Specialized Turbo Creo 2: E-Gravel-Bike Test – Schneller, stärker, besser?

Das neue Specialized Turbo Creo 2 will E-Gravel-Bikes auf ein neues Level bringen. Specialized hat die letzten Jahre das vorherige Motorsystem SL 1.1 komplett neu designt. Was hat sich die letzten vier Jahre bei Specialized getan? Wir haben mit dem Turbo-Entwicklungsteam gesprochen und sind mit dem Creo 2 über die Trails im Umland Lissabons geflogen.

Das Specialized Turbo Creo 2 im Detail

Das Performance-orientierte E-Roadbike Turbo Creo SL und dessen Gravel-Bike-Pendant Turbo Creo SL Expert EVO aus dem Jahr 2019 gehen in die zweite Generation. Das neue Creo 2 kommt mit dem brandneuen Specialized SL 1.2-Motorsystem, das auch im Mountainbike Specialized Turbo Levo SL zum Einsatz kommt, dem neuen Future Shock 3.0-Dämpfer - wie am kürzlich vorgestellten Roubaix SL8 - und einer enormen Reifenfreiheit von über 55 mm. Genug Platz für 29 x 2.2” große Mountainbike-Reifen. Diese drei Keyfacts lassen es schon erahnen, auf welchen Strecken sich das neue Turbo Creo 2 nun auch wohlfühlt: Steep Chunky Gravel. Passenderweise waren wir mit Specialized in den Bergen Sintras an der portugiesischen Küste unterwegs und haben das 8.500 € teure Specialized Turbo Creo 2 Expert bergauf wie bergab an seine Grenzen gebracht.

Der neue SL 1.2-Motor

Mit die spannendste Neuerung am Creo SL Gen 2 ist das neue leichte Motorsystem. Äußerlich hat sich der Motor nicht wirklich verändert und auch das Gewicht bleibt mit ca. 1,9 kg gleich wie beim Vorgänger - doch bekanntlich zählen die inneren Werte und diese sind beachtlich: Der neue Levo SL 1.2-Motor liefert 50 Nm Drehmoment - anstelle der bisherigen 35 Nm - und eine maximale Leistung von 320 Watt. Sprich 33 % mehr Power und 43 % mehr Drehmoment. Zudem soll er auch noch 40 % leiser sein als sein Vorgänger, was unter anderem durch eine Bienenwaben-Struktur auf der Innenseite des Motors bewirkt wird. Der Torque-Sensor im SL 1.2-Motor soll ausreichend sein und ein zusätzliches Powermeter somit überflüssig machen.

Gepaart wird der neue Motor mit einem 320 Wh großen Akku im Unterrohr. Dieser kann leider nicht zum externen Laden entnommen werden, allerdings kann er bei Bedarf mit dem Range Extender im Trinkflaschen-Format um 160 Wh erweitert werden. Für die Anzeige kommt das im Oberrohr integrierte MasterMindTCU-Display zum Einsatz. Dieses zeigt die wichtigsten Daten auf einen Blick, die Datenfelder lassen sich zudem einfach per App personalisieren und auf mehreren Seiten abspeichern.

Zur Steuerung des Motorsystems kommen kleine, frei platzierbare Knöpfe zum Einsatz. Die sogenannten Specialized Blips sind bei jedem Turbo Creo 2 dabei, aber noch nicht fest verbaut, die Positionierung kann an die eigenen Vorlieben angepasst werden und wird vom Händler finalisiert. Mit ihnen können die Unterstützungsstufen angepasst und durch die Seiten auf dem TCU-Display geblättert werden.

Design und Ausstattung

Optisch hat sich das Creo 2 weiterentwickelt und zeigt nun, dass es für mehr als glatten Asphalt gemacht wurde. Der FACT 11r-Carbonrahmen ist dabei 120 g leichter geworden. Richtig viel Platz! Ab Werk kommt das neue Creo 2 Expert mit 47 mm breiten Specialized Tracer-Gravel-Reifen. Aufgezogen sind die Reifen auf Roval Terra C-Carbon-Laufrädern bei einer 25 mm Innenmaulweite mit DT Swiss 370er-Naben. Auch fast alle anderen Anbauteile kommen aus dem eigenen Hause. Dazu zählen Sattel, Trans-X-Dropper-Sattelstütze mit 50 mm Travel, Future Stem Pro-Vorbau sowie der Gravel-spezifische Adventure Gear Hover-Lenker mit 12º Flare.

