Smart Helm Fahrrad Test: Ein umfassender Ratgeber

Fahrradhelme haben sich längst von reinen Kopfschützern zu schicken Accessoires entwickelt. Insbesondere für Stadtradler, E-Biker und Digital Natives werden Fahrradhelme heute auch mit Elektronik vollgepackt.

Warum ein Smart Helm?

Ein Smarthelm findet seine Zielgruppe, vor allem, wenn man damit beim Radeln telefonieren oder der Sprachnavigation folgen kann, ohne die Hände vom Lenker zu nehmen. Sicherheitsorientierte Radfahrer freuen sich über helle LED-Lichter, die zusätzlich eine Blink- und Bremslichtfunktion haben können.

Eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zeigte 2020, dass immer mehr Radfahrende zum Fahrradhelm greifen. Über alle Altersgruppen hinweg sind es 26 Prozent, also gerade einmal rund ein Viertel der Radelnden.

Die Kehrseite der Medaille

Allerdings lassen sich alle diese Funktionen nur anwenden, wenn die Akkus geladen sind. Und das muss je nach Nutzungsintensität täglich erfolgen. Die Überfrachtung mit Elektronik am Kopf kann gerade in puncto Sicherheit leider auch ins Gegenteil umschlagen.

Nicht nur der ADFC befürchtet, dass insbesondere im Stadtverkehr das Telefonieren und eine Musikberieselung den Radfahrer zu sehr ablenken und dadurch die Unfallgefahr zunimmt. Außerdem würden sich viele Radfahrer zu sehr auf die Lichter am Helm verlassen, die jedoch keineswegs eine gute Beleuchtung am Fahrrad und die Handzeichen für Richtungswechsel ersetzen.

Funktionen moderner Smarthelme

Ein moderner Smarthelm für Radfahrer kann seine vielen Funktionen nur mithilfe des Smartphones oder einer Smartwatch bieten. Je nach Helmmarke lädt man sich die kostenlose App aus dem App- bzw. Google-Play-Store und verbindet per Bluetooth das Handy mit dem Fahrradhelm.

Je nach Ausstattung ermöglicht die App dann, dass der Helm blinkt, das Bremslicht aufleuchtet, dass man Musik hören, telefonieren oder der Sprachnavigation folgen kann.

Was können die unterschiedlichen Smarthelm-Modelle?

Überblick über Funktionen

  • LED-Beleuchtung: Erhöht die Sichtbarkeit im Straßenverkehr.
  • Blinker: Ermöglicht Richtungsanzeige per Fernbedienung.
  • Bluetooth-Verbindung: Kopplung mit Smartphone für Musik, Telefonie und Navigation.
  • SOS-Funktion: Automatische Benachrichtigung von Notfallkontakten bei Stürzen.
  • Integrierte Lautsprecher und Mikrofon: Freisprecheinrichtung und Musikhören während der Fahrt.

Ausgewählte Smarthelm-Modelle im Test

Wir haben fünf Smarthelm-Modelle ausprobiert. Vier davon haben uns „schwer“ beeindruckt. Wobei sich schwer insbesondere auf das hohe Gewicht bezieht. Die zusätzliche Elektronik bringt doch eine Menge zusätzliche Gramm auf die Waage. Und das bedeutet vor allem für sportliche Tourenradler und Pendler ein Minus an Tragekomfort. In puncto Sicherheit erfüllen jedoch alle Helme die verpflichtende Euronorm EN 1078.

Cratoni Smartride

Die Optik des Cratoni Smartride, des teuersten Smarthelms in der Auswahl, erinnert mit seiner Form und dem ansteckbaren Visier etwas an einen Motorradhelm. Kein Wunder, denn er hat auch die Zulassung für die schnellen S-Pedelecs, die als Kraftrad eingestuft sind und für die Helmpflicht besteht.

Die S-Pedelec-Norm setzt eine größere Stabilität und Bruchsicherheit als gewöhnliche Fahrradhelme voraus. Die Helmschale ist weit in den Nacken gezogen und bietet einen guten, wertigen Rundumschutz. Das aufsteckbare Visier lässt sich auch für Brillenträger anpassen, allerdings ein bisschen hakelig.

Beleuchtung und Blinker können über die Fernbedienung am Lenker eingeschaltet werden. Diese muss jedoch zuerst per Cratoni-App und Bluetooth mit dem Helm verbunden sein.

Über die App und einen Crash-Sensor kann im Notfall eine Nachricht mit den Koordinaten des Fahrers an einen zuvor eingetragenen Notfallkontakt gesendet werden. Die App zeichnet zudem die persönlichen Tourendaten auf und stellt einen Kontakt zur individuellen Musiksammlung auf dem Smartphone her, sodass man sich unterwegs mit Musik berieseln lassen kann.

