Die Hauptgefahr auf dem Fahrrad geht zwar von Autos aus, aber Radfahrende verunglücken auch häufig ganz allein. Die meisten von den Unfallforschern untersuchten Stürze passierten zwischen Dezember und Februar. Bei Autos sind Winterreifen vorgeschrieben, wenn sie auf Eis, Schnee oder Schneematsch unterwegs sind. Fürs Fahrrad gibt es solche Gebote nicht. Dennoch können spezielle Reifen die Fahrt im Winter auch für Radler und Radlerinnen sicherer machen.
Winterreifen fürs Fahrrad: Eine Übersicht
Der Touring Club Schweiz (TCS) hat gemeinsam mit dem ADAC vier Winterreifen mit und fünf ohne Spikes geprüft. Die Tester wollten wissen: Wie gut eignen sich die Fahrrad-Winterreifen für Fahrten auf Eis, Schnee und Asphalt? Viele der getesteten Modelle sind auch in Deutschland erhältlich. Alle fünf Reifen aus dem Test von TCS und ADAC bieten auf Schnee und Schneematsch deutlicher mehr Grip als die Referenz-Reifen fürs Fahrrad.
Die richtige Wahl treffen
Der Ganzjahresreifen Schwalbe Marathon GT 365 machte insgesamt einen guten Eindruck, vor allem auf Schnee, hat aber ein hohes Gewicht. Continental Top Contact Winter ist der Testsieger von TCS und ADAC und sehr empfehlenswert für Schnee. Auf vereisten Flächen kommen aber auch herkömmliche Fahrrad-Winterreifen an ihre Grenzen. Etwas mehr Halt bieten nur Modelle mit Spikes.
Spikereifen: Mehr Grip auf Eis
Im Test von TCS und ADAC zeigte sich klar: Reifen mit Spikes bieten auf Eis noch einen deutlich besseren „Grip“ als die Winterreifen ohne Spikes. Auf Schnee waren sie ähnlich gut. Ganz vorn liegen Continental Contact Spike 240 und Kenda Klondike Skinny. Sie eignen sich laut TCS und ADAC hervorragend für die Fahrt auf Schnee, haben aber deutliche Nachteile auf Asphalt. Dasselbe gilt für den Schwalbe Marathon Winter Plus, der auf Eis etwas schlechter abschneidet und auf Asphalt ebenfalls laut und wenig komfortabel rollt.
Retyre Winter Traveler Skin: Die innovative Lösung
Ganz anders der Retyre Winter Traveler Skin - der Testsieger von TCS und ADAC. Der grobstollige Überzug mit Spikes lässt sich per Reißverschluss bei Bedarf über den Standard-Straßenreifen ziehen.
Weitere Tipps für sicheres Radfahren im Winter
Die einfachste Maßnahme, das Rad fit für winterliche Straßen zu machen: den Reifendruck des Standard-Reifens auf ein Minimum zu reduzieren. Dadurch erhält der Reifen eine breitere Auflagefläche und wird spürbar griffiger. Auf blankem Eis ist es besser, aufs Lenken und Bremsen zu verzichten.
Sicherheit geht vor
Radeln in der dunklen Jahreszeit ist nicht ohne Gefahren. Kein Risiko eingehen. Wenn Sie sich auch bei guten Sicht- und Witterungsverhältnissen auf dem Fahrrad nicht sicher fühlen, sollten Sie es bei Glätte und Schnee lieber stehen lassen.
Sattelhöhe und Bremsen
Stellen Sie den Sattel so ein, dass Sie die Füße problemlos auf den Boden stellen können. Bei Schnee und Glätte ist es empfehlenswert, erst einmal auszutesten, wie sich das Rad verhält und wie gut die Reifen am Boden haften, sprich: wie viel „Grip“ sie haben. Während der Fahrt sollten Sie vor allem die Hinterradbremse verwenden. In glatten Kurven am besten gar nicht bremsen, da das Rad sonst wegrutschen könnte.
