Die Ducati 999 ist der jüngste Spross einer legendären Baureihe erfolgreicher Superbikes aus Bologna. Zum Modelljahr 2003 kam mit der 999 ein stark überarbeiteter Nachfolger.
Misano, 1. August 2002 - Für die sportlich orientierte Biker-Fraktion wartete Ducati mit einer aufregenden Sensation auf: Die Italiener präsentierten mit der 999 einen neuen Top-Racer für Renn- und Hausstrecke. Standesgemäß ist das neue Spitzenmodell im typischen Ducati-Rot lackiert - dem Markenzeichen für Rennfahrzeuge „Made in Italy“.
Sie wurde jetzt unter dem Motto "Redvolution" der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Kunstwort "Redvolution" setzt sich aus den Elementen "Red" für Rot sowie "Evolution" und "Revolution" zusammen. Laut Ducati handelt es sich nämlich bei der 999 um einen revolutionären Entwicklungsschritt in der genannten Baureihe. Die Italiener sprechen von Hunderten Verbesserungen, von innovativen technischen Lösungen, von 30 Prozent weniger Bauteilen und von deutlich mehr Fahrspaß.
Die 999 ist die erste Ducati, die vollständig am PC per 3D Computer Aided Design (CAD) konzipiert wurde.
Design und Merkmale
Auffällig ist zunächst einmal die sehr gedrungene und schlanke Erscheinung. Die Designer haben viel Wert auf eine möglichst windschlüpfrige Form gelegt. So hat man die vorderen Blinker in die Rückspiegel integriert. Die Rückspiegel lassen sich übrigens leicht abnehmen. Sehr ungewohnt ist die Frontansicht.
Erstmalig kommen bei Ducati im Serienbau zwei übereinander angeordnete Ellipsoid-Scheinwerfer zum Einsatz. Mit einer ähnlichen Front war bereits im Herbst 2001 der Prototyp der Multistrada zu sehen. Sehr markant ist bei der 999 außerdem der große Schalldämpfer, der mittig unterm Heck verläuft. Auffällig ist außerdem das frei schwebende Heck.
Offensichtlich hat man wert auf maximale Lichtdurchlässigkeit zwischen Heckbürzel und Hinterrad gelegt. Während sich die Vorgänger 916, 996 und 998 durch eine elegante Einarmschwinge hinten ausgezeichnet haben, bietet die 999 eine konventionelle Zweiarmschwinge. Schade eigentlich. Viel Wert wurde auf die Symbiose von Fahrer und Maschine gelegt.
Außerdem wurde an der Ergonomie des Tanks gefeilt. Angeblich soll der Fahrer den Tank jetzt deutlich kompakter umschließen. Der luftige Gitterrohrrahmen bringt gerade mal zehn Kilogramm auf die Waage. Die neue Zweiarmschwinge wiegt mit 4,9 Kilo knapp die Hälfte. Insgesamt muss der 999-Pilot 199 Kilogramm bewegen.
50,7 Prozent des Gewichts ruhen auf dem Vorderrad, die restlichen 49,3 Prozent auf dem Hinterrad. Die serienmäßigen Lenkungsdämpfer sollen für bessere Stabilität sorgen. Bei niedriger Geschwindigkeit wurde durch den auf 28,5 Grad erhöhten Lenkungswinkel die Handlichkeit verbessert.
Motor und Leistung
Wenig neues gibt es vom Motor zu berichten. Der Testastretta wurde nur in einigen wenigen Details verbessert. In der 999 leistet er 124 PS bei 9.500 U/min.
Als revolutionär bezeichnet Ducati das Auspuffsystem der 999. Die Auspuffkrümmer der beiden Zylinder sind unterschiedlich lang. Für eine gleichmäßige Leistungsabgabe beider Zylinder sind gleich lange Krümmer optimal. Um den Längenunterschied zu umgehen, haben die beiden Krümmer der 999 unterschiedliche Durchmesser.
Der vordere Krümmer erweitert sich von 45 auf 55 Millimeter, während der hintere konstant 45 Millimeter dick ist. Genial ist die Heckansicht mit dem sehr eigenwillig geformten Endschalldämpfer. Zur Zeit soll die 999 dank Katalysator die Euro-1-Abgasnorm erfüllen.
