Shimano Fahrradmotor Testberichte: Ein umfassender Überblick

Shimano ist ein etablierter Name in der Fahrradwelt, bekannt für seine zuverlässigen Komponenten. Auch im Bereich der E-Bike-Motoren mischt Shimano seit den Anfängen mit und bietet eine breite Palette an Antrieben für unterschiedliche Einsatzbereiche. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Shimano Fahrradmotoren basierend auf aktuellen Testberichten.

Shimano Steps E6100: Der Allrounder für Stadt und Trekking

Der Shimano Steps E6100 wurde speziell für sportliche City-Fahrer, Pendler und Trekkingfahrer entwickelt. Er bildet eine Symbiose aus MTB- und Trekking-/City-Eigenschaften und knüpft nahtlos an seinen Vorgänger, den E6000, an, bietet aber zahlreiche technische Neuerungen.

Der E6100 ist kompakter als sein Vorgänger und passt in die Aufnahme des sportlichen E8000. Er wird von neuen, ebenfalls kompakteren Akkus mit 418 Wh oder 504 Wh Kapazität gespeist. Das Innenleben der Antriebseinheit sorgt für minimalen Widerstand bei ausgeschaltetem Motor und garantiert, zusammen mit der überarbeiteten und optimierten Charakteristik der Antriebsmodi, eine um 20 % verbesserte Antriebseffizienz. Im Zusammenspiel mit dem neuen Ladegerät werden die Ladezeiten erheblich verkürzt.

Auch das Display und die Konnektivität wurden verbessert. Das Display des E6000 wurde redesigned, bleibt aber gut ablesbar und kontrastreich. Neu ist die Bluetooth Smart ANT+ Schnittstelle. Im Zusammenhang mit der Produktvorstellung des Shimano Steps E6100 wurde auch die neue E-Bike Nabe Nexus Inter-5E vorgestellt, die eine Bandbreite von 263 % über fünf Gänge bietet.

Praxistest des Shimano Steps E6100

Im Praxistest des Magazins Velomotion stand im Vordergrund, wie sich der Antrieb in der Praxis schlägt. Shimano hatte die Tester nach Berlin eingeladen, um eine Testflotte mit dem neuen E6100 Motor Probe zu fahren. Der Testfahrer entschied sich zu Beginn für den manuellen Schaltmodus und die niedrigste Unterstützungsstufe.

Im Testbericht schreibt er: „Der Motor unterstützt deutlich spürbar, ohne jedoch unangenehm oder unnatürlich zu werden. Die Geräuschkulisse ist im Eco Modus selbst in kleinen Nebenstraßen ohne Verkehr kaum wahrnehmbar und ein deutlicher Fortschritt zum Vorgänger, der stets ein hörbares Summen von sich gegeben hatte.“

Zum Wechseln der Unterstützungsstufe schreibt Velomotion: „Das Wechseln der Unterstützungsstufe erfolgte am Test Rad durch einen kurzen Druck auf die Taste der Bedieneinheit. Die anderen Unterstützungsmodi beschleunigen das E-Bike ohne viel Mittreten schnell auf Geschwindigkeiten um 20 km/h. Mit Erreichen der magischen 25 km/h nimmt der Motor die Leistung recht abrupt heraus, hier hätte sich der Tester einen etwas sanfteren Übergang gewünscht. Doch dann überwiegt sofort die Begeisterung: „Hat sich der Motor jedoch erst einmal verabschiedet, geht das Treten spielend, da der komplette Antrieb vollständig entkoppelt und somit keinerlei Widerstand bietet.“

Die Schaltautomatik der Di2 Version überzeugte im Test auf ganzer Linie: „Die Schaltautomatik funktioniert einfach zu gut. Per Knopfdruck aktiviert, wechselt diese abhängig von diversen Parametern wie Tretleistung und Geschwindigkeit automatisch in den passenden Gang.“

Shimano EP801: Mehr Power für E-Mountainbikes

Auch wenn man Shimano-Motoren in zahlreichen E-MTBs findet, so ist es um die E-Entwicklungen der Japaner etwas stiller geworden. Mit dem EP801 löst Shimano nun den bewährten Vorgänger EP8 ab. Der Shimano EP801 soll mit einem breiteren Einsatzgebiet, mehr Power und vielen cleveren Funktionen punkten.

Wie sein Vorgänger reiht sich der Shimano EP801 als Spitzenmodell in das Portfolio ein und siedelt sich über dem etwas günstigeren, aber fast baugleichen und ebenso drehmomentstarken Shimano EP6 an, der durch ein günstigeres Alu-Gehäuse etwas mehr Gewicht auf die Waage bringt. Das neue Modell basiert zwar auf dem bewährten Shimano EP8, wurde aber sowohl in Soft- als auch Hardware nochmals überarbeitet. So soll er nicht nur mehr Maximalleistung bieten, sondern auch über einen breiteren Trittfrequenzbereich mit hoher Leistung unterstützen. Das Update auf EP801 erlaubt auch erstmals die Verbindung mit der neuen Shimano XT Di2-Schaltgruppe, die mit cleveren Funktionen aufwarten kann.

Ein weiterer Ableger des Shimano Motor EP801 ist der EP801 RS. Die Hardware basiert auf einem normalen EP801 und unterscheidet sich mit Ausnahme des RS-Stickers nicht von den herkömmlichen Shimano-Motoren in anderen Bikes. Die Software hingegen drosselt das maximale Drehmoment von 85 auf 60 Nm.

Technische Details und Leistung des EP801

Auch wenn man beim Shimano Motor EP801 rein äußerlich keinen Unterschied zum Vorgänger namens EP8 erkennt, hat sich im Inneren viel getan. Nicht nur die komplette Elektronik wurde überarbeitet, auch die Maximalleistung steigt von 500 auf 600 Watt. Damit und mit seinen 85 Nm Drehmoment liegt er zumindest auf dem Papier mit dem Bosch Performance Line CX (Gen 4 und 5) gleichauf. In Sachen Gewicht ist der Shimano EP801 mit 2,7 kg genauso schwer wie sein Vorgänger und gehört damit zu den leichteren Full-Power-Motoren.

Mit Strom versorgt wird der Shimano Motor EP801 entweder durch einen 504-Wh- oder einen 630-Wh-Akku aus dem Hause Shimano, alternativ lassen die Japaner den Bike-Herstellern die Freiheit, Akkus von Drittanbietern zu verbauen. Durch die überarbeitete Elektronik und ein Update bei den Battery-Management-Systemen sind Akkus mit altem BMS nicht mehr nutzbar.

Displays und Konnektivität

Die Displays und Remotes des Shimano EP8 kommen auch am neuen EP801-Modell zum Einsatz. Das Farbdisplay zeigt den Akkustand in 20%-Schritten an und ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar. Dazu gibts noch Anzeigen zur Dynamik des Motors, die mit einem wandernden Balken visualisieren werden, sowie die Anzeigen zur Geschwindigkeit und der aktuell gewählten Unterstützungsstufe. Als Alternative ist für den EP801-Motor auch ein kleines Schwarz-Weiß-Display möglich, das in die etwas klobige SC-E5003-Remote integriert ist.

Die Schnittstelle zum Motor ist die Shimano E-TUBE PROJECT Cyclist-App. Hier habt ihr die Möglichkeit, zwei Fahrprofile nach euren persönlichen Vorlieben zu konfigurieren. Im Basic-Mode können die Power, das Unterstützungslevel und das Ansprechverhalten in den drei Unterstützungsstufen Eco, Trail und Boost angepasst werden. Der Fine-Tune-Mode lässt dank 15 fein abgestimmter Unterstützungsstufen eine präzisere Kontrolle zu.

Fahrverhalten und Leistung auf dem Trail

Der Shimano EP801 überzeugt auf dem Trail mit seinem gutmütigen Charakter. Auch im stärksten, dem Boost-Modus in der Standardeinstellung, lässt er sich gut dosieren und reagiert berechenbar. Beim Anfahren spricht er jedoch etwas direkter an als der Bosch Performance Line CX (Gen 4), der hier etwas zurückhaltender und smoother reagiert. Als Fahrer erhält man immer die richtige Dosis an Unterstützungsleistung zurück, und auch Einsteiger mit einem unrunden Tritt werden von dem Motor nicht aus dem Sattel geworfen, denn der Motor kaschiert Kadenzschwankungen gekonnt und ist so für Anfänger intuitiv zu fahren.

Durch die Anhebung der Maximalleistung beim EP801 hat sich der Abstand zum Bosch Performance CX verringert. Dennoch liefert der Japaner im Boost-Modus in der Praxis nach wie vor spürbar weniger Power als der Bosch Performance Line CX (Gen 4 und 5) mit den gleichen Eckdaten. Das zeigt sich auch im Labor, denn egal, bei welcher Trittfrequenz, die Shimano EP801-Leistungskurve verläuft immer etwas unterhalb der Bosch Performance Line CX-Leistungskurve (Gen 4).

In Kombination mit der neuen Shimano XT Di2-Schaltgruppe hält der EP801-Antrieb einige clevere Features bereit. So ermöglicht es die Schaltgruppe wie bei der Pinion MGU E1.12 Motor-Getriebe-Einheit, mit der FREE SHIFT-Funktion die Gänge zu wechseln, ohne gleichzeitig pedalieren zu müssen. AUTO SHIFT erkennt Fahrszenarien selbständig und wählt dann automatisch den richtigen Gang.

Auf ebenen Forstwegen summt der Shimano Motor EP801 angenehm vor sich hin und zählt zu den leisesten Full-Power-Motoren im Testfeld. Sobald sich der Trail Richtung Tal neigt, ändert sich die Geräuschkulisse und gibt vor allem im roughen Terrain das typische Klappern von sich, was auch schon beim alten Shimano Motor EP8 ein großes Manko war.

Weitere Shimano Motoren im Überblick

Neben dem E6100 und EP801 bietet Shimano eine Vielzahl weiterer Motoren für unterschiedliche Einsatzbereiche:

  • Shimano E5000: Ein sanfter Einsteiger-Antrieb ideal für den Einsatz im Stadtgebiet, zum Pendeln oder für Kurzstrecken.
  • Shimano EP8(01) Cargo, EP600 Cargo und E6100 Cargo: Speziell für Lastenräder entwickelt, bieten diese Motoren eine hohe Leistung in den unteren Drehzahlbereichen.
  • Shimano EP8(01), EP600 und E7000: Power für den Uphill, diese Motoren katapultieren dich mit bis zu 400 % Unterstützung nach vorn.

Die folgende Tabelle bietet einen Vergleich der wichtigsten Shimano Motoren:

Motor Einsatzbereich Max. Drehmoment Max. Leistung Besonderheiten
E5000 Stadt, Pendeln 40 Nm 420 W Sanfter Antrieb, kompatibel mit verschiedenen Bremssystemen
E6100 Stadt, Trekking 60 Nm 500 W Komfortabler Antrieb, individualisierbar
EP801 E-MTB 85 Nm 600 W Kraftvoll, viele Akku-Optionen, optional mit Automatik-Schaltung
EP801 Cargo Lastenrad 85 Nm 500 W Leistungskurve speziell für Cargobikes

Vergleich mit Bosch

Shimano steht in direkter Konkurrenz zu Bosch, einem weiteren Giganten im E-Bike-Motorenmarkt. Beide Hersteller bieten eine breite Palette an Motoren für unterschiedliche Einsatzzwecke. Während Bosch oft für seine Infotainment-Systeme gelobt wird, punktet Shimano mit einer größeren Freiheit bei der Akku-Wahl.

Im direkten Vergleich zeigt sich, dass der Shimano EP801 in Sachen Leistung mittlerweile mit dem Bosch Performance Line CX mithalten kann. Allerdings gibt es Unterschiede im Fahrverhalten und in der Geräuschkulisse. Während der Bosch Motor etwas smoother anspricht, bietet der Shimano Motor einen drehmomentstarken Schub von unten. Zudem ist der Shimano Motor im Abstieg oft lauter, da er zum Klappern neigt.

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