Als Tandemstange werden allgemein Stangen bezeichnet, die hinten unter dem Fahrradsattel am Rahmen eines Fahrrads befestigt werden können. Die Stange ragt dann über das Hinterrad hinaus und erlaubt es, am anderen Ende die Gabel des Vorderrads eines kleineren Fahrrads zu befestigen.
Funktionsweise und Einsatzbereich
Die Tandemstange bockt das Vorderrad des Kinderrads nach oben, so dass das Kind nicht mehr selbst lenken kann. Der Lenker wird nur noch zum Festhalten benötigt. Gleichzeitig überträgt die Tandemstange die Zugkraft des Elternfahrrads auf das Kinderrad so dass dieses einfach mitgezogen wird.
Die Stange sollte nicht dauerhaft am Rad angebracht sein. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn die Kinderbeine ermüden und die Kraft zum selbständigen Weiterfahren fehlt. Die Tandemstange wird vor allem von Kindern geliebt, die sich im Test stets selbst entscheiden können, ob sie gerade lieber selbst treten oder sich von den Eltern auf dem Zugfahrrad ziehen lassen. Das macht insbesondere längere Fahrradausflüge sehr viel weniger anstrengend.
Vorteile und Nachteile
Für Eltern ist vorteilhaft, dass die Tandemstange im Vergleich zu einem Fahrradanhänger oder Trailer kostengünstig ist und sich leichter handhaben lässt als ein hochwertiger Kindersitz.
Allerdings warnen Stiftung Warentest, TÜV und Ökotest immer mal wieder vor den kostengünstigen Modellen, die den Sicherheitsanforderungen eines solchen Gefährts einfach nicht entsprechen.
Wie der Test gezeigt hat, sollte die Tandemstange nur dann genutzt werden, wenn sowohl Eltern als auch Kinder sehr sicher Fahrrad fahren. Sehr kleine Kinder, die noch unsicher fahren, sowie Babys im Anhänger oder Kinderwagen dürfen auf keinen Fall per Tandemstange transportiert werden. Auch Hunde sollten auf keinen Fall an der Tandemstange mitlaufen.
Sicherheitshinweise
Die Tandemstange ist umstritten, denn ihre Sicherheit hängt von regelmäßiger fachkundiger Wartung und der Fahrsicherheit sowohl der Eltern als auch des Kindes ab. Bei kurvigen Strecken ist es fast unmöglich, das Tandemgefährt aus Elternrad und Kinderrad stabil zu halten, während gerade Strecken ungleich anspruchsloser sind. Wenn Kinder sich ziehen lassen und nicht selbst Pedalen, achten sie aber nicht so sehr auf die Strecke inklusive der Kurven.
Für die Sicherheit von Eltern und Kind mit Tandemstange spielen nicht nur Strecke, Tandemstange und die Fahrkünste eine Rolle, sondern auch die Bauart der verwendeten Fahrräder und deren Schwerpunkte. Die Tandemstange konnte im Test nicht an jedem beliebigen Fahrrad befestigt werden. Für längere Strecken, Radreisen und Trekking ist die Tandemstange aus Sicherheitsgründen ebenso wenig geeignet wie für kurze Strecken im Stadtverkehr. Dafür ist das Fahrverhalten der Kinder im Tandemverband einfach zu unsicher und unberechenbar.
Die Stangen ließen sich nicht an jedem Rad sicher befestigen. Außerdem haben die Fahrkünste und die genaue Strecke (hügelig oder eben, kurvig oder gerade) einen wesentlichen Einfluss auf die Fahrsicherheit. Im Vergleich fiel auf, dass die Fahrlage insgesamt sehr viel sicherer ist, wenn das Kinderrad per Tandemstange unterhalb des Schwerpunkts des Elternrads befestigt war.
Tandemstange vs. Fahrradnachläufer und Einradnachläufer
Oft werden Tandemstange, Fahrradnachläufer und Einradnachläufer nicht klar gegeneinander abgegrenzt. In allen Fällen handelt es sich um eine Verbindung zwischen dem Fahrrad des Kindes und dem Fahrrad der Eltern. Genau genommen ist die Tandemstange aber dazu da, ein vollständiges Kinderfahrrad am Elternrad zu fixieren. Das Rad der Kinder behält sein Vorderrad, das allerdings in der Luft hängt.
Anders der Einradnachläufer. Hierbei handelt es sich zwar auch um eine Tandemstange, die das Fahrrad der Eltern mit dem der Kinder verbindet. Aber beim Einradnachläufer hat das Rad der Kinder nur ein Hinterrad. Die Kinder können also nicht einfach ihr Rad aus der Tandemstange lösen und einen Teil des Wegs selbständig zurücklegen. Im Vegleich mit der Tandemstange bietet der Einradnachläufer weniger Flexibilität.
