Taubheitsgefühle kennt fast jeder Radfahrer, der bereits länger im Sattel saß. Von nervig bis unangenehm kann der Gefühlsverlust ausfallen. Spätestens, wenn der Penis taub wird, ist die Sorge groß. Wiederkehrende Probleme mit einschlafenden Genitalien beim Mountainbiken sind Grund genug einen Bikefitter aufzusuchen.
Die Hauptursache: Druck
Die Hauptursache: Druck. In der Physik ist Druck definiert als der Quotient einer Kraft, die senkrecht auf eine Fläche einwirkt. Im Mountainbikesport ist Druck meist vor allem schmerzhaft. Und je kleiner die Fläche, desto größer der Druck. Ein Druck, der Nerven und Blutgefäße quetschen kann. Es entsteht ein Kribbeln, dessen wohl berüchtigtste Form Taubheitsgefühle im Genitalbereich sein dürften.
Dieses Phänomen kommt unter Mountainbikern recht häufig vor, je nach Studie sind zwischen 50 bis 91 Prozent der radelnden Männer sowie etwas mehr als 47 Prozent der Frauen betroffen. Doch darüber sprechen wollen die meisten lieber nicht - zu frustrierend und zu peinlich machte eine wissenschaftliche Untersuchung der Uni Antwerpen aus 2023 als Hauptgründe für das Schweigen der 620 einbezogenen Radsportlerinnen aus.
Was tun bei Taubheitsgefühlen?
Manche nehmen solche Beschwerden auch als gegebene Begleiterscheinung des Bikens hin und hoffen, dass sie sich nach einer Weile runter vom Sattel von selbst erledigen. Tatsächlich tun sie das häufig. Besser noch: Solche kurzzeitigen Taubheitsgefühle, so unangenehm sie sein mögen, sind in der Regel harmlos und verschwinden, sobald der durch die Sitzposition auf dem Bike bedingte Satteldruck nachlässt.
Treten diese Symptome jedoch regelmäßig auf oder halten über längere Zeit an, könnten sie auf ernstere Probleme wie Nervenschädigungen oder Durchblutungsstörungen hindeuten. Christian Manunzio, Diplom-Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Training und Leistung am Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der Deutschen Sporthochschule Köln, betont: „Wer diese Beschwerden häufig oder über längere Zeit erlebt, sollte die Ursache klären lassen. Eine rechtzeitige Anpassung der Sitzposition oder des Equipments kann spätere Probleme verhindern.“
Der Mythos davon, dass Radfahren impotent macht, ist zwar inzwischen entkräftet, unter anderem durch eine Studie verschiedener kalifornischer Universitäten aus dem Jahr 2018. Die stellte aber dennoch fest, dass Radsportler aufgrund des Satteldrucks ein im Vergleich zu Schwimmern und Läufern erhöhtes Risiko für erektile Dysfunktion und eine Harnröhrenverengung haben. Bei Frauen kommen neben Taubheitsgefühlen Schmerzen oder Reizungen der Haut im Genitalbereich am häufigsten vor.
Ein vermeidbares Schicksal, denn: „Viele Symptome lassen sich schon durch kleine Anpassungen, wie ein leichtes Nach-vorn-Kippen der Sattelnase, regelmäßige Pausen oder häufigeres Fahren im Wiegetritt kurzfristig lindern oder ganz verhindern“, weiß Christian Manunzio. Bleiben Beschwerden dennoch bestehen, sei jedoch ein Besuch beim Facharzt, der gegebenenfalls medizinische Schritte einleitet, oder einem Bikefitter, der sich Sitzposition und Sattel anschaut, angeraten.
„Ergonomische Sättel mit Aussparungen oder geteilten Sitzflächen können dazu beitragen, den Druck auf empfindliche Stellen zu minimieren“, erklärt der Sportwissenschaftler. Doch je nach Anatomie und Sitzposition gibt es nicht die eine Sattellösung für alle; im Gegenteil: Schon in einer neuen Radhose mit anderem Polster kann sich ein zuvor bequemer Sattel ungemütlich anfühlen.