Vorsicht bei Eis und Abstand halten
Großflächig blankes Eis macht eine sichere und kontrollierte Fahrt nahezu unmöglich. Eigentlich müssen innerorts „verkehrswichtige“ Radwege geräumt werden. Passiert das nicht, ist die Benutzung gefährlich für Radlerinnen und Radler. Sie dürfen daher auf die Straße ausweichen.
Fahrradbeleuchtung und Kleidung
Bei schlechten Sichtverhältnissen ist eine funktionstüchtige Fahrradbeleuchtung ganzjährig ein Muss. Im Winter ist sie aber ganz besonders wichtig: Zum einen ist es einen großen Teil des Tages dunkel, zum anderen hilft ein gutes Licht auch, potenziell glatte Stellen zu erkennen und Stürzen vorzubeugen. Bedenken Sie zudem, dass am Rad neben einem Front- und Rücklicht auch etliche Reflektoren vorgeschrieben sind.
Es lohnt sich daher, nicht nur das Rad, sondern auch sich selbst gut sichtbar zu machen: durch reflektierende Elemente an Taschen, Jacken oder am Hosenbein. Noch besser: Kleidung beziehungsweise Warnwesten mit Reflektoren und grell leuchtenden Farben wie Neongelb oder Neonorange.
E-Bikes im Winter
Viele Radler nutzen ihr Pedelec auch in der kalten Jahreszeit. Je nach Modell können Elektromotoren zeitverzögert reagieren. Deshalb mit einem E-Bike generell vorsichtig fahren und die Motorunterstützung behutsam einsetzen - besser eine kleine Unterstützungsstufe wählen. Zusätzliches Risiko birgt auch das recht hohe Gewicht der Elektroräder. Damit ist die Gefahr größer, in der Kurve wegzurutschen. Außerdem verlängern sich Bremswege.
Akkupflege im Winter
Im Winter sollten Sie besonders pfleglich mit den Antriebsakkus der E-Bikes umgehen. Denn die eingesetzten Lithiumionen-Batterien sind frostempfindlich und ein neuer Akku mehrere hundert Euro teuer. Die Akkus sind in einer frostfreien Umgebung am besten aufgehoben. Hat der Akku bei Abfahrt Zimmertemperatur, machen ihm Fahrten bei Frost nichts aus - der Fahrstrom sorgt unterwegs für warme Zellen. Nur dürfen die Batterien bei einer Fahrpause nicht auskühlen - deshalb diese auch bei Pausen mitnehmen. Etwas Kälteschutz bieten Neoprenhüllen, die Sie über Akku und Rahmen ziehen können. Sind die E-Bike-Akkus kalt, können sie beim Laden Schaden nehmen.
Fahrradwartung im Winter
Wer im Winter öfter mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte sich auch Zeit für dessen Wartung und Pflege nehmen. Optimalerweise sogar im Warmen - Schnee oder Eis kann so abschmelzen kann und friert nicht am Fahrrad fest. Noch besser: Nach der winterlichen Ausfahrt das Rad mit warmem Wasser, etwas Handgeschirrspülmittel und einem groben Schwamm reinigen und anschließend mit einem Lappen trocknen.
Bremsen, Kette und bewegliche Teile
Funktionstüchtige Bremsen sind ganzjährig ein Muss. Im Winter kann dieses wichtige Bauteil aber ganz besonders leiden, insbesondere wenn das Fahrrad viel im Freien steht. War das Rad im Freien geparkt, sollten Sie vor der nächsten Fahrt unbedingt die Bremsen testen. Bei der Fahrradwartung regelmäßig kontrollieren, ob noch genügend Belag vorhanden ist. Denn Schneematsch und Schmutz können die Beläge regelrecht „herunterschmirgeln“. Ist der Belag bei einer Felgenbremse abgenutzt, funktioniert die Bremse nicht mehr und beschädigt mitunter auch die Felge.
Die Fahrradkette kann schnell Rost ansetzen. Deshalb nach der Fahrt mit einem alten Lappen Dreck und Feuchtigkeit von der Kette entfernen und ihr anschließend mit Kettenöl einen neuen Schutzfilm verpassen.
