Die "Fehde" zwischen Shimano und SRAM ist fast zwei Jahrzehnte alt. Ursprünglich eine Frage des Geschmacks, hat sich der Wettbewerb mit der Einführung von 1x12-Schaltungen weiterentwickelt. Dieser Artikel vergleicht die 1x12-Varianten von Shimano SLX und XT mit den SRAM-Gruppen NX Eagle und GX Eagle, um zu zeigen wer aktuell die beste Schaltungskost bietet.
Shimano SLX (M7100)
Die Shimano SLX kam dieses Jahr zeitgleich mit der neuen XT auf den Markt. Optisch ist sie ein Hingucker und auch technisch auf dem neuesten Stand. Dank der großen 10-51er-Kassettte, welche dieselbe Bandbreite wie bei der Shimano XT bereitstellt und damit den direkten Konkurrenten Sram NX Eagle (11-50 Zähne) um über 50 % Bandbreite abhängt! Auch das Gewicht ist um rund 180 g geringer als bei der NX.
Im Vergleich zu den Konkurrenten, speziell mit Blick auf die XT, läuft das System etwas rauer. Hinzu kommt, dass der Gangwechsel minimal träger abläuft. Dank Shimanos "Hyperglide-Plus"-Technologie soll ein müheloses Schalten unter Belastung möglich sein. Beim Schalten unter hoher Last ächzt die SLX, führt den Schaltbefehl jedoch problemlos und präzise aus.
Der SLX-Schalthebel ist einfacher gehalten als der der XT. Es lässt sich also nur ein Ritzel auf einmal nach unten wechseln. Auch können nur drei Gänge auf einmal in Richtung großes Ritzel geschaltet werden. Der kleine Hebel kann mit Zeigefinger oder Daumen betätigt werden, was der SLX in Sachen Ergonomie eine sehr gute Note einbringt.
Technische Daten Shimano SLX (M7100):
- Gänge: 1 x 12
- Zähne: 32 vorne, 10-51 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,63 :1; Größter Gang: 3,20 :1
- Gewicht: 310 g Schaltwerk, 116 g Hebel o. Zug, 527 g Kassette, 255 g Kette (116 Glieder), 645 g Kurbel (o. Innenlager), 1853 g komplett
- Testergebnis: SEHR GUT (76 Punkte)
| Kategorie | Bewertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung |
SRAM NX Eagle
Als Sram 2018 die NX Eagle vorstellte, machte diese die 1 x 12-Philosophie der US-Amerikaner noch attraktiver: Knapp 400 Euro kostet der Einstieg in die 12-fach-Welt nur noch, online ist sie sogar für rund 270 Euro erhältlich. Komplett!
Im Falle der NX ist es die Verwendung von günstigeren Materialien (Stahl und Kunststoff statt Alu), vor allem aber die Größe des kleinsten Ritzels. Statt 10-50 bietet Sram die NX mit 11-50-Zähne-Kassette an. Dadurch ergibt sich eine Bandbreite von nur 454 statt der 500 Prozent, die alle anderen Eagle-Gruppen so erfolgreich machten. Ein Vorteil ist wiederum, dass die Kassette auf herkömmlichen Shimano-Freiläufen montiert werden kann, was die NX Eagle für Nachrüster mit älteren Bikes extrem spannend macht.
Der Kunststoffhebel ist der leichteste im Test, die Kassette aus einzelnen Stahlritzeln hingegen mit Abstand die schwerste. Auch optisch wirkt die Kassette wenig edel. In Summe ist die NX die deutlich schwerste Gruppe im Testfeld.
Bei der Schaltperformance sind hingegen klar die Gene der teureren Eagle-Brüder erkennbar. Der Gangwechsel verläuft zuverlässig, leise und butterweich. In Richtung der großen Ritzel ist der Schaltvorgang aber eine Spur zu schwammig. In Richtung der kleinen Gänge verzögert sich der Schaltvorgang schon mal, ist dann aber schön knackig. Die NX bietet die Möglichkeit, fünf Gänge auf einmal hoch- und einen runterzuschalten.