Beim eigenständigen Nachläufer kann im Prinzip jedes Kinderrad eingespannt werden. Etwas anderes ist der Einradanhänger mit Kindersitz. Hierbei handelt es sich schlichtweg um einen einrädrigen Anhänger, auf dem ein Kindersitz befestigt ist. Das Kind kann nicht selbst Pedalen, sondern wird lediglich gezogen. Einradanhänger sind deutliche kostenintensiver als eine Tandemstange und im Vergleich mit der Stange auch nicht so spaßig.
Auf dem eigenständigen Fahrradnachläufer sind die Kinder per Tandemstange mit dem Elternrad verbunden und müssen keine selbständigen Entscheidungen bezügliche des Verhaltens im Verkehr treffen. Im Anhänger sind sie vom Verkehrsgeschehen so weit weg, dass sie meist träumen oder die Gedanken wandern lassen und nicht viel mitbekommen. Und das ist genau die Altersgruppe der Sechs- bis Neunjährigen, für die die Tandemstange bei längeren Touren im Testbesonders sinnvoll ist.
Hersteller und Modelle
Es gibt nicht allzu viele Hersteller, die eine Tandemstange im Angebot haben. Da sowohl der ADAC als auch ADFC und Stiftung Warentest vor einigen Jahren die Tandemstange einiger Hersteller förmlich in der Luft zerrissen haben aufgrund der berechtigten Sicherheitsbedenken, sind viele Modelle inzwischen vom Markt verschwunden. Trotzdem und trotz permanenter Nachbesserungen von Seiten der Hersteller schafft es auch heute noch nicht jede Tandemstange im Test, ein TÜV Siegel zu bekommen.
Hier sind einige Hersteller und Modelle, die im Test erwähnt wurden:
- Woom: Die Tandemstange ist bei woom 2018 noch in der Entwicklung und nicht käuflich erhältlich gewesen.
- Profex (Koala): Die Tandemstange von Profex heißt Koala, lässt sich leicht befestigen und ist TÜV/GS-geprüft. Mit knapp 5 kg ist die Stange allerdings nicht ganz leicht.
- Trail Gator: Die Tandemstange von Trail Gator besteht den Test in Sachen Sicherheit und trägt das TÜV-Siegel. Das Besondere an den Modellen ist, dass sie sich im Vergleich mit anderen Stangen einfach nach unten wegklappen lassen, wenn sie bei der Fahrt nicht benötigt werden.
- Peruzzo (Trail Angel): Die Tandemstange Trail Angel gilt als sehr stabil, kann über eine Schnellbefestigung in Nullkommanix gelöst werden und kann bei Nichtgebrauch nach unten geklappt und an der Gabel des Hinterrads befestigt werden. Die Tandemstange Trail Angel liegt bei etwa 75 Euro und ist damit im Test im eher niedrigen Preisbereich angesiedelt.
- Follow me: Die Fahrradzugsysteme von Follow me wurden im Test von Stiftung Warentest im Jahr 2010 besprochen und sind als Testsieger hervorgegangen.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Zuerst spielt natürlich eine Rolle, wie sicher die Tandemstange im Vergleich mit anderen Zugsystemen ist. Da die Tandemstange das Kind an das Elternrad fixiert, aber nicht ausbalanciert, ist die Sicherheit im Vergleich mit einem zweirädrigen Anhänger natürlich nicht so gut. Im Test können trotzdem Unterschiede zwischen den verschiedenen Stangen festgestellt werden.
Was passiert mit der Tandemstange, wenn sie nicht in Gebrauch ist? Im Test berichten Eltern und Kinder, dass es mühsam ist, die Tandemstange vor der Fahrradtour jeweils anzubringen oder vom Rad zu entfernen. Ein weiterer Aspekt im Test ist, wie komfortabel die Tandemstange im tatsächlichen Gebrauch ist. Die Stabilität beim Fahren ist genauso wichtig wie die Anbindung der Stange an die Räder beziehungsweise das schnelle Entfernen der Stange.
Ausschlaggebend für die Beurteilung der Tandemstange ist auch, ob die Sicherheit im Test den TÜV überzeugen konnte. Wenn Sie die Tandemstange kaufen, ist es erst einmal schwierig, Sicherheit und Komfort selbst zu beurteilen. Sie werden in der Regel nicht die Gelegenheit haben, verschiedene Tandemstangen zu testen und selbst einen Vergleich anzustellen.
Wir finden, dass Sie vor dem Kauf unbedingt einige Herstellerangaben einholen sollten. Denn nur dann wissen Sie, ob die Tandemstange auch wirklich für Ihr Rad und Ihr Kind geeignet ist. Achten Sie auf folgende Angaben.
- Kundenrezensionen bei den einschlägigen Handelsplattformen online sind in der Regel ein guter Ansatzpunkt, wenn man wissen will, welche Mängel es bei der Tandemstange geben kann und welche Produkte im Test negativ aufgefallen sind.