Vielmehr sei deshalb „die Kombination aus ergonomischer Ausrüstung, einem individuell angepassten Rad und einer bewussten Fahrtechnik der Schlüssel, um Beschwerden vorzubeugen“. Ein Vorgehen, das fürs Rollentraining übrigens ebenso gilt wie fürs Fahren draußen. Vielleicht sogar noch mehr, denn hier „treten Beschwerden wie Taubheitsgefühle im Genitalbereich oft verstärkt auf oder können erstmals bemerkt werden“, sagt Christian Manunzio.
Denn anders als beim Fahren im Freien, bleibt das Rad beim Rollentraining vollkommen starr. „Dadurch fehlt die natürliche Entlastung des Dammbereichs, die durch kleinere Bewegungen und Positionswechsel auf unebenem Terrain entsteht. Hinzu kommt die oft hohe Schweißentwicklung, die in geschlossenen Räumen ohne kühlende Fahrtluft zu Hautreizungen führen kann“, erläutert Manunzio und empfiehlt gezielte Pausen, einen Ventilator zur Verbesserung der Belüftung und hochwertige Kleidung, um Beschwerden beim Rollefahren zu minimieren.“
Ob draußen auf der Straße oder drinnen auf der Rolle: Mountainbiker müssen und sollten Beschwerden wie einschlafende Genitalien, Hautreizungen oder Druckstellen nicht als unausweichlich akzeptieren. Mit der richtigen Herangehensweise lassen sich nicht nur gesundheitliche Risiken minimieren, sondern auch der Spaß am Training langfristig erhalten.
Taube Füße beim Radfahren
Dass die Zehen oder Füße einschlafen, erkennst du an einem Kribbeln im ganzen Fuß oder an einem Kribbeln in der Fußsohle. Der Grund dafür liegt häufig in einer Ermüdung der Fußmuskulatur.
Während die Muskeln von Radsportlern vor allem während eines besonders intensiven Trainings ermüden, spüren Freizeitfahrer die Beschwerden häufig bei der ersten Tour im Frühjahr oder nach einer besonders langen Ausfahrt. Beim Fahrradfahren sind die Muskeln im Gesäß sowie an den Ober- und Unterschenkeln gefordert. Je steiler oder länger die Strecke, umso mehr Muskelkraft ist notwendig.
Wenn du die unangenehmen Ermüdungserscheinungen vermeiden willst, solltest du folgende Punkte beachten: Passe die Tour deiner Fitness an und plane ausreichend Pausen ein. Zusätzlich helfen radfreie Tage deinen Muskeln, sich zu regenerieren. Die beste Vorbereitung auf die Fahrradsaison ist ein Ganzkörper-Muskeltraining zuhause oder in einem Sportstudio.
Übrigens: Wenn deine Füße kribbeln, wirst du fast automatisch deine Sitzposition verändern. Verlagerst du dabei dein Gewicht auf die Arme, kann es passieren, dass das Kribbeln plötzlich in Hand und Fuß auftritt.
Zu hoher Druck auf dem Fuß
Neben einem zu geringen Fitnesslevel kann auch ein hoher Druck auf dem Fuß zur Ermüdung beitragen. Beim Treten in die Pedale verteilt sich die Kraft aus deinen Beinen nicht wie beim Laufen auf deine Füße. Sie konzentriert sich auf einen kleineren Abschnitt im Bereich des Vor- oder Mittelfußes.
Die Fußsohle in der Fußmitte hat keinen knöchernen Schutz, das ganze Gewicht liegt auf den Weichteilen im Fuß. Dieser Druck kann im Mittelfuß zu Schmerzen führen. Darüber hinaus stört der Druck die Blutversorgung. Eingeschlafene Füße und Schmerzen in den Zehen können die Folge sein. Liegt die größte Krafteinwirkung im Bereich der Zehen, können Schmerzen im Zehengrundgelenk entstehen.
Die korrekte Fußposition auf dem Fahrrad spielt eine wichtige Rolle. Wähle dein Rad so aus, dass du optimal darauf sitzen kannst.
