Syncros Capital SL Laufräder im Test: Eine neue Ära im Laufradbau?

Syncros, die Tochterfirma von Scott, möchte mit den Capital SL Vollcarbonlaufrädern ein neues Kapitel im Laufradbau aufschlagen. Die Capital SL sind sowohl mit 40 als auch mit 60 Millimeter hohen Felgen erhältlich und werden in Monocoque-Bauweise hergestellt, wobei Naben, Speichen und Felgen eine Einheit bilden. Syncros hat bei der Entwicklung des Laufrads den Reifen als integralen Bestandteil mitgedacht und sich mit Schwalbe einen Partner an Bord geholt.

Technische Details und Innovationen

Die Carbonspeichen sind fest mit den Carbonfelgen und Carbonnaben verbunden. Um die Versprechen zu ermöglichen, hat Syncros ein neues Fertigungsverfahren entwickelt und patentieren lassen. Die Hookless-Felge kommt mit unterschiedlichen Maulweiten - am Vorderrad sind es 25 Millimeter, am Hinterrad 23. Natürlich entsprechen Vorder- und Hinterrad den ETRTO-Standards, was die Montage zahlreicher hookless-kompatibler Reifen erlauben soll. Auch die Offroad-Verwendung mit Gravelreifen ist freigegeben.

Leichtgewicht und Aerodynamik

Syncros will ein extremes Leichtgewicht von 1170 Gramm für die 40-mm-Version Capital SL erreicht haben, die 60-mm Capital SL Aero wiegen laut Hersteller als Set 1290 Gramm. Neben einer extrem geringen Rotationsmasse, die um 20 Prozent reduziert worden sei, was bei Antritten und im Sprint auf Fahrerlebnis und Ergebnis einzahlen soll, betont Syncros eine überlegene Aerodynamik. Als Ergebnis sollen die Capital SL sieben Prozent schneller sein als die zur Entwicklung herangezogene Benchmark.

Partnerschaft mit Schwalbe

Ergebnis der Zusammenarbeit mit Schwalbe ist ein Laufrad-Reifensystem mit einem neuen Wettkampfreifen von Schwalbe, der als Pro One Aero natürlich auch separat erhältlich sein wird. Gemeinsam will man den perfekten Kompromiss gefunden haben zwischen geringem Luftwiderstand und niedrigem Rollwiderstand. Bei einer Reifenbreite von 28 Millimetern will das Syncros-/Schwalbe-Ensemble sogar schneller sein als Konkurrenzprodukte mit schmaleren Reifen und dabei bei jeden Windbedingungen volle Kontrolle und präzises, sportlich-agiles Handling bieten.

Steifigkeit und Fertigung

Neben Aerodynamik und Handling war laut Syncros die Steifigkeit der Laufräder ein zentrales Entwicklungsziel. Die optisch auffällig mit Nabe und Felgen verbundenen Carbonspeichen sollen erheblich leichter sein als traditionelle Stahlspeichen und dabei 35 Prozent stärker sein. Die Speichenkreuzungen sind miteinander verflochten, was ebenfalls die Steifigkeit erhöhen und insbesondere Verwindungen des Laufrads in sich verhindern soll - sprich: hohe Torsionssteifigkeit.

Alternativen und Wettbewerber

Neben den beiden Vollcarbon-Ausführungen Capital SL und Capital SL Aero bringt Syncros vier weitere neue Aero-Laufräder auf den Markt, mit Carbonfelgen, klassischen Stahlspeichen und Naben zu einem (etwas) günstigeren Preis. Auch Cadex und Scope drücken mit viel Carbon-Know-how und fortschrittlichen Fertigungsmethoden in den Markt für High-End-Laufräder. Den Abstand zum Durchschnitt sucht auch die Marke Scope. Die Niederländer begannen einst genau dort, als klassische Laufradbauer mit preiswerten Komplettpaketen aus Standardkomponenten.

Laufradkonzepte von One-K und Partington

Marcel Bücker fasste 2019 den Entschluss, die Erfahrungen aus seiner Arbeitswelt mit seiner Leidenschaft zu verflechten. Gemeinsam mit zwei Mitstreitern und mithilfe eines Förderprogramms gründete er die Evolime GmbH, die heute unter der Marke One-K Rennrad-Laufräder anbietet. Etwa zur gleichen Zeit stellte Jon Partington auf einer Handmade-Messe in Australien seine Version eines neuen Laufradsatzes aus, der ebenfalls ziemlich einzigartig ist. Der gebürtige Engländer beschäftigte sich im Motorsport mit Verbundwerkstoffen, sein heutiges Produkt nahm die klassische Garagen- beziehungsweise in diesem Fall Küchen-Karriere.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Bücker und Partington eint die Idee, dass sich aus dem Gesamtsystem Laufrad noch einiges herausholen lässt, wenn man neu darüber nachdenkt - sei es über einzelne Komponenten oder das System als Ganzes - und Dinge anders macht. One-K will mit einer automatisierten, potenziell weit hochskalierbaren Fertigungsmethode und bewährten Zulieferern exklusive Leichtbau-Laufräder günstiger anbieten und ist auf der Suche nach den richtigen Kompromissen. Partington dagegen ist Perfektionist bis ins Detail, koste es, was es wolle. Dafür macht er vom Carbonfaden bis zu den Lagersitzen fast alles im eigenen Haus.

