Simson Schwalbe: Geschichte und Technik eines Kultmopeds

Die Simson Schwalbe, ein Produkt deutscher Fertigungskunst, hat eine bemerkenswerte Geschichte hinter sich. Viele Namen wurden ihr gegeben: Nonnenhocker, Zwiebelsäge, Pferd in Ritterrüstung. Häme war meist dabei, wenn es um die Antwort des Sozialismus auf die schier übermächtige Moped-Konkurrenz der kapitalistischen Welt ging. Dabei hat die Schwalbe längst ihre Wettbewerbsfähigkeit bewiesen. Bis heute. Zwar wird der Roller mit dem Vogelnamen gar nicht mehr gebaut, doch eine hartgesottene Fangemeinde aus Ost - und mittlerweile auch aus West - schwört auf die Schwalbe und das nun schon seit 50 Jahren.

Schnell und zuverlässig sei das skurrile Gefährt, sagt etwa Hans aus Bremen, der seiner Schwalbe schon mehr als ein Jahrzehnt die Treue hält und sie "TRX Kampfpanzer" getauft hat. "Man muss drüberstehen", sagt er zu den vielen Lästereien über den DDR-Roller. Und fügt dann trotzig hinzu: "Wer schick sein will, der sollte auf sie verzichten."

Die Geschichte der Simson Schwalbe

Die Geschichte der Simson-Produktion begann im Jahr 1856 mit der Gründung des Unternehmens Suhl, das später in Simson umbenannt wurde. Ursprünglich war das Unternehmen als Waffenhersteller tätig, aber es begann auch mit der Herstellung von Fahrrädern und Motorrädern. Im Jahr 1927 stellte Simson sein erstes Motorrad, das Modell A, vor. Es hatte einen 147ccm-Motor und eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Die Schwalbe war 1964 das erste zweisitzige Kleinkraftrad des volkseigenen Betriebs (VEB) Simson Suhl.

Um den auch im Arbeiter- und Bauernstaat steigenden Mobilitätsbedarf zu decken, ordneten die Funktionäre kurze Zeit später die Herstellung von Mopeds und Kleinkrafträdern an. Die Schwalbe machte viele DDR-Bürger mobil. In den 1950er- und 1960er Jahren konnten sich die meisten Familien andere Fahrzeuge schlicht nicht leisten.

Ab 1964 wurde der Kleinroller KR 51 in den Simson-Werken Suhl, die zeitweise der größte Hersteller motorisierter Zweiräder Europas war, in Serie produziert. Bis zu 60.000 Schwalben im Jahr, die in mehr als 50 Länder verkauft wurden. 1986 rollte dort die letzte von einer Million Schwalben vom Band. Doch das war eigentlich erst der Beginn des Kults.

Die Schwalbe war das Volksmoped der DDR. Heute hat sie Kultstatus, nicht nur in den neuen Bundesländern, seit einigen Jahren auch im Westen. Die Schwalbe und auch andere Motorroller von Simson dürfen wie zu DDR Zeiten bis zu 60 km/h fahren und nicht die gesetzlich vorgeschriebenen 45. So wurde es nach der Wende per Einigungsvertrag beschlossen. Außerdem gilt das Zweirad als besonders ausdauernd und leicht zu reparieren.

Die Technik der Simson Schwalbe

Die erste Baureihenbezeichnung der Simson Schwalbe lautet KR51 (KR steht für Kleinroller; die 5 für den Hubraum von 50 ccm; die 1 dient der Unterscheidung zum Vorgänger, der Simson KR50). Insgesamt gab es drei Baureihen mit zusammen acht Modellen. Die Weiterentwicklung der Schwalbe stellte der SR50 dar. Die Schwalbe vom Typ Simson KR51 ist der erste Motorroller von Simson, der zur Vogelserie gehört. Er wurde als Zweisitzer entwickelt und von 1964 bis 1986 produziert.

Angetrieben wurde die erste Schwalbe mit ihren für diese Fahrzeugart atypisch großen 16-Zoll-Rädern von einem 49 cm³-Einzylinder-Zweitakter mit Gebläsekühlung, der 3,4 PS (2,5 kW) bei 6500/min leistete. Er verhalf dem vollgetankt nur 79 kg wiegenden Kleinroller zu einer für diese Klasse respektablen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Die drei Gänge wurden per Drehgriff geschaltet, später gab es die Schwalbe auch als KR 51 F mit Fußschaltung. Der Tank fasste 6,8 l Zweitaktgemisch (1:33), was bei einem Durchschnittsverbrauch von 2,8 l auf 100 km gut für 250 km Reichweite langte.