Schuhwerk unter der Lupe: Die Bedeutung passender Fahrradschuhe
Ungeeignete Schuhe beim Radfahren zählen zu den häufigsten Auslösern von einer tauben großen Zehe oder tauber Füße. Stell dir vor, du trägst Schuhe mit einer sehr dünnen Sohle und legst mit dem Fahrrad eine große Strecke zurück. Egal in welcher Position deine Füße auf dem Pedal aufliegen, dein Fuß muss ohne Unterstützung die gesamte Muskelkraft deiner Beine auf das Pedal übertragen.
Die Anatomie des Fußes ist für so eine Krafteinwirkung nicht gemacht. Die Blutzirkulation wird gestört und möglicherweise Nervenbahnen eingeklemmt oder gereizt. Die Folge: Taube Zehen oder ein Taubheitsgefühl im ganzen Fuß.
Ähnlich ungeeignet sind zu enge Schuhe. Sie können ebenfalls die Blutzufuhr stören oder Nervenäste einengen. Es muss nicht immer der ganze Fuß oder sogar beide Füße betroffen sein. Genau wie bei den Händen bevorzugt jeder Mensch das linke oder rechte Bein. Die präferierte Seite ist meist kräftiger und wird wiederum stärker eingesetzt. Nutzt du das rechte Bein intensiver, kann es passieren, dass dein großer Zeh einseitig rechts taub wird.
Achte zusätzlich darauf, passende Socken zu tragen. Socken als Ursache für ein Taubheitsgefühl in den Zehen wird selten bedacht. Zu dicke, zu enge oder rutschende Socken trüben deinen Fahrspaß ein.
Optimierung der Fahrradeinstellungen: Schuhplatte, Cleats und Pedale richtig justieren
Schuhplatten und Cleats müssen von der Größe unbedingt zusammenpassen. Wenn du unsicher bist, erkundige dich im Fachhandel nach der richtigen Kombination. Die Cleats kannst du nach vorne und hinten verschieben. Experimentiere mit der für dich idealen Position. Wichtig dabei ist, dass die Cleats mittig auf den Schuhen montiert sind.
Die Pedale solltest du so einstellen, dass deine Knie beim Treten leicht gebeugt sind. Beachte außerdem den Abstand zwischen den Pedal-Achsen. Einer der häufigsten Gründe für taube Zehen beim Radfahren ist das Tragen falscher Schuhe. Zu enge oder schlechtsitzende Schuhe können Druck auf die Zehen, Zehengelenke, den Vorfußbereich und die diesen Bereich versorgenden Nerven ausüben, was im schlimmsten Fall zu Taubheitsgefühlen führt.
Falsche Position der Cleats
Die Cleats unter denen Schuhen müssen perfekt eingestellt sein, um optimale Kraftübertragung auf dein Bike zu gewährleisten. Cleats, die zu weit vorn positioniert sind, können, neben erhöhter Belastung der Wadenmuskulatur, zusätzlichen Druck auf den Fußballen und die Nerven ausüben, was letztlich zu Taubheitsgefühlen in den Zehen führt.
Sind Cleats indessen zu weit hinten angebracht, drückt eventuell zu viel Kraft auf weiches Gewebe und Muskelansätze im Fußgewölbe, was ebenso Schmerzen auslöst. Eine falsche Positionierung der Cleats kann überdies die Beinachse manipulieren und dadurch den entsprechenden Nerv schon im Knie oder Hüftgelenk, durch die Kompression des Nervenkanals, unnötig reizen.
Flache Pedale können auch Beschwerden erzeugen
Ähnliche Beschwerden wie bei der falschen Positionierung von Cleats können auch bei normalen Pedalen, sogenannten flat pedals, auftreten, die im Allgemeinen von Tourenfahrer*innen oder auch Radler*innen mit Citybikes gefahren werden. Ist deren Fläche zu klein, bietet sie zu wenig Grip oder ist sie sogar zu stark nach innen oder außen abfallend, sind Schmerzen programmiert.
Wer diese Gefahr vermeiden möchte, der sollte sich die Ergon PT-Pedale näher anschauen. Das PT-Pedal ist vollgepackt mit ergonomischen Highlights für anspruchsvolle Tourenfahrer*innen.