- Wenn kleine Menschen (Erwachsene) auf einem eher großen Fahrrad fahren, ist der Sattel meist ganz nach unten gestellt. kommt noch ein Gepäckträger dazu, reicht die Sattelstütze nicht aus, um die Tandemstange zu montieren.
- Manche Modelle sind in der Tag mit Gelenken ausgestattet, die die Kurvenlage und das allgemeine Fahrverhalten verbessern sollen. Im Test sorgt die Tandemstange in der Kurve dafür, dass sich auch das Rad des Kindes etwas schräg legt. Manche Kinder empfinden das als bedrohlich und bekommen Angst.
- Einige Modelle der Tandemstange sind so konstruiert, dass sich der Winkel nicht frei einstellen lässt. Das Kinderrad hängt im Test dann mit dem Vorderreifen so weit über dem Boden, dass sich das Kind permanent am Lenker festklammern muss, um nicht auf die Straße zu fallen. Das ist nicht sicher! In diesem Fall sollten Sie die Tandemstange nicht verwenden, sondern zurücksenden.
- Im Test lassen sich einige Tandemstangen nicht ohne zusätzliche Muttern oder andere Kleinteile an manchen Rädern montieren. Denn die Produktbeschreibungen und Herstellerinformationen sollten eigentlich soweit vollständig sein.
- Ist die Tandemstange aus Eisen gefertigt und nicht feuchtigkeitsfest behandelt, rostet sie irgendwann. Das haben im Testmehrere Nutzer und Nutzerinnen festgestellt.
- Manche Stangen sind im Vergleich mit anderen tatsächlich etwas schwerer. Allerdings sollte das Gewicht vom Hersteller in der Produktbeschreibung angegeben werden, so dass Sie beim Kauf vorgewarnt sind.
Generell sollten Teile wie die Tandemstange nur im Fachhandel erworben werden. Ein erfahrener Fahrradhändler ist in der Lage, die Stange schnell und zuverlässig am Rad zu montieren, so dass höchstmöglichste Sicherheit gegeben ist.
Abschlepphilfen für Kinderfahrräder
Sport und Bewegung liegen im Trend, vor allem wenn es um den Bereich Outdoor geht. Fahrradfahren und kleinere Fahrradtouren oder Fahrradreisen gehören in den meisten Familien einfach dazu. Aber was tun, wenn die Großen Strecken bewältigen wollen, die die im Vergleich Kleinen einfach noch nicht schaffen? Mit der Tandemstange wird das elterliche Fahrrad zur Zugmaschine, die das Kinderrad einfach mitnimmt. Tolle Idee - hat aber auch Tücken, wie der Test zeigt.
Hier sind 7 Lösungen, die euch ein einfaches Bergaufziehen bzw. Abschleppen eurer Kinder am Fahrrad ermöglichen:
- Elastische Abschleppseile
- Ausziehbare Abschleppseile
- Abschleppseile mit Griff
- Das Trailerbike - Nachläuferfahrräder
- Die Tandem-Zugstange für Kinderfahrräder
- Follow-me Tandemkupplungen
- Anschieben
Die verschiedenen Modelle Tandemstange
Die verschiedenen Modelle Tandemstange sehen zwar immer etwas anders aus und haben teils unterschiedliche Funktionen, im Vergleich ist aber die Grundkonstruktion bei jedem Hersteller gleich: Eine Stange wird hinten unter dem Sattel am Rahmen des elterlichen Rads befestigt. Sie ragt über das Hinterrad hinaus und wird mit dem losen Ende an der Gabel des Vorderrads eines Kinderrads befestigt. Je nach Hersteller und Odell fällt der Befestigungsmechanismus jeweils etwas anders aus, auch die Länge der Stange, der Biegungswinkel und die Stabilität der Konstruktion unterscheiden sich. Preislich ist die Tandemstange zwischen 50 Euro und 300 Euro angesiedelt.
Zusammenfassung
Die Tandemstange ist ein nützliches Zubehör, um Kinderfahrräder an Elternfahrrädern zu befestigen und längere Strecken gemeinsam zurückzulegen. Es ist jedoch wichtig, die Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen und die richtige Wahl des Modells sowie die fachgerechte Montage sicherzustellen.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Sicherheit | Regelmäßige Wartung, Fahrkönnen von Eltern und Kind, Streckenbeschaffenheit |
| Kompatibilität | Nicht jede Tandemstange passt an jedes Fahrrad |
| Alternativen | Fahrradanhänger, Einradanhänger, Fahrradnachläufer |
| Hersteller | Woom, Profex, Trail Gator, Peruzzo, Follow me |
| Kaufaspekte | Sicherheit, Komfort, Montage, Kundenrezensionen |
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