Bei der Auswahl des richtigen Mountainbikes spielen die verbauten Komponenten eine große Rolle. Die Schaltung gilt dabei als wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den verschiedenen Mountainbike-Kategorien und innerhalb der Preisklassen. Als Schaltgruppe bezeichnet man bei Fahrrädern und E-Bikes die Gesamtheit der Komponenten im Antrieb.
Shimano & SRAM: Die Giganten im Vergleich
Der japanische Hersteller Shimano hat sich seit seiner Gründung im Jahre 1921 zum Marktführer im Bereich von Fahrradkomponenten entwickelt. In der Anfangszeit lag der Fokus auf der Entwicklung von Nabenschaltungen und Rennrad-Schaltgruppen. 1982 brachte Shimano mit der Deore XT die erste Schaltgruppe für Mountainbikes auf den Markt, die bis heute einen legendären Ruf besitzt.
Der amerikanische Konkurrent SRAM kam 1987 auf den Markt für Rennrad- und MTB-Komponenten. Durch innovative Ansätze und als Vorreiter der Einfach-Antriebe hat sich SRAM insbesondere in der Mittel- und Oberklasse der sportlichen Räder einen Namen gemacht.
Die Evolution der Kettenschaltung
In Zeiten der 26-Zoll-Mountainbikes galt die Regel: Je mehr Gänge, desto besser. Dazu wurden in der Regel Dreifach-Kurbeln häufig mit acht bis zehn Gängen am Hinterrad kombiniert. Diese Gangschaltungen mit 24 bis 30 Gängen sorgten im Gelände jedoch gerne mal dafür, dass die Kette absprang. Die logische Konsequenz: Weniger ist mehr.
SRAM stellte 2012 die erste 1 x 11-Kettenschaltung vor, die mit nur einem speziellen Kettenblatt (vorne) und einer neuartigen Kassette (hinten) richtungsweisend für die nächste Generation der MTB-Kettenschaltungen war. Durch das Wegfallen des Umwerfers und der weiteren Kettenblätter wurde nicht nur die Komplexität, sondern auch das Gewicht reduziert. Die für ein Mountainbike nötige Übersetzungsbandbreite wurde durch eine für damalige Verhältnisse riesige Kassette realisiert.
Shimano zog mit der XTR und XT-Gruppe schnell nach und bietet ab 2020 auch die Deore-Gruppe mit breit übersetzten 12 Gängen an. Aktuell bieten daher sowohl SRAM als auch Shimano 10- bis 12-Gang-Kettenschaltungen, die mit einem einzelnen Kettenblatt kombiniert werden.
Einteilung der MTB-Schaltgruppen
Die MTB-Schaltgruppen von Shimano und SRAM grenzen sich durch die unterschiedlichen Preisstufen voneinander ab. Mit den Eagle 12-fach-Kettenschaltungen, fokussiert sich SRAM eher auf die Mittel- und Oberklasse, während Shimano mit den preisgünstigen Tourney-, Acera- und Alivio-Komponenten in allen Bereichen vertreten ist.
Die MTB-Schaltgruppen im Detail
Sowohl Shimano als auch SRAM bieten absolut ausgereifte und zuverlässige Kettenschaltungen an. Allerdings gibt es einige besondere Merkmale, die man beim Kauf eines neuen (E-)Mountainbikes in Bezug auf die Schaltung berücksichtigen sollte. Der aktuelle Trend bei Mountainbikes geht zu den Einfach- bzw. Zweifach-Antrieben. Das bedeutet, dass vorne lediglich ein bzw. zwei Kettenblätter zum Einsatz kommen. Im Wettkampfbereich kommen praktisch nur noch Einfach-Antriebe zum Einsatz. Im Einstiegsbereich werden hauptsächlich noch Dreifach-Antriebe verbaut.
Die beste Schaltung für dein MTB ist die, die zu deinem geplanten Einsatzbereich passt. Wie zuvor beschrieben ist es zwar praktisch möglichst viele Gänge zur Verfügung zu haben, aber es erhöht die Komplexität und ist im Gelände nicht unbedingt die beste Wahl. Wenn du primär budgetorientiert bist und du nur gelegentlich vorhast in echtem Gelände unterwegs zu sein, dann bist du mit der Einstiegsklasse von Shimano gut bedient.
Sobald du allerdings vorhast auch mal den ein oder anderen Trail mit Wurzeln oder anderen Unebenheiten in Angriff zu nehmen, solltest du ein Mountainbike in der Mittelklasse mit entsprechend höherwertigen Schaltgruppen in Betracht ziehen. Vom Trend zu den 1-Fach-Systemen profitieren auch die E-Mountainbikes, da diese Schaltungen problemlos mit den weit verbreiteten Mittelmotoren von Bosch oder Shimano kombiniert werden können.
