Lange stand das deutsche Unternehmen für schnelle, leichte Bikes aus edler Kohlefaser und mit auffälligem Look. Heute scheint sich das Kerngeschäft auf Rennräder zu konzentrieren. Umso größer die Freude, als das Storck Adrenalin bei der Eurobike 2023 seine Wiedergeburt erlebte. Bislang mussten Storck-Fans sich jedoch noch in Geduld üben. In den Shops wird es das 120-Millimeter Marathon-Fully erst ab Ende August 2024 zu Kaufen geben. Wir konnten uns ein Storck Adrenalin.2 Testbike sichern und es in einem echten UCI-Marathon-Rennen mit der Konkurrenz von Cervélo und Mondraker vergleichen.
Storck Adrenalin.2 im Detail: alte Werte und neue Ambitionen
Bei der ersten Bestandsaufnahme zeigt unser Storck Adrenalin.2 zwei Gesichter. Aufgrund von Schwierigkeiten bei der Verfügbarkeit ist es das einzige Bike dieses Vergleichs in Rahmengröße L. Um unseren 190 Centimeter großen Test-Redakteur zu passen, wurden ein 80 Millimeter langer Vorbau und eine Variostütze mit satten 175 Millimetern Hub verbaut. Ansonsten braucht sich das Chassis aber keinesfalls zu verstecken: Bei Sitz- und Lenkwinkel haben wir dieselben progressiven Werte gemessen, wie bei der spanischen Konkurrenz.
Hier gibt sich das Storck sogar moderner, als das Cervélo. Allerdings hat es im Vergleich zu diesem einen heftigen Nachteil beim Rahmengewicht. Ohne Flex-Pivot-Design wiegt der Storck-Rahmen 408 Gramm mehr, als der des Cervélo - und das in der kleineren Rahmengröße. Dass das Adrenalin beim Komplettgewicht trotzdem vor Cervélo und deckungsgleich mit dem Mondraker landet, verdankt das Storck vor allem seinen leichten Laufrädern.
Tatsächlich ergibt sich beim Blick auf den Laufradsatz erst einmal ein Fragezeichen. Felgen mit 25 Millimeter Innenweite und 2,2 Zoll schmale Reifen gehören bei hochwertigen Race-Bikes seit vielen Jahren nicht mehr zum Standard und sind inzwischen sogar bei einigen Gravelbikes zu finden. Immerhin sieht Storck die Upgrade-Möglichkeit auf Carbon-Laufräder mit 30 Millimeter Innenweite vor. In der schmalen Konfiguration erreicht das Adrenalin.2 auf dem Laufrad-Prüfstand die mit Abstand besten Beschleunigungswerte.
Im Abgleich mit der Konkurrenz scheinen auch andere Ausstattungsdetails des Storck etwas aus der Zeit gefallen: Sram Level Bremsen ohne Stealth-Standard und eine Sram GX Eagle AXS Schaltung ohne Transmission-Technologie scheinen noch auf dem Stand des Vorjahres zu sein. Ob das in der Praxis Punkte kostet?
Praxis-Test des Storck Adrenalin.2 im Marathon-Alltag
Es ist kein Zufall, dass ich das Storck als Partner für den ersten Wettkampftag wähle, denn ich muss zugeben: Angesichts der Reifenwahl bleibt etwas Skepsis. Auf der ersten Etappe mit trockenen Streckenverhältnissen, 50 Kilometern und 2130 Höhenmetern mit vielen Asphalt-Anstiegen und Schotter-Abfahrten wird sich diese jedoch als völlig unbegründet herausstellen. Auf festem Untergrund und in der Ebene rollt das Storck schneller als das Mondraker und erst recht als das Cervélo.
Ein Lenker-Remote fehlt zwar leider, das Fahrwerk agiert aber auch im offenen Modus eher straff. Entsprechend viel Gegenhalt bietet der Hinterbau beim Weg durch den Federweg. In der Federung des Storck Adrenalin.2 verpufft kaum Energie und die Plattform-Hebel der Fahrwerkskomponenten können einen vollständigen Lockout herbeiführen.
