SRAM Apex vs. Shimano 105: Ein Vergleich von Rennrad-Schaltgruppen

Die vorgestellten Rennrad-Schaltgruppen werden auf nahezu allen Rennrädern und Gravelbikes verbaut. Abgesehen vom Standort der Hersteller (Shimano: Japan; SRAM: USA) bieten die 3 größten Hersteller ihre Schaltgruppen in unterschiedlichen Preisregionen an.

Was gehört zu einer Rennrad-Gruppe?

  • Schalt-/Bremshebel
  • Kurbelgarnitur (Kurbel, Innenlager, Kettenblätter)
  • Umwerfer
  • Kassette
  • Schaltwerk
  • Kette
  • Naben/Laufräder
  • Bremskörper (Scheiben- oder Felgenbremse, hydraulisch oder mechanisch)

Die Marktführer: Shimano & SRAM

Seit der Vorstellung der bekannten Dura-Ace-Gruppe 1973 hat sich Shimano im Rennradsport - langsam aber sicher - gegenüber Campagnolo durchgesetzt. Auch wenn alle drei Hersteller eine große Auswahl an Rennrad-Gruppen anbieten, so hat Shimano mittlerweile in jeder Rennrad-Preisklasse deutlich die Oberhand gewonnen.

Im Gegensatz zu Shimano bietet SRAM Rennradgruppen als 10-, 11- und 12-fach an. Die preiswerteste SRAM-Apex-Gruppe (2×10) ist daher eher schon mit der Shimano Tiagra zu vergleichen. Sowohl die „Apex“ als auch die nächsthöheren Gruppen „Rival“ und „Force“ sind auch als 1×11-Gruppe - für Gravel- und Cyclocrossbikes - erhältlich. Die Top-Gruppen „Force“ und „Red“ gibt es als kabellose „eTap“-Varianten und in der „AXS“-Ausführung nun mit 12 oder 24 Gängen.

Einteilung der Rennrad-Schaltgruppen

Wir haben die Rennrad-Gruppen von Shimano & SRAM den entsprechenden Ausstattungsklassen unseres Bike-Guides zugeordnet. Mit dem Bike-Guide kannst du nicht nur das Level der Ausstattung auf einen Blick erkennen, sondern auch ob das Rad vom Einsatzbereich und Terrain zu deinen Vorstellungen passt.

Rennrad-Schaltgruppen von Shimano & SRAM im Detail:

Durch die Einordnung der Gruppen in den Ausstattungs- und Preisklassen wird deutlich, dass sich SRAM eher in den oberen Preisklassen bewegt, während Shimano auch Rennradgruppen in der Einstiegsklasse bereithält. Zudem lassen sich die Gruppen von Shimano und SRAM aufgrund leicht unterschiedlicher Preise und Ausrichtungen nicht direkt miteinander vergleichen.

Level 2: Mittelklasse (Rennräder ab 1.300 Euro)

Wer ein leichteres Rennrad mit besserer Performance sucht ist in der Mittelklasse gut aufgehoben. Die Auswahl an Rennrädern für ambitionierte Hobby- und Amateurfahrerinnen und -fahrer ist zudem deutlich größer. Dies spiegelt sich auch im Bereich der Schaltgruppen wider. Zusätzlich zu der Tiagra (R4700) und 105 (R7000) von Shimano gibt es auch von SRAM mit Apex und Rival zwei Optionen. Alle genannten Gruppen gibt es aktuell noch gleichermaßen mit der herkömmlichen Felgenbremse als auch mit einer modernen, hydraulischen Scheibenbremse.

Sowohl bei der Tiagra von Shimano als auch der Apex von SRAM handelt es sich um 10-Fach-Schaltungen. Beide Gruppen sind durch bessere Verarbeitung zum einen nochmals leichter und zum anderen präziser als die der Einstiegsklasse.

