Tennisarm: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Nicht immer ist zu viel Sport Schuld, wenn der Ellenbogen oder das Knie schmerzt. Manchmal sind es unerkannte Vorerkrankungen, die sportlichen Aktivitäten im Wege stehen - und im schlimmsten Fall sogar lebensgefährlich sind. Stichwort Herzinfarkt auf dem Fußballplatz.

Was ist ein Tennisarm?

„Tennisarm“ nennen es die einen, die anderen sagen „Tennisellenbogen“ dazu. „Der medizinische Fachausdruck lautet Epiconylitis,“ erklärt Dr. Antonios Giannakos. Der Oberarzt leitet die Abteilung Schulter- und Ellenbogenchirurgie der Orthopädischen Klinik an der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg.

„Es handelt sich - obwohl es so klingt - nicht um eine Sportverletzung. Bis zu neun Prozent der Bevölkerung leiden an dieser Krankheit - mit wachsender Zahl bei zunehmendem Alter. Allein in Hamburg gibt es rund 100.000 Betroffene. Sie klagen vor allem über Schmerzen am Ellenbogen, sobald die Muskulatur am Unterarm oder der Hand belastet werden. Dr. med. Giannakos: „Letztendlich verursachen sogar das Anheben einer Kaffeetasse oder das Greifen nach einem Buch Schmerzen.“

Ursachen des Tennisarms

Schlecht trainierte Rücken-, Arm- oder Handmuskulatur, einseitige, immer wiederkehrende Bewegungen oder auch Fehlhaltungen können Ursachen für ein oft monatelanges Schmerzbild sein.

Die Hauptursache für einen Tennisarm ist die Überbeanspruchung der Streckmuskeln des Unterarms durch einseitige oder sich wiederholende Bewegungen. Oft entsteht diese Erkrankung beim Spielen von Schlägersportarten mit falscher Technik, wie beispielsweise Tennis. Heutzutage lösen intensives Heimwerken wie z. B. sich wiederholende, repetitive Bewegungen am Arbeitsplatz, wie z. B. Arbeiten am Computer (Mausarm), eine Epicondylitis aus.

Es ist erwähnenswert, dass Menschen mit bestimmten Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Menschen, die anfälliger für Tendinitis sind, wie z. B. Wer zum Beispiel viel mit der Computermaus arbeitet, viel tippt oder mit schwerem Gerät wie Bohrmaschine oder Presslufthammer zu tun hat, kann sehr schnell in eine mechanische Überlastung kommen. Wenn dann die Greifbelastung plus Vibrationen auf dem Rad dazu kommen, können Probleme am Ellenbogen auftreten.

Arthrose oder andere rheumatische Erkrankungen sowie deutlich seltener klassische Knochen- oder Gelenkerkrankungen wie Osteoporose oder Gicht machen sich am Ellbogen recht früh bemerkbar.

Tennisarm und Radfahren

Wenn beim Radfahren Knie, Schenkel, Fuß oder Hüfte schmerzen, passt das zur beinlastigen Sportart. Aber Schmerzen im Ellenbogen und Unterarm, die bis in die Hände und Schulter ziehen können, lassen sich bei der eher passiven Haltearbeit auf dem Rad nicht so leicht erklären. Dabei ist der Anteil, den die Arme an der Gesamtleistung auf dem Rad leisten, nicht zu unterschätzen.

Neben dem Radfahren sind weitere Sportarten bekannt dafür, gerade die Ansätze der Sehnen, die für erwähnte Rotation im Unterarm zuständig sind, zu belasten. Der berühmte Tennisarm ist da das beste Beispiel oder der Golfer-Ellenbogen.

Der berühmte Tennisarm könnte genauso gut auch Mountainbike-Ellbogen heißen. Diese Entzündung am Ursprung der Finger-Streckmuskeln im Unterarm wird hier auch sehr regelmäßig diagnostiziert.

Völlig gestreckt, wenn die Unter- und Oberarmknochen quasi senkrecht aufeinanderstehen, gehen Schläge vom Lenker direkt durch bis in den Nacken, Rücken und eben auch ins Ellbogen-Gelenk. Die Ellenbogen beim Radfahren nie komplett durchzudrücken ist eine der obersten Grundsätze für gesundes und präventiv schmerz- und verletzungsfreies Radfahren - auch wenn die Haltung Komfort und Kraftersparnis verspricht!