Manchmal liegt die Ursache für Taubheitsgefühle in den Zehen auch an einem falsch eingestellten Fahrradsattel, beziehungsweise Sattelhöhe. Ein zu hoher oder zu niedriger Sattel kann dazu führen, dass durch die daraus entstehende Beckenkippung zu viel Druck auf den Nervenbahnen ausgeübt wird.
Schlechte Durchblutung der Füße führt mitunter ebenso zu tauben Zehen. Daher solltest du immer darauf achten, dass alle Köperteile gut durchblutet sind. Enganliegende Schuhe oder Socken, die die Durchblutung einschränken, sind häufige Ursachen für Einschränkungen. Kälte kann ebenfalls die Blutzufuhr zu den Zehen verringern und Taubheitsgefühle hervorrufen.
Profi-Tipp: Immer eine moderate Einfahrphase einlegen. Allein die richtigen Radschuhe können schon die Lösung für das Problem sein. Achte darum darauf, dass deine Radschuhe gut passen und weder zu eng noch zu locker sind. Schuhe mit ausreichend Platz im Zehenbereich und guter Belüftung sind ideal. Spezielle Einlegesohlen können ebenfalls helfen, den Druck effizienter zu verteilen und die Durchblutung zu verbessern.
Die richtige Positionierung der Cleats ist entscheidend, um Druckstellen und Fehlstellungen des Fußes und somit oft auch Schmerzen im Knie zu vermeiden. Lass die Cleats am besten von einem Fachmann einstellen oder nutze spezielle Tools zur Positionierung. Mit dem Ergon TP1 Cleat Tool stellst du präzise die Längsorientierung, den Q-Faktor und den Fußwinkel ein.
Überprüfe die Höhe und Neigung Deines Sattels. Ein gut eingestellter Sattel kann den Druck auf die Füße reduzieren und somit Taubheitsgefühle und Fußschmerzen verhindern. Ein ergonomisch angepasster Sattel - die Breite sollte an den Abstand der Sitzknochen angepasst sein und sowohl die Form des Sattels als auch seine Oberfläche sollten ergonomischen Anforderungen entsprechen - kann ebenfalls dazu beitragen, Beschwerden zu minimieren.
Lege beim Fahren regelmäßig Pausen ein, um die Füße zu entlasten und somit die Durchblutung - durch Vermeidung von Engstellen am Verlauf von Blutbahnen - zu fördern.
Taube Zehen beim Radfahren können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, die oft mit der Wahl der richtigen Ausrüstung und der Sitzposition beseitigt werden können und Dein Radfahrerlebnis verbessern. Achte auf gutsitzende Schuhe, eine korrekte Cleat-Position und eine optimale Sattel- und Lenker-Einstellung. Anleitungen und Tipps für diese Einstellungen findest Du in unserem Ergonomie Videokanal, auf unserer Ergonomieseite und mit Hilfe unserer Fitting Box.
Taube Hände beim Radfahren
Es gibt wenige Dinge, die deine Freude am Fahrrad effektiver zunichte macht als Schmerzen und Taubheitsgefühle in den Händen. Unangenehmes Kribbeln, eingeschlafene Finger und schmerzhafter Druck in den Handinnenflächen gehören zu den häufigsten Beschwerden beim Radfahren und sind für viele Radfahrer das Nummer Eins Thema, wenn es um Fahrkomfort geht.
Auf dem Bike lastet dein Köpergewicht auf drei relativ kleinen Kontaktflächen: Sattel, Griffe und Pedale. Für taube Hände und Schmerzen im Unterarm sind natürlich zum Großteil die Fahrradgriffe verantwortlich, auf die sich deine Hände, Arme und dein Oberkörper stützen. Manchmal haben deine Beschwerden auch andere Gründe. Zum Beispiel ist auch die Sitzposition mitverantwortlich dafür, an welchem Kontaktpunkt welcher Druck entsteht.