Beim Thema Schaltung und Bremsen setzt das Specialized Turbo Creo 2 Expert voll und ganz auf SRAM. Die Mullet-Kombination aus SRAM Rival eTap AXS und SRAM GX Eagle AXS sorgt mit einer Übersetzungsbandbreite von 11-50t hinten und 44t vorn für viel Reserven beim Klettern. Das AXS-Schaltwerk wird dabei leider nicht direkt aus dem Hauptakku gespeist, der Akkustand lässt sich aber immerhin auf dem TCU-Display anzeigen.

Geometrie und Fahrgefühl

Auch die Geometrie des Specialized Turbo Creo 2 wurde angepasst. Sie ist nun deutlich progressiver, der Lenkwinkel wird flacher, der Sitzrohrwinkel steiler. Das Ergebnis sind mehr Laufruhe und eine bessere Kontrolle - vor allem abseits befestigter Wege und beim entspannten Treten bergauf. Trotzdem soll es noch verspielt genug sein, um einen hohen Spaßfaktor zu erzeugen. Von dem geringeren Q-Faktor, der im Vergleich zum Vorgänger um 12 mm schmaler geworden ist, sollen besonders kleinere Rider profitieren. Genügend Anschraubpunkte, darunter für Schutzbleche, Gepäckträger und Front-Racks, sollen das Bike auch für den Alltag wappnen. Das verhältnismäßig hohe zulässige Gesamtgewicht von 125 kg passt ebenfalls dazu.

Future Shock 3.0

Wie auch am Specialized Roubaix SL8 kommt am neuen Creo 2 die neue Dämpfereinheit aus dem Hause Specialized zum Einsatz: die dritte Entwicklungsstufe des Future Shock! Dieser versteckt sich nicht ganz unauffällig im Gabelschaft und verhindert, dass Vibrationen und Schläge über den Lenker an die Hände weitergegeben werden. Die neueste Iteration des geliebten Dämpfers soll hier noch einen draufsetzen. Durch drei verschiedene Stahlfedern mit unterschiedlichen Federhärten und zusätzliche Preload-Spacer lässt sich der Future Shock 3.0 individuell an jeden Fahrer anpassen. Ob klein und schmächtig oder groß und kräftig: Der Future Shock 3.0 am neuen Specialized Creo 2 soll für jeden passen.

Um die Feder zu tauschen, muss die Front des Bikes allerdings zerlegt werden. Hört sich erstmal aufwändig und kompliziert an, allerdings hat Specialized den neuen Future Shock so gestaltet, dass sich dieser möglichst schnell und einfach zerlegen lässt. Der 400 g schwere Dämpfer ist zusätzlich rückwärtskompatibel und passt somit auch ins Specialized Turbo Creo SL.

Fahreindrücke

Die neue Generation des Specialized Turbo Creo kommt augenscheinlich deutlich Offroad-lastiger daher und das macht sich auch während der Fahrt bemerkbar: Auf grobem Schotter und leichten Trails überzeugt das Creo 2 mit hohem Fahrspaß, der durch Wendigkeit, präzise Lenkung, komfortable Dämpfung und den Rückenwind im Uphill unterstrichen wird. Lass laufen! Der Wechsel der Stahlfeder am Future Shock 3.0 geht schnell vonstatten, jeder Hobbyschrauber sollte das Bike in unter zehn Minuten zurück auf die Räder bekommen. Der neue Specialized SL 1.2-Motor ist kräftig genug, um auch die steilsten Anstiege mitzumachen. Es muss allerdings aktiv mitgearbeitet werden. Nur ziehen lassen, funktioniert nicht.

Was jedoch funktioniert, ist, die eigene Leistung immens zu steigern: Dank Range Extender sind auch lange Touren mit vielen Höhenmetern möglich. Die Specialized-App und das TCU-Display funktionieren reibungslos. Keine lästigen Wartezeiten oder Verbindungsabbrüche. Die App ist sehr übersichtlich und intuitiv zu bedienen, bietet viele nützliche Features und soll laut Specialized fortlaufend mit neuen Funktionen erweitert werden. Klasse!