  • Preis: 349,95 Euro
  • Gewicht: 560 Gramm
  • Plus: Gute Verarbeitung, gut sichtbare Rück- und Blinklichter, regulierbare Belüftung, aufsteckbares Visier, für S-Pedelecs zugelassen
  • Minus: Sehr schwer, teuer

Livall BH51 M Neo

Der Livall BH51 M Neo zählt eher zu den Schwergewichten unter den Fahrradhelmen und wiegt rund das Doppelte eines guten Rennradhelmes. Fast ein Pfund Gewicht auf dem Kopf empfinden viele Radfahrer inklusive E-Biker höchstens auf Kurzstrecken noch als angenehm, auch wenn der Smarthelm noch so schick und modern aussieht.

Dafür kann dieses Modell mehr mit seinen Funktionen punkten: Zum Beispiel LED-Beleuchtung vorne und hinten mit Blinker. Das Rücklicht leuchtet aufgrund eines Geschwindigkeits-Sensors beim Bremsvorgang auf. Mittels Bluetooth und integrierter Lautsprecher sowie Mikrofon kann man beim Radeln telefonieren und Musik hören bei mittelmäßiger Tonqualität.

Bei einem Sturz wird eine SMS an einen Notfallkontakt gesendet. Und wenn ein Mitradler auch einen Livall-Helm trägt, kann man mit ihm per Gegensprechfunktion kommunizieren, falls er nicht weiter als rund 500 Meter entfernt ist.

  • Preis: 169,99 Euro
  • Gewicht: 480 Gramm (L)
  • Plus: Gut sichtbare Lichter und Blinker
  • Minus: Sehr schwer, Belüftung, spezielles USB-Ladekabel, App

Livall BH60 SE

Der Livall BH60 SE sieht nicht nur aus wie ein klassischer Tourenhelm; mit seinen 310 Gramm liegt er im Gegensatz zu anderen Smart-Modellen auch in einer komfortablen Gewichtsklasse. Leider nicht auf der Höhe der Zeit ist die Größenauswahl.

Mit einer Einheitsgröße für Kopfumfänge von 55 bis 61 Zentimetern ist die Auswahl etwas eingeschränkt, trotzdem bietet das Modell für gängige Kopfgrößen eine bequeme Passform. Die Sicherheit der Helmschale ist mit der Euronorm EN 1078 bestätigt.

Weitere Sicherheits-Funktionen sind die acht LED-Rücklichter und je drei Blinklichter, die über eine per Gummiband leicht zu installierende Fernbedienung am Lenker bedient werden.

  • Preis: 139,99 Euro
  • Gewicht: 310 Gramm
  • Plus: Vergleichsweise leicht und preiswert, gute Headset-Verbindung, Belüftung
  • Minus: Nur eine Einheitsgröße, kryptische App

Lumos Kickstart

In Form und Design ähnelt der Lumos Kickstart auf den ersten Blick durchaus einem klassischen Fahrradhelm. Auf den zweiten Blick fallen dann an der Front und am Heck die Leisten bzw. Flächen mit LED-Lichtern auf. Vorne sind zehn weiße LEDs eingelassen, hinten sind es jeweils elf LEDs links und rechts.

In puncto Gewicht macht sich beim Lumos Kickstart dann doch die zusätzliche Technik im Inneren bemerkbar. Mit 380 Gramm wiegt er immerhin rund 80 bis 100 Gramm mehr als ein gewöhnlicher Tourenhelm ohne Elektronik in der Schale, was sich aber nur bei längerem Tragen als unangenehm am Kopf herausstellt.

Der Blinker lässt sich über große Tasten an einer Bluetooth-Fernbedienung am Lenker betätigen. Die Fernbedienung ist mithilfe von Gummiringen schnell zu befestigen, ist aber deshalb auch nicht diebstahlsicher.

  • Preis: 179,99 Euro
  • Gewicht: 370 Gramm
  • Plus: Einfache Bedienung, gute Belüftung, gute Sichtbarkeit im Dunkeln
  • Minus: Nur Einheitsgröße, kein Kinnpolster

Sena R1 Evo

Sena gilt als Spezialist für Motorradzubehör. Und unter Motorradfahrern sind Helme mit eingebautem Funk und Gegensprechanlage längst keine Innovation mehr. Diese Expertise überträgt Sena nun in den Fahrradbereich.

Beim Gewicht tendiert der Sena R1 Evo mit mehr als 400 Gramm schwer in Richtung Motorrad. Bei längeren Touren beginnt die Last am Kopf zu drücken. Aufgrund der Einstellmöglichkeiten und der drei Modellgrößen findet zumindest (fast) jeder Radler die passende Schale.

Auftrumpfen kann der Sena R1 Evo mit seinem technischen Innenleben: Im Smarthelm ist neben Lautsprechern und Mikrofon auch ein UKW-Radio integriert, das nach Installation der Sena-Cycling-App nutzbar ist.

  • Preis: 199 Euro
  • Gewicht: 430 Gramm (Gr. M)
  • Plus: Gut belüftet, Gegensprechanlage
  • Minus: Schwer, kleines Rücklicht, Fernbedienung für den Lenker nur zum Zukaufen

Fahrradhelm mit Blinker Vergleich 2025

Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über ausgewählte Fahrradhelme mit Blinkfunktion, basierend auf einem Vergleich aus dem Jahr 2025:

Modell Vergleichsergebnis Kundenwertung bei Amazon Preis Geringes Gewicht Robuster Aussenmaterial Vorteile Nachteile
Livall Bh51m Neo sehr gut 574 Bewertungen ab 150,00 € 490 g ABS mit einer Bremswarnleuchte, mit automatischer Tag/Nacht-Funktion, Vorder- und Rücklicht, SOS-Alarmsystem, lange Akkulaufzeit ohne integriertes Headset, Produktbeschreibung nicht sehr detailliert
Livall Evo21 sehr gut 61 Bewertungen ab 129,00 € 350 g PC mit einer Bremswarnleuchte, Vorder- und Rücklicht, SOS-Alarmsystem, lange Akkulaufzeit, in verschiedenen Größen und Farben erhältlich ohne integriertes Headset, die Stabilität könnte verbessert werden
Livall MT1 Neo sehr gut 559 Bewertungen ab 119,00 € 320 g Keine Herstellerangabe mehrere Varianten verfügbar, Rücklicht, SOS-Alarmsystem, Headset zum Telefonieren und Musik hören, sehr leicht, Insektenschutz kein Vorderlicht, die Stabilität könnte verbessert werden
Livall BH60SE Neo sehr gut 72 Bewertungen ab 129,00 € 300 g Keine Herstellerangabe Rücklicht, SOS-Alarmsystem, Headset zum Telefonieren und Musik hören, sehr leicht, Insektenschutz kein Vorderlicht, Bedienung nicht sehr intuitiv
Lumos Matrix Smart-Helm sehr gut 44 Bewertungen ab 233,00 € 590 g ABS Gestensteuerung mit Apple Watch, Vorder- und Rücklicht, sehr lange Akkulaufzeit, sehr robuste Schale ohne integriertes Headset, keine SOS-Funktion
Lumos Ultra Smart-Helm sehr gut 2236 Bewertungen ab 97,00 € 385 g PC mehrere Varianten verfügbar, Gestensteuerung mit Apple Watch, Vorder- und Rücklicht, sehr lange Akkulaufzeit ohne integriertes Headset, keine SOS-Funktion
Livall Bh51t Neo gut 278 Bewertungen ab 116,00 € 470 g ABS Vorder- und Rücklicht, 360-Grad-Beleuchtung, SOS-Alarmsystem, sehr robuste Schale ohne integriertes Headset, keine weiteren Varianten
Livall BH51T Neo gut 120 Bewertungen ab 111,00 € 470 g Acrylnitril Butadien Styrol SOS-Funktion, Vorder- und Rücklicht ohne integriertes Headset

ADAC Fahrradhelm-Test

Der ADAC hat gemeinsam mit der Stiftung Warentest elf City- und Urban-Fahrradhelme sowie drei S-Pedelec-Helme in den Kategorien Sicherheit, Komfort, Handhabung und Schadstoffgehalt getestet. Die Ergebnisse zeigen wichtige Aspekte für die Auswahl des richtigen Helms.

Ergebnisse im Überblick

  • Sicherheit: Die meisten Helme bieten ausreichenden Schutz, wobei der Testsieger von Uvex den besten Unfallschutz bietet.
  • Schadstoffe: Einige Helme wiesen Schadstoffe auf, was zu einer Abwertung führte.
  • Tragekomfort: Wichtig für die Akzeptanz und Nutzung des Helms.
  • Sichtbarkeit: LED-Rücklichter und Reflektoren erhöhen die Sicherheit bei Dunkelheit.

Empfehlungen des ADAC

  • Anprobe: Vor dem Kauf den Helm anprobieren, um Passform und Komfort zu prüfen.
  • Pflege: Regelmäßige Pflege und Reinigung verlängern die Lebensdauer des Helms.
  • Sichtbarkeit: Auf LED-Beleuchtung und Reflektoren achten.

Die ADAC Unfallforschung belegt, dass ein Helm beim Sturz effektiv vor vielen Kopfverletzungen schützen kann. Auch der schlechteste Helm im Test kann im Ernstfall Leben retten, wenn er richtig getragen wird.

Alternativen zum klassischen Helm

Hövding 3

Ein ganz besonderer Fahrradhelm, der eigentlich kein Helm ist, löst bei einem Unfall sogar einen Airbag aus, der sich wie eine Haube über den Kopf des Fahrers legt.

Wer überwiegend gemütlich in der Stadt unterwegs ist und das entsprechende Kleingeld hat, für den ist der Fahrrad-Airbag Hövding 3 eine reizvolle Alternative zum klassischen Helm. Er trägt sich beim Fahren angenehm und ruiniert keine Frisur. Für anspruchsvolle Trails und Abfahrten können wir ihn nicht empfehlen. Denn es könnte passieren, dass er an der falschen Stelle auslöst.

  • Vorteile: Schützt Kopf und Nacken zuverlässig, für viele bequemer als ein klassischer Helm, benachrichtigt bei einem Unfall einen Kontakt
  • Nachteile: Hövding ist insolvent, löst manchmal ungewollt aus, löst nicht aus, wenn der Fahrer gegen LKW-Spiegel knallt, teuer; kann nicht wiederverwendet werden

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