Technische Daten SRAM NX Eagle:
- Gänge: 1 x 12
- Zähne: 32 vorne, 11-50 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,64:1; Größter Gang: 2,91:1
- Gewicht: 344 g Schaltwerk, 98 g Hebel ohne Zug, 612 g Kassette, 273 g Kette (126 Glieder), 701 g Kurbel (ohne Innenlager), 2028 g komplett
- Testergebnis: GUT (69 Punkte)
| Kategorie | Bewertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung |
Shimano XT (M8100)
Shimano ließ Käufer aufgrund von Fertigungsproblemen im letzten Jahr lange auf die neue XTR warten. Umso größer waren heuer die Erwartungen an die neue XT-Gruppe. Dass diese ebenso mit 12-fach-Technik kommt, war früh klar - aber auf welchem Niveau? Eines steht schon jetzt fest: Das Warten hat sich gelohnt.
Satte 511 Prozent Bandbreite bietet die neue XT mit einer Kassette mit 10-51 Zähnen. Genau einen Zahn mehr also als die direkte Konkurrenz der Sram GX Eagle - bei nur minimal mehr Gewicht. Und auch in Sachen Ergonomie setzt die Shimano XT ein dickes Ausrufezeichen. Ein gummierter Schalthebel sorgt für perfekten Grip. Zudem können durch die "Multi-Shift"-Technik gleich zwei Gänge auf einmal in Richtung kleine Ritzel geschaltet werden, was in diesem Test ein Alleinstellungsmerkmal ist. Es lassen sich zudem bei einem Schaltvorgang bis zu vier Gänge auf einmal hochschalten. Einziges Manko: Die Fingerkraft beim Betätigen des kleinen Hebels ist spürbar höher, als man es von einer XT gewohnt ist.
Doch egal ob unter voller Last oder beim gemütlichen Fahren, die Gänge werden knackig und maximal präzise eingelegt und stehen sofort zur Verfügung. Die Montage ist einfach, einzig dass der neue "Micro-Spline-Freilauf" etwas fummeliger ist, könnte man bemängeln - hier hat Sram die Nase vorn.
Technische Daten Shimano XT (M8100):
- Gänge: 1 x 12
- Zähne: 32 vorne, 10-51 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,63:1; Größter Gang: 3,20:1
- Gewicht: 281 g Schaltwerk, 117 g Hebel o. Zug, 469 g Kassette, 257 g Kette (116 Glieder), 635 g Kurbel (o. Innenlager), 1759 g komplett
- Testergebnis: ÜBERRAGEND (90 Punkte)
| Kategorie | Bewertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung |
SRAM GX Eagle
Mit der GX Eagle hat Sram 2017 den 1 x 12-Antrieb zu erschwinglichen Preisen auf den Markt gebracht. Die Montage der GX ist recht einfach, die Kassette besteht aus einem Stück und wird auf den speziellen XD-Freilauf aufgeschraubt. Nur das Einstellen des Umschlingungswinkels ist etwas umständlich: Eine mitgelieferte Schablone muss bei belastetem Hinterbau (Fully) angehalten werden.
Die Haptik und Optik der GX Eagle kommt nahe an die Top-Gruppen X01 und XX1 von Sram heran, auch wenn Sram etwas weniger hochwertige Materialien verwendet. Dennoch ist die GX in unserem Test, ganz knapp vor der XT, die leichteste Schaltgrupppe. In der Praxis erfolgen die Wechsel in den leichteren Gängen meist so sanft, dass man sie nicht mal hört. Das Gefühl im Daumen ist dabei auch etwas undefinierter. Beim Schalten in schwerere Gänge rastet die Kette dafür satt, schnell und selbst unter Last stets präzise ein. Auch der kleine Hebel lässt sich definiert drücken - bietet aber im Gegensatz zur Shimano XT lediglich einen Gangsprung zum nächstkleineren Ritzel. Hoch lassen sich bei der GX an der 10-50-Kassette fünf Gänge auf einmal schalten (bei Shimanos XT vier).
