier im Test mit Tiefeinsteiger-Rahmen. Aber: Den Rahmen gibt es jeweils nur in einer One-Size-Größe - was dank langem Sattelrohr mit massig Einschub und fein verstellbarem Vorbau gute Einstellbarkeit verspricht. Doch Obacht! Während der Tiefeinsteiger Piloten zwischen 1,60 und 1,95 Metern Baumaß beherbergen kann, sind beim Diamant-Rahmen groß Gewachsene am Zug. Hier verspricht Smafo Platz für Fahrer zwischen 1,75 und glatten zwei Metern.
Verarbeitung und Zuladung
Dafür stimmt die Verarbeitung: Der Alu-Rahmen mit seinem Tiefeinstieg ist gut gemacht und in dem erwähnten Champagner schön anzusehen. Und es ist auch alles dran, was man im Alltag braucht: Das verbaute Jiaxing-Frontlicht geht in Ordnung, das Axa-Rücklicht ist aber trotz nicht perfekt verlegtem Kabel wertiger. Die Schutzbleche machen einen guten Job, am Vorderrad könnte die Fixierung aber stabiler ausfallen. Schade aber, dass das Smafo ausgerechnet bei der Zuladung patzt: 130 Kilo darf das Luca laden, wovon 26,2 Kilo für das E-Bike samt Pedalen draufgehen. Summa summarum kannst du also "nur" 104 Kilo zuladen, was im Reigen der City-E-Bikes gerade für stabile Piloten eher dürftig ist.
Fahrgefühl und Alltagstauglichkeit
Aufgesattelt und abgefahren! Kaum akustisch wahrzunehmen, schiebt der kleine Nabenmotor von Bafang das Smafo vorwärts. Und das gar nicht so kraftlos, wie man bei "nur" 45 Newtonmetern Drehmoment meinen würde. Einen leichten Gang der knackig-präzise schaltenden Altus-Kettenschaltung eingelegt, setzt sich das Luca auch bei Steigungen gut in Bewegung - und trotzt 95 Kilo Fahrergewicht durchaus bravourös. Auch im städtischen Betrieb bis 25 km/h fährt das Smafo gut durch die herbstliche Großstadt, bleibt leistungsseitig bei Ampelrennen aber klar hinter der Mittelmotor-Konkurrenz von Shimano und Bosch zurück. Stört das im Alltag? Nein - besonders am günstigen Einstandspreis gemessen, ist das Smafo buchstäblich ein guter Deal - bei dem man das zwar wendige Fahrverhalten im Dschungel der City zu schätzen wissen wird, sich aber wohl kaum über das leicht kippelige Fahrverhalten im Talschuss groß wundern wird.
Alternativen im Vergleich
Der Markt von günstigen urbanen E-Bikes ist hart umkämpft und so tummeln sich in der Preisspanne von 2.000 bis 3.000 € auch einige schwer zu knackende Nüsse in Sachen Konkurrenz von SMAFO. Darunter große Direktanbieter wie VanMoof mit dem X3 oder ROSE mit dem Sneak+, aber auch kleinere Konkurrenten wie etwa Lemmo oder die noch etwas unbekannte Marke Hepha mit ihrem Trekking 7 Ultra.
Vergleich mit Specialized Turbo Como 5.0
Das Specialized Turbo Como 5.0 (ca. 4.200 Euro) positioniert sich als Premium-Alternative zum SMAFO Luca Wave. Mit seinem tieferen Einstieg und dem stärkeren Motor (90 Nm Drehmoment) zielt es ebenfalls auf den urbanen Einsatz ab. Die hochwertige Verarbeitung und der renommierte Markennamen rechtfertigen den deutlich höheren Preis. Im Vergleich zum SMAFO bietet das Turbo Como eine komfortablere Sitzposition und mehr Power, besonders an Steigungen. Allerdings fehlen ihm die smarten Konnektivitätsfunktionen des SMAFO. Für Nutzer, die Wert auf Markenqualität und maximalen Fahrkomfort legen, könnte das Turbo Como die bessere Wahl sein.
Vergleich mit Tenways CGO009
Das Tenways CGO009 setzt im Gegensatz zum SMAFO Luca Wave auf ein minimalistisches Design und eine besonders leise Motorisierung. Der wartungsarme Karbonriemenantrieb ist ein klarer Vorteil gegenüber der klassischen Kettenschaltung des SMAFO. Mit seinem 45 Nm starken Motor liegt es leistungsmäßig auf einem ähnlichen Niveau. Die reduzierte Bedienung des Tenways kann Vor- und Nachteil zugleich sein - während sie das Fahrerlebnis vereinfacht, kann sie für technikaffine Nutzer zu wenig Einstellmöglichkeiten bieten. Im Vergleich zum SMAFO fehlen dem Tenways die umfangreichen Smart-Funktionen.