Einsatzbereich und Komfort

Das neue Creo 2 fühlt sich besonders im Gelände mit vielen Höhenmetern wohl. Hier kann es den Vorteil des SL 1.2-Motors im Uphill voll ausspielen und ermöglicht längere Touren mit deutlich mehr Höhenmetern. Bergab sorgt die Dämpfung des Future Shock 3.0 für viel Kontrolle und Komfort. Selbst leichte Singletrails sind kein Problem und machen auf dem Creo 2 eine Menge Spaß. Dank Mounts für Schutzbleche und Gepäckträger wird aus dem E-Gravel-Bike ebenfalls ein spaßiges Everyday-Bike für den täglichen Weg zur Arbeit oder kurze Bikepacking-Abenteuer.

Der neue, stärkere SL 1.2-Motor bietet ausreichend Unterstützung, arbeitet leise und lässt sich sehr genau auf die eigenen Vorlieben anpassen. Auch der Future Shock 3.0 überzeugt mit seiner einstellbaren Federhärte und einer gut dosierten Dämpfung.

Das Specialized Turbo Creo SL Expert Evo

Das Specialized Creo SL Expert Evo ist schnell, leicht, sportiv - und dennoch komfortabel. Der steife und leichte Rahmen ist extrem hochwertig. Die Ausstattung ist durchdacht, das Handling sehr gut und direkt. Der 240 Watt starke Specialized-Antrieb bietet ein harmonisches Fahrgefühl. Die App bietet bereits viele Funktionen, wie das Aufzeichnen und Analysieren eurer Rides, das Anpassen der Motorunterstützung sowie eine Lock-Funktion zum Sperren des Motorsystems per App.

Das Gesamtgewicht fällt dadurch mit 13,5 Kilogramm für ein E-Gravelbike sehr gering aus - die Rahmensteifigkeit ist gleichzeitig extrem hoch. Insgesamt ist das Specialized ein raciger Allrounder für die Straße und das Gelände. Das Handling: extrem direkt. Auch der Fahrkomfort fällt vergleichsweise hoch aus. Dafür ist unter anderem die Future-Shock-2.0-Gabel verantwortlich. Ihre Dämpfungseigenschaften lassen sich über einen Drehknopf am Vorbau einstellen - von komplett starr bis komplett offen.

Weiterhin punktet etwa die höhenverstellbare X-Fusion-Manic-Sattelstütze, die sich um bis zu 50 Millimeter absenken lässt - sowohl beim Parameter Fahrkomfort wie beim Faktor Variabilität. Für den extra Antrieb sorgt der 1,95 Kilogramm leichte Specialized-SL-1.1-Motor mit 240 Watt Leistung und 35 Newtonmetern Drehmoment. Steuern lässt sich der Motor über zwei Wege: Über die Turbo-Connect-Unit am Oberrohr oder über die Specialized-App. Der Akku ist im Inneren des Unterrohrs verbaut und liefert eine Leistung von 320 Wattstunden. Bei einer ökonomischen Fahrweise ist damit eine Reichweite von bis zu 120 Kilometern pro Ladung möglich. Ausgestattet ist das Creo mit der Shimano-Ultegra-Di2-Gruppe.

Turbo Creo SL Comp Carbon EVO Test

Mein Testrad kommt als Turbo Creo SL Comp Carbon EVO daher. In schickem dunkelgrün! Ausgestattet ist es mit einer Shimano GRX Schaltung und hydraulischen Scheibenbremsen, ebenfalls Shimano GRX. Wie am Roubaix hat das Creo Evo die Future Shock 2.0 Federung im Gabelschaft und verfügt somit über ein komfortables Cockpit. Als Sattelstütze ist eine versenkbare eingebaut. Über einen kleinen Hebel am Lenker lässt sich der Sattel 5cm absenken! Die Schaltung ist mechanisch, 11-fach und hat vorne nur ein Kettenblatt. Die weit abgestufte Kasette bietet reichlich Auswahl an Gängen. Vorne sind 44 Zähne montiert, hinten 11-42. Damit gibt es beinahe eine 1:1 Übersetzung.