Die Schwalbe sollte mindestens zehn Jahre halten und 45.000 Kilometer fahren, ohne dass eine Generalreparatur nötig war.

Die Simson-Motorräder waren für ihre fortschrittliche Technologie und ihre innovativen Funktionen bekannt. Hier sind einige Beispiele für die Innovationen, die die Simson-Modelle im Laufe der Jahre hervorgebracht haben:

  • Zweitaktmotoren
  • Elektronische Zündung
  • Scheibenbremsen
  • Gabel- und Federungssysteme
  • Vielseitige Konfiguration
  • Einfache Wartung

Erich Übelacker war der Chef-Designer der Simson-Modelle. Er war ein erfahrener Ingenieur und Designer, der während seiner Karriere viele bekannte Fahrzeugmodelle entworfen hat. Übelacker war in den 1960er und 1970er Jahren bei Simson tätig und war maßgeblich an der Gestaltung vieler Modelle beteiligt, darunter die Schwalbe und die S50- und S51-Modelle.

Der Schwalbe-Kult

Kein Wunder, dass die Schwalbe vor allem bei jungen Leuten ganz weit oben auf der Wunschliste rangierte. Schließlich ermöglichte sie Ausfahrten mit der ersten großen Liebe zum Baggersee oder in den dörflichen Tanzschuppen. Reparieren ließ sich die simple Technik von jedem, der nicht gerade zwei linke Hände hatte. Ein weiterer Pluspunkt war das niedrige Einstiegsalter: Ab 16 Jahre durfte man den Kickstarter der Schwalbe niedertreten. Dank einer Ausnahmeregelung im Einigungsvertrag darf man das sogar heute noch, obwohl die Schwalbe wegen ihrer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h kein Moped mehr ist.

Heute fahren noch etwa 250.000 der Mopeds herum, schätzt jedenfalls Detlef Pasenau. Der 72-Jährige betrieb bis 2006 eine Zweiradwerkstatt in Frankfurt (Oder) und kennt die Schwalbe mit all ihren Vorzügen auswendig. „Die ist unverwüstlich. Immerhin wird sie jetzt schon 50 und fährt immer noch“, sagt Pasenau - ab und zu auch „das zweibeinige Simson-Lexikon“ genannt.

Die Fans verzichten nicht. Mehr als 50 Schwalbe-Klubs gibt es inzwischen im ganzen Land, gerade junge Leute haben das Moped zu ihrem Liebhaberstück erkoren. Die Schwalbe mit ihrem gebläsegekühlten Einzylinder-Zweitaktmotor ist für sie mehr als nur ein Fortbewegungsmittel, sie ist ein Image, eine Selbstinszenierung, für manche gar ein Lebensgefühl.

Als sich der Tüftler zur Ruhe setzte, sollten seine rollenden Antiquitäten nicht länger in Garagen oder Kellern stehen, sondern auch anderen Fans der DDR-Zweiräder Freude bereiten. Und so schuf Pasenau auf seinem Grundstück in Alt Zeschdorf vor den Toren Frankfurts sein ganz persönliches Technikmuseum.

Der Sammler weiß um den Schwalben-Kult, der allerdings erst nach 1989 begann. „Früher war die Schwalbe, auch Nonnenhocker genannt, ein Fahrzeug für Frauen“, erklärt er, „die ganze Verkleidung inklusive des charakteristischen Knieschutzbleches, die runden Ecken - das war nichts für echte Männer.“ Die DDR-Gemeindekrankenschwestern auf dem Land fuhren damit, und viele andere berufstätige Frauen zur Arbeit.

Nach dem Fall der Mauer machte das DDR-Moped mit seinem leistungsstarken Motor und 60 Stundenkilometern der westdeutschen „Vespa“ Konkurrenz, die es nur auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern brachte. „Die alten Simsons kannst du richtig schalten, die sind sportlich und bieten einfach mehr Fahrspaß“, schwärmt der Fachmann, der selbst mit seiner blauen S 51 gern zum Angeln oder zum Pilze Sammeln fährt.