Storck kombiniert einen Riser-Lenker mit einem 76,5 Grad steilen Sitzwinkel. Daraus ergibt sich eine kompakte Sitzposition, die auch bei langen Stunden im Sattel nicht unangenehm wird. Dank kurzen Steuerrohr und steilem Sitzwinkel lässt sich auf der Sattelspitze jede Menge Druck auf die Pedale geben. Steile Rampen erklettert das Storck so ausgesprochen gut. So gut, dass meine Wahl am vierten Tag der Alpentour nochmals auf das Adrenalin.2 fällt.
Auf der letzten Stage steht nämlich ein Einzelzeitfahren am Berg an. Für die 1100 Höhenmeter unter körperlicher Volllast ist das Storck bestens geeignet, obwohl mir der Rahmen nominell einen Ticken zu klein ist. Trotz 34er Kettenblatt schaffe ich es mit dem Adrenalin die teilweise 22-prozentige Steigung auf Trail sitzend zu erklimmen. 1:06h steht am Ende auf der Zeitmessung.
Auch in Trail-Anstiegen windet sich das Storck Adrenalin.2 geschickt den Hang hinauf. Die Traktion passt, über dem nicht zu langen Oberrohr lässt sich das Gewicht jederzeit gut verteilen. Beim Bergzeitfahren ist die Fahrspur teilweise sehr eng und mit anderen Fahrern verstopft. Auch hier kann das kompakte Storck punkten und wuselt dank kurzem Radstand einfach um alle Uphill-Hindernisse herum.
Beim Einzel-Zeitfahren gehe ich an meine körperlichen Grenzen, wie niemals zuvor. Am Ende werde ich mit meiner besten Tagesplatzierung des Etappenrennens belohnt: Platz 18 in der Klasse Men III. Am letzten Tag der Alpentour konnte das kletterstarke Storck also nochmal richtig punkten. Allerdings ging es auch fast ausschließlich bergauf. Auf der ersten Marathon-Stage des Rennens zeigte sich aber mehr vom Charakter des Adrenalin.2.
Genau, wie die Uphill-Stärken des Storck auf Anhieb auffällig sind, machen sich direkt einige Details bemerkbar. Allen voran die wuchtigen Gummi-Griffe, welche Storck seit Jahrzehnten an fast allen Flatbar-Bikes verbaut - egal, ob MTB oder City-Rad. Auch hier verflog die anfängliche Skepsis während des Praxis-Tests. Ungeachtet der provokanten optischen Erscheinung, liegen die Hände auf den Gummis gut auf und können zwei Griffpositionen nutzen.
Das Sram GX Eagle AXS Schaltwerk ohne Transmission-Standard wechselt die Gänge sogar schneller, als die neuere Version am Cervélo, hat beim Schalten unter Last aber das deutliche Nachsehen. Auch wenn die Sram Level TL Bremsen beim ersten Abgleich mit den anderen Kandidaten etwas veraltet wirken, überraschen sie im Praxis-Test trotz zweier Kolben mit der besten Bremspower im Test. Das dürfte jedoch nicht an den Stoppern selbst liegen, sondern an der Kombination mit den dickeren, schwereren Sram HS2 Bremsscheiben, welche mit Hitze besonders gut umgehen können. Insgesamt eine ungewöhnliche aber gut funktionierende Bremsen-Kombination.
Weniger gut: Die Carbon-Wippe baut so breit, dass austrainierte Marathon-Wagen schon mal an ihr schleifen können. Ein No-Go ist der dürftige Rahmenschutz. Nur ein winziger Aufkleber bedeckt die Kettenstrebe, ansonsten ist das Chassis nackt. In Rumpel-Abfahrten schlägt die Kette laut gegen das Carbon und aufgewirbelte Steine knallen ungehindert ans Unterrohr.
In Sachen Flaschenhalter geht Storck beim Adrenalin.2 unkonventionelle Wege. Anstatt am Sitzrohr findet sich eine zweite Aufnahme auf dem Unterrohr. Um beide in der Praxis nutzen zu können, sind zwei Sideloader-Flaschenhalter notwendig. Maximal 1,5 Liter können so in Reihenschaltung transportiert werden. Die Leitungen laufen, wie bei der Konkurrenz in diesem Test durch den Steuersatz ins Rahmeninnere. Allerdings setzt Storck auf eine eigene Abdeckung mit einzelnen Öffnungen für die jeweiligen Züge. Der edle Metallic-Lack mit den goldenen Logos weiß zu gefallen!