Unter Pronation versteht man die Rotation im Unterarm bis die Handflächen nach unten zeigen. Bei diesem Eindrehen wickeln sich vereinfacht ausgedrückt die Muskeln, die die Finger strecken und das Handgelenk zum Handrücken hin ziehen, diagonal um Elle und Speiche und sind dadurch auf Spannung. Ihr oberer Ansatzpunkt. Ursprung genannt, liegt an der Ellbogenaußenseite, genauer gesagt am epicondylus lateralis, der knöchernen Spitze auf der dem Körper abgewandten Seite des Ellbogens. Durch diesen dauerhaften Zug plus die Vibrationen aus dem Lenker reibt der Ansatz der Sehne heftig an diesem exponierten Knochen, was zu Entzündungen und Reizungen führen kann.

Vorbeugung und Behandlung beim Radfahren

Da weder Unebenheiten auf der Straße noch die Vibrationen im Lenker komplett abzustellen sind, sollte man sich prophylaktisch, und erst recht, wenn einen schon Schmerzen im Ellbogen belasten, darauf konzentrieren, die beteiligten Strukturen auf dem Rad wie auch im Alltag zu entlasten.

  • Wenig auf die Unterarme aufstützen und möglichst wenig mit nach unten gewendeten Handflächen arbeiten, das fällt nicht nur bei einem Büroarbeitsplatz schwer.
  • Auf dem Fahrrad sind es dann eine gute, ergonomische Hardware sowie eine optimale Sitzposition, die die Ellbogen und besonders deren epicondylen entlasten.
  • Korrekter Lenkerabstand: Rahmenlänge, Vorbaulänge und Lenkerform bestimmen, wie weit die Griffe jeweils vom Nutzer oder der Nutzerin entfernt sind. Bei Schmerzen in den Ellenbogen ist diese Entfernung meist etwas groß, weshalb man zu völlig gestreckten Armen neigt.
  • Ein großes Problem für die Ellbogen sind Dauerbelastungen in immer gleicher Position. Deshalb ist es hilfreich, gerade auf Langstrecken regelmäßig den Winkel der Ellenbogen und die Rotation der Unterarme zu variieren. Die Handhaltung mit den Daumen nach oben beziehungsweise vorne wie an Barends oder den Bremsgriffen von Dropbars ist sogar die natürlichere.
  • Ergonomische Griffe mit zusätzlichen Griffpositionen bringen an Flatbars Erleichterung.
  • Neben den Armen als Puffer und eventuellen Federgabeln kann auch ein Lenkergriff / Griffband die Impulse vom Lenker mindern.
  • Fahrer*innen mit Dropbar können das Lenkerband dicker oder doppelt wickeln oder ein BT OrthoCell Pad Set von Ergon auf den Stützflächen platzieren. Vielleicht muss es auch nicht die steifste Lenker-Vorbau-Kombination am Markt sein, je nach Typ schlucken diese Fahrradparts ebenfalls kleine Schläge.
  • Bei flachen Lenkern empfehlen sich Griffe mit einer gedämpften Oberseite, die aber nicht rundum weich sind, da beim Ziehen an der Unterseite Kraft verloren geht.
  • Die Ausrichtung der Bremsen bzw. Bremshebel ist besonders beim Mountainbiken und Tourenfahren wichtig. Oft sieht man Bremshebel und Lenker auf horizontal gleichhoher Linie. Infolgedessen werden jedoch die Handgelenke nach oben abgewinkelt. Das ist nicht gut. Finger und Unterarm sollten auf einer Linie liegen, wenn man nach den Hebeln greift.

Symptome und Diagnose

Meist ist es ein lokaler Schmerz am Knochenvorsprung von Ellenbogen, entweder innen oder außen. Die Schmerzen können bis in den Unterarm oder das Handgelenk ausstrahlen. Die Schmerzen können gelegentlich in Verbindung mit einer Muskelschwäche einher gehen.

In der klinischen Untersuchung äußert sich der Tennisarm anhand starker Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens. Diese lassen sich auslösen, wenn der Patient mit dem Handrücken von unten gegen einen Widerstand drückt.

Um die Diagnose zu sichern, können zusätzlich bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Magnetresonanztomographie - kurz MRT - oder Ultraschall zum Einsatz kommen.

Behandlungsmöglichkeiten

Dr. Giannakos: „Eine auf den Patienten abgestimmte Therapie nach exakter Voruntersuchung ist ausschlaggebend für den Heilungserfolg.“ Es gibt physiotherapeutische Maßnahmen, Kälteanwendung, Spritzentherapie (Lokalanästhetikum, Cortison) und Bandagen.