Cockpit und Elektronik
Das Cockpit hat einige Neuheiten zu bieten: In der Mitte prangt ein großer analoger Drehzahlmesser. Darunter befindet sich ein rechteckiges Digitaldisplay. Es informiert über die Kühlertemperatur, Geschwindigkeitsanzeige, Kilometerzähler, Ladestrom, Lufttemperatur und Benzinverbrauch. Als besonderen Leckerbissen gibt eine Messuhr Auskunft über Rundenzeiten.
Diese wird per Druck auf den Startknopf aktiviert und misst pro Runde die Höchstgeschwindigkeit, die höchste Motordrehzahl und natürlich die gefahrene Rundenzeit. Die 999 ist serienmäßig mit einer Diebstahlsicherung ausgestattet. Nur wenn der Originalschlüssel verwendet wird, ist die Wegfahrsperre ausgeschaltet und der Motor startbereit.
Sobald die Zündung eingeschaltet ist, wird nämlich ein Code-Signal aus dem Schlüsselkopf überprüft. Die neue 999 hat also einiges zu bieten. Dafür wird der Kunde tief in die Tasche greifen müssen. Ducati will 17.000 Euro haben - plus die hierzulande fälligen 16 Prozent Mehrwertsteuer.
Technische Daten im Überblick
Hier ist eine tabellarische Übersicht der wichtigsten technischen Daten der Ducati 999:
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Motor | Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor |
| Hubraum | 998 cm³ |
| Leistung | 91 kW (124 PS) bei 9500/min |
| Drehmoment | 102 Nm bei 8000/min |
| Rahmen | Gitterrohrrahmen aus Stahlrohr |
| Gewicht vollgetankt | 215 kg |
| Tankinhalt | 15,5 Liter |
| Höchstgeschwindigkeit | 265 km/h |
Gebrauchtberatung
Mit ihrem radikalen Design war die 999-Baureihe nicht das beliebteste Bike der Ducati Historie. Aber unter der Optik steckt ein guter Supersportler.
Im Jahr 2003 schockierte Ducati die Welt, als der Hersteller den Nachfolger für sein beliebtes Superbike vorstellte. Die von Pierre Terblanche entworfene 999 hatte keinerlei optische Ähnlichkeit mit der kultigen 916-Silouette, die fast ein Jahrzehnt lang das Markenzeichen von Ducati gewesen war. Radikal und herausfordernd, ging die 999 für viele einen Schritt zu weit, und anstatt sie als das zu würdigen, was sie war - ein Sprung nach vorn im Design von V-Twin-Superbikes - wurde sie für ihren Mangel an optischer Attraktivität gescholten.
Der Desmo-V-Twin der 999 ist einfach herrlich und hat all die Leistung und das Drehmoment, die du von einem solchen Motorrad erwartest. Ducati hat es geschafft, die Kraftstoffeinspritzung auf den Punkt zu bringen und als Straßenmotorrad gibt es kaum etwas zu bemängeln, abgesehen von dem typischen Stottern eines großen V-Twins bei sehr niedrigen Drehzahlen.
Die erste Generation der 999 ist für sich genommen in Ordnung, aber wenn du entweder die S aus diesem Jahr oder die aktualisierte 999 von 2005 ausprobierst, wirst du etwas enttäuscht sein. Die 999 aus den Jahren 2003 und 2004 ist im Vergleich dazu ziemlich leistungsschwach und wenn du die Wahl hast, ist es besser, ein späteres Motorrad zu kaufen.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, die 999 ist ziemlich teuer, was die Wartung angeht. Alle 10.000 Kilometer (oder jährlich) muss sie gewartet werden und alle zwei Jahre oder 20.000 Kilometer müssen neue Nockenwellenriemen und das Ventilspiel beim "Desmo Service" überprüft werden.
Der Kabelbaum der 999 hat Probleme im Bereich des Batteriekastens, wo er durch die Hitze und das eindringende Wasser des Motors korrodiert, das Benzinpumpenrelais (das sich in diesem Bereich befindet) fällt mit schöner Regelmäßigkeit aus und das Scheinwerferrelais (das sich in der Scheinwerfergruppe befindet) ebenfalls.