Vergleich mit Riese & Müller Charger3 GT Vario
Das Riese & Müller Charger3 GT Vario (ab 6.169 Euro) spielt in einer deutlich höheren Preisklasse als das SMAFO Luca Wave. Es überzeugt durch seine hochwertige Verarbeitung und das sehr stabile Fahrverhalten. Mit einer Akkukapazität von 1.250 Wh bietet es potenziell eine deutlich höhere Reichweite als das SMAFO. Der leistungsstarke Bosch Performance Line CX Motor sorgt für kraftvolle Unterstützung auch in anspruchsvollem Gelände. Im Vergleich zum SMAFO ist das Charger3 GT Vario jedoch deutlich schwerer (27,5 kg) und weniger wendig im Stadtverkehr. Es richtet sich an anspruchsvolle Nutzer, die längere Touren oder Pendlerstrecken zurücklegen und dabei maximalen Komfort und Leistung wünschen.
Testergebnisse und Erfahrungen
Um das SMAFO Luca Wave auf Herz und Nieren zu prüfen, habe ich es einer Woche lang intensiv im Alltag genutzt. Der Test erstreckte sich über sieben Tage, in denen ich das E-Bike täglich nutzte. Dabei simulierte ich verschiedene Alltagssituationen wie Pendlerstrecken, Einkaufsfahrten und Freizeittouren. Die Testfahrten fanden bei unterschiedlichen Wetterbedingungen statt, um die Allwettertauglichkeit zu überprüfen.
Inbetriebnahme und erste Eindrücke
Das SMAFO Luca Wave erreichte mich in einem stabilen Karton. Die Verpackung machte einen hochwertigen Eindruck und bot ausreichend Schutz für den Transport. Im Lieferumfang enthalten waren neben dem E-Bike selbst das Ladegerät, Bedienungsanleitungen sowie Werkzeug für die Endmontage. Die Inbetriebnahme des E-Bikes gestaltete sich weitgehend unkompliziert. Lediglich das Anbringen des Lenkers und das Einstellen der optimalen Sitzposition erforderten etwas Zeit und Geduld. Die beiliegende Anleitung war hilfreich, hätte an manchen Stellen aber detaillierter sein können.
Die ersten Fahrten mit dem SMAFO Luca Wave hinterlassen einen positiven Eindruck. Die Sitzposition ist aufrecht und komfortabel, was besonders im Stadtverkehr von Vorteil ist. Der Bafang-Motor reagiert sensibel auf Tretimpulse und liefert eine gleichmäßige Unterstützung. Die Bedienung des Displays gestaltet sich intuitiv. Alle wichtigen Informationen wie Geschwindigkeit, Akkustand und gewählte Unterstützungsstufe sind gut ablesbar.
Pendlerstrecke und Reichweite
Auf meiner täglichen Pendlerstrecke von 25 km (hin und zurück) zeigt sich das SMAFO Luca Wave von seiner starken Seite. Die 9-Gang Shimano Schaltung ermöglicht eine gute Anpassung an verschiedene Steigungen. Ein Reichweitentest auf überwiegend flacher Strecke bei moderater Unterstützungsstufe ergab eine tatsächliche Reichweite von etwa 85 km - deutlich weniger als die vom Hersteller angegebenen 120 km, aber für die meisten Alltagsanwendungen ausreichend.
Fahrten auf unterschiedlichem Terrain
Auf leichten Schotterwegen schlägt sich das SMAFO Luca Wave erstaunlich gut. Die SR Suntour Federgabel dämpft Unebenheiten zuverlässig ab. Ein Einkauf mit vollbeladenem Gepäckträger (20 kg Zuladung) meistert das E-Bike problemlos.
Smarte Funktionen und Konnektivität
Am letzten Testtag widme ich mich intensiv den smarten Funktionen des SMAFO Luca Wave. Die GPS-Ortung funktioniert zuverlässig, der Standort des E-Bikes lässt sich jederzeit über die App abrufen. Der Bewegungsalarm, der über die App gesteuert wird, erweist sich als praktisch. Er benachrichtigt den Nutzer, wenn das Bike bewegt wird, blockiert es aber nicht. Die Routenaufzeichnung in der App arbeitet präzise und liefert interessante Daten wie zurückgelegte Strecke, Durchschnittsgeschwindigkeit und Höhenmeter. Ein nettes Feature ist die Anzeige der eingesparten CO2-Emissionen im Vergleich zur Autofahrt.