Technisch kommt der Motor mit bis zu 240 Watt daher. Die Batterie, die schick im Unterrohr integriert ist, kommt mit 320Wh daher, einen Rangeextender, der wie eine Trinkflasche aussieht gibt es ebenfalls. Angegeben ist, dass das Creo 120km mit einem Ladung schafft, weitere 60km mit dem Rangeextender. Das ganze Gerät kann über die Mission Control App gesteuert, eingestellt und programmiert werden. Im Motor ist ein Powermeter integriert.

Die Shimano GRX Schaltung liegt gut in den Händen, die Griffe sind sehr bequem und die neue GRX-Schaltung funktioniert einwandfrei. Direkt, shimanotypisch geräuscharm und soft. Insbesondere die neu desingten Schaltbremsgriffe finde ich super. Die Finger liegen genau dort, wo sie sollen und rutschen da natürlich hin. Kein 11% Fan bin ich von der weit abgestuften Kasette mit 11-42 Zähnen. Die Range passt sehr gut für alle Bedingungen, sei es hart bergauf oder zügig im Flachen. Allerdings sind die Abstufungen eben recht groß. Im mittleren BEreich der Kasette springt man eben gleich 2-3 Zähne auf das nächste Ritzel. Wer immer die idealste Trittfrequenz sucht, muss sich hier etwas umgewöhnen.

Absichtlich bin ich zunächst nur auf Stufe 1 gefahren um das Rad kennenzulernen, aber eben auch weil es draußen kalt und nass war und ich nicht faul auf dem Rad frieren wollte. Und da Prinzip ging super auf! Nach circa der Hälfte der Strecke gönnte ich mir noch eine gute Schlammpackung! Viele Wege waren sehr nass und um Moor wurde es schon ziemlich tief. 2-3 Schlammlöcher nahm ich mit, die tiefer als die Felge waren. Die 38mm Reifen (Pathfinder) waren super für Schotter, im Matsch setzen sie sich erwartungsgemäß schnell zu, aber auf Asphalt flog der Matsch auch wieder ab. Und auch ein paar nasse Wurzeln waren kein Problem! Fazit: konzentriert trainieren geht ebenfalls auf dem Creo!

Für wen ist es geeignet?

Für wen ist es nicht? Alle, die Bock auf Spaß haben! Das Rad macht unheimlich gute Laune, nicht jede Runde wird zur Quälerei, weil der Boden schwer ist oder der Schotter zu lose. Solides Trainieren ist jedoch trotzdem möglich. Ich bin sehr begeistert von der Power in dem Motor. Auf Stufe 2 schiebt das Rad schon deutlich mehr, für den schlechten Matsch gelegentlich zu viel. Die nächste Kurve kommt dann zügig ;-). Kasette - siehe oben, vermutlich eine Frage der Gewöhnung? Ansonsten? Nix, die Geometrie des Rahmens verleiht dem Rad ein sattes Straßengefühl, agil, wenig und trotzdem zuverlässig im geradeauslauf!

Specialized Turbo Creo 2 Expert im Test: Die Abenteuer-Maschine

5 Meilen oder 5 Stunden? Leiden oder grinsen? Das Specialized Turbo Creo 2 Expert macht angeblich keine Kompromisse: viel Leistung, große Reichweite, geringes Gewicht, enorme Reifenfreiheit und Future Shock 3.0. So soll es unmögliche Fahrten möglich machen.

Das Specialized Turbo Creo 2 Expert wurde offensichtlich als Abenteuer-Maschine konzipiert: Die großzügige Reifenfreiheit von 29” × 2.2, eine Variostütze, ein Dämpfungssystem im Vorbau und das geringe Gesamtgewicht sprechen eine klare Sprache. Zul. Das ins Oberrohr eingelassene, anpassbare MasterMind TCU-Display liefert einem während der Fahrt übersichtlich alle relevanten Informationen und ermöglicht Software-Updates des Bikes. Über die durchdachte Specialized-App kann das Creo individuell getunt oder aber die Fahrt aufgezeichnet werden. Ein besonderes Highlight ist die Diebstahlsicherung der App: Sie deaktiviert nicht nur den Motor, sondern löst auf Wunsch auch ein Alarmsignal aus, sobald das Bike bewegt wird - da beweist der Abenteurer doch durchaus Alltagstauglichkeit im harten Großstadtdschungel!

