SRAM GX Eagle vs. Shimano Vergleich: Ein umfassender Überblick

Mit der Einführung der 12-fach-Eagle Schaltgruppen hat SRAM die technische Vorherrschaft am Markt übernommen. Doch wie schlägt sich die runderneuerte GX Eagle im Vergleich zu den Shimano-Schaltungen SLX und XT? Dieser Artikel bietet einen detaillierten Vergleich, beleuchtet die neuesten Technologien und Innovationen und hilft Ihnen bei der Entscheidung, welche Gruppe am besten zu Ihren Bedürfnissen passt.

SRAM GX Eagle: Das Update mit 52er-Ritzel

Sram erweitert die Bandbreite seiner Eagle-Gruppen mit einer neuen 10-52er-Kassette. Die Eagle-Kassette des Einfach-Vorreiters Sram brachte mit ihrer 10-50er-Abstufung eine Bandbreite von satten 500 Prozent. Ab Juni 2020 präsentierten die US-Amerikaner ihre Top-3-Eagle-Gruppen GX, X01 und XX1 mit einem 52er-Ritzel. Das sind 20 Prozent mehr Bandbreite als die bisherige Eagle-Kassette, die es aber weiterhin geben wird.

Dafür hat Sram den Schaltwerkskäfig überarbeitet und verbaut eine härtere Feder. Weil die Abstufung der übrigen Ritzel nicht angepasst wurde, ändert sich in der Praxis nur ein kleines, in manchen Situationen aber entscheidendes Detail: Biker haben einen extra leichten Berggang in petto. Das könnte den entscheidenden Vorteil bringen, wenn sich ein Anstieg so gnadenlos aufbäumt, wie die berüchtigten Betonrampen am Gardasee.

Von den bisher bekannten Sram-Schaltungen verarbeiten nur die elektronischen AXS-Schaltwerke das riesige 52er-Ritzel. Mit allen anderen ist bei 50 Zähnen Schluss. Wer sich trotzdem die neue Kassette auf den Freilauf schraubt, muss mit springenden Ketten und unsauberen Schaltvorgängen rechnen.

Am meisten profitiert die GX vom Bandbreiten-Update. Denn die Einsteiger-Gruppen NX und SX gibt es weiterhin nur mit 50 Zähnen. Die GX dagegen kostet in der aktualisierten Version weiterhin regulär 555 Euro und wiegt dabei weniger als die Shimano XT als Einfach-Variante. Zudem gibt es erstmals optional eine schicke Carbon-Kurbel, die nur 22 Gramm mehr wiegt als der Kurbelsatz der Shimano XTR.

Einziger Wermutstropfen der Sram-Kassetten mit 520 Prozent Bandbreite ist der große Sprung vom 42er- auf das 52er-Ritzel. Satte 24,5 Prozent legt man dabei mit einem Daumenklick an Übersetzung zu. Bei Shimano fällt die Abstufung mit sechs Zähnen zwischen den zwei leichtesten Gängen deutlich homogener aus. Selbst Rotor springt bei seiner Dreizehnfach-Schaltung nur von 44 auf 52 Zähne.

Update X01 & XX1

Die zwei mechanischen Top-Gruppen von Sram bekommen mehr Bandbreite. Neben den Schaltwerken mit neuem Käfig und stärkerer Feder gehört zu beiden Gruppen je eine Kassette mit 10-52 Zähnen. Die neuen Schaltwerke sind rückwärtskompatibel, kommen also auch mit dem 10-50er-Ritzelpaket zurecht. Ein Nachrüst-Kit für alte Schaltwerke gibt es nicht.

SRAM GX Eagle Transmission: Innovation in bezahlbarer Preisregion

Mit der SRAM GX Eagle Transmission sickert die innovative X-Type Technologie in bezahlbare Preisregionen durch. Die Amerikaner von Sram haben nach dem Umwerfer nun auch das Schaltauge beerdigt. Mit der GX Eagle Transmission gibt es jetzt aber eine günstigere Transmission-Version, die nahezu alle Features seiner großen Brüder hat.

UDH-Schaltauge als Wegbereiter

SRAMs UDH Schaltauge war der Wegbereiter für die neue T-Type Technologie. Über 250 Mountainbike-Rahmen haben dieses Schaltauge und sind damit bereit für den Einsatz der neuen Eagle Transmission. Bei der Nutzung der Transmission-Schaltung wird das Schaltauge an sich aber überflüssig.

Warum die Transmission-Schaltung?

SRAM ersetzt das Schaltauge, also die bisherige Verbindung zwischen Schaltwerk und Rahmen nämlich nicht zum Selbstzweck. Das Ziel dahinter ist klar: Die Ingenieure aus Schweinfurt wollen Schaltungen besser machen. Dieser UDH-Schaltaugenstandard ist letztendlich die Voraussetzung, dass man die neuen SRAM Transmission Schaltungen am eigenen Rad verbauen kann. Es enthält ebenfalls das Gewinde für die Steckachse des Hinterrads.

Das Schaltwerk: Herz der Schaltgruppe

Bei der neuen Transmission-Schaltung wird es ohne verbindendes Schaltauge direkt an den Rahmen geschraubt. Ein Segen für alle Biker: Die Einstellung ist ab Werk perfekt. Es gibt nicht mal mehr die Option, die Endanschläge oder den Abstand zu den Ritzeln der Kassette zu justieren. Wenn klar ist, wo das Schaltwerk im Verhältnis zur Kassette steht, können sämtliche Anschläge und Abstände ab Werk perfekt justiert werden.

Gleiches gilt für den Abstand vom oberen Schaltröllchen zum Ritzel, der zuletzt bei allen Eagle-Antrieben immer mit einer etwas popeligen Plastikschablone justiert werden musste. SRAMs Eagle Transmission Schaltungen sind ab Werk perfekt eingestellt. SRAM erhöht die Qualität der Schaltvorgänge durch eine makellose Einstellung ab Werk. Kombiniert mit dem elektronischen Getriebe, welches das Parallelogramm des Schaltwerks genau definiert und von Ritzel zu Ritzel schwenken lässt, gibt es schlichtweg keine verstellte Schaltung mehr.

T-Type Schaltungen haben schlichtweg keine Fettnäpfchen mehr, in die man bei Montage oder Einstellung treten kann. Die Transmission-Antriebe nehmen für den Endverbraucher die Komplexität aus dem Thema Schaltung. Die komplette Montage der Schaltgruppe gelingt selbst nicht talentierten Schraubern in weniger als 30 Minuten. Einziges Novum, im Vergleich zu den herkömmlichen Eagle-Schaltungen: Die Kette kann nicht mehr live abgelängt werden. Die exakte Kettenlänge muss via App oder Online-Rechner bestimmt werden.

Robustheit und Design

Das Design des GX Eagle Transmission Schaltwerks ist so gewählt, dass Äste oder Felsen wenig Angriffsfläche haben, um sich zu verhaken. Der Schaltwerkskäfig mit den beiden Schaltröllchen lässt sich sogar werkzeuglos tauschen. Natürlich lassen sich auch die Schaltröllchen einzeln tauschen.

Die Schaltung ist durch eine Kunststoffabdeckung geschützt, die ebenfalls mit nur einer Schraube ausgetauscht werden kann. Der Werksservice von SRAM kann sogar den hinteren Schenkel des Parallelogramms oder die Aufnahme für die Kupplung des Schaltwerkkäfigs tauschen. Im Prinzip wurde das Schaltwerk wie ein partiell ersetzbarer Schutzkäfig um das Getriebe herum konstruiert.

Erfahrungen und Haptik

Neu hingegen ist die deutlich bessere Haptik des POD-Controllers (so heißt der T-Type Schalthebel) gegenüber dem alten AXS-Controller oder Rocker Paddle. Dank deutlichem haptischen Feedbacks schaltet man nicht aus Versehen einen Gang zu viel oder zu wenig. Über Jahrzehnte habe ich mir angewöhnt, kurz nach dem Drücken des Schalthebels für eine viertel oder halbe Umdrehung Druck vom Pedal zu nehmen. Das kann man sich mit dem neuen extrem steifen Ensemble tatsächlich sparen. Vor allem für den Einsatz der Schaltung am E-MTB ist das ein zentrales Argument.

Shimano vs. SRAM: Ein Vergleich

Shimano ist aktuell der Marktführer in allen Fahrradsegmenten und hat das größte Portfolio an Schaltsystemen für den MTB-Bereich. Die meisten Gruppen wurden so entwickelt, dass sie sich auch kombinieren lassen, solange sie die gleiche Anzahl an Gängen besitzen. Die Schalthebel der japanischen Firma nutzen die Rapid Fire Technologie, welche über Daumen und Zeigefinger gesteuert werden. Die Technologie ermöglicht auch das Schalten mehrerer Gänge mit nur einem Druck. Die aktuellen Top-Gruppen sind die neue XTR M9100 sowie die XTR Di2.

Shimano SLX (M7100)

Die Shimano SLX kam zeitgleich mit der neuen XT auf den Markt. Sie bietet eine große 10-51er-Kassette, welche dieselbe Bandbreite wie bei der Shimano XT bereitstellt und damit den direkten Konkurrenten Sram NX Eagle (11-50 Zähne) um über 50 % Bandbreite abhängt! Auch das Gewicht ist um rund 180 g geringer als bei der NX.

Im Vergleich zu den Konkurrenten, speziell mit Blick auf die XT, läuft das System etwas rauer. Hinzu kommt, dass der Gangwechsel minimal träger abläuft. Dank Shimanos "Hyperglide-Plus"-Technologie soll ein müheloses Schalten unter Belastung möglich sein. Beim Schalten unter hoher Last ächzt die SLX, führt den Schaltbefehl jedoch problemlos und präzise aus.

Der SLX-Schalthebel ist einfacher gehalten als der der XT. So haben die Japaner auf die Gummibeschichtung sowie auf die "Multi-Shift"-Funktion am kleinen Hebel verzichtet. Es lässt sich also nur ein Ritzel auf einmal nach unten wechseln. Auch können nur drei Gänge auf einmal in Richtung großes Ritzel geschaltet werden. Wie bei der XT praktisch: Der kleine Hebel kann mit Zeigefinger oder Daumen betätigt werden, was der SLX in Sachen Ergonomie eine sehr gute Note einbringt.

SRAM NX Eagle

Als Sram 2018 die NX Eagle vorstellte, machte diese die 1 x 12-Philosophie der US-Amerikaner noch attraktiver. Im Falle der NX ist es die Verwendung von günstigeren Materialien (Stahl und Kunststoff statt Alu), vor allem aber die Größe des kleinsten Ritzels. Statt 10-50 bietet Sram die NX mit 11-50-Zähne-Kassette an. Dadurch ergibt sich eine Bandbreite von nur 454 statt der 500 Prozent, die alle anderen Eagle-Gruppen so erfolgreich machten.

Ein Vorteil ist wiederum, dass die Kassette auf herkömmlichen Shimano-Freiläufen montiert werden kann, was die NX Eagle für Nachrüster mit älteren Bikes extrem spannend macht. Der Kunststoffhebel ist der leichteste im Test, die Kassette aus einzelnen Stahlritzeln hingegen mit Abstand die schwerste. Auch optisch wirkt die Kassette wenig edel. In Summe ist die NX die deutlich schwerste Gruppe im Testfeld.

Bei der Schaltperformance sind hingegen klar die Gene der teureren Eagle-Brüder erkennbar. Der Gangwechsel verläuft zuverlässig, leise und butterweich. In Richtung der großen Ritzel ist der Schaltvorgang aber eine Spur zu schwammig. In Richtung der kleinen Gänge verzögert sich der Schaltvorgang schon mal, ist dann aber schön knackig. Die NX bietet die Möglichkeit, fünf Gänge auf einmal hoch- und einen runterzuschalten.

Shimano XT (M8100)

Satte 511 Prozent Bandbreite bietet die neue XT mit einer Kassette mit 10-51 Zähnen. Genau einen Zahn mehr also als die direkte Konkurrenz der Sram GX Eagle - bei nur minimal mehr Gewicht. Ein gummierter Schalthebel sorgt für perfekten Grip. Zudem können durch die "Multi-Shift"-Technik gleich zwei Gänge auf einmal in Richtung kleine Ritzel geschaltet werden, was in diesem Test ein Alleinstellungsmerkmal ist. Es lassen sich zudem bei einem Schaltvorgang bis zu vier Gänge auf einmal hochschalten.

Einziges Manko: Die Fingerkraft beim Betätigen des kleinen Hebels ist spürbar höher, als man es von einer XT gewohnt ist. Doch egal ob unter voller Last oder beim gemütlichen Fahren, die Gänge werden knackig und maximal präzise eingelegt und stehen sofort zur Verfügung. Die Montage ist einfach, einzig dass der neue "Micro-Spline-Freilauf" etwas fummeliger ist, könnte man bemängeln - hier hat Sram die Nase vorn.

SRAM GX Eagle

Mit der GX Eagle hat Sram 2017 den 1 x 12-Antrieb zu erschwinglichen Preisen auf den Markt gebracht. Die Montage der GX ist recht einfach, die Kassette besteht aus einem Stück und wird auf den speziellen XD-Freilauf aufgeschraubt. Nur das Einstellen des Umschlingungswinkels ist etwas umständlich: Eine mitgelieferte Schablone muss bei belastetem Hinterbau (Fully) angehalten werden.

Die Haptik und Optik der GX Eagle kommt nahe an die Top-Gruppen X01 und XX1 von Sram heran, auch wenn Sram etwas weniger hochwertige Materialien verwendet. Dennoch ist die GX in unserem Test, ganz knapp vor der XT, die leichteste Schaltgrupppe. In der Praxis erfolgen die Wechsel in den leichteren Gängen meist so sanft, dass man sie nicht mal hört. Das Gefühl im Daumen ist dabei auch etwas undefinierter.

Beim Schalten in schwerere Gänge rastet die Kette dafür satt, schnell und selbst unter Last stets präzise ein. Auch der kleine Hebel lässt sich definiert drücken - bietet aber im Gegensatz zur Shimano XT lediglich einen Gangsprung zum nächstkleineren Ritzel. Hoch lassen sich bei der GX an der 10-50-Kassette fünf Gänge auf einmal schalten (bei Shimanos XT vier). Generell liegen die Hebel absolut angenehm am Daumen an, bieten sehr gute Schaltergonomie.

Überblick: Sram vs. Shimano 12fach-MTB-Schaltgruppen

Hier ist eine Übersicht der verschiedenen 12-fach-MTB-Schaltgruppen von Sram und Shimano:

Schaltgruppe Freilaufstandard Gewicht Schaltgruppe¹ Kurbelgewicht Bandbreite Preis Upgrade-Kit² Preis Schaltgruppe³
Sram XX1 Eagle AXS XD 1434 Gramm 469 Gramm 500 % 744 Euro / 1089 Euro 1199 Euro / 1525 Euro
Sram GX Eagle XD 1711 Gramm 612 Gramm 500 % 260 Euro 377 Euro
Sram NX Eagle HG-Standard 2074 Gramm 707 Gramm 455 % 187 Euro 268 Euro
Shimano XTR Micro-Spline 1497 Gramm 531 Gramm 450 % / 510 % / 623 % (2fach) 552 Euro 999 Euro
Shimano Deore XT Micro-Spline 1798 Gramm 641 Gramm 450 % / 510 % / 623 % (2fach) 267 Euro 412 Euro
Shimano SLX Micro-Spline 1857 Gramm 649 Gramm 450 % / 510 % / 623 % (2fach) 167 Euro 270 Euro

¹Die komplette Schaltgruppe besteht aus Schaltwerk, Kassette, Kette, Kettenblatt, Kurbel und Schalthebel. Das Tretlager wurde aufgrund verschiedenster Standards nicht berücksichtigt.

²Ein Upgrade-Kit besteht aus Schaltwerk, Kassette, Kette und Schalthebel.

³Durchschnittspreis von drei großen Online-Shops Januar 2020.

Fazit

Die Wahl der richtigen MTB-Schaltung hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Budget, Einsatzbereich und persönliche Vorlieben. Shimano und SRAM bieten beide hervorragende Optionen für unterschiedliche Bedürfnisse. Während Shimano mit seiner XT-Gruppe oft als "Volksschaltung" bezeichnet wird und ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, überzeugt SRAM mit der GX Eagle durch ein leichtes Gewicht und ein präzises Schaltgefühl. Die neue GX Eagle Transmission bringt innovative Technologie in erschwinglichere Preisregionen und könnte eine interessante Option für Fahrer sein, die Wert auf einfache Montage und perfekte Einstellung ab Werk legen.

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