Heute ist das Moped „Schwalbe“ Kult. Nostalgiker und Hipster hegen und pflegen ihr Überbleibsel aus DDR-Zeiten. Laut Schätzungen waren 2015 ganze 150.000 Schwalben im deutschen Straßenverkehr zugelassen. Nur wenige haben dem Zahn der Zeit unverändert standgehalten, viele sind heute nachlackiert, mit Ersatzteilen versehen oder frisiert. An die Ersatzteile zu gelangen ist kaum ein Problem.

Die wesentliche Unterscheidung zum Vorgänger war der neu konstruierte, fahrtwindgekühlte 3,7-PS-Motor M541. Er reduzierte die Vibrationen beim Fahren, war sparsamer und mit drei oder vier Gängen lieferbar. Heute genügt übrigens die Führerscheinklasse AM, um die Schwalbe zu fahren, obwohl sie eine Höchstgeschwindigkeit von über 45 km/h besitzt. Dies ist dank der Bestimmung des Einigungsvertrages möglich, die erlaubt, dass Ein- und Mehrspurfahrzeuge der ehemaligen DDR mit maximal 50 cm³ Hubraum trotz einer (in der DDR zulässig gewesenen) Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h mit dieser Führerscheinklasse gefahren und als Kleinkraftrad versichert werden dürfen.

Ihre markante, kastenförmige Formsprache und der leistungsstarke Zweitaktmotor prägten die Mobilität mehrerer Generationen und verschafften der Schwalbe schnell das Image einer stilvollen und unverwechselbaren Kult-Ikone. Ihre zuverlässige Mobilität machte sie außerdem zu einem unverzichtbaren Alltagsbegleiter für eine breite Zielgruppe ab 15 Jahren.

Diese gab es nun im Überfluss in allen Preisklassen, ob gebraucht oder neu.Doch bald zeigte sich, dass sich die robuste Qualität der Simson-Vögel bewährt. Ein weiterer Grund für deren große Beliebtheit auch nach der Wende ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern in der 50ccm-Klasse.

Ersatzteile für Schwalbe und Co. sind deshalb so gefragt, dass das Unternehmen MZA, das nach der Insolvenz des Traditionswerkes Teile von Simson übernommen hatte, unzählige Ersatzteile für die alten Kleinkrafträder produziert.

Diese Aussicht stimmt ihn traurig. Die Simson Schwalbe war 1964 das erste zweisitzige Kleinkraftrad des volkseigenen Betriebs (VEB) Simson Suhl. Heute hat sie Kultstatus, nicht nur in der ehemaligen DDR.

Wegen ihres tiefen Durchstiegs konnte die Schwalbe auch von Frauen in Röcken gefahren werden. So galt die Schwalbe lange Zeit als Frauen-Moped, gefahren von Gemeindeschwestern, Volkspolizisten und älteren Herrschaften.

Arvid von der "Simson-Bande", einer Gruppe von zehn Schrauber-Freuden, schätzt die Wartungsfreundlichkeit und Zuverlässigkeit der DDR-Zweiräder.

Vor 30 Jahren wurde die Produktion in Suhl eingestellt. Die Mopeds wurden als wertlos erachtet. Viele verstaubten in Scheunen oder wurden im Wald entsorgt. Heute zahlen Enthusiasten bis zu 5000 Euro.

Besucher kämen von überall her, um in Erinnerung zu schwelgen. So liegt hier vor allem Nostalgie in der Luft. Ein Vater und sein Sohn erzählen von ihrer eigenen Schwalbe - ein Familienerbstück, das für sie für Freiheit und ein ostdeutsches Lebensgefühl stehe, das heute unbezahlbar sei.

Im polnischen Breslau motzt Michał Koziołek seit 2016 Schwalben auf und stattet sie mit einem modernen Elektromotor aus. Seine Firma "RetroElectro" hat er mit Freunden gegründet. Trotz vieler Anfragen aus Polen verkauft er seine immerhin gut 4.000 Euro teuren Schwalben derzeit nur ins Ausland. Besser hat es da die Münchner Firma "Govecs". Sie hat die Markenrechte für die E-Schwalbe und fertigt sie seit 2017 in Breslau in großem Stil. Allerdings verwendet das mittelständische Unternehmen keine Originalbauteile - und umgeht so den Behördenärger.