In den meisten Fällen heilt der Tennisellenbogen auf konservative Weise, also ohne operativen Eingriff. Damit die gereizten Sehnen zur Ruhe kommen, ist zunächst eine konsequente Trainings- beziehungsweise Belastungspause angesagt. Anfangs können Schmerzmittel helfen, die Beschwerden zu lindern, in dem Fall sogenannte nicht steroidale Antirheumatika als Tabletten oder lokale Salbenverbände.

Gleichzeitig empfiehlt es sich, die Arm- und Handgelenksmuskulatur durch spezielle Bewegungs- oder Ergotherapie zu dehnen und zu stärken. Bei Bedarf können Ellenbogenbandagen oder spezielle Verbände die Muskulatur stabilisieren und entlasten. Bessern sich die Beschwerden nicht, kann im akuten Entzündungsschub eine sogenannte Infiltrationstherapie mit Lokalanästhetika oder Kortison erfolgen.

Eine Kombinationstherapie mit Reizstrom, Ultraschall oder Stoßwellentherapie (ESWT) kann ebenfalls die Schmerzen reduzieren.

Übungen gegen den Tennisarm

  1. Exzentrisches Training: Ausgangsstellung: Sitz auf einem Stuhl neben einem Tisch. Legen Sie den Unterarm so auf dem Tisch ab, dass die Hand über die Tischkante herunterhängt. Durchführung: Die nicht betroffene, freie Hand führt nun die Bewegung der betroffenen Hand mit dem Gewicht nach oben. Der betroffene Arm hilft bei dieser Bewegung nicht mit. Nehmen Sie nun die freie Hand weg. Lassen Sie mit dem betroffenen Arm das Gewicht langsam und kontrolliert in die Ausgangsposition zurücksinken. Wiederholen Sie die Bewegung 10-mal. Dies entspricht einem Satz. Führen Sie 2-3 Sätze mit jeweils circa 60 Sekunden Pause zwischen den Sätzen durch.
  2. Dehnübungen: Ausgangsstellung: Der betroffene Arm ist vor dem Körper. Ballen Sie eine Faust und winkeln Sie Ihr Handgelenk nach vorne ab. Drehen Sie es zur Kleinfingerseite. Durchführung: Umgreifen Sie nun mit der freien Hand Ihre andere Hand. Bewegen Sie Ihren Arm und Ellenbogen langsam in Streckung. Spüren Sie dabei den Zug in Ihrem Ellenbogen. Ein leichter Dehnschmerz ist normal. Halten Sie diese Position. Halten Sie diese Dehnung für mindestens 30 Sekunden und wiederholen Sie die Übung 2-3 mal.
  3. Faszienrolle: Rollen Sie mit dem Faszienball oder der -rolle langsam und sanft die schmerzhafte Muskulatur an der Außenseite Ihres Unterarms entlang. Ein leichter Schmerz ist normal. Sie können die Anwendung mehrmals durchführen, bis Sie eine Verringerung der Schmerzen verspüren.

Wenn die konservativen Therapieansätze keine Besserung bringen, bietet die arthroskopische Operation eine weitere Option. Dafür wird die betroffene Sehne eingekerbt. Dies entlastet sie und führt dazu, dass die Reizung nachlässt.

Vorbeugung ist besser als Nachsorge

Auch wenn Sie Ihren Tennisellenbogen gut auskuriert haben, können die Beschwerden wiederkommen. Schließlich wollen Sie aber nicht für immer auf Ihren Sport verzichten beziehungsweise wieder wie gewohnt Ihrer Arbeit nachgehen.

Erfahren Sie im Folgenden, wie Sie erneuten Entzündungen vorbeugen können:

  • Holen Sie sich Rat bei erfahrenen Sportmedizinern, Physiotherapeuten oder Sportwissenschaftlern. Sie können mit Ihnen videogestützte Bewegungsanalysen durchführen und, wenn nötig, Bewegungsmuster korrigieren, also Sie zum Beispiel zur korrekten Schlagtechnik beim Tennis beraten.
  • Für Sportgeräte können sie etwa dämpfende Schlägerbespannung und Griffband in der passenden Stärke empfehlen sowie Tipps für einen ergonomischen Arbeitsplatz geben.
  • Legen Sie regelmäßig Pausen ein, um Ihre Arme zu entspannen.
  • Tragen Sie eventuell eine sogenannte Epicondylitis-Spange. Dies ist eine spezielle Druckbandage, die den Muskelansatz am Ellenbogen entlastet.

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