Retyre: Winterreifen per Reißverschluss aufziehen
Für eine winterliche Fahrbahn empfehlen sich mindestens Winterreifen, besser jedoch Spikereifen. Hier kommt das System von Retyre ins Spiel: Als Basisbereifung dient hier ein gering profilierter Straßenreifen. Dieser eignet sich fürs ganze Jahr - außer bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen. Für ebendiese werden nun mit jeweils einem Reißverschluss auf jeder Seite die Reifen-Skins aufgezogen und rundum befestigt.
Montage und Handhabung
Die Basisbereifung von Retyre wird wie ein herkömmlicher Reifen aufgezogen - fertig. Möchte man nun die Spike-Skins nutzen, so setzt man beidseitig die Reißverschlüsse an. Anschließend werden die beiden Reißverschlüsse relativ gleichmäßig geschlossen. Wichtig dabei: Die Skins parallel zum Schließen der Reißverschlüsse immer wieder längs dehnen, denn sonst bleibt am Ende eine Lücke im Profil. Arbeitet man hier aber sauber, schließen die Skins nahtlos ab.
Fahrverhalten und Grip
Auf winterlicher Fahrbahn liefert die Spikeskin erstaunlich guten Grip. Auf festem Schnee zeigen die Nordic Commuter Skins einen erstaunlich guten Grip. Selbst kleine Kanten im Schnee parallel zur Fahrtrichtung können den Reifen kaum aus der Ruhe bringen. Auch die Bremspower ist ordentlich und der Bremsvorgang fühlt sich sicher an. Auf Eis macht der Reifen eine gute Figur, die Spikes krallen sich zuverlässig fest. Wer allerdings auf eisige Fahrbahnen trifft, sollte für noch mehr Grip mit weniger Luftdruck (1,5 - 2 bar) fahren.
Vor- und Nachteile von Spikereifen
Spikereifen bieten auf Eis und bei Glätte einen deutlichen Vorteil. Sie ermöglichen sicheres Bremsen und Lenken. Allerdings sind sie auf Asphalt laut, unkomfortabel und haben einen hohen Rollwiderstand. Daher sind sie nicht für den Dauereinsatz in Regionen ohne Schnee und Eis geeignet.
Alternativen zu Spikereifen
Als Alternative zu Winter- und Spike-Bereifung bieten einige Hersteller Allwetterreifen an. Diese liegen irgendwo zwischen Sommer- und Winterreifen. Der Vorteil: Der lästige Reifenwechsel entfällt. Allerdings sind sie bei winterlichen Bedingungen nicht ganz so gut wie ein Winterreifen, aber besser als ein Sommerreifen. Für Regionen mit seltenem Schneefall kann ein Allwetterreifen eine gute Option sein.
Spikereifen für verschiedene Fahrradtypen
Fahrradreifen mit Spikes gibt es in unterschiedlichen Varianten und für unterschiedliche Einsatzzwecke.
- Alltagsfahrer: Schwalbe Marathon Winter Plus
- Radfahren bei Eiseskälte: Kahva von 45NRTH
- MTB-Reifen: Schwalbe Ice Spiker Pro
- Fatbike-Reifen: Vee Tire Snowball
Tabelle: Empfehlungen für Winterreifen
| Reifentyp | Modell | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Ganzjahresreifen | Schwalbe Marathon GT 365 | Guter Eindruck auf Schnee, hohes Gewicht |
| Winterreifen | Continental Top Contact Winter | Testsieger, sehr empfehlenswert für Schnee |
| Spikereifen | Continental Contact Spike 240 | Hervorragend für Schnee, Nachteile auf Asphalt |
| Spikereifen | Kenda Klondike Skinny | Hervorragend für Schnee, Nachteile auf Asphalt |
| Spikereifen | Schwalbe Marathon Winter Plus | Schlechter auf Eis, laut und unkomfortabel auf Asphalt |
| Spikereifen | Retyre Winter Traveler Skin | Testsieger, Überzug mit Reißverschluss |
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