Fahrradanhänger im Test: Was Sie vor dem Kauf wissen müssen

Ein Fahrradanhänger ermöglicht den Transport des Nachwuchses zur Kindertagesstätte, zum Wochenendausflug oder zum Einkauf ohne die Nutzung eines Autos. Doch beim Kauf gibt es einiges zu beachten. Fahrradanhänger ist nicht gleich Fahrradanhänger.

Verschiedene Arten von Fahrradanhängern

Generell unterscheiden sich die Systeme in Anhänger für Kinder, Transportanhänger oder Anhänger speziell für Hunde. Einige Hersteller geben ihren Produkten sogar entsprechende Namen wie zum Beispiel "Croozer Kid", "Cargo" oder "Dog". Die meisten Hersteller bieten Fahrradanhänger mit unterschiedlichen Funktionen an.

  • Ein- oder zweirädrige Anhänger
  • Ein- oder Zweisitzer
  • Multifunktionale Systeme als Kinderwagenersatz oder als Skitrailer
  • Anhänger mit gedämpften oder ungedämpften Radaufhängungen
  • Unterschiedliche Befestigungsarten am Fahrrad: Rahmen-, Achs- oder Sattelstützkupplung

Wichtige Aspekte beim Kauf und der Nutzung

Der Preis kann ein wichtiger Indikator für die Qualität der Materialien, die Verarbeitung, den Funktionsumfang und insbesondere die Sicherheitsmerkmale eines Produkts sein. Ein niedrigerer Preis bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass der Anhänger unsicher ist. Gerade bei einem viel genutzten Fahrradanhänger empfiehlt es sich, etwas mehr zu investieren - unter anderem auch, weil die meisten Anhänger auch als Buggys einsetzbar sind. Zudem können Sie einen guten Anhänger - neben dem Herumkutschieren Ihrer Kleinen - auch für anderweitigen Transport nutzen.

Wer viel Geld in einen Fahrradanhänger investiert, sollte auch eine lange Nutzungsdauer erwarten. Besonders die Beinfreiheit spielt eine wichtige Rolle, da Kinder den begrenzten Platz oft ausgleichen, indem sie mit dem Po nach vorne rutschen. Feste oder auf den ersten Blick harte Sitzschalen sind zu bevorzugen, um Kinderrücken entsprechend zu stützen. Kinder unter einem Jahr sollten auch dann nicht im Fahrradanhänger mitfahren, wenn sie bereits alleine aufrecht sitzen können. Spezielle Sitzschalen für Säuglinge und Neugeborene sind weniger ratsam, da die Kinder hier liegen müssen.

Der Fahrradanhänger kann noch so sicher sein: Wenn Ihr Rad nicht richtig bremst, dann ist schlichtweg keine Sicherheit gewährleistet. Da nur wenige Anhänger eine zusätzliche Bremsfunktion haben, sollten Ihre Bremsen stets in einwandfreiem Zustand sein. Zur Sicherheit gehört auch, dass Ihre Mitfahrer Helme tragen. Ein Blick in die Gebrauchsanweisung Ihres Fahrrads - falls vorhanden - kann Ihnen zeigen, ob Ihr Rad für Anhänger geeignet ist. Alternativ können Sie diese Information im Internet recherchieren oder beim Händler Ihres Vertrauens erfragen.

Das Gelände, in dem der Anhänger genutzt werden soll, spielt eine Rolle: In bergigen Regionen oder bei sportlicher Nutzung sind eine gute Federung und eine zuverlässige Handbremse besonders wichtig. Generell sollte man nur auf DIN-Norm EN 15918 geprüfte Anhänger kaufen, denn dann sind alle sicherheitsrelevanten Prüfungen bestanden. Es ist gewährleistet, dass das Fahrverhalten stabil ist und bei Anhängern für Kinder ein Speichenschutz vorhanden ist.

Die Verbindung zwischen Rad und Anhänger erfolgt mithilfe einer Kupplung. Deshalb ist es wichtig, zunächst zu prüfen, ob der Fahrradanhänger überhaupt am Rad angebracht werden kann. Die Verbindungsstellen gibt es je nach Anhängermodell als Hinterradachs-, Sattelstütz- oder Rahmenklemmung.

Denn nicht jedes Fahrrad eignet sich zum Ziehen von Radanhängern. Das Eigengewicht des Anhängers und eine hohe Zuladung machen den Radanhänger schnell zum "Schwerlasttransport". Rund 15 Prozent aller Räder wie zum Beispiel vollgefederte Räder (Fullys), Fahrräder mit Rahmen aus Carbon oder mit Nabenschaltungen bzw. Riemenschaltungen sind oft nicht zum Ziehen von Anhängern geeignet.

Wird hauptsächlich auf ebenen und geteerten Radwegen gefahren, so reicht ein ungefederter Radanhänger. Für Schotterwege eignen sich eher Anhänger mit Dämpfung. Diese sind auch für ein Kind im Anhänger komfortabler und besser. Eine eingebaute Federung sollte auch auf das zu transportierende Gewicht eingestellt werden können. Fahrradanhänger sollten eine Feststellbremse haben, die beide Räder bremst. Außerdem gilt: Je größer die Räder sind, desto höher der Fahrkomfort.

Sicherheitsgurte und Überrollbügel gehören bei Kinder-Fahrradanhängern mittlerweile zur Serienausstattung. Auch eine Frontabdeckung am Anhänger als Schutz vor Sonne und Regen sollte nicht fehlen. Darüber hinaus ist eine Handbremse empfehlenswert, wenn der Anhänger als Jogger oder beim Wandern und Inlineskaten verwendet wird. Sie ermöglicht eine bessere Kontrolle, vor allem in unebenem oder abschüssigem Gelände. Wichtig zu wissen: Beim Radfahren selbst wirkt die Handbremse des Anhängers nicht - hier erfolgt die Verzögerung ausschließlich über die Bremsen des ziehenden Fahrrads.

