Der Automobil- und Motorsportclub Haunstetten (AMCH) entstand im Jahr 1949, vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und etwas mehr als ein Jahr nach der Währungsreform.
Die Gründungsjahre
Einige unternehmungslustige Initiatoren aus Haunstetten trugen sich mit dem Gedanken, einen Motorsportclub zu gründen. Dabei stand die Vereinsgründung zunächst nicht im Vordergrund. Vielmehr ging es um die Suche nach Gleichgesinnten, da das Motorrad zur damaligen Zeit ein großes Statussymbol darstellte.
In den bitteren Nachkriegsjahren war der Besitz eines Motorrades etwas Außergewöhnliches. Motor-sportliche Rennen oder andere Veranstaltungen standen zunächst nicht zur Debatte. Man wollte sich einfach über das Motorrad austauschen, über Vorzüge und Nachteile der einzelnen Maschinen fachsimpeln und über Ersatzteilbeschaffung und Reparaturen diskutieren.
Zunächst waren es sieben Personen, die sich mit dem Gedanken der Gründung eines Motorsportclubs auseinandersetzten. Regelmäßiger Treffpunkt war die Kantine „Meitinger“ an der Flachsstraße, die wegen ihrer Holzbauweise auch den Namen „Texas-Bar“ trug. Dort kamen Ludwig Wegeie, Michael Wagner, Kurt Leuthe, Willi Langhammer, Hugo Auer, Josef Wenzel und Dionys Schuster zusammen. Sie waren die Initiatoren zur Gründung des Motorsportclub Haunstetten. Sie bereiteten die Gründungsversammlung vor und organisierten die Motorsportbegeisterten, so dass tatsächlich am 31. Januar 1950 die Gründung des MCH aus der Taufe gehoben wurde.
Schon am 23. Mai 1950 fand die erste Fuchssuchfahrt statt, und am 15. Oktober des gleichen Jahres wagte man sich auf dem Wiesengelände hinter der Haunstetter Spinnerei und Weberei an das erste Grasbahnrennen. Dort konnte der heutige Ehrenvorsitzende Dionys Schuster seinen ersten Sieg erringen.
Trotz der Anfangserfolge hielt sich die erste Vorstandschaft nicht lange. Schon ein Jahr später wurde Michael Wagner zum 1. Vorstand gewählt. Mit ihm trat ein Mann an die Spitze des Vereins, der das gesamte Clubleben formte. Der Stil und der Geist dieses Mannes prägte das Clubgeschehen. Ohne Michael Wagner hätte es vermutlich keine Flughafenrennen gegeben. Der MCH hätte auch nicht so bestimmt auftreten können, als er viele Jahre später den Wunsch nach einer Sandbahn vorbrachte.
Der Club erhielt durch Michael Wagner einen enormen Aufschwung, welcher sich nicht nur auf dem sportlichen Gebiet bemerkbar machte. So im Jahre 1951, als auf dem Gelände von Ludwig Wegeie ein kleines Fest abgehalten wurde, mit Schießstand, Karussell und anderen Belustigungen. Zur gleichen Zeit konnten auf einer Wiese an der Rechenstraße, die der damalige Vorstand, M. Wagner zur Verfügung stellte, ein Geschicklichkeitsturnier für Motorräder durchgeführt werden.
Die ersten Veranstaltungen
Die Mitglieder reizte es förmlich, sich an größere Veranstaltungen heranzuwagen. Was heute undenkbar wäre, war damals noch möglich: ein Querfeldeinrennen im oberen Haunstetter Wald, der heutigen Königsbrunner Heide. Den Umweltschützern würden die Haare zu Berge stehen, wüssten Sie, dass seinerzeit bis zu 4000 Besucher kamen und mit ihren Motorrädern bis zum Veranstaltungsgelände hinfuhren.
Am 6. Oktober 1952 fand das 2. Querfeldeinrennen am gleichen Ort statt, und wieder kamen 4000 Zuschauer um guten Sport zu sehen. Der Eintritt kostete damals ganze 50 Pfennige. Die gesetzlichen Bestimmungen und Auflagen zu so einer Veranstaltung waren noch nicht so streng und kompliziert wie heute. So war den Aktivitäten des Clubs keine Grenzen gesetzt.
Die Mitgliederzahl stieg auf 78 an, und in den Köpfen spukte bereits eine Großveranstaltung herum. Auf dem Flugplatz, dem heutigen Unigelände sollte das Spektakel abgehen. Eigentlich stammte die Idee eines Flugplatzrennens vom Augsburger MCA, aber die Umsetzung dieser Idee und die Verwirklichung blieb dem MCH vorbehalten.
Zuvor aber knatterten nochmals die Motoren im Haunstetter Wald zum dritten Querfeldeinrennen. Obwohl gleichzeitig an diesem Sonntag das Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft zwischen dem VFB Stuttgart und dem 1. FC Kaiserslautern stattfand, war das Rennen sehr gut besucht.
Die Ära der Flugplatzrennen
Schneller als erwartet reiften die Pläne für ein Flugplatzrennen. Es fand am 26. Oktober 1953 statt. Die Arbeit, die der Club in dieser kurzen Vorbereitungszeit leistete, mutet heute schier unvorstellbar an. Auf dem Messerschmittflugplatz befand sich zwar eine etwa 600 Meter lange ehemalige Landebahn, aber sie war für ein Rennen zu schmal, da sowohl die lange Gerade auch die Gegenfahrbahn gebraucht wurde.
So machte sich der Club daran, dieses gerade Stück auf die doppelte Breite auszubauen, um schließlich auf eine Gesamtlänge von 1600 Metern zu kommen. Mit Planierraupen wurde der Untergrund abgetragen und mit Kies aufgefüllt, verdichtet und geteert. Die Maschinen stellte uns das damalige Haunstetter, heute KönigsbrunnerBauunternehmen Michael Dumberger kostenlos zur Verfügung. Dies geschah ohne sonstige nennenswerte Hilfe von außen.
Für die 2500 Quadratmeter fertige Rennpiste durften nicht mehr als 10.000 DM ausgegeben werden. Um nur ein Beispiel zu nennen. Als der Tag dann da war, erlebte Haunstetten seine wohl größte Veranstaltung in der damaligen Zeit mit 20000 Zuschauern. Leider überschattete ein schwerer Unfall das Großereignis. Der 1. Vorstand Michael Wagner, wurde von einer gestürzten Maschine erfasst und schwer verletzt. Wochenlang musste Wagner im Krankenhaus verbringen. Nur eine kräftige Natur wie er konnte diesen Unfall überstehen.
Der Königsbrunner Alfred Schaffner gewann damals das Rennen der 500er Klasse und wurde mit 80,3 km/h Tagesschnellster. Nach dem Rennen drehte der damalige frischgebackene Weltmeister Werner Haas eine Ehrenrunde auf seiner Weltmeistermaschine, einer 125 ccm NSU-Renn-Fox.
Zum Jahresende hatte man allen Grund, nicht nur eine große Veranstaltung zu feiern, sondern auch das dreijährige Bestehen des Clubs. Bei einem Festabend im Grünen Baum (Aßfalg) am Georg-Käß-Platz war sogar der damalige Präsident des ADAC Gau Südbayern, Hans Mayer-Seebohm, zu Gast. Als erfolgreichster Fahrer des Clubs erhielt Dionys Schuster eine Auszeichnung vom ADAC.
Ein Jahr später beim 2. Haunstetter Flugplatzrennen am 18. Juli 1954 fungierte Werner Haas als Starter. Das Rennen wurde als 6. Lauf zur deutschen Meisterschaft für Ausweisfahrer gewertet und wieder kamen 18000 Zuschauer. Die Sensation sollte AdolfBaum sein, der mit seiner Eigenkonstruktion, genannt Liegestuhl, einen Geschwindigkeitsrekord fahren wollte. Leider wurde aus der Sensation nichts, sondern nur eine Enttäuschung.
Im gleichen Jahr qualifizierte sich Dionys Schuster bei der Bundes-Moto-Cross Meisterschaft als vierter und der 18. August sah ein großes Clubaufgebot bei der ADAC-Treuefahrt nach Passau.
Nur noch knapp 10000 Zuschauer kamen zum dritten Flugplatzrennen 1955, welches als 2. Lauf zur ADAC-Clubmeisterschaft gewertet wurde. Mit dem Rennen war auch die erste Zielfahrt nach Haunstetten verbunden. Für die Zuschauer wurden als Hauptpreise eine Nähmaschine und ein Moped der Marke NSU-Quikli in Verbindung mit der Eintrittskarte verlost.
Leider war es auch das letzte Flugplatzrennen, denn die Firma Messerschmid konnte das Gelände nicht mehr zur Verfügung stellen.