Solange sie regelmäßig gewartet wird, ist die 999 ein sehr zuverlässiges Motorrad, denn der Testastretta-Motor ist ein bewährtes Aggregat ohne nennenswerte mechanische Probleme - anders als die älteren 916/996-Modelle!
Wenn du etwas mehr Leistung willst, ist ein Nachrüstauspuff eine gute Option, denn die 999 reagiert sehr gut darauf, wenn man sie atmen lässt. Vor allem, weil der Originalauspuff ein etwas seltsames Design hat (das Rohr eines Zylinders hat einen größeren Durchmesser als das des anderen) und außerdem durch Katalysatoren verstopft ist.
Eines der besten Dinge, die du an einer 999 tun kannst, ist das Fahrwerk von einem Fachmann einstellen zu lassen, da dies das Fahrgefühl deutlich verändern kann.
Ducatis haben sich schon immer auf die Bremsen von Brembo verlassen und an den "konventionell" montierten Bremssätteln der ersten Generation der 999 und 999S gibt es nicht viel auszusetzen, zumal Stahlflex-Leitungen zur Serienausstattung gehören. Mit dem 2005er Update erhielt die S radiale Bremssättel, die zwar cooler aussehen, aber im Straßenverkehr nicht spürbar effektiver sind.
Die Wegfahrsperre der 999 ist keine Fahrerhilfe im eigentlichen Sinne, aber sie ist sehr störanfällig. Deshalb solltest du das Motorrad immer ein paar Mal starten und abstellen, um sicherzugehen, dass sie funktioniert, und nach dem roten Hauptschlüssel Ausschau halten, der beim Erstkauf dabei ist.
Obwohl die Ducati 999 zu ihrer Zeit viel geschmäht wurde, ist sie ein wirklich tolles Motorrad und ihr spezielles Aussehen hat sich mit dem Alter sicherlich gemildert. Die Tatsache, dass sie umstritten war, trägt ein wenig zu ihrer Mystik bei, und obwohl sie nie als so elegant wie die 916-Generation gelten wird, ist sie dennoch ein herausragendes Modell in der Geschichte von Ducati.
Die Ducati 999 im Vergleich
In der Welt der Supersportler gibt es viele Konkurrenten. Die Ducati 999 eckte nur mit ihrem Aussehen an. In Sachen Performance hatte sie die Nase vorn. Wie schlägt sich das Superbike als Gebrauchte?
Schon beim ersten Kontakt bietet sie dem Piloten das bessere Ergonomiepaket inklusive zahlreicher Einstellmöglichkeiten - von den Rasten über die Hebelei bis hin zur Tank-Sitzbank-Kombi bei der einsitzigen Monoposto-Variante. Auch antriebstechnisch steckt die 999 die Vorgängerin in den Sack.
Dank modifizierter Airbox und ausgefeilter Krümmergestaltung mit unterschiedlichen Rohrquerschnitten bringt die 999 spürbar mehr Drehfreude und weniger Lastwechsel mit. Das Ganze eingebettet in ein Fahrwerk, mit dem in Sachen Balance und Handlichkeit förmlich Kreise um die sturen Vorgängerinnen gefahren werden können.
Auch in puncto Wirtschaftlichkeit kann sich die 999 sehen lassen. Dank des rationelleren Aufbaus - die 999 kommt mit rund einem Drittel weniger Teilen aus - sinkt auch der Wartungsaufwand beträchtlich: Bei Inspektionen ist dank geringerer Rüstzeiten ein Drittel Zeitersparnis gegenüber der 916-Reihe drin.
Besichtigung
Bei Ducati-Spezialisten gilt die 999 als sehr zuverlässig. Was aber nicht heißt, dass man das Superbike mit Testastretta-Motor blind kaufen kann.
Wichtig ist, dass bei den betroffenen 999ern des Modelljahres 2003 die zweiteiligen Spulenstecker gegen solche mit angegossenem Zündkabel ausgetauscht sind. Damit sind auch Folgeschäden am Steuergerät so gut wie ausgeschlossen. Weiterhin droht der Elektro-GAU, wenn das Hauptstromrelais unterhalb der Batterie im Verkleidungskiel massiv Spritzwasser ausgesetzt ist.