Technische Daten SRAM GX Eagle:
- Gänge: 1 x 12
- Zähne: 32 vorne, 10-50 hinten
- Übersetzung: Kleinster Gang: 0,64 :1; Größter Gang: 3,20 :1
- Gewicht: 292 g Schaltwerk, 107 g Hebel ohne Zug, 448 g Kassette, 273 g Kette (126 Glieder), 627 g Kurbel (ohne Innenlager), 1747 g komplett
- Testergebnis: SEHR GUT (83 Punkte)
| Kategorie | Bewertung |
|---|---|
| Gewicht | 16% |
| Bandbreite | 10% |
| Montage/Einstellung | 26% |
| Ergonomie | 25% |
| Schaltperformance | 10% |
| Verarbeitung |
Welcher Freilauf?
Standard: Der klassische Freilauf ist noch immer an vielen Radnaben zu finden. Er nimmt alle 8-/9-/10-fach-Kassetten auf, zudem die 11-fach-Modelle von Shimano. Nicht passen alle Sram-11-fach- und 12-fach-Kassetten - mit Ausnahme der preiswerten NX-Eagle- Kassette.
XD-Body: Mit Einführung der XX1-Gruppe (1 x 12) brachte Sram auch einen neuen Freilauf, den XD-Body. Er ist seitdem Standard für alle Sram-Kassetten mit kleinem 10er-Ritzel. Auch einige Fremdanbieter wie E13 oder Hope nutzen den XD-Freilauf.
Micro spline: Da es Shimano nicht übers Herz brachte, auf einen Sram-Standard zu setzen (dennoch aber ein 10er-Ritzel verbauen wollte), benötigen die neuen Gruppen SLX, XT und XTR den neuen Micro-Spline-Freilauf. Der ist jetzt endlich auch bei fast allen Laufradherstellern erhältlich.
Kurbeln von Fremdanbietern
Grundsätzlich ist es unserer Erfahrung nach aber kein Problem, eine Fremdkurbel mit 12-fach-kompatiblem Blatt zu fahren, die Kette läuft aber meist spürbar schlechter und lauter. Auch Shimano empfiehlt für beste Performance die hauseigenen Kurbeln, "verbietet" den Einsatz fremder Produkte aber nicht.
Alternativ schalten
Umwerfend: Auch wenn die Bike-Hersteller wohl auf Shimanos neue 1 x 12-Gruppen abfahren werden, es gibt sie: die breitbandige 2 x 12-Variante von SLX, XT und XTR mit Umwerfer und komplett neuem "Mono"-Hebel. Dieser funktioniert extrem intuitiv.
Elektronisch: Auch Sram war in diesem Jahr nicht untätig und brachte die neuen Eagle X01 AXS und Eagle XX1 AXS heraus. Diese beiden teuren, edlen Highend-Gruppen wechseln die Gänge nicht nur elektronisch mittels kleinem Servomotor am Schaltwerk, sondern auch noch kabellos.
Verwandte Beiträge:
- SRAM & Shimano 11-fach kompatibel?: Kompatibilität & Gruppenkombinationen
- SRAM Rennrad Gruppen: Test & Vergleich der besten Gruppen
- SRAM 11-fach Kette: Test, Kaufberatung & beste Modelle 2024
- SRAM eTap Rennrad: Elektronische Schaltung im Test – Vorteile & Nachteile
- Alpina MIPS Fahrradhelm Test – Ultimative Sicherheit & Komfort für Radfahrer
- Shimano SPD PD-T8000 Test: Das ultimative Hybridpedal für Touren und Alltag entdecken!
Kommentar schreiben