Die Shimano 105 ist die Mittelklasse der Shimano Schaltgruppen und erfreut sich größter Beliebtheit. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der 105 ist sehr gut. Das Shimano 105 Schaltwerk lässt sich auch bei hochwertigen Urbanbikes mit Flatbar gruppenrein ansprechen.

Die nächsthöhere Shimano 105 und die SRAM Rival 22 bieten dann den nächsten Performance-Schritt. Wie der Name der „Rival 22“ bereits ankündigt handelt es sich um 2×11-Schaltungen. Beide Gruppen profitieren von einigen Technologien der Top-Gruppen des jeweiligen Herstellers. Beispielsweise ist die Kurbel der 105er optisch und technisch schon sehr nah an den Topmodellen Ultegra und Dura-Ace.

Einige Meinungen gehen sogar so weit, dass die aktuelle 105 die „Dura-Ace von gestern“ sei. Aussagen wie diese machen deutlich, dass auch die Schaltungen in der Mittelklasse in den letzten Jahren einen großen Leistungssprung vollzogen haben.

Wie unterscheiden sich die mechanischen Rennradschaltungen von Shimano & SRAM ?

Der große Unterschied zwischen SRAM und Shimano liegt bei den mechanischen Gruppen in der Bedienung. Bei Shimano dient der große Bremshebel bei seitlicher Bewegung auch zum Runterschalten und es gibt einen weiteren Hebel zum Hochschalten. SRAM setzt hingegen auf „einen Bremshebel, der bremst und einen Schalthebel, der schaltet.“ Der Schalthebel funktioniert daher in beide Richtungen. SRAM nennt diese Technologie „DoubleTap“.

Zum Hochschalten muss der Schalthebel nur angetippt werden und zum Runterschalten über einen gewissen Punkt hinausbewegt werden. Welche der beiden Varianten du bevorzugst ist natürlich reine Geschmackssache, da beide Systeme ihre Vor- und Nachteile haben.

SRAM Apex im Detail

Die Einsteiger-Gruppe von SRAM bietet eine 10 oder 11 Ritzel-Option und eine 1-fach oder 2-fach Kurbel. Ein klassisches Compact-Setup mit 50/34 Kettenblatt sorgt für sorgenfreie Touren zum Feierabend oder Training in der Freizeit.

Shimano 105 im Detail

Die Shimano 105 ist für viele die erste wirklich brauchbare Rennrad-Schaltung, wenn es an die Wettbewerbsfähigkeit geht. Sie ist höchstsolide, zuverlässig und hat zahlreiche innovative Features von teureren Gruppen wie der Ultegra und der Dura-Ace geerbt.

Mit einer 12-fach Kassette teilt sich die 105 die gleiche Gangzahl wie die gerade genannten Top-Modelle, sodass man hier bedenkenlos upgraden kann, wenn es denn Zeit wird. Bei den Kurbeln bietet Shimano seit Kurzem die 1:1 Übersetzung an, neben der klassischen Zweifachkurbel.

Die neueste Generation R7100 belebt Rennradfahren neu. Die ergonomischen Dual-Control-Hebel passen zu einer Vielzahl unterschiedlicher Handgrößen, während die 1:1-Übersetzung des Antriebs hervorragende Kletteroptionen bereithält.

Wem die elektronischen Schaltgruppen bisher zu teuer waren, dem macht Shimano mit ihrem Di2 Debüt im Mittelklassenbereich bei der 105 Schaltung eine große Freude. Ähnlich wie bei der mechanischen 105 Gruppe übernimmt die 105 Di2 eine Vielzahl an Eigenschaften der Top-Gruppen Ultegra Di2 und Dura-Ace Di2. Für alle, die also bisher nur mechanisches Schalten und dessen Ergonomie gewohnt sind, bietet die SHIMANO 105 Di2 ein vollkommen neues Rennraderlebnis.

Preisgünstige E-Schaltungen fürs Rennrad: Shimano 105 Di2 vs. SRAM Rival eTap AXS

Mit seiner neuen 105 Di2 macht Shimano Srams Rival eTap AXS Konkurrenz im vergleichsweise günstigen Preissegment. ROADBIKE hat die zwei 12-fach-Gruppen verglichen.

Das Ringen von Sram und Shimano um die preisattraktivste elektronische Schaltung nutzt vor allem - Konkurrenz belebt das Geschäft - uns Rennradfahrern. E-Schaltungen bieten schließlich eine ganze Palette an Vorzügen gegenüber den klassischen, per Schaltzug bedienten Ensembles. Einmal sauber eingestellt, bestechen sie durch dauerhaft präzise Schaltvorgänge - kein Zug, der sich längen oder reißen könnte. Zusätzlich lassen sich elektronische Gruppen fast nach Belieben konfigurieren und individualisieren.

Worin liegen die Unterschiede zu den Highend-Gruppen?

Die gute Nachricht vorweg: Trotz ihres Mehrgewichts brauchen sich beide Gruppen vor ihren großen Geschwistern nicht zu verstecken. Shimanos 105 Di2 R7100 etwa kommt zwar rund 600 Gramm schwerer als das Flaggschiff Dura-Ace Di2, was vor allem an den verwendeten Materialien liegt. Die 105-Kassette etwa setzt auf Ritzel aus Stahl, an der Dura-Ace kommt auch Titan zum Einsatz.

Auch Srams Rival eTap AXS setzt in weiten Teilen auf die Technologie der höherwertigen Gruppen Force und Red. So sind etwa die Motoren, Funkeinheiten und Akkus identisch. Abstriche müssen Rival-Käufer hauptsächlich bei den verwendeten Materialien hinnehmen. So sind der Kurbelarm, die Schalthebel sowie das Schaltwerk teils aus Aluminium statt aus Carbon, was sich vor allem auf der Waage, aber kaum im Fahreindruck bemerkbar macht.

Merkmal Shimano 105 Di2 SRAM Rival eTap AXS
Schaltlogik Linker STI für Umwerfer, rechter STI für Schaltwerk Linker Hebel für leichteren Gang, rechter Hebel für schwereren Gang, beide Hebel für Kettenblattwechsel
Konfiguration E-Tube App AXS App
Kurbeloptionen 2-fach (50/34 oder 52/36) 2-fach (48/35 oder 46/33), 1-fach optional
Kassettenoptionen 11-34 oder 11-36 10-30 oder 10-36
Bremsen Hydraulische Scheibenbremsen Hydraulische Scheibenbremsen
Smartphone-Anbindung Ja, Bluetooth Ja, Bluetooth
Stromversorgung Zentraler Akku, Knopfzellen in Hebeln Abnehmbare Akkus an Schaltwerk und Umwerfer, Knopfzellen in Hebeln

Wie unterscheidet sich die Schaltlogik von Shimano und Sram?

Sowohl die Japaner als auch die US-Amerikaner setzen auf ihre eigene, über alle Elektro-Gruppen hinweg bewährte Schaltlogik. Bei Shimano bedient der linke STI mit zwei Tasten wie üblich den Umwerfer, das Schaltwerk wechselt über zwei Tasten am rechten Hebel die Gänge - egal ob Dura-Ace, Ultegra oder 105. Via "E-Tube"-App lässt sich die Tastenbelegung zudem beliebig konfigurieren.

Sram geht hier wie gewohnt einen etwas anderen Weg: Das Schaltwerk wandert per Klick auf linken Schalthebel auf einen leichteren Gang und legt über den rechten Hebel einen Zahn zu. Der Kettenblattwechsel erfolgt durch gleichzeitiges Drücken beider Hebel. Auf jeder Seite gibt’s hier nur eine Schalttaste. Welche "Logik" die bessere ist? Eine Frage der persönlichen Vorlieben - und der Gewohnheit.

Kann ich beide Schaltungen individuell konfigurieren?

Beide Hersteller bieten mit ihren Smartphone-Apps (Shimano: E-Tube; Sram: AXS App) die Möglichkeit, das Verhalten der Komponenten individuell anzupassen - einem der zentralen Kernargumente pro Elektroschaltung. So kann etwa der Umwerfer selbstständig das Kettenblatt wechseln, sollte die Kette zu schräg laufen. Auch lassen sich "verschleißintensive" Gangkombinationen wie groß/groß oder klein/klein sperren.

Wer bietet die bessere Übersetzung?

Das 12. Ritzel erlaubt grundsätzlich breitere Übersetzungsspektren, ohne dass die Sprünge zwischen den Gängen zu groß werden. Daher lässt sich mit beiden Gruppen für jedes Terrain der passende Gang finden. Im Hause Shimano setzt man ausschließlich auf die klassische 2-fach-Kurbel, wahlweise mit 50/34 Zähnen (kompakt) oder 52/36 Zähnen (semikompakt). Dazu bietet Shimano zwei Kassetten an: mit 11-34 oder 11-36 Zähnen.

Sram hingegen setzt wie auch mit der Force und Red auf kleinere Kettenblätter und Ritzel als der Kontrahent aus Japan - mit den Abstufungen 48/35 oder 46/33. In Kombination mit wahlweise 10-30 oder 10-36 Zähnen an der Kassette ergibt sich ein noch enger abgestuftes Übersetzungsspektrum als bei der 105 Di2.

Worin unterscheiden sich die Bremsen?

Hier sind sich beide Hersteller weitestgehend einig: Der Scheibenbremse gehört die Zukunft am Rennrad. Folglich gibt es sowohl die 105 Di2 als auch die Rival eTap AXS derzeit nur als Disc-Variante.

Bei Sram kommt der Bremsgriff der Rival eTap AXS schlanker als bei Red und Force. Zudem besteht der Bremshebel aus Aluminium statt Carbon - ein kleiner Gewichtsnachteil also. Dafür soll die Bremsperformance laut Sram dieselbe wie bei den Top-Gruppen sein, auch weil das Design der Bremskolben identisch ist.

Ist die Anbindung an ein Smartphone / eine Headunit möglich?

Grundsätzlich: ja! Beide Gruppen besitzen eine Bluetooth-Schnittstelle im Schaltwerk und können per Funk mit einem Smartphone oder einem Radcomputer kommunizieren - ein zusätzliches Bluetooth-Modul wie bei den 11-fach-Gruppen von Shimano ist nicht (mehr) notwendig.

Kann ich einzelne Komponenten einer Gruppe upgraden oder tauschen?

Das ist grundsätzlich bei beiden Herstellern problemlos möglich, solange du sortenrein kombinierst: also Shimano mit Shimano und Sram mit Sram - bei der neuen Shimano 105 nur innerhalb der 12-fach-Gruppen. Familienintern sind die Komponenten beliebig auszutauschen - eine schwerere 105-Kassette kann so beispielsweise gegen das leichtere Dura-Ace-Pendant getauscht werden.

Wie funktioniert die Stromversorgung?

Shimanos Di2 kommt traditionell mit einem zentralen Akku, der je nach Rad meist in der Sattelstütze oder im Unterrohr verbaut wird - und der per Kabel mit den übrigen Komponenten verbunden ist. Die drahtlosen Schalt-/Bremshebel benötigen hingegen keine Kabel mehr, Knopfzellen in den Hebeln liefern Strom für Schaltbefehle per Funk.

Sram verzichtet hingegen konsequent auf Kabel, die Schalthebel kommunizieren per Funksignalen mit Schaltwerk und Umwerfer, die jeweils von einem abnehmbaren Akku mit Strom versorgt werden. Vorteil Sram: Beide Akkus sind identisch und untereinander austauschbar.

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