Am Rahmenheck sollte die Auspuffhalterung auf Spannungsrisse hin kontrolliert werden. Bei manchen 2003er und 2004er Modellen mit Öhlins-Fahrwerk (999 S, 999 R) können (unter anderem bei längerer Standzeit) die Gabelsimmeringe leckschlagen. Klassischer Prüfpunkt bei allen Ducatis: der regelmäßige Zahnriemenwechsel.
Marktsituation
Der Blick auf die Verkaufszahlen der 999 ist zunächst irreführend, denn das Angebot am Markt ist gemessen an der Verbreitung sehr hoch. Entsprechend können sich Interessenten gezielt das Wunschmodell herauspicken. Die älteren 2003er und 2004er Modelle sind dabei genauso empfehlenswert wie die modellgepflegte, stärker motorisierte 999 ab Baujahr 2005.
Tipp: Lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen und nach einer top gepflegten 999 für 8000 Euro Ausschau halten. Dazu auf Wunschdetails (Mono-/Biposto, Rahmenfarbe, Bremse, Schwinge) achten.
Die umstrittene Verkleidung ist nun deutlich glatter geworden. Die von vielen als besonders hässlich empfundenen oberen Luftführungsteile entfielen, die Lufteinlässe wurden neu gestaltet. Die Designer verbreiterten das Verkleidungsoberteil und montierten eine stärker gewölbte und damit 20 Millimeter höhere Scheibe.
Wo beim Vorjahresmodel noch ein eher unscheinbares Gußteil Dienst tat, ist nun eine aus zwei verschweißten Hälften bestehende Kombination von Stahlprofilen und Gußteilen montiert. Das üppig dimensionierte Teil wiegt etwas weniger und soll laut Ducati 27 Prozent steifer als das Vorgängermodell sein.
Die 999 S
Die Ducati 999 S wird von Ducati im Zeitraum 2003 bis einschließlich 2006 produziert. Sie stellt eine höherwertig ausgestattete Variante der Ducati 999 dar und richtet sich an sportlich orientierte Fahrer mit Ambitionen für den Rennstreckeneinsatz.
Im Fahrwerksbereich setzt Ducati bei der 999 S durchgehend auf voll einstellbare Öhlins-Komponenten. Die Upside-Down-Gabel sowie das zentrale Federbein stammen vom schwedischen Hersteller und bieten umfangreiche Einstellmöglichkeiten für Zug- und Druckstufe sowie Federvorspannung. Ein serienmäßiger Öhlins-Lenkungsdämpfer ergänzt das Setup.
Im Modelljahr 2005 erfährt die Ducati 999 S eine optische Überarbeitung. Die Frontverkleidung wird schmaler gestaltet, die Lufteinlässe modifiziert. Auch Tank und Sitzbank erhalten kleinere Anpassungen. Technisch bleibt das Modell weitgehend unverändert. Die letzte Modellversion wird 2006 produziert. Ab 2007 wird die 999-Baureihe durch die Ducati 1098 abgelöst.
Technische Daten der Ducati 999 R (2006)
- kW/PS: 110 kW/149 PS
- Hubraum: 999 cm³
- Drehmoment: 117 Nm
- Leergewicht: 0 kg
- maximales Gewicht: 312 kg
- Sitzhöhe: k.A. mm - k.A. mm
- Preis: k.A. €
Technische Daten der Ducati 999 S (2006)
- kW/PS: 105 kW/142 PS
- Hubraum: 997 cm³
- Drehmoment: 112 Nm
- Leergewicht: 0 kg
- maximales Gewicht: 390 kg
- Sitzhöhe: k.A. mm - k.A. mm
- Preis: k.A. €
Technische Daten der Ducati 999 (2006)
- kW/PS: 103 kW/140 PS
- Hubraum: 997 cm³
- Drehmoment: 109 Nm
- Leergewicht: 0 kg
- Sitzhöhe: k.A. mm - k.A. mm
- Preis: k.A.
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