Auf und abseits der Piste überzeugt das Turbo Creo 2 mit herausragender Kontrolle und einer sportlich gestreckten Sitzposition, die zu hoher Laufruhe führt. Es ist eben diese Kombination, die das Sicherheitsgefühl stärkt und sich fast von selbst in Kühnheit, Mut und Geschwindigkeit übersetzt - begleitet von einem Dauergrinsen im Gesicht.

Zum hohen Sicherheitsempfinden tragen auch die Reifen bei: Die verbauten Specialized Tracer zählen auf dem Trail zu den griffigsten Pneus im Test, während sie auf der Straße kaum schlechter rollen als ihre Konkurrenten - well done! Trotz seiner ausgeprägten Laufruhe vermittelt das intuitive Specialized jedoch kein „Schienenfeeling“ wie das noch laufruhigere ROSE BACKROAD Plus EQ. Die präzise Lenkung und das geringe Gesamtgewicht verleihen dem Turbo Creo 2 Expert vielmehr eine angenehme Leichtgängigkeit, die zu langen Tagen im Sattel und spontanen Antritten einlädt.

Bemerkenswert dabei: Obwohl das Bike nicht primär als Commuter ausgelegt ist - zur Erinnerung, es verfügt serienmäßig über keine Alltagsausstattung - verhält es sich mit ordentlich Gewicht am Gepäckträger nahezu identisch wie ohne. Wackeln oder Hecklastigkeit? Fehlanzeige! In dieser Disziplin muss sich das Specialized Creo lediglich dem Specialized Turbo Tero X 5.0 geschlagen geben.

In Sachen Komfort überzeugt das Future Shock 3.0 genannte Dämpfungssystem im Vorbau mit 20 mm Federweg. Per Drehknopf auf dem Vorbau lässt sich das Ansprechverhalten Dämpfung während der Fahrt sprichwörtlich im Handumdrehen anpassen. Die verbaute Feder ist in drei Härtegraden im Lieferumfang enthalten, wodurch sich das System individuell auf das Fahrergewicht abstimmen lässt.

Das Specialized Turbo Creo 2 spricht vor allem Abenteurer und Tourenfahrer an, die Wert auf Fahrspaß und Offroad-Performance legen. Sein hohes Sicherheitsgefühl resultiert aus der gelungenen Kombination aus Laufruhe, stimmige Geometrie, effektiver Dämpfung und präziser Lenkung - ein Paket, das Entdeckerherzen höherschlagen lassen wird.

Mit seinem vielseitigen Profil ist das Turbo Creo 2 die ideale Wahl für ausgedehnte Abenteuer - unabhängig von Untergrund oder Tourlänge. In erster Linie ist es ein spaßiges Abenteurer-Bike mit natürlicher Motorunterstützung, präzisem Handling und reichlich Reserven für Ausfahrten ins Ungewisse. Sein souveränes Fahrverhalten unter Beladung und das geringe Systemgewicht setzen Maßstäbe.

Specialized Turbo Creo 2 Serie: Ein Testbericht von e-motion

Die Specialized Turbo Creo 2 Serie definiert moderene e-Gravel Bikes neu und bietet fortschrittliche Modelle für ambitionierte Gravel-Fahrer:innen und Abenteuerlustige. Mit einer Größe von 1,78 m hat Lenni das e-Bike in der für ihn passenden Rahmengröße 54 testen können. Wie verhielt es sich mit der Fahrposition?

„Wir sind hier im Roadbike-/Gravelbike-Bereich. Das geht natürlich in die Richtung des sehr sportlichen Fahrens mit einer Rennrad-typischen Position. Es ist vielleicht nicht ganz so flach, aber schon sehr progressiv. Man fühlt sich sehr dynamisch auf dem Bike und hat grundsätzlich eine sehr sportliche Sitzposition, was man auf jeden Fall spürt,” so Lenni. Weiterhin hebt unser Testfahrer schon zu Beginn der Testfahrt die Leichtigkeit des e-Bikes hervor: „Wir sind hier bei unter 14 Kilo, was wirklich schon sehr leicht ist und das Bike sehr agil und angenehm zu fahren macht”, erzählt Lenni.

Das neue Motorsystem, der Specialized SL 1.2 Motor mit 50 Nm, weiß unseren Testfahrer zu überzeugen: „Ich kann mir Unterstützung holen, aber es ist nie so, dass ich komplett getragen werde. Das finde ich gerade für diesen Typen der Roadbikes bzw. Gravelbikes sehr gelungen. Im Vergleich zum Vorgänger ist der Motor noch einmal effizienter geworden, sodass nun noch längere Strecken zurückgelegt werden können und deutlich und akkuschonender gefahren wird. Fahrer:innen spüren das verbesserte Akkumanagement deutlich.

Dennoch bekommt man einen sehr ordentlichen Rückenwind beim Fahren und das macht wirklich viel Spaß, das spürt man in jeder Unterstützungsstufe. Auch die Lautstärke des Motors ist sehr gering. Ich will nicht sagen, dass man den Motor gar nicht hört, aber im normalen Fahrbetrieb - je nach Strecke - ist er wirklich sehr sehr leise. Wenn man ihn hört, dann ist es eher ein tief frequenter Ton und kein hohes Pfeifen. Das macht es während der Fahrt ganz angenehm”, sagt Lenni über die Geräuschkulisse beim Fahren.

Außerdem attestiert Lenni dem Specialized SL 1.2 Motor ein direktes Ansprechverhalten ohne viel Leerweg oder Verzögerungen. Auch wenn der oder die Fahrende mit dem ersten Tritt in die Pedale direkten Vortrieb erhält, ist eigene Kraft gefragt. Bei steilen Rampen und Bergen muss auch im Turbo-Modus etwas dafür getan werden, die Passagen hoch zu kommen. „Das wird einem nicht abgenommen. Aber genau das soll das Bike auch tun. Dafür ist das Bike konzipiert, dass man hier auch noch ein bisschen selbst Arbeit reingibt”, bestätigt Lenni.

Bei höheren Geschwindigkeiten und über der magischen 25 km/h Grenze ist ein Aussetzen des Motors laut Lenni kaum spürbar. Hohe Geschwindigkeit lassen sich sehr schnell erreichen und trotzdem hat der oder die Fahrer:in nicht diesen klassischen Einbruch der Motorunterstützung. So fühlt man sich sportlichen Rennrädern ohne Motor sehr nahe beim Fahren.

Der 320 Wh Akku verschwindet komplett im Rahmen, was dem Bike seine schlanke Optik verleiht. Die Leichtigkeit des Bikes gewährleistet auch mit dem vergleichsweise kleineren 320 Wh Akku eine ordentliche Portion Reichweite, laut Hersteller bis zu 120 Kilometer. Der Akku lässt sich zum Laden nicht entnehmen, garantiert Motor dennoch die Ausdauer für lange Fahrten auf vielfältigem Terrain.

Specialized hat am Turbo Creo 2 das MasterMind TCU Display verbaut, welches sich am Oberrohr des e-Bikes wiederfindet. Das kleine, gut aufgelöste Farbdisplay passt zum Gesamtkonzept des Gravel e-Bikes: „Wir wollen jetzt hier kein riesen Display am Lenker haben. Natürlich haben wir dennoch die Möglichkeit, unser Handy über eine Halterung am Lenker zu befestigen. Aber so minimalistisch, wie es hier aufgebaut ist, gefällt mir das. Es werden die Unterstützungsstufen sowie die Akkulaufzeit angezeigt, beziehungsweise die Kapazität, die ich noch habe.

Hier spendiert Specialized noch zwei kleine Kontrollknöpfe, über die man die Unterstützungsstufen direkt am Lenker einstellen kann. Das System wird regelmäßig mit Updates versorgt, um immer Up-to-date zu bleiben. Ist das Handy gekoppelt, zieht sich das e-Bike die neuesten Updates in das System.

