Bremsen sind ein entscheidender Faktor für Kontrolle und Sicherheit auf dem Fahrrad. Trotzdem schenken ihnen die meisten Radfahrer kaum Beachtung. Zu Unrecht! Eine oft gehörte Frage beim Radkauf: „Hat das Rad eine XT-Schaltung?“ Gemeint ist das XT-Schaltwerk, auf das die Kundschaft stark achtet. Die Bremsanlage? Egal. Dabei sorgt diese doch für eine kontrollierte Entschleunigung und damit Sicherheit.
Bremsen im Test: Tektro und Shimano im Fokus
Die Big Player im Erstausrüstergeschäft (Neuräder) sind Magura, Shimano, Sram und Tektro.
Montage und Wartung
Bevor die Bremsen an Gabel und Rahmen angebaut werden, sollten die Aufnahmen und Adapter mit einem Spezialwerkzeug plangefräst werden. Der Grund: Meist befindet sich Lack auf Rahmen und Gabel, wodurch die Bremse nie perfekt zur Bremsscheibe ausgerichtet ist. Beim Arbeiten an Bremsanlagen sollte zudem mit der nötigen Sorgfalt und mit passendem Spezialwerkzeug gearbeitet werden. Erstmal müssen Montage und Wartung einfach von der Hand gehen. Zur Anpassung an individuelle Vorlieben lässt sich an jeder Bremse die Hebelweite zum Lenker justieren.
Damit eine Bremse auf Dauer ihre Arbeit einwandfrei verrichtet, gehören Wartung und Service dazu. Hier spielt das Bremsmedium eine wichtige Rolle, denn im Radbereich gibt es aktuell vier verschiedene Typen, die untereinander nicht kompatibel sind! Vorteilhafter und immer weiter verbreitet sind indes Mineralöle, wie sie Magura, Shimano, Tektro und TRP einsetzen. Sie sind etwas dickflüssiger als DOT, greifen Oberflächen nicht so aggressiv an und brauchen keinen regelmäßigen Wechsel. Allerdings gibt es keinen Standard für Mineralöle, daher sollte nur die jeweilig vorgeschriebene Variante bei einer Bremse eingesetzt werden.
Beim Spülen und Entlüften des Bremssystems achten wir auf eine gute Zugänglichkeit und Bedienung der Serviceports sowie den Entlüftungsvorgang an sich. Shimano XT und Sram sind hier perfekt.
Bremskraft und Beläge
Die Bremskraft ergibt sich aus dem Übersetzungsverhältnis des Bremshebels zum -sattel, der Scheibengröße sowie dem Zusammenspiel von Belag und Bremsscheibe. Den Belägen kommt eine elementare Aufgabe zu: Sie sind Hauptreibpartner und damit zum Großteil für die Performance einer Bremse verantwortlich. Auf dem Markt gibt es organische, semi- oder Sintermetallbeläge. Die meisten Hersteller haben verschiedene Belagstypen im Portfolio.
Damit die Bremsanlage von Anfang an ihre Leistung abruft, müssen Beläge und Scheibe aufeinander eingebremst werden.
- Auf circa 20 km/h beschleunigen, im Sattel sitzen bleiben und langsam, gleichmäßig bis auf Schrittgeschwindig keit abbremsen.
- Wichtig: Bremsungen bis zum Stillstand vermeiden!
- Nun auf 30 km/h beschleunigen und erneut bis auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen.
- Vor der ersten Ausfahrt das Bremssystem abkühlen lassen.
Hydraulische Scheibenbremsen
Grundsätzlich gibt es rein mechanische und hydraulische Scheibenbremsen.Bei der hydraulischen Scheibenbremse gibt es wiederum zwei Ausführungen: Normalerweise ist der Geberkolben im Bremshebel, es gibt jedoch auch eine spezielle Ausführung mit Geberkolben im Bremssattel, welcher mittels Bowdenzug und herkömmlicher Bremshebel betätigt wird. Die im Bremssattel liegenden Bremsbeläge werden gegen die auf der Nabe montierte Bremsscheibe gedrückt, die je nach Hersteller etwa 2 mm dick ist.
Hydrauliksysteme mit Mineralölfüllung sind unempfindlicher gegen eindringendes Wasser. Das Öl ist nicht hygroskopisch und ungiftig. Anbieter dieser Bremssysteme sind u.a. Shimano, Magura oder Tektro. Avid und Sram setzten dagegen auf DOT Bremsflüssigkeit. Bremsflüssigkeit ist giftig und kann den Lack angreifen.
Bremsgeräusche
Quietschende Scheibenbremsen sind zumeist auf verschmutzte Scheiben oder Beläge zurückzuführen. Werden die Bremsen durch extreme Belastungen überhitzt, können manche Beläge verglasen und fangen dann ebenfalls an zu quietschen. Sollte Fett oder Öl auf die Scheiben kommen, sind sowohl Scheibe, als auch die Beläge zu tauschen.
Tektro vs. Shimano: Eine Gegenüberstellung
Tektro sehe ich als Hersteller günstiger Bremsen in diesem Bereich bei den einfachen gleichauf mit Shimano. Die Marke ist in China ansässig und dort präsenter als in Europa. Im Highend-Bereich hat Shimano ganz klar die Nase vorn.
Ich erlaube mir das Adjektiv günstig, weil Tektro an Fertigrädern eher in diesem Segment vertreten ist als im Bereich Highend. Und auch aufgrund meiner Erfahrungen mit der HD-E715 an meinem Giant Quick S Pedelec. Im Web habe ich einen Test der Auriga Comp gefunden, die im Vergleich zu den anderen Kandidaten als "extrem günstig" beschrieben wird, und sehr gut abgeschnitten hat.
Tipps zur Pflege von Tektro Scheibenbremsen
Wenn Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, sollten Sie sich immer zu 100 % auf die Bremswirkung der Fahrradbremsen verlassen! Egal, ob Sie in den Bergen, im Offroad-Gelände oder auf gut asphaltierten geraden Straßen fahren - aus Sicherheitsgründen ist eine einwandfrei funktionierende Tektro Scheibenbremse von höchster Bedeutung. Wenn plötzlich eine Gefahrensituation da ist, müssen Sie sich auf das präzise und zuverlässige Verringern der Geschwindigkeit absolut verlassen können, um so Unfälle zu vermeiden.
Wenn Sie feststellen, dass Sie sich nicht mehr absolut auf die Bremswirkung verlassen können, da sie schwächer geworden ist, müssen Sie dringend etwas tun.
- Verschlissene Bremsbeläge: Nach einer gewissen Abnutzung müssen die Beläge daher getauscht werden. Die Bremsbeläge sollten 1 mm Dicke nicht unterschreiten!
- Verschmutzung: Andauernde Verschmutzungen mindern sonst die Bremskraft an Ihrem Fahrrad und beschleunigen noch dazu den Verschleiß. Die Bremsbelags-Oberfläche kann vorsichtig mit feinem Schmirgelpapier gesäubert werden. Um dann die Bremsscheibe und den Sattel zu reinigen und von Schmutz zu befreien, ist es nötig, die Beläge auszubauen. Der Sattel kann mit Wasser mit etwas Reinigungsmittel (Spülmittel) gesäubert werden; für die Scheibe kann Alkohol zum Putzen genommen werden. Wichtig ist, danach alle Komponenten gut zu trocknen, bevor sie wieder eingebaut werden!
- Verglaste Bremsbeläge: Oftmals hören Sie auch ein unangenehmes Quietschen oder fühlen ein Vibrieren. Wenn nur eine leichte Verglasung an den Belägen vorliegt, können Sie Glück haben und versuchen, die oberste Schicht mit Schleifpapier zu beseitigen - tragen Sie diese ab, bis kein Glanz mehr zu sehen ist. Achten Sie unbedingt darauf, gleichmäßig - und keinesfalls schräg! - abzuschleifen.
- Neue Bremsbeläge einbremsen: Sonst können diese ihr Brems-Potential nicht optimal entfalten. Wenn Sie diesen Vorgang nicht durchführen, verschleißen die Beläge vorzeitig bzw. sie verglasen - und es kann passieren, dass die Tektro Bremsscheiben sogar beschädigt werden.
- Ungenügender Druckpunkt: Oftmals befindet sich Luft im System (kann durch häufigen Transport im Liegen oder über Kopf entstehen). Die Luft wandert dabei von der Bremszange in den Schlauch - der Druckpunkt ist dann nicht mehr gut greifbar. Wenn dies so ist, müssen Sie die Fahrradbremse entlüften.
- Fading: Scheibenbremsen von Tektro benötigen zwischendurch immer wieder ausreichend Gelegenheit um Abzukühlen. Bei hochwertigen Tektro-Produkten ist die Gefahr von „Fading“ nicht ganz so hoch, denn die Bremsscheiben von Tektro verfügen über ein ganz besonderes Belüftungssystem.
- Schleifende Bremsen: Schleifende Bremsen können auch auf eine unzureichende Montage zurückzuführen bzw. kann es passieren, dass die Schrauben am Tektro Bremssattel sich im Laufe der Zeit durch Vibrationen gelockert haben. Ein Seitenschlag in der Tektro Bremsscheibe kann ein punktuelles Schleifen verursachen. Versuchen Sie, die Scheibe selbst per Hand zu korrigieren. Wenn dies nicht machbar ist, ist ein Austausch nötig.
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