Was ist die Übersetzungsbandbreite bei MTB-Schaltungen?
Um verschiedene Schaltungen miteinander vergleichen zu können, reicht die alleinige Anzahl der Gänge nicht aus. Ein Anhaltspunkt ist der Vergleich der sogenannten Übersetzungsbandbreite. Konkret wird dazu der Unterschied zwischen dem kleinst- und dem größtmöglichen Gang einer Schaltung als Prozentzahl dargestellt.
Beispiel:
Shimano 2-Fach-Kurbelgarnitur mit 36-22 Abstufung, 9-Fach-Kassette mit 11-34 Zähnen:
34/11=3,09 (größter Gang) geteilt durch 22/36=0,61 (kleinster Gang), also
3,09 : 0,61 = 5,06 => 506 % Übersetzungsbandbreite
Einfacher ist diese Rechnung natürlich bei 1-Fach-Antrieben, beispielsweise bei E-Mountainbikes mit Mittelmotor, da hier alleine die Kassette die Bandbreite vorgibt. Wenn man hier das größte durch das kleinste Ritzel teil, ergibt sich automatisch die Übersetzungsbandbreite.
Beispiel:
SRAM Eagle 12-Fach-Kassette mit 10-52 Zähnen
52 : 10 = 5 = 520 % Übersetzungsbandbreite
Moderene Kettenschaltungen beim Mountainbike: Die Technologie
Was ist ein Narrow-Wide-Kettenblatt?
Als SRAM die erste 1×11-Schaltgruppe mit dem Namen XX1 vorstellte, gab es zwar schon 1-Fach-Kettenschaltungen, jedoch waren diese nur mit einer Kettenführung fahrbar, da die Kette im Gelände sonst vom Kettenblatt abspringen konnte. SRAM hat dieses Problem mit einen neu gedachten Kettenblatt gelöst. Das Sram-X-Sync Zahnprofil beim Kettenblatt bestand aus abwechselnd schmalen und breiten Zähnen, wodurch sich die Kette dort wesentlich besser „festhalten“ konnte. So entstand dann auch der Name für diese neuartigen Narrow-Wide-Kettenblätter. Mittlerweile kommt dieses Profil in ähnlichen Ausführungen bei vielen verschiedenen Herstellern, unter anderem auch bei Shimano, zum Einsatz.
Was heißt Shadow Plus bei Shimano- oder Type 3 bei SRAM-Schaltwerken?
Neben den Kettenblättern haben sich auch die Schaltwerke weiterentwickelt. Hier kommt bei Shimano ab 10-Fach- und bei SRAM ab 11-Fach-Schaltungen eine zusätzliche Dämpfung zum Einsatz, die das Kettenschlagen auch auf Trailfahrten stark reduzieren kann. Bei Shimano lässt sich die zusätzliche Dämpfung über den ON / OFF-Hebel ein- und ausschalten. SRAM hat dagegen den sogenannten Cage-Lock, mit dem der Schaltwerkskäfig blockiert werden kann, um beispielsweise das Rad auszubauen.
Elektronische Schaltgruppen: SRAM AXS und Shimano Di2
Neben den mechanischen Kettenschaltungen bieten sowohl SRAM als auch Shimano eine Auswahl an elektronisch gesteuerten Schaltgruppen für (E-)Mountainbikes an. Von SRAM gibt es die 12-fach-Gruppen GX, X01 und XX1 mit der funkgesteuerten AXS-Technologie, die auch bei der Variostütze Rock Shox Reverb zum Einsatz kommt. Shimano setzt mit der Di2-Technolgie hingegen noch auf ein kabelgebundenes System mit einem zentralen Akku, das bei den beiden Top-Gruppen XT und XTR verfügbar ist.
MTB-Schaltgruppen im Vergleich: Shimano vs. SRAM
Im MTB-Bereich gibt es bei der Schaltung eigentlich häufig nur die Wahl zwischen Shimano und SRAM. Wir geben euch einen Überblick über die Technologien der beiden Konkurrenten und die Hierarchien der einzelnen MTB-Schaltgruppen.
Shimano Schaltgruppen im Überblick:
- Tourney: Die billigste Gruppe im Shimano-Sortiment, geeignet für Einsteiger-Hardtails und Freizeit-Räder.
- Altus: Eine Einsteiger-Gruppe, die gelegentlich bei Budget-Mountainbikes eingesetzt wird.
- Acera: Eine Einsteiger-Gruppe mit 2x9 und 3x9 Gängen und vermehrtem Einsatz von Aluminium.
- Alivio: Die Top-Gruppe im Freizeit-Rad-Bereich von Shimano, die einige Technologien und Features der speziellen MTB-Gruppen übernimmt.