Vergleich mit klassischen Laufrädern

Aber was bringen die teils exaltiert wirkenden Konstruktionen auf der Straße, im Rennen, im Kampf um Sekunden? Unsere Referenz ist ein Zipp 404, ein konventionelles, schnelles Aero-Laufrad, wie es vergleichbar auch von Profis gefahren wird. In den Disziplinen Gewicht, Aerodynamik und Steifigkeit repräsentiert es den Durchschnitt oder, positiv ausgedrückt, den Stand der Technik. Der Vergleich zeigt, dass sich vor allem beim Gewicht der Laufräder viel herausholen lässt. Viele Kandidaten können auch deutlich seitensteifer sein, wobei sich je nach Ansprüchen diskutieren lässt, wie sinnvoll das ist. Wenig bis keine Fortschritte gibt es dagegen bei der Aerodynamik; signifikant schneller als die Referenz wird keines.

Einzelne Modelle im Detail

Die Giant-Marke erregte in jüngeren Jahren mit progressiven Produkten Aufsehen. So war Cadex einer der ersten Anbieter, der konsequent auf hakenlose Felgenprofile am Rennrad setzte. Die Newcomer aus Rheinland-Pfalz stellten mit dem RD Ultimate seit dem Test in TOUR 2/22 den mit Abstand leichtesten Laufradsatz, den wir aktuell kennen: 950 Gramm, für beide Räder. Nicht nur ein schwindelerregender Preis macht deutlich, dass es sich bei Partington-Laufrädern um absolute Premiumprodukte handelt. Bei näherer Betrachtung fallen die Detailverliebtheit und eine völlig makellose Verarbeitung auf. Für die neue Artech-Serie nutzt das Team aus Eindhoven in den Niederlanden seine jahrelange Erfahrung aus dem klassischen Laufradbau und optimiert die Einzelkomponenten.

Die Capital-SL-Laufräder sind streng genommen nicht ganz neu, das Silverton SL gibt es bereits als ähnlich gefertigte MTB-Variante. Prägend ist der Verbund aus Felge und Speichen, der als zusammenhängendes Carbonteil in einer Form gebacken wird. Mit Carbon-Filamenten verstärkte Speichenkreuzungen und um den Nabenkörper verlaufende Speichen sollen ein extrem stabiles und gleichzeitig extrem leichtes Laufrad ergeben. Syncros schickt mit dem Capital SL Aero das High-End-Laufrad mit One-Piece-Konstruktion in den Test.

Aerodynamik im Fokus

Die Aerodynamik ist einer der entscheidenden Faktoren für Geschwindigkeit und Effizienz im Radsport. Durch gezielte Optimierungen an Rad und Ausrüstung lassen sich signifikante Leistungsgewinne erzielen. Schon ab einer Geschwindigkeit von 20 km/h wird ein Radfahrer überwiegend durch den Luftwiderstand abgebremst. Das größte „Spar-Potenzial“ liegt bei uns selbst.

Materialoptimierung und Rohrformen

Welchen Effekt haben etwa aerodynamisch günstige Rohrformen, einteilige Aero-Cockpits und Hochprofil-Laufräder? Bereits der optische Vergleich mit einem glattflächigen Automobil - oder einem Bob - lässt dies sofort erkennen. Deshalb ist das Optimierungspotential recht groß. Abgerundete Kanten und „fließende“ Übergänge zwischen den einzelnen Bauteilen sind ein erster Schritt, Hochprofil-Felgen oftmals der zweite, um Rennräder aerodynamisch zu optimieren.

Windkanaltests

Um diese Effekte zu überprüfen, testen wir von der RennRad regelmäßig Räder, Laufräder und Zubehör im GST-Windkanal am Bodensee. Auf dem GST-Prüfstand wird durch einen leistungsstarken Propeller eine Windgeschwindigkeit von 45 km/h erzeugt, während das Testrad in einer speziellen Vorrichtung eingespannt ist. Dabei werden beide Testrad-Laufräder über Rollen angetrieben, die sich analog zur Windgeschwindigkeit drehen. Unter genau definierten und reproduzierbaren Prüfbedingungen erhielten wir für jedes Rad ein exaktes Ergebnis auf die Frage: Wie viele Watt Leistung werden benötigt, um eine Geschwindigkeit von 45 km/h zu halten?