Wenn das Storck auf die Test-Konkurrenz im Uphill Plätze gut machen kann, verliert es diese leider leicht wieder in der Downhill-Wertung. Dabei ist das Adrenalin.2 bei Weitem kein schlechter Abfahrer. An die beeindruckende Laufruhe des Mondraker und das unaufgeregte Handling des Cervélo kommt das Storck jedoch nicht heran. Während die Front mit einem 66,5 Grad flachen Lenkwinkel und der edlen Fox 34 Factory Gabel bergab gut liegt, zickt der straffe Hinterbau.
Das Heck reicht viel Feedback an den Fahrer weiter und auch die schmalen Reifen geizen mit Dämpfung. Auf gebauten Bikepark-Pisten kann das straffe und agile Storck Adrenalin.2 Spaß machen, denn der Gegenhalt im Fahrwerk animiert zum Pushen über Wellen und zum Abziehen an Sprüngen. Auf der Marathon-Langstrecke muss der Fahrer allerdings einige Prügel einstecken. Trotz flacher Geometrie besitzt das Storck bergab so das reaktivste und anstrengendste Fahrverhalten.
Das Storck Adrenalin.2 Pro im BIKE-Test: Daten und Noten
Das Storck Adrenalin.2 gibt sich sportlich und ist bereit für jeden Marathon-Schmetterball.
Ausstattung
- Gabel: Fox 34 SC Factory
- Dämpfer: Fox Float Factory DPS
- Schaltung: Sram GX Eagle AXS, 1 x 12
- Übersetzung / Bandbreite: 34; 10-52 / 520%
- Bremsen: Sram Level TL, 180 / 160 mm
- Telestütze/Hub: Kind Shock LEV Integra / 175 mm
- Laufräder: DT Swiss X1900 Spline
- Reifen: Continental Race King, Black Chili, Protection TR, 29 x 2,2”
Messwerte
- Gesamtgewicht: 11,7 kg (ohne Pedale)
- Rahmengewicht: 2373 g (ohne Dämpfer)
- Gewicht Dämpfer: 292 g
- Gewicht Gabel: 1496 g
- Gewicht Laufräder: 4054 g
- Laufradträgheit: 2651 kg x cm²
Benotung
- Fahrverhalten (65 %): 2,3
- Uphill Fahrverhalten (14%): 1,50
- Uphill Effizienz Fahrwerk (13%): 1,75
- Downhill Fahrverhalten (20%): 2,25
- Downhill Fahrwerk (18%): 3,50
- Labor (10 %): 2,0
- Gewicht (6%): 2,25
- Laufradbeschleunigung (4%): 1,50
- Ausstattung (25 %): 1,9
- Ausstattungsqualität (5%): 2,16
- Usability/Mehrwert (5%): 4,00
- Transportvolumen Flaschenhalter (5%): 1,25
- Versenkbarkeit Sattel (5%): 0,50
- Qualität/Verarbeitung (5%): 1,50
- Endnote: 2,2
Das Storck Aerfast.5 Pro im Labortest
Die jüngste Generation des Aerfast versteht sich als lupenreiner Aero-Spezialist. Wie der Vorgänger hegt auch das Aerfast.5 Ambitionen auf den Titel des schnellsten Serienrades im TOUR-Test. Dafür zieht Storck alle Register: Neben dem Rahmen-Set mit flächigen Rohrformen sticht der “Rote Blitz” durch Einfach-Antrieb, extrem hohe Carbonlaufräder und neuerdings auch Aeroreifen hervor.
Die Rechnung geht auf, im dritten Anlauf ist die Rekordjagd von Storck von Erfolg gekrönt. 198 Watt benötigt das Aerfast.5 Pro, um den eigenen Luftwiderstand bei 45 km/h zu überwinden. Nie war ein Rennrad im TOUR-Test schneller. Bislang führte das Simplon Pride II mit 199 Watt die Bestenliste an. Das aerodynamisch schnellste Set-up ist zwar eines der schwersten im Feld, aber absolut konkurrenzfähig und mehrere Hundert Gramm leichter als vergleichbar windschlüpfige Renner.
So fährt sich das Storck Aerfast.5 Pro im Praxistest
So pfeilschnell und antrittsstark das Aerfast.5 über den Asphalt brettert, so unnachgiebig reagiert es auf Unebenheiten. Bemerkenswert ist der Einfluss des aero-optimierten Vorderreifens von Continental, der den Boliden spürbar stabilisiert und weniger anfällig auf Seitenwind reagiert. Diskutabel ist der Einfach-Antrieb. Der Bedienungs- und Wartungsfreundlichkeit steht das begrenzte Gangspektrum gegenüber. Schon für welliges Terrain ist der kleinste Gang mit 50/33 Zähnen schlicht zu dick.
Weiteres Alleinstellungsmerkmal ist der kurze Radstand, wodurch sich das Storck quicklebendig um Kurven steuern lässt.
Storck Aerfast.5 Pro: Die wichtigsten Infos
- Preis: 8799 Euro
- Gewicht Komplettrad: 7,3 Kilo
- Aerodynamik: 198 Watt
- Rahmengrößen: XS, S, M, L, XL, XXL (Testgröße gefettet)
- TOUR-Note: 1,9
Geometriedaten
- Sitz-/Ober-/Steuerrohr: 506/550/115 Millimeter
- Stack/Reach/STR: 536/384 Millimeter/1,40
- Stack+/Reach+/STR+: 588/536 Millimeter/1,10
- Radstand/Nachlauf: 980/62 Millimeter
Ausstattung des Rennrads
- Antrieb/Schaltung: SRAM Red AXS (1x12; 50, 10-30 Z.)
- Bremsen: SRAM Red HRD (160/160 mm)
- Reifen: Conti Aero 111 TR 26 mm (eff.: 26 mm) Conti Grand Prix 5000 S TR 28 mm (eff.: 29 mm)
- Laufräder: DT Swiss ARC 1100 Dicut 52
Messwerte
- Gewicht Komplettrad: 7290 Gramm
- Luftwiderstand: 198 Watt
- Frontsteifigkeit: 7,7 N/mm
- Tretlagersteifigkeit: 61 N/mm
- Komfort Heck: 297 N/mm
- Komfort Front: 91 N/mm
Vorteile & Nachteile
- Plus: neuer Aero-Bestwert, fair kalkuliert
- Minus: zu große Übersetzung für Bergetappen, extrem hart
Storck bietet sein Fascenario.4 Pro Disc als noblen Flitzer mit der Premium-Schaltgruppe Super Record Wireless von Campagnolo an. Mit Druck auf dem Pedal, schießt das Fascenario.4 förmlich nach vorn. Mit zunehmendem Tempo stabilisiert sich der Renner auch spürbar, denn die sehr kurzen Kettenstreben verbunden mit einem recht knappen Radstand geben ihm einen sehr agilen, wendigen Charakter, der perfekt zur ausgeprägt sportlichen Sitzposition und dem italienischen Temperament der Super Record passt.
Gesteuert wird mit Storcks RBSU350-Cockpit, allerdings verlaufen die Bremsleitungen noch außen. Man sollte was draufhaben, wenn man mit dem Campa-Storck unterwegs ist: Neidische Blicke sind da garantiert. - Stephan Bareiß, Roadbike-Testfahrer. Mit dem Storck e:Grix werden die Hessen diesem Ruf absolut gerecht. Mit 11,2 Kilogramm ist es das mit Abstand leichteste Rad im gesamten Test. Ohne E-Unterstützung fährt sich das e:Grix nahezu exakt wie ein Gravelbike ganz ohne Motor. Das Aggregat selbst schiebt ordentlich mit, will aber nicht die Hauptarbeit verrichten, vor allem nicht in temporeichem Uphill. Storcks e:Grix schafft einen tollen Mix aus Sport und Komfort - bei absolut niedrigem Gewicht. High-End-Komponenten treffen auf Top-Fahrperformance.
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