Die häufigste Ursache ist hoher punktueller Druck auf deine Handinnenflächen und falsche Haltung des Handgelenks, meist ausgelöst durch unergonomische Griffe oder eine falsche Sitzhaltung. Durch den Druck werden der Medianus- und Ulnarnerv geklemmt, was zu tauben Fingern führen kann. Unangenehmes Kribbeln in Daumen, Zeige- und Mittelfinger sind Folge eines zu stark abgeknickten Handgelenks, was den Karpaltunnel verengt. Auch Blutgefäße werden durch die Gewichtsbelastung komprimiert und zu eingeschlafenen Fingern führen.
Was gegen Taubheit und Schmerzen in den Händen helfen kann
Um zu verhindern, dass oben genannte Probleme auftreten, ist es notwendig, den punktuellen Druck, der während des Fahrens auf die Hände ausgeübt wird, besser zu verteilen. Ergon Griffe sind mit Flügeln versehen, welche die Auflagefläche für deine Hände vergrößern und so den Druck besser verteilen. Die Flügel sind in ihrer Größe und Form an ihren Einsatzzweck angepasst und sorgen so effektiv dafür, dass das Handgelenk nicht abknicken kann und stets eine ergonomische Haltung einnimmt, die deinen Karpaltunnel und deine Sehnen entlastet.
Die Möglichkeit zum Umgreifen ist ebenfalls sehr wichtig, denn eine zu statische Haltung führt schnell zu eingeschlafenen Fingern. Die Griffe sollten daher Raum für Mikrobewegungen bieten und Features haben, die es dir ermöglichen, deine Hand-Stellungen zu variieren.
Last, but not least, ermöglicht der gezielte Einsatz von hochwertigen Materialien zusätzliche Dämpfung, besseren Grip und deutlich verbesserten Fahrkomfort. Neben den Griffen sind die Einstellungen von Sattel und Fahrradlenker die häufigsten Gründe für taube Hände und schmerzende Nerven auf deinen Touren. Die richtige Sattel-Einstellung und Lenkerposition sind sehr wichtig für schmerzfreies Radfahren.
Taubheitsgefühle im Dammbereich
Wenn die Strecke steiler wird, leidet das Gefühl. Plötzlich spürt der Radfahrer nichts mehr, der Unterleib bleibt taub und reglos. Der kontinuierliche Druck im Schritt und das Hin- und Herrutschen auf dem Sattel können empfindliche Körperregionen in Mitleidenschaft ziehen - besonders bei der Bergauf-Fahrt.
Gefühlsstörungen am Damm und in der Genitalregion sind bei Radfahrern, die längere Strecken zurücklegen, sehr häufig. Männer wie Frauen berichten über entsprechende Missempfindungen. Bei Männern besteht jedoch die Gefahr, dass sich der Druck auf den Damm auch auf Fruchtbarkeit und Potenz auswirkt.
In einer Untersuchung der Universitätsklinik Köln, in der Probanden wöchentlich 400 Kilometer in die Pedale treten mussten, berichteten 61 Prozent über Taubheitsgefühle und 19 Prozent über vorübergehende Erektionsstörungen im Anschluss an die Strampelei.
In einigen Fällen hielt sie mehr als eine Woche oder sogar einen Monat lang an. Umfragen aus Nordrhein-Westfalen zufolge berichten Langstreckenradsportler dreimal so häufig von Erektionsstörungen wie gleich alte Nichtradler.
Dabei ist besonders gefährdet, wer Touren mit Rennrad oder Mountainbike zurücklegt. Die schmale harte Sattelnase kann die Leitungsbahnen zu den Beckenorganen in Bedrängnis bringen. Bei Mountainbikern kommen die Erschütterungen in unwegsamen Gelände hinzu.
Wenn sich der Schritt bei Radfahrern trotz aller Vorsichtsmaßnahmen taub anfühlt und Potenzstörungen drohen, kann das verschiedene Ursachen haben: Entweder geraten die Penis und Hodensack versorgenden Nerven - besonders der Nervus pudendus - unter Druck. Häufiger ist der Sauerstoffanteil im Blut vermindert, weil eine Schlagader, die Arteria pudenda interna, zwischen dem knöchernen Sitzbeinhöcker oder dem Schambein und dem Fahrradsattel abgeklemmt wird.