Wer mit dem Pedelec unterwegs ist und einen Kinder-Fahrradanhänger anbringen möchte, sollte sich immer im Fachhandel erkundigen, ob das beim jeweiligen Modell überhaupt möglich ist. Generell gilt: Erst das Radfahren mit Anhänger im Fachhandel testen - dann kaufen.

Gebrauchte Fahrradanhänger

Ähnlich wie beim Kinderwagen braucht es Fahrradanhänger meist nur für eine begrenzte Zeit. Deswegen gibt es einen entsprechend großen Gebrauchtmarkt und reichlich Auswahl zu fairen Preisen. Gerade bei gebrauchten Anhängern ist der technische Zustand umso wichtiger. Vor dem Kauf sollten Sie auf diese Dinge achten:

  • Kupplungssystem: Die Verbindung zum Fahrrad muss spielfrei sitzen, das Gummi darf keine Risse aufweisen und der Sicherheitsriemen sollte vorhanden und intakt sein.
  • Reifen und Laufräder: Achten Sie auf Risse im Gummi, abgefahrenes Profil oder beschädigte Felgen, etwa durch "Achter" oder verbogene Speichen. Außerdem sollten die Lager leichtgängig und geräuschlos laufen.
  • Fahrgastzelle: Gurte müssen vollständig, verstellbar und frei von Ausfransungen sein. Auch alle anderen Stoffteile wie Regen-, Wind- und Insektenschutz sollten keine Risse aufweisen, Reißverschlüsse und Druckknöpfe sollten einwandfrei funktionieren. Auch der Durchgreifschutz sollte vorhanden und intakt sein.
  • Belüftung: Gerade im Sommer ist eine gute Luftzirkulation entscheidend. Achten Sie also auf ausreichend Lüftungsschlitze und Mesh-Flächen (dabei handelt es sich um luftdurchlässige Flächen).
  • Federung: Höherwertige Modelle haben oft eine Federung verbaut. Prüfen Sie vor dem Kauf die Funktion und achten Sie darauf, dass der Anhänger sauber ein- und ausfedert.
  • Bremse: Der Zustand der Bremsmechanik - etwa Hebel, Züge und Bremsbeläge - sollte beim Gebrauchtkauf geprüft werden, um die Sicherheit im Alltag zu gewährleisten.

Auch beim Gebrauchtkauf schadet eine Probefahrt nicht - am besten natürlich mit Kind.

Die richtige Beleuchtung

Damit Radfahrende mit Anhänger im Straßenverkehr sicher unterwegs und gut sichtbar sind, ist neben der richtigen Beleuchtung am Fahrrad selbst auch die am Fahrradanhänger wichtig. Die Fahrradanhänger selbst müssen generell an der Front und am Heck mit Rückstrahlern beleuchtet sein. Ist der Anhänger breiter als einen Meter, benötigt man zusätzlich links eine weiße Frontleuchte. Nur so können Autofahrer im Dunkeln beim Abbiegen auch Fahrradanhänger rechtzeitig im Straßenverkehr wahrnehmen.

Mit einem entsprechenden Sicherungsseil ist das problemlos möglich. Das Seil zwischen Anhänger und Fahrrad stellt einen doppelten Schutz dar. Vor allem bei möglichen Fehlbedienungen oder auch Materialversagen können Unfälle damit abgemildert werden. Deshalb empfiehlt der ADAC ein Sicherungsseil - besonders wenn Kinder im Fahrradanhänger mitfahren.

Eine signalfarbene Fahne am Anhänger ist immer sinnvoll. Denn ein Wimpel in einer grellen Farbe an einer langen, senkrechten Stange sorgt dafür, im Straßenverkehr besser gesehen zu werden.

Ein Rückspiegel am Lenker des Fahrrads erleichtert das Fahren mit Anhänger besonders in scharfen Kurven und auf engen Wegen. Zudem hat man die Kinder im Anhänger stets gut im Blick.

Testergebnisse der Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest hat im Juli 2024 zehn Fahrradanhänger getestet, wobei keiner besser als „mangelhaft“ abgeschnitten hat. Unser Testsieger Croozer Kid Vaaya 2 bekam die Endnote 5,4 (mangelhaft), vor allem wegen Kritikpunkten in den Bereichen „Sicherheit« und „Schadstoffe“.

Vier Modelle versagten im Sicher­heits­test: Thule Coaster XT, Hamax Cocoon sowie die Croozer Modelle Vaaya 2 und Keeke 1 boten beim 180-Grad-Über­schlag zu wenig oder keinen Platz zwischen Kopf und Boden. In Seiten­lage berührte der Kopf des ange­schnallten Dummies zudem harte Bauteile in den Kabinen.

Neun Anhänger enthielten in Sitzbezügen oder Kabinenstoffen hohe Konzentrationen an per- und polyfluorierten Substanzen (PFAS), die seit Juli 2020 beziehungsweise Februar 2023 verboten sind. Das ist mangelhaft.

Modelle im Überblick:

Hersteller Modell Bemerkungen
Thule Chariot Cross 1 Besonders gut sichtbar, sehr leicht, geeignet für Radfahren, Joggen, Spazierengehen und Skilanglauf.
Hamax Outback Fahrradanhänger und Kinderwagen für bis zu zwei Kinder, multifunktional.

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