Das Specialized Turbo Creo 2 Test e-Bike bietet eine hochwertige SRAM GX Eagle AXS 12-Gang Kettenschaltung für präzise Schaltvorgänge und eine breite Übersetzungsbandbreite. Da es sich um eine elektronische Schaltung handelt, gibt es keine störenden Kabel. Die Dropper Post konnte Lenni im Einsatz ebenfalls überzeugen, um im Gelände den Sattel auch schnell einmal absenken zu können. Diese wird über einen Hebel am Lenker gesteuert. Die Specialized eigenen Reifen bieten ein ordentliches Profil.

Speziell auf dem Asphalt konnten sie Lenni mit ihrer Laufruhe und einer geringen Geräuschkulisse überzeugen. „Wenn es wirklich ins tiefe Gravel geht, dann kommt der Reifen tatsächlich auch an seine Grenzen. Das ist aber ganz normal. Verbaut sind hier 47 mm Reifen und Specialized hat es geschafft, bei dem Rahmen eine Reifenfreiheit von bis zu 54 mm anzugehen. Das Specialized Turbo Creo 2 kommt außerdem mit vielen Anbaupunkten für Bikepacking-Taschen, sowohl an der Gabel vorne als auch hinten. Es gibt die Möglichkeit, mehrere Flaschen mitzunehmen und einen Range Extender anzubauen.

In Sachen Federung hat sich Specialized beim Turbo Creo 2 etwas ganz Besonderes einfallen lassen: „Die eingebaute Federung finde ich bemerkenswert. Wir haben weder in der Gabel noch noch hinten eine Federung oder ein Dämpferbein verbaut, was in dieser Bike-Klasse auch typisch ist. Aber Specialized hat hier eine Eigenkreation verbaut, die sich Future Shock 3.3 nennt. Hier ist im Steuerrohr eine kleine Federung mit ca. 20 mm Federweg verbaut. Gerade für diesen Biketyp ist das für etwas schwierigeres Gelände wirklich gut. Das Besondere an der 3.3 Version? Die Federung lässt sich über einen Drehregler einstellen.

Das heißt, Specialized liefert grundsätzlich verschiedene Federungen für das System mit, die man im Vorhinein auf sein Gewicht anpassen und austauschen kann. Dann kann ich während der Fahrt diesen Drehregler justieren und die Federung so einstellen, dass sie für mich perfekt ist”, erzählt Lenni.

"Specialized hat hier wirklich ein e-Bike kreiert, was sich für den sportlichen Bereich, aber auch fürs längere Touren-Fahren sehr gut anbietet.” Auch in Sachen Straßentauglichkeit ist das Bike gut nachzurüsten. Schutzbleche lassen sich sowohl fest als auch abnehmbar montieren. Wer das Specialized Turbo Creo 2 eher als Pendlerbike nutzen möchte, hat ebenfalls die Möglichkeit, ein Lichtsystem nachzurüsten.

Zum Abschluss hält Lenni fest: „Mir hat das Bike wirklich sehr sehr viel Spaß gemacht. Wenn ich das Bike kaufen würde, würde ich wahrscheinlich etwas profiliertere Reifen aufziehen, um im Gelände nochmal ein bisschen besser unterwegs zu sein. Aber ansonsten ist für mich wirklich nichts dabei, was ich auszusetzen hätte. Ich finde das Bike optisch richtig schick, die Farbe gefällt mir sehr gut und macht echt was her. Die ganze Geometrie des Rahmens ist für mich einfach sehr dynamisch und agil. Und auch die Kombination aus Schaltung und Bemse ist sehr hochwertig und für mich auf jeden Fall auch eines der Highlights an dem e-Bike”, sagt Lenni.

Technische Daten und Ausstattung
Merkmal Details
Motor Specialized SL 1.2, 50 Nm Drehmoment, 320 Watt Leistung
Akku 320 Wh (erweiterbar mit Range Extender um 160 Wh)
Rahmen FACT 11r Carbon
Reifenfreiheit Bis zu 29 x 2.2" (55 mm)
Schaltung SRAM Rival eTap AXS und SRAM GX Eagle AXS (Mullet)
Bremsen SRAM Rival eTap AXS (hydraulische Scheibenbremsen)
Federung Future Shock 3.0 (20 mm Federweg im Gabelschaft)
Display MasterMind TCU (im Oberrohr integriert)
Gewicht Ab ca. 13.5 kg

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