Nerv wie Arterie verlaufen unter den Gesäßmuskeln auf den Damm und den Penis zu. Sie können vom Sattel gegen die Knochen gedrückt werden, wenn das Körpergewicht beim Radfahren auf diesem Bereich lastet.
Dadurch kann es sogar zum Umbau der Schwellkörper kommen. Die Zusammensetzung des erektilen Organs ist von der Sauerstoffmenge im Blut abhängig. "Für eine gute Erektion sollte das Verhältnis von Bindegewebe zu glatter Muskulatur im Penis 50 zu 50 betragen", sagt Sommer. "Fehlt es dem Blut an Sauerstoff, wird mehr Bindegewebe aufgebaut und Muskelgewebe abgebaut. Durch diese Fibrosierung wird die Erektion mittelfristig schlechter."
Die Kölner Sporturologen haben verschiedene Sattelformen und Designs mit dieser Methode getestet. Die so genannten Damensättel schnitten am besten ab. Sie sind fast rund, mit mittlerer Polsterung und haben keine Spitze.
Bei Probanden mit dieser Sattelform sank die Sauerstoffversorgung im Penis nur um gut 20Prozent. Bei schmalen Rennrad- oder Mountainbikesätteln reduzierte sich der Sauerstoffdruck im Blut hingegen bereits nach halbstündiger Fahrzeit um mehr als 60 Prozent. Erstaunlich schlecht fiel der Test für die meisten der als "anatomisch" oder "bodygeometrisch" bezeichneten Sättel aus - die Sauerstoffreduktion im Penis betrug hier zwischen 60 und 70 Prozent.
Wenn die Form nicht stimmt, sind harte Sättel besser als weiche.
Über Taubheitsgefühle der Genitalien klagen überwiegend Männer. Durch falsch eingestellte, zu schmale bzw. Die Durchblutung verschlechtert sich. Im Dammbereich verlaufen viele Nerven und Gefäße die für die Erektion verantwortlich sind. Die Prostata beim Mann ist eine Drüse die ein Leben lang wächst. Bei Frauen liegt der Schambeinbogen tiefer. Deshalb kann es zu schmerzhaften Druckstellen durch die Sattelnase kommen.
Gleich vorweg, die Taubheitsgefühle, die bei Dir entstehen verursachen keine irreparablen Schäden. Wie Du wahrscheinlich selbst schon gemerkt hast, lassen die Taubheitsgefühle nach einer gewissen Zeit, wenn Du vom Rad abgestiegen bist nach.
Der Auslöser ist übermäßiger Druck auf den Dammbereich, also der Zone, die sich zwischen dem Sitzbein befindet. Als Resultat kommt es im Dammbereich zu einer Neuropraxie des Nervus pudendus (blau dargestellt) - hier insbesondere seiner Verästelung der Nervi perineales welche in den Bereich der Geschlechtsorgane führen.
Hier gilt eine sehr einfache Regel. Der Winkel, in dem das Becken stehen soll, darf nicht zu "flach" werden, d.h. nicht zu weit nach "vorne" in Richtung Lenker abkippen. Passiert das trotzdem, erfährt der Damm erhöhten Druck und es steht nur noch ein kleiner Teil des Sitzbeins zur Gewichtsablastung zur Verfügung. Erhöhter Druck im Dammbereich resultiert in der Belastung der oben genannten Nervenbahnen. Ergebnis sind genau die Taubheitsgefühle über die wir hier sprechen.
Sättel sind nicht dafür gemacht, dass man sitzt, wo es einem beliebt. Jeder Sattel hat eine klar umrissene Zone, die für gutes Sitzen gemacht ist. In der vereinfachten Satteldarstellung kannst Du erkennen, dass sich diese Zone grob im hinteren Drittel des Sattels befindet. Dort hast Du die größte Auflagefläche, das ist sehr wichtig.
Sitzt Du nun zu weit vorne, nimmst Du Dir nicht nur wertvolle Fläche zur Gewichtsablastung, sondern läufst zudem Gefahr, dass Du mit der knöchernen Sitzstruktur im Becken keinen Gegenhalt auf dem Sattel findest. Du also mit dem Sitzbein am Sattel „vorbeisitzst“ und sämtlicher Druck vom Gewebe zwischen dem Sitzbein abgefangen wird. Das ist schlecht. Hier ist die oben erwähnte druckempfindliche Zone.
Für uns ist der entscheidende geometrische "Parameter" die Form des Sattels in der designierten Sitzzone die sich im Querschnitt zeigt. "Flache Sättel" sind aus dem Versuch heraus entstanden den Damm so weit wie möglich zu entlasten. Das klappt außerordentlich gut, da Du beim flachen Satteltyp maximal "hoch" nahezu ausschließlich auf dem Sitzbein sitzt - allerdings erhöht dies den Druck auf das Sitzbein erheblich.
Je runder nun die Geometrie wird, desto mehr umgebendes Gewebe wird belastet. Ist die Geometrie zu „rund“ kann die Belastung in der Mitte, also im Dammbereich so stark zunehmen, dass Taubheitsgefühle entstehen können. Hier gilt es ein "vernünftiges" Mittel zu finden.
Die Rolle der Sattelbreite
Über die Sattelbreite und die Meinungen dazu könnte man Bücher schreiben. In unserem Kontext der Taubheitsgefühle im Dammbereich, sind, wenn es um Sattelbreite geht, immer zu geringe Breiten das Problem.
Ähnlich wie bei einer zu weit nach vorne gerückten Position auf dem Sattel kann es passieren, dass Du mit der knöchernen Sitzstruktur keinen Gegenhalt mehr auf dem Sattel findest, Du also wieder am Sattel „vorbeisitzst“. Das macht Druck im Dammbereich und wir haben das Dilemma.
Da Du Dich auf dem Sattel bewegst, muss die Breite/ Form zu den räumlichen Bewegungsanforderungen passen, sonst rubbelt und schleift es. Die Kombination aus Sitzpolster in der Hose (sofern Du eines hast) und der Sattelpolsterung bestimmt, wie tief das Sitzbein in das "Polstersystem" einsinken kann. Ist das System groß dimensioniert und weich sehr tief, bei geringer dimensionierten System, die härter sind weniger tief.
Bei unserem Thema, den Taubheitsgefühlen im Dammbereich, ist das zu tiefe Einsinken ein Problem. Findet die knöcherne Sitzstruktur keinen ausreichenden Gegenhalt im Polstersystem wird der Druck sich weiter im System auf das umgebende Gewebe verteilen, dazu kann auch Dein Damm zählen.
In der Praxis machen wir die beste Erfahrung mit Systemen, die im Aufbau nicht zu "dick" sind und dafür etwas "straffer" in der Härte der Polsterung. Also Finger weg von "fetten" windelartigen Sitzpolstern und massiven, weich gepolsterten "Komfortsätteln". Weniger ist hier definitiv mehr.
Zusammenfassung
Taubheitsgefühle beim Radfahren können viele Ursachen haben, von der Sitzposition über die Ausrüstung bis hin zur Fahrtechnik. Es ist wichtig, die Signale des Körpers ernst zu nehmen und die Ursachen zu erkennen. Mit den richtigen Anpassungen und einer bewussten Herangehensweise lassen sich die Beschwerden oft lindern oder ganz vermeiden, sodass der Spaß am Radfahren langfristig erhalten bleibt.
| Körperteil | Mögliche Ursachen | Lösungsansätze |
|---|---|---|
| Genitalbereich | Druck durch Sattel, falsche Sitzposition | Sattelneigung anpassen, ergonomischen Sattel verwenden, regelmäßige Pausen |
| Füße/Zehen | Unpassende Schuhe, falsche Cleat-Position, hoher Druck auf dem Fuß | Gutsitzende Schuhe, korrekte Cleat-Position, Einlegesohlen verwenden |
| Hände/Finger | Hoher punktueller Druck, falsche Handgelenkshaltung | Ergonomische Griffe verwenden, Sitzposition anpassen |
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