Krisenjahre und Neuanfang
Unversehens gerät der Club im Jahre 1956 in eine Krise, ausgelöst, nicht zuletzt auch dadurch, dass man sportlich etwas zurückstecken musste. In diese Zeit fiel dann ein Ereignis, das mit dem Motorsport zwar nichts zu tun hatte, dennoch aber sein Engagement mit einbezog. Es war die Gründung der Haunstetter Faschingsgesellschaft „Die Zoigranbinder“. Auch hier hieß der Initiator Michael Wagner. Sein Mithumorist war Otto König, der 1956 kurzzeitig auch zweiter Mann beim Motorsportclub war. Das erste Prinzenpaar stellte der MCH.
Auch 1957 ließ sich die Krise nicht ganz ausräumen. Sportlich tat sich kaum etwas. Bemerkenswert war der Sieg, den Erich Jarosch mit seinem Beifahrer bei der vierten Internationalen Sternfahrt nach Meran in der Einzelwertung mit einem Opel Kapitän herausfuhr. Der Siegespreis betrug damals 200.000 Lire (ca. 200 DM). Um die 2484 km Luftlinie zu bewältigen, mussten die beiden insgesamt 8400 km auf der Straße zurücklegen. Sie starteten in Agadir in Marokko und fuhren über Marrakesch, Casablanca und Tetuan zurück auf das europäische Festland und dann über Spanien und Frankreich nach Meran. Einzige Clubveranstaltung in diesem Jahr war eine sehr gut gelungene Bildersuchfahrt.
Aufwärts ging es 1958 wieder. Bei der Jahreshauptversammlung im März kam eine neue Vorstandschaft zustande. Sie setzte sich zusammen aus Josef Reinisch 1. Vorstand, Willi Maas 2. Vorstand, Dietmar Lange Schriftführer, Franz Pollmann Schatzmeister, Dionys Schuster Sportleiter, Walter Hatz Tourenleiter sowie die Beisitzer Georg Dehner, Jürgen Laschke, Walter Lehmann und Franz Goßler. Wichtigste Entscheidung des Clubs war die Umbenennung in „Automobil- und Motorsportclub Haunstetten e.v. im ADAC“.
Auch sonst rührte sich 1958 noch einiges. Zunächst die große Schwäbische Heimatfahrt über ca. 200 km, die zu einem beachtlichen Erfolg wurde. Im Herbst 1958 bot sich das im Bau befindliche Naturfreibad Haunstetten für ein Motorrad-Derby an. Auf den aufgeschütteten Kieshalden hatten Fahrer und Maschinen einiges zur großen Freude der Zuschauer durchzustehen. Am 26. April 1959 wurde die Veranstaltung auf dem gleichen Gelände mit Erfolg wiederholt.
Die Krise war inzwischen überwunden und so konnte etwas vor-gezogen am 21. November 1959 das zehnjährige Bestehen des Clubs gefeiert werden. Josef Reinisch, Franz Pollmann und Dionys Schuster erhielten die goldene Ehrennadel mit Urkunde. Als Männer der ersten Stunde bekamen Willi Maas, Dionys Schuster und Heinrich Sponagl die silberne Ehrennadel mit Urkunde verliehen.
Noch eine bedeutende Entscheidung fiel in diese Zeit: die beiden im Haunstetter Stadtrat tätigen Stadträte Willi Maas und Rudolf Ripperger setzten durch, dass beim geplanten Bau des Haunstetter Sportstadions auch eine Sandbahn eingebaut werde.
Die Sandbahnrennen im Haunstetter Stadion
Inzwischen war es auch nicht mehr so einfach, ein geeignetes Gelände für motorsportliche Veranstaltungen zu bekommen. Um nicht ganz untätig zu sein, führte man in der Hofackerstraße ein Geschicklichkeitsturnier für Autos und Motorräder durch, welches im Jahr 1962 wiederholt wurde. Um die Geräte für das Turnier nicht beim Nachbarclub in Göggingen ausleihen zu müssen, baute Clubmitglied Karl Egger eigene Geräte zum Aufbau der Hindernisse.
Inzwischen war tatsächlich mit dem Bau des Haunstetter Stadions begonnen worden. Zunächst waren nur Kieshalden zu sehen, für den AMCH gerade das Richtige für ein Motorrad-Derby, das am 21. Oktober 1962 zur Durchführung kam. Die Bauarbeiten im Stadion gingen ziemlich zäh voran, so dass man auf die Suche nach neuen Möglichkeiten ging. In dieses Jahr fiel dann auch die erste gemeinsame Zweitages-Clubausfahrt mit dem Ziel „Obere Firstalm“ am Spitzingsee. Diese Clubausfahrten über zwei Tage wurden zur liebgewonnen Tradition und waren aus dem jährlichenVeranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken.
In dieser Zeit griff der Club eine Modeerscheinung auf, das Gokart-Rennen. Eine Teilstrecke der früheren 1600 Meterbahn von den Flugplatzrennen wurde uns von der Firma Messerschmitt für eine Veranstaltung zugestanden. Am 15. Oktober 1963 konnten also die kleinen Flitzer ihre Runden drehen. Auch zuschauermäßig war diese Veranstaltung gut besucht.
Dennoch brauten sich über dem Club dunkle Wolken zusammen. Gruppenbildungen brachten Unruhe in den Club, bis dann Ende 1964 eine Gruppe von Mitgliedern austrat. Diese Gruppe gründete dann den heute noch bestehenden „Haunstetter Motor- und Touristikclub“.
Beim Start der ersten Sandbahnrennen schloss man sich vernünftigerweise zu einer Renngemeinschaft zusammen, die sich dann doch ca. Ab 1965 bietet der Club auf dem touristischen Sektor mit seinen internationalen Zielfahrten nach Haunstetten etwas neues an, womit er bislang recht viel Erfolg hatte. Attraktive Zielfahrtsplaketten, die aus der Hand von Clubmitglied Hans Heichel stammten, waren Jahr für Jahr ein neuerlicher Anreiz, Haunstetten touristisch anzupeilen. Auch die heutige Fassung des Clubemblems fällt noch in diese Zeit.
Auf dem Sektor Sport gab es am 22. Mai 1965 eine Nachtorientierungsfahrt über 170 Kilometer. Fortan mussten die Sport- und Touristikfahrer gänzlich auf auswärtige Veranstaltungen ausweichen, durchaus mit Erfolg. So errangen die Sportfahrer 1965 zwei Rallye-Mannschaftspreise bei der Schwabenrallye und die Touristikfahrer holten einen ersten Preis bei der Sternfahrt nach Frickenhausen, sowie bei der Sternfahrt nach Meran mit 54 Teilnehmern den 37. Platz von 124 teilnehmenden Vereinen. 1967 gab es für die Sportfahrer acht Gold- und zwei Silbermedaillen. Diesel-Rallye und der Nordbayerischen Grenzlandfahrt.
Gegen Mitte des Jahres 1969 zeichnete sich die Fertigstellung des Haunstetter Stadions ab. Damit begann auch der „Countdown“ im Club für einen neuen sportlichen Bereich, den Sandbahnsport, der damit im Raum Augsburg erstmals (nach zaghaften Versuchen an der Haunstetter Straße gleich nach dem Krieg) eine neue Heimat bekommen sollte. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur noch in Kempten eine Sandbahn. Später kam in Krumbach-Breitenthal eine dritte Sandbahn in Schwaben dazu.
Durch das Eingehen einer Sandbahnehe mit dem Haunstetter Motor- und Touristikclub als „Renngemeinschaft Haunstetten“ waren frühzeitig die Weichen für eine gezielte Vorbereitung gestellt worden. Rennen wurde bei der Stadioneinweihung am 21. September 1969 demonstriert, als im Rahmen eines Eröffnungsprogramms auch die Sandbahnfahrer ihr Debüt gaben. Premiere war dann am 19. April 1970mit dem 1. Haunstetter Sandbahnrennen vor 6000 Zuschauern.
Mit welchen Risiken solch relativ teure Veranstaltungen behaftet sind, bewies bereits das zweite Rennen am 4. Oktober 1970. Das Wetter war so schlecht, dass lediglich 2000 Unentwegte den Weg ins Haunstetter Stadion fanden.
Inzwischen sind seit der Eröffnung des Haunstetter Stadions 31 Jahre vergangen und die Sandbahnrennen in Haunstetten wurden im süddeutschen Raum zu einem festen Bestandteil im Sandbahnsport. Leider ging der Zuschauerzustrom in den folgenden Jahren immer weiter zurück.
Der Besucherrekord wurde 1971 aufgestellt. Zum erstmaligen Auftritt von Sandbahn-Weltmeister Manfred Poschenrieder kamen immerhin 8000 Zuschauer. Eine der bemerkenswerten Veranstaltungen war zweifellos das als Speedway-Länderkampf ausgeschriebene Aufeinandertreffen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR am 23. Oktober 1972.
Gerade bei dieser Veranstaltung machte uns das Wetter einen dicken Strich durch die Rechnung. Nach der Hälfte der Veranstaltung setzte plötzlich heftiges Schneetreiben ein. Da dadurch die Bahn sehr aufgeweicht wurde, musste das Rennen schließlich abgebrochen werden. Ausgerechnet zu dieser Veranstaltung kam das ZDF um von der Schlussphase Fernsehaufnahmen zu machen.
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