- Deore: Die erste wirklich 100%ige MTB-Schaltgruppe von Shimano, die sich an Neulinge genauso wie Fortgeschrittene richtet.
- SLX: Das Arbeitstier unter den MTB-Gruppen, das sich in der Ausstattung und den Features nur geringfügig von teureren Gruppen unterscheidet, dafür aber mehr wiegt.
- Zee: Eine spezielle Downhill- und Freeride-Gruppe, die als 1x10 Schaltung erhältlich ist.
- Deore XT: Eine beliebte MTB-Schaltgruppe, die erstklassige Performance im XTR-Format für weniger Geld und etwas mehr Gewicht liefert.
- XT Di2: Die elektronische Version der XT, die elektronisch gesteuerte Servomotoren nutzt, um den Schaltvorgang direkt am Schaltwerk einzuleiten.
- XTR: Die Meisterklasse von Shimano, die aus einer Mischung von Carbonteilen, Titan und hochwertigem Aluminium besteht.
SRAM Schaltgruppen im Überblick:
- XX1 Eagle AXS/X01 Eagle AXS: Funkgesteuerte, elektronische Top-Schaltgruppen für höchste Ansprüche.
- XX1 Eagle/X01 Eagle: Mechanische Top-Schaltgruppen für Cross-Country, Marathon und Enduro.
- GX Eagle: Eine erschwingliche 1x12-Schaltung, die an unzähligen Bikes von Werk aus verbaut ist.
- NX Eagle: Der günstigste Einstieg in die Welt der 1x12-fach Schaltungen von SRAM.
- SX Eagle: Eine noch preisgünstigere Option für Einsteiger.
Vergleich: Shimano SLX vs. SRAM NX Eagle
Um einen fairen Vergleich zu gewährleisten, wählten wir für diesen Test die 1 x 12- Varianten von SLX und XT, stellten diesen die bewährten Sram-Gruppen NX Eagle und GX Eagle gegenüber. Erstaunlich: In Sachen Preis und Gewicht liegen die Kontrahenten eng beieinander. SLX und NX kosten quasi gleich viel, dafür ist die SLX leichter. XT und GX wiederum wiegen quasi das Gleiche, hier ist die GX etwas preiswerter. Auch in Sachen Optik und Haptik sind die Unterschiede nicht groß, anders als früher agieren die Shimano-Schaltungen sogar ein wenig knackiger als die Sram-Pendants.
Tatsächlich setzt die neue Shimano XT den neuen Maßstab in dieser Klasse. Srams GX ist ebenso eine Topgruppe, in Nuancen aber schlechter. Ebenso kann sich die Shimano SLX leicht von der NX Eagle absetzen und Platz 3 im Vergleich erobern.
Die Shimano SLX kam dieses Jahr zeitgleich mit der neuen XT auf den Markt, normal legt Shimano immer ein Jahr dazwischen. Optisch ist sie ein Hingucker und auch technisch - auf dem Papier - auf dem neusten Stand. Etwa dank der großen 10-51er-Kassettte, welche dieselbe Bandbreite wie bei der Shimano XT bereitstellt und damit den direkten Konkurrenten Sram NX Eagle (11-50 Zähne) um über 50 % Bandbreite abhängt! Auch das Gewicht ist um rund 180 g geringer als bei der NX.
Im Vergleich zu den Konkurrenten, speziell mit Blick auf die XT, läuft das System etwas rauer. Hinzu kommt, dass der Gangwechsel minimal träger abläuft. Dank Shimanos "Hyperglide-Plus"-Technologie soll ein müheloses Schalten unter Belastung möglich sein. Und? Beim Schalten unter hoher Last ächzt die SLX, führt den Schaltbefehl jedoch problemlos und präzise aus.
Beim Schalten in schwerere Gänge rastet die Kette dafür satt, schnell und selbst unter Last stets präzise ein. Auch der kleine Hebel lässt sich definiert drücken - bietet aber im Gegensatz zur Shimano XT lediglich einen Gangsprung zum nächstkleineren Ritzel. Hoch lassen sich bei der GX an der 10-50-Kassette fünf Gänge auf einmal schalten (bei Shimanos XT vier). Generell liegen die Hebel absolut angenehm am Daumen an, bieten sehr gute Schaltergonomie.
Übersicht: Sram vs. Shimano 12fach-MTB-Schaltgruppen
| Sram-Schaltgruppen | Shimano-Schaltgruppen |
|---|---|
| XX1 Eagle AXS | XTR |
| X01 Eagle AXS | Deore XT |
| XX1 Eagle | SLX |
| X01 Eagle | Deore |
| GX Eagle AXS | |
| GX Eagle | |
| NX Eagle | |
| SX Eagle |
Hinweis: Die Tabelle zeigt einen vereinfachten Überblick und kann je nach Modelljahr und Verfügbarkeit variieren.
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