Ergebnisse der Windkanaltests

Die gewichteten Leistungen aller getesteten Räder lagen zwischen 63 und 114 Watt. Beispielsweise ermittelten wir für das Canyon Aeroad CF SLX für 45 km/h eine gewichtete Leistung von 70,3 Watt - beim Leichtgewichtsrennrad Canyon Ultimate CFR Di2 jedoch 96,2 Watt - also rund 26 Watt mehr. Die beiden Aero-Testsieger des Windkanaltests heißen Simplon Pride II und Storck Aerfast.5 Pro: Die Messungen ergaben beim Simplon 63,0 Watt für die gewichtete Leistung, beim Storck 64,8 Watt.

Weitere Aero-Rennrad-Modelle

Neben den Tests im Labor widmen wir uns den Aero-Modellen regelmäßig in ausführlichen Praxistests. Unter anderem untersuchen wir, welche Konstruktionsprinzipien die Hersteller im Sinne einer besseren Aerodynamik gewählt haben. Das Storck Aerfast.5 Pro ist unser Race-Tipp in der Ausgabe 6/2024. Bei der Konstruktion des Aero-Modells A3 von Baldiso verfolgte man ein ähnliches Konzept. Ein voluminöses Steuerohr geht optisch „nahtlos“ in eine geschwungene, flächige Gabel über. Weitere Vertreter der Aerorad-Gattung, wie das Cervélo S5, 1of1 AE.01, Parapera Aeras² und das neue Colnago Y1Rs, weisen einen „Ausschnitt“ am Unterrohr für das Vorderrad aus.

Leichtgewicht und Aerodynamik kombiniert

Ein weiteres Modell, das Aerodynamik und Leichtgewicht bietet, ist das Benotti Fuoco Aero SL Special Edition No.1 - unser Race-Tipp aus der RennRad 1-2/2025. Das Benotti ist ein limitiertes Sondermodell, dass der Hersteller zum 20. Firmenjubiläum präsentiert hat. Aerodynamische Eigenschaften bieten die 50 Millimeter hohen Ax-Lightness-Ultra-50C-Laufräder mit Carbonspeichen und Keramiklager.

Mit seinem eher flachen 73-Grad-Lenkkopfwinkel vermittelt das SL in schnell gefahrenen Kurven und Abfahrten dennoch viel Laufruhe. Die Sitzposition ist mit einem Stack-to-Reach-Verhältnis von 1,45 sportiv und race-orientiert - das Oberrohr ist relativ lang, das Steuerrohr kurz, der Sitzrohrwinkel steil. Die Übersetzung der an unserem Test-Modell verbauten funkgesteuerten Sram-Red-AXS-Gruppe ist passend race-orientiert und sportiv gewählt: vorne eine 48/35-Kurbel, hinten eine 10-30-Kassette.

Aero-Laufräder im Vergleich

Eine weitere Möglichkeit, bei gleicher Leistung schneller zu werden, ist die Montage von aerodynamisch optimierten Laufrädern. Höhere Laufräder machen schneller - dies ist ein Fakt. Im Windkanaltest der RennRad-Ausgabe 11-12/2023 fokussierten wir uns auf Modelle zwischen 55 und 65 Millimetern Felgenhöhe. Auch mit diesen Aero-Laufrädern geht man Kompromisse ein: Bedingt durch die Felgenhöhe kann die Seitenwindanfälligkeit zunehmen, außerdem steigt das Gewicht.

Windkanaltest von Aero-Laufrädern

Im Vordergrund unseres Windkanal-Tests stand die Frage: „Um wie viel schneller ist man mit Aero-Laufrädern?“ Deshalb verglichen wir die Test-Modelle auch mit einem „normalen“ Referenzlaufradsatz: den DT Swiss E 1800 Spline mit 23 Millimeter hohen Alufelgen und einem Gewicht von 1697 Gramm. Die Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde durchgeführt, wobei die Räder mit der gleichen Geschwindigkeit durch eine Walze angetrieben wurden, um realistische Verhältnisse zu erhalten.

Ergebnisse des Laufrad-Tests

Die benötigte Leistung bei einer reinen Frontalanströmung ergab Messwerte zwischen 11,5 und 15,7 Watt. Je kleiner die benötigte Leistung, desto besser. Die 11,5 Watt wurden von dem „Aero-Sieger“-Modell dieses Tests erzielt, den Swiss Side Hadron² Ultimate 625 Disc. Die 15,7 Watt erbrachte der Referenzlaufradsatz mit 25 Millimeter Felgenhöhe, DT Swiss E 1800 Spline.

Ein Nachteil von Hochprofillaufrädern ist, dass mit der Höhe der Felgen die Seitenwind-Empfindlichkeit zunimmt - auch dies kann gemessen werden. Ein wichtiges Ergebnis: Die 65-Mililimeter-Modelle weisen gegenüber den flacheren Felgen mit 50 bis 55 Millimetern Höhe einen rund doppelt so großen Lenkmomentbeiwert auf, was auf der Straße bei böigem Seitenwind deutlich spürbar und in der Folge schwerer beherrschbar sein kann.

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