Im August 2017....kommt die Schwalbe zurück - als E-Version mit 45km/h Höchstgeschwindigkeit, entwickelt und produziert von uns - der Govecs AG. Dabei haben wir bewusst darauf geachtet, die markante Form und das Aussehen des Originals zu behaltenIm Juli 2018...haben wir mit der 90 km/h Variante noch einen oben drauf gesetzt und die schnellste eSchwalbe aller Zeiten auf den Markt gebracht.Mit der zukunftsorientierten Technologie eines Elektromotors und ihrem charaktervollen Design vereint die eSchwalbe Tradition mit Innovation und setzt ein Statement für nachhaltige Elektro-Mobilität. Die eSchwalbe ist deshalb mehr als nur ein stilvoller Elektro-Roller, denn ihr starker Charakter basiert auf einer beeindruckenden Geschichte.

Um wirtschaftlicher zu produzieren, führten die Werksleiter bei Simson die sogenannte Nestproduktion ein - ein Prinzip, dass heute noch in der modernen Fahrzeugproduktion eingesetzt wird. Das Ziel war, die Langweile vom Fließband zu verbannen und die Arbeiter für mehr und abwechslungsreichere Aufgaben zu befähigen. Daher wurden für jeden Motor sogenannte Nester gebildet, in denen die Arbeiter immer unterschiedliche Arbeiten verrichteten. Das wirkte sich positiv auf die Leistung aus und die Motoren wurden schneller fertig, die Produktion stieg.

Das Simson-Werk in Suhl war der größte Arbeitgeber der Region. 3.500 Arbeitnehmer standen hier in Lohn und Brot. Bis zur Übernahme des Werks durch Teile der Belegschaft 1991/92 wurden in Suhl mehr als sechs Millionen Schwalben und Co. produziert. Ein Viertel der Krafträder wurde exportiert, etwa 20.000 Stück pro Jahr gingen in sozialistische Brüderländer und etwa 30.000 Stück in den Westen.

Nach der Wende war das Simson-Werk der erste Großbetrieb, der von der Treuhand abgewickelt wurde. Der Versuch, als GmbH zu überleben, scheiterte an der Konkurrenz aus dem Westen und aus Asien.

Heute hat die S51 unter Simson-Enthusiasten einen Kultstatus erreicht und wird von vielen als Symbol der Ostdeutschen Kultur und Geschichte angesehen.

Die Simson S51 im Detail

Das Modell S51 war eines der bekanntesten und meistverkauften Motorräder, das von Simson produziert wurde. Es wurde erstmals 1980 auf den Markt gebracht und wurde bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 2002 hergestellt. Die S51 wurde als Nachfolger des Modells S50 entwickelt und war in verschiedenen Versionen erhältlich, einschließlich der S51 B, S51 C, S51 E, S51 N und S51 Enduro.

Die S51 hatte einen luftgekühlten Zweitaktmotor mit einem Hubraum von 50ccm. Die Leistung variierte je nach Version und lag zwischen 2,5 und 4,4 kW. Die Höchstgeschwindigkeit betrug etwa 60-80 km/h, je nach Version und Zustand des Fahrzeugs.

Das Modell hatte eine robuste Konstruktion und war für den Einsatz auf unebenem Gelände geeignet. Es hatte eine Federgabel und eine Federung am Hinterrad, die für eine gute Stoßdämpfung sorgte. Die S51 hatte auch ein zuverlässiges Bremssystem mit Trommelbremsen an beiden Rädern.

Ein weiteres Merkmal der S51 war ihre vielseitige Konfiguration. Es gab verschiedene Ausstattungsvarianten, einschließlich der Basisversion, die für den täglichen Gebrauch konzipiert war, sowie der Enduro-Version, die für den Einsatz im Gelände geeignet war. Es gab auch eine "N" Version, die speziell für den Einsatz auf Straßen konzipiert war und mit einem stärkeren Motor ausgestattet war.

Die S51 ist auch für ihre einfache Wartung und Reparatur bekannt. Viele Besitzer können kleinere Reparaturen und Wartungsarbeiten selbst durchführen. Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen ist auch ein großer Vorteil für Besitzer von Simson-Motorrädern.

Insgesamt war die S51 ein zuverlässiges und vielseitiges Motorrad, das in der DDR und in anderen Ländern sehr beliebt war.

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