Vor- und Nachteile im Überblick
Nach einer Woche intensiver Nutzung hinterlässt das SMAFO Luca Wave einen sehr positiven Eindruck. Es überzeugt durch seine Alltagstauglichkeit und die gelungene Integration smarter Funktionen. Kritisch sehe ich das relativ hohe Gewicht und die etwas schwache Motorunterstützung an steileren Anstiegen. Hier wäre mehr Power wünschenswert gewesen. Die tatsächliche Reichweite bleibt hinter den Herstellerangaben zurück, ist aber für die meisten Alltagsanwendungen ausreichend.
Die Marke SMAFO
SMAFO, ein Akronym für „smart forward“, wurde im April 2018 in Paderborn gegründet. Die Unternehmensphilosophie von SMAFO basiert auf dem Konzept der einfachen und sorgenfreien Mobilität zu einem erschwinglichen Preis. SMAFO bietet verschiedene E-Bike-Modelle an, darunter das Luca E-Bike in den Varianten Luca wave & classic in den Standardfarben schwarz & weiß, sowie als Limited Edition (champagne). Ergänzt wird das Angebot durch eine Reihe von Services und Zubehörteilen, die über die SMAFO Connect App verwaltet werden können.
Ein Alleinstellungsmerkmal von SMAFO ist ihr umfassendes Serviceangebot. Kunden haben die Möglichkeit, E-Bikes vor dem Kauf ausgiebig zu testen. Zudem ist der Support deutschlandweit erreichbar und umfasst vielfältige Serviceleistungen. Die E-Bikes von SMAFO sind mit modernen Technologien wie GPS-Tracking und integrierten Sicherheitssystemen ausgestattet. In Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz positioniert sich SMAFO klar: Die Förderung der E-Mobilität wird als Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen gesehen.
Insgesamt präsentiert sich SMAFO als innovative und kundenorientierte Marke, die den E-Bike-Markt mit frischen Ideen und smarten Lösungen bereichert. Die Kombination aus solider Hardware und durchdachten Software-Lösungen könnte in Zukunft zum Erfolgsrezept werden.
Zielgruppe und Fazit
Das SMAFO Luca Wave präsentiert sich als solides Allround-E-Bike mit interessanten smarten Features. Es überzeugt durch seine Alltagstauglichkeit, intuitive Bedienung und das durchdachte Gesamtkonzept aus Hardware und Software. Besonders geeignet ist das E-Bike für Pendler und Gelegenheitsfahrer, die ein zuverlässiges und unkompliziertes Fortbewegungsmittel für den Stadtverkehr suchen. Schwächen zeigt das SMAFO Luca Wave bei der Motorleistung an stärkeren Steigungen und beim relativ hohen Gewicht.
Günstige E-Bikes im Test: Eine Übersicht
E-Bikes sind superteuer? Von Wegen! In den letzten zwölf Monaten wurden sechs richtig gute, aber preiswerte E-Bikes getestet. Egal, ob Stadt-Stromer, Touren-E-Bike oder E-MTB: hier ist für jeden etwas dabei! Der Fokus lag auf Faktoren wie Motorleistung, Reichweite und Preis-Leistungs-Verhältnis.
Radon Jealous Hybrid 9.0 750
Ein echtes E-MTB für Einsteiger mit starkem Motor und solider Ausstattung - ideal für Trail-Einsteiger.
SMAFO City E-Bike Luca
Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für City-Fahrer, jedoch mit begrenzter Zuladung und einfacher Ausstattung.
Rockrider E-ACTV 900
Innovative Automatik-Schaltung für entspanntes Fahren, ideal für Pendler und Tourenfahrer.
Rockrider E-Expl 700
Einsteiger-E-MTB für leichte Trails.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Daten der getesteten E-Bikes zusammen:
| E-Bike Modell | Preis (ca.) | Motor | Akku | Zuladung (Systemgewicht) | Fazit |
|---|---|---|---|---|---|
| Radon Jealous Hybrid 9.0 750 | 2399 € | Bosch Performance Line CX | 750 Wh | 135 kg (110 kg Fahrergewicht) | Echtes E-MTB für Einsteiger |
| SMAFO City E-Bike Luca | 2399 € | Bafang Hecknabenmotor (45 Nm) | 522 Wh | 130 kg (104 kg Fahrergewicht) | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für City-Fahrer |
| Rockrider E-ACTV 900 | 2699 € | Owuru-Motor mit stufenlosem CVT-Getriebe | 694 Wh | ca. 123 kg | Innovative Automatik-Schaltung |
| Rockrider E-Expl 700 | 2200 € | Brose Drive T (70 Nm) | 630 Wh | ca. k.A. | Einsteiger-E-MTB für leichte Trails |
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