Mountainbike-Rucksack mit Protektor Test

Viele Biker wagen sich noch immer ohne Rückenprotektor auf die Trails, während der Schutz von Kopf und Knie zum guten Ton gehört. Eigentlich unverständlich, denn mit einem Protektor-Rucksack kann ein wichtiges Sicherheits-Feature ergänzt werden, ohne sich an ein neues Ausrüstungsteil gewöhnen zu müssen. Denn Rucksack trägt ohnehin fast jeder Biker.Die Anschaffung eines neuen Rucksacks ist in den meisten Fällen allerdings notwendig, denn kaum ein Modell kann per Nachrüst-Protektor einfach vom Lastenträger zum Schutzengel aufgewertet werden. Nur für die Verwendung mit einem Protektor ausgelegte und im Verbund entsprechend zertifizierte Rucksäcke schützen auch zuverlässig! Damit du an deinem Rücken ein im Sturzfall geeignetes Safety-Backup trägst, haben wir zwölf Protektor-Rucksäcke zwischen 140 und 250 Euro in Labor und Praxis getestet.

Im Vergleich: Alle Modelle schützen sehr gut!

Alle Modelle erfüllen die Vorgaben unseres Schlagtests, der sich an der aktuell gültigen strengsten Norm orientiert, ohne Probleme. Und dies unabhängig vom verwendeten Material. Zwar haben sich Softprotektoren aus PU-Schaum in den letzten Jahren durchgesetzt, doch auch die sehr leichten Einweg-Protektoren in "Central-Back"-Bauweise von Ergon (141 g) und Thule (157 g) schützen hervorragend. Besteht der Ergon aus dem gleichen Material wie Fahrradhelme (EPS), findet beim Thule das Koroyd-Material aus Kunststoff-Röhrchen Verwendung. Beide Modelle müssen nach einem Sturz ausgetauscht werden, da die Schlagenergie sie dauerhaft beschädigt.Tipp: Wenn Sie mit Ihrem Zubehör eher unachtsam umgehen, ist ein Modell mit Schaumprotektor die bessere Wahl, da dieser unempfindlicher gegen mechanische Belastungen wie Druckausübung und Verbiegen ist. Der Protektor im USWE zeigt, dass auch ein Schaumprotektor in Central-Back-Größe sehr leicht (175 g) und sicher sein kann. Die Rucksäcke von Deuter, Amplifi und Cube, allesamt mit Full-Back-Protektoren bestückt, unterschreiten die Testvorgaben gar um deutliche 3,5 bis 3,2 kN. Der Cube zeigt damit, dass top Sicherheit kein Vermögen kostet, und erntet den Kauftipp. Der Deuter Attack vereint höchsten Komfort mit top Schutz und verdient sich den Testsieg.

Die Größe des Protektors

Je größer die Fläche, desto höher der Schutz: ein Central-Back-Protektor (rot) deckt eine geringere Fläche ab als ein Full-Back-Protektor (schwarz).Das Testfeld teilt sich in Rucksäcke mit Central-Back-Protektoren, deren Schutzfläche vorwiegend die Wirbelsäulenregion abdeckt, und Full-Back-Protektoren, die, breiter und länger geformt, zusätzliche Abdeckung von Rücken, Schulter und Hüfte gewährleisten.Die Rucksäcke von Camelbak, Ergon, Leatt, Thule, USWE und Vaude sind mit Central-Back-Protektoren bestückt, alle anderen besitzen Full-Back-Protektoren. Da mehr Fläche mehr Schutz bedeutet, wurde die Größe mit 50 Prozent an der Bewertung des Schutzes gewichtet.

Packen des Rucksacks

Wie packe ich den Rucksack, damit er bei einem Sturz keine zusätzliche Gefahr darstellt? Auf keinen Fall sollten harte Teile wie Luftpumpe, Alu-Trinkflasche oder Werkzeug direkt am Rücken anliegen. Bei einem Sturz wirken die ansonsten wie ein Fallbeil und könnten im besten Fall zu schmerzhaften Prellungen führen, im schlimmeren Fall zu geknacksten Rippen oder gar schwerwiegenden Wirbelverletzungen. Eine dämpfende Zwischenschicht ist daher sehr ratsam. Stabile Teile unterfüttert man am besten mit Ersatzkleidung.

Bietet auch eine Trinkblase Aufprallschutz?

Ganz klar: ja. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Dabei ist nicht die Art der Füllung entscheidend, sondern die Füllmenge. Wobei eine schmale Trinkblase keinesfalls einen geprüften Protektor ersetzen kann, der bei sämtlichen Bedingungen zuverlässig schützt. Haben Schaumprotektoren ein Verfallsdatum wie Helme? Empfehlungen dazu finden sich in der Beschreibung des Protektors. Üblicherweise beträgt die Lebensdauer von Protektoren 3-5 Jahre. Zur Sicherheit den Protektor regelmäßig auf Beschädigungen prüfen.

Einzelne Modelle im Test

Im Folgenden werden einige der getesteten Modelle näher betrachtet:

Amplifi Track 23

Amplifi Track 23 Durch seine sehr lange, gut belüftete Rückenauflage ist der Track 23 bestens für große Biker geeignet, an Bikern unter 175 cm kann er in sehr steilen Abfahrten aber an den Helm stoßen. Das Tragesystem erzielt dank seiner straff gepolsterten Schulter- und Hüftgurte hohen Tragekomfort auch bei maximaler Zuladung. Letzterer sind kaum Grenzen gesetzt, da der Amplifi massig Stauraum bietet, dabei jedoch selbst nicht zu schwer geraten ist. Zudem besitzt der Full-Back-Protektor im Zusammenspiel mit dem Rucksack beste Dämpfungseigenschaften und erzielt mit einer Restkraft von durchschnittlich 5,7 kN den zweitbesten Wert des Tests.Die Fachaufteilung mit großem Hauptfach, Aufsatzfach mit Einschubfächern und großem gefütterten Goggle-Fach sagte den Testern zu. Die Regenhülle ist vernäht, was die Reinigung etwas erschwert.Die mit Netz geschützten Polster des Rückensystems haben nur wenig Auflagefläche, drücken dennoch nicht.Testergebnis: Sehr gut (87 Punkte)

Camelbak T.O.R.O. Protector 14

Camelbak T.O.R.O. Protector 14 Minimalistisch ist der schmal profilierte Camelbak gehalten. Zwar bietet er gemessen an seinem sehr geringen Gewicht viel Stauraum, die Taschenausstattung fällt jedoch mager aus. Das Tragesystem besitzt neben elastischen Schultergurten einen ungepolsterten Hüftgurt, der angesichts des eher kleinen Stauraums aber kaum an seine Komfortgrenze kommen wird. In Sachen Schutz gibt der T.O.R.O. keinen Anlass zur Kritik. Der Central-Back-Protektor erzielt im Rucksack-Verbund eine Restenergie von im Schnitt 6,4 kN - ein sehr guter Wert!Testergebnis: Sehr gut (78 Punkte)

Cube Edge Trail (MOUNTAINBIKE Kauftipp)

Cube Edge Trail Der günstigste Testkandidat punktet mit hervorragender Schlagabsorption. Mit durchschnittlichen 5,78 kN erzielt er den drittbesten Wert und erfüllt die Level-2-Vorgaben spielend. Das Tragesystem mit seinen zwei vertikal verlaufenden Strukturpolstern ist weich, leicht schwitzig, verhindert Druckstellen jedoch effektiv und lässt sich perfekt anpassen. Die Ausstattung mit vielen gut strukturierten Reißverschlusstaschen erfreut ebenfalls, die meisten sind auch leicht zugänglich.Testergebnis: Sehr gut (81 Punkte)

Deuter Attack 20 L (MOUNTAINBIKE Testsieger)

Deuter Attack 20 L Zeitlos gut ist das Tragesystem des schweren Deuter. Die Last kann ideal auf Beckenkamm und Schultern verteilt werden, dennoch ist alles angenehm belüftet und sitzt druckstellenfrei. Der groß dimensionierte Full-Back-Protektor samt Rucksack besitzt beste Dämpfungseigenschaften und erfüllt die Level-2-Vorgaben mit dem besten Durchschnittswert - nur 5,52 kN Restkraft werden an den Körper weitergegeben. Die satten 19 Liter Stauraum sind bestens organisiert, ohne zu kleinteilig zu werden, und vollständig per Reißverschluss gesichert.Testergebnis: Überragend (92 Punkte)

Ergon BA3

Ergon BA3 Ein alter Bekannter ist der Touren-/Enduro-Rucksack BA3. Nach dezenter Überarbeitung ist er nur noch in einer Größe erhältlich, aber weiterhin mit einer sehr variablen Rückenlängen-Verstellung ausgestattet. Der Tragekomfort ist hoch: Sicher und rutschfest wird die Last im Hüftbereich nah am Körper fixiert. Der Central-Back-Protektor muss separat erworben werden, kostet 35 Euro und muss nach einem Sturz ausgetauscht werden.Testergebnis: Sehr gut (84 Punkte)

Evoc Neo 16L

Evoc Neo 16L Sein Tragesystem, dessen Rückenauflage der außen liegende Full-Back-Protektor bildet, ist herausragend komfortabel. Dank Anti-Rutsch-Pads sitzt der Rucksack bombenfest, die Wabenