Die Aufgaben des MotoGP-Testfahrers bei KTM

Die Zusammenarbeit zwischen Dani Pedrosa und KTM im MotoGP-Programm des österreichischen Motorradherstellers geht 2025 ins siebte Jahr. Die entsprechende Vertragsverlängerung wurde am Dienstag seitens KTM offiziell verkündet. Seit sich Pedrosa im Anschluss an die MotoGP-Saison 2018 nach 13 Jahren als Honda-Werkspilot zurückgezogen hat, ist er für KTM als Test- und Entwicklungsfahrer tätig.

Pedrosas Hauptaufgabenbereich im KTM-Programm sind aber nicht die Wildcard-Einsätze, sondern die Weiterentwicklung des Motorrads abseits der Rennwochenenden. Von seiner Erfahrung und Expertise profitieren letztlich alle bei KTM unter Vertrag stehenden MotoGP-Piloten. Seit 2019 waren das bislang Pol Espargaro, Johann Zarco, Brad Binder, Miguel Oliveira, Jack Miller im Werksteam, außerdem noch Iker Lecuona, Hafizh Syahrin, Danilo Petrucci, Remy Gardner, Raul Fernandez, Augusto Fernandez, Pedro Acosta im Tech3-Team. 2025 werden es Binder und Acosta im Werksteam sein sowie die KTM-Neuzugänge Enea Bastianini und Maverick Vinales im werksunterstützten Tech3-Team.

Pedrosa selbst kommentiert den Schritt mit den Worten: "Es ist eine Freude, unsere Reise für ein weiteres Jahr fortzusetzen. Wir wissen, wo wir Verbesserungen vornehmen müssen." "Die Anstrengungen, um für die Fahrer das beste Motorrad zu bauen und im Wettbewerb auf der Strecke zu bestehen, haben im gesamten Werk nicht nachgelassen. Ich freue mich auf das, was wir für 2025 gemeinsam tun können, und auf die Ideen, die dabei herausgekommen werden", so der 39-jährige KTM-Testfahrer.

Pit Beirer ergänzt: "Wir glauben ganz fest an das, was Dani in unser MotoGP-Programm auf unterschiedlichen Ebenen einbringt, nicht nur im Sattel der nächsten Generation der KTM RC16. Dieser Beitrag ist entscheidend. Wir wissen, dass die von uns angestrebte Wende kommen wird. Und mit Dani als Teil des Teams wird sie noch schneller kommen."

Die Bedeutung der MotoGP-Testteams ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Mit immer mehr Rennen im Kalender wurden die Testmöglichkeiten für die Stammfahrer immer mehr eingeschränkt. Das straffe Format hat auch die Arbeit der Testteams verändert.

Die Rolle des Testfahrers im Detail

Entwicklung des Motorrads:

"Es ist unsere Aufgabe, ein Motorrad zu entwickeln, deren Basis auf jeder Strecke funktioniert." "Normalerweise verstellt man einen Klick hier und da. Manchmal muss man auch etwas ändern, weil die Strecke oder die Verhältnisse etwas extrem sind. Aber man braucht zumindest ein Paket, das mehr oder weniger überall funktioniert." Das Motorrad soll idealerweise vom ersten Training an optimal passen, damit die Fahrer die Konstanz der Reifen checken können und am Ende des Trainings einen Qualifying-Versuch am Limit in Angriff nehmen können.

In den vergangenen Jahren schwankte dieser Aspekt bei KTM von Strecke zu Strecke. Auf manchen Pisten war man bei der Musik dabei, auf anderen hatte man Rückstand und lief diesem das gesamte Wochenende hinterher. Pedrosa ist zuversichtlich, dass man diese Schwankungsbreite minimiert hat: "Austin war im Vorjahr eine schlechte Strecke, und auch Malaysia. Wir können bereits sehen, dass wir uns auf diesen Strecken verbessert haben." "Wir versuchen so viel wie möglich zu helfen, damit das Motorrad am Freitag mehr oder weniger am Punkt ist. Wenn andere Hersteller super starke Rundenzeiten fahren, hat man natürlich Arbeit zu tun."

Reifenlimit und Testbeschränkungen:

Für die Testteams gibt es keine Einschränkung an Testtagen. Die Arbeit wird über die Reifen limitiert. Für eine Saison hat ein Testteam 200 Reifen von Michelin zur Verfügung. Außerdem müssen drei Teststrecken nominiert werden. Im Vorjahr stand den Testteams noch ein Saisonkontingent von 240 Reifen zur Verfügung.

Die Reduzierung der Reifen sieht auch Pedrosa kritisch: "Ich kenne nicht die Gründe für diese Limitierung, aber wenn es weniger Tests für die Stammfahrer gibt - mehr Rennen, aber weniger Tests - dann müssen wir die Testarbeit übernehmen." "Das heißt, dass die Hersteller zwei weitere Motorräder aufbauen müssen. Dazu kommt ein Team, das überall hinreist und testet. Wenn sie diese Arbeit machen müssen, dann wäre es das auch wert, wenn es mehr Reifen gäbe. Es wäre gut, wenn wir den gleichen Rhythmus wie bei den Rennen beibehalten würden, aber so ist die momentane Situation."

Die Rolle des Rider Coach - Mika Kallio

Nur ein Rennfahrer weiß, wie ein Rennfahrer tickt: Mika Kallio hat eine einzigartige Rolle im MotoGP-Projekt von KTM inne. Anfang 2022 wurde Mika dann zum offiziellen „Rider Coach“ für das Unternehmen und die vier Personen, die die Kontrolle über die RC16 haben. Das bedeutet, dass er inzwischen mehr Zeit mit beobachten verbringt, als selbst am Gasgriff eines KTM-Prototyps zu drehen.

Kallio erklärt seine Aufgaben wie folgt: "Bei meinem Job geht es also eher darum, sie zu unterstützen und ihnen mitzuteilen, was ich auf der Strecke und an bestimmten Stellen sehe. Wenn wir Probleme haben, schaue ich, ob ich die Ursache dahinter erkennen kann. Manchmal helfe ich auch bei Entscheidungen zum Set-up oder der Reifenwahl. Ich kenne die Fahrerperspektive, kann aber auch analytisch denken. Ich schaue mir Jacks und Brads Daten an und prüfe, wo sie vielleicht schneller sein oder sich verbessern können. Außerdem geht es mir darum, ihr Gefühl auf der Strecke mit den tatsächlichen Daten in Einklang zu bringen."

Er fügt hinzu: "Ich bin der Einzige im Team, der die Motorräder auf der Strecke genau beobachtet, also kann ich manchmal den visuellen Standpunkt zu den Empfindungen der Fahrer kommunizieren. Manchmal sehe ich, wenn jemand in einem anderen Gang fährt oder anders schaltet. Gelegentlich kann ich auch etwas zur Ideallinie sagen, also „einen halben Meter nach links“ oder Ähnliches."

Kallio betont, dass es wichtig ist, den Fahrstil zu verstehen und die Ursachen für bestimmte Fahrweisen zu analysieren. Er sagt: "Man kann dem Fahrer also nicht so einfache Dinge sagen wie: ‚Öffne früher und bremse später.‘ Man muss irgendwie beweisen, dass das Feedback auch wirklich nützlich ist."

In Bezug auf die Zusammenarbeit mit anderen Fahrern erklärt Kallio: "Ich habe immer die Daten meines Teamkollegen geprüft und überlegt, ob ich einige Dinge kopieren oder verbessern kann. Auch wenn ich an diesem Tag der Schnellste auf der Strecke war, gab es immer eine Kurve oder einen Abschnitt, in dem ein anderer Fahrer besonders gut war."

Über die Unterschiede zwischen den Fahrern sagt Kallio: "Letztendlich ist es für uns als Team und als Unternehmen besser, wenn jeder Fahrer seinen eigenen Stil hat … Obwohl ich zugeben muss, dass die beiden gar nicht so weit auseinander liegen. Sie ähneln sich insofern, dass sie beide gern aggressiv bremsen und die Strecke aggressiv angehen. Sie rutschen auch gerne in die Ecken. Also bevorzugen sie auch ähnliche Aspekte beim Set-up. Vergleicht man sie jedoch mit den GASGAS-Jungs, dann haben sie einen ganz anderen Fahrstil. Jack und Brad liegen nah beieinander. Das macht es für uns als Team einfacher, das Set-up zu verstehen, um beide auf ein gutes Niveau zu bringen."

Kallio betont auch die psychologische Komponente: "Man muss die Stimmung der Fahrer berücksichtigen. Niemand ist durchgehend gut drauf. Dann muss ich sie aufbauen und versuchen, ihnen mehr Selbstvertrauen zu geben. Manchmal sind die Fahrer aber auch ein bisschen zu übereifrig und ein bisschen zu ‚heiß‘. Dann müssen wir sie beruhigen, aber das ist ganz normal und etwas, mit dem die Crew gut umgehen kann."

In Bezug auf seine eigene Testaktivität sagt Kallio: "Dani [Pedrosa] fährt viel öfter, seit ich 2022 die Rolle des Coachs übernommen habe und viele Tests ausfallen lassen musste. Das ist auch der Grund dafür, dass Jonas [Folger] angeheuert wurde, um das Testteam auf der Strecke zu unterstützen. Ich würde sagen, dass das Testen in den letzten zehn Jahren sehr wichtig war. Noch wichtiger wurde es dann, als sich die Regeln änderten und die Rennfahrer nicht mehr so oft testen konnten. Dadurch kommt dem Testprogramm noch mehr Bedeutung zu."

Die ersten Schritte von KTM in der MotoGP

2017 kehrte KTM mit einem komplett neuen Motorrad in die MotoGP zurück. Testfahrer Alex Hofmann, der die Saison 2015 als Eurosport-Experte begleitete, bescheinigte der RC16 viel Potenzial. "Es war ein toller Test bei schönem Wetter. Ich genoss es sehr, als Erster mit dem Motorrad zu fahren", so Hofmann bei 'ServusTV'. "Die Welle der Begeisterung ist groß, doch es liegt ein langer Weg vor KTM."

Hofmann fügte hinzu: "Ich bin mit einem positiven Gefühl nach Hause gefahren. Es ist ein tolles Projekt, bei dem viele gute Leute involviert sind.""Ich sehe sehr viel Potenzial, auch wenn man sich immer vor Augen halten muss, dass die MotoGP der Himalaya des Motorradrennsports ist. Die Luft ist an der Spitze sehr dünn. Aber es ist alles angerichtet. KTM meint es ernst. Der olympische Gedanke ist auf Dauer nicht ausreichend", hält der KTM-Testpilot fest, der aber nicht zu viel Druck aufbauen möchte.

Hofmann: "Ich muss die Erwartungen etwas dämpfen, auch wenn ich dem Motorrad sehr viel Potenzial bescheinigen kann. Es ist aber extrem schwierig, dieses große Puzzle zusammenzubringen - die Elektronik und den etwa 270 PS starken Motor. Diese Leistung muss man erst einmal auf die Strecke bringen", betont Hofmann und hält fest: "Das fordert ein gutes Zusammenspiel der Komponenten. Es ist ein weiter Weg, das zu erreichen."

Abschließend sagte Hofmann: "Ich glaube an das Projekt, weiß aber auch, wie schwierig es ist. Honda und Yamaha haben sehr viel Erfahrung. KTM hat wahrscheinlich keinen anderen Ansatz als Honda und Yamaha, doch die Japaner haben mehr Erfahrung. Die Erfahrung kann man sich nicht kaufen. Suzuki und Aprilia kamen zuletzt in die MotoGP und sind für KTM die Gradmesser", vergleicht Hofmann und kann sich durchaus vorstellen, dass KTM bereits in der Debütsaison mit Suzuki und Aprilia konkurrieren kann: "Das ist kein unrealistisches Ziel."

Jonas Folger weiterhin als Testfahrer für KTM

Jonas Folger aus dem oberbayerischen Mühldorf hat sich mit dem Unternehmen aus Mattighofen in Oberösterreich darauf geeinigt, auch 2024 wieder als Testfahrer tätig zu sein. „Ich freue mich sehr, 2024 Teil des KTM-Testteams zu sein und unsere Zusammenarbeit nach Möglichkeit weiter ausbauen zu können. Es wird ein intensives Jahr, aber ich freue mich auf die bevorstehenden Aufgaben und bin hoch motiviert, sie anzugehen. Ich werde mein Bestes geben, um mich als Testfahrer weiter zu verbessern und für mögliche Renneinsätze immer in bestmöglicher Verfassung zu sein, damit ich die in mich gesetzten Erwartungen auch erfüllen kann.

Die Bedeutung von Testfahrern

Die Testarbeit abseits der Rennwochenenden wurde in den vergangenen Jahren immer mehr ausgelagert. Ducati machte Ende 2012 den Anfang, als Michele Pirro verpflichtet wurde. Der Italiener beschäftigt sich seitdem mit der Entwicklung der Desmosedici und startete bei einigen Rennen als Wildcard- oder als Ersatzpilot. "Meine Aufgaben unterscheiden sich von denen der normalen Fahrer. Ich teste das neue Motorrad oder neue Teile als Erster. Die Arbeit als Testfahrer ist alles andere als einfach. Es ist schwierig, acht Stunden lang konzentriert zu sein. Es ist wichtig, über die vielen Stunden konstant zu fahren. Ich versuche, immer gleich stark zu pushen", berichtet Pirro, der aussagekräftige Informationen weitergeben möchte.

KTM-Testpilot Mika Kallio durfte ebenfalls an Rennen teilnehmen. Im Vorjahr fuhr der Finne vier Rennen für KTM. Zudem saß er beim Debüt der RC16 im November 2016 auf der Maschine. Auch 2018 wird Kallio intensiv testen, um KTM bei Fortschritten zu helfen: "Wir liegen ein bisschen zurück und müssen innerhalb kürzester Zeit intensiv entwickeln, wenn wir die anderen Hersteller einholen möchten. Es ist extrem wichtig, ein gutes Testteam mit guten Ingenieuren und Mechanikern zu haben. Früher wurden die Tests meist von Fahrern absolviert, die deutlich schlechter waren als die Stammpiloten. Doch aktuell sind die Testfahrer oft nicht weit entfernt von den Leistungen der Stammpiloten. Man muss schnell sein. Wenn man die Teile nicht ans Limit bringt, dann kann man nichts darüber sagen. Man muss nah am Niveau der Stammfahrer sein. Das ist sehr wichtig. Natürlich ist es hilfreich, wenn man zuvor Erfahrungen mit vielen verschiedenen Maschinen gesammelt hat", bemerkt Kallio und betont: "Wenn man Testfahrer werden möchte, dann muss man bereit sein, sehr viele Kilometer abzuspulen.

Weitere Testfahrer in der MotoGP

Bei Suzuki kümmert sich Sylvain Guintoli aktuell um die Entwicklung der GSX-RR. "Die Saison ist für die Stammfahrer ziemlich stressig. Es stehen viele Rennen an. Es ist zu viel, dann noch regelmäßig zu testen. Über die Jahre saß Guintoli auf vielen verschiedenen Maschinen. Erfahrung ist wichtig. Man muss die Strecken kennen, um sofort schnell zu sein. Im Vorjahr kam Guintoli auch als Ersatz für Alex Rins zum Einsatz und zeigte solide Leistungen. Doch der Fokus liegt auf der Testarbeit: "Mein Ziel ist es, zu helfen. Ich wünsche mir, dass die Stammpiloten besseres Material erhalten. Das ist eine riesige Befriedigung für mich", so Guintoli.

Dani Pedrosa als Schlüsselfigur

Edeltestfahrer Dani Pedrosa hat den KTM-Ingenieuren viel Input für die Entwicklung der RC16 geliefert. Das neue Motorrad für die Saison 2020 wurde von allen Stammfahrern gelobt. In diesem Kalenderjahr testete Pedrosa zweimal auf der Strecke. Anfang Februar war der Spanier vier Tage in Sepang (Malaysia) im Einsatz. "Seit ich für KTM teste, hat sich das Motorrad stark verändert", sagt Pedrosa bei 'MotoGP.com' über seine Aufgabe. "Wir haben Verbesserungen erzielt, die auch den anderen KTM-Fahrern gefallen.

Pedrosa ist der erfahrenste Pilot im KTM-Team. 236 Grands Prix hat er für Honda in der Königsklasse bestritten. Erfahrungen, die für die Ingenieure goldwert sind. "Ich bespreche mit KTM was nicht funktioniert. Auch von den anderen Fahrern erhalte ich Berichte darüber, was ihnen nicht gefällt", sagt Pedrosa. Bei den Februartests soll auch der Reifenverschleiß über die Renndistanz besser geworden sein. Das war im vergangenen Jahr mehrmals bei Pol Espargaro in der zweiten Rennhälfte ein Problem. "Überholen ist ein Thema", sagt Pedrosa. "Wenn man von weiter hinten startet, dann ist Überholen nicht so einfach. Kommt man besser aus der Kurve heraus, ist man auf der Geraden schneller und kann am Ende der Geraden eventuell ein Ausbremsmanöver starten.

Bis zum ersten geplanten MotoGP-Rennen am 19. Juli in Jerez will KTM noch weitere private Testfahrten durchführen. Wo und wann das sein wird, wurde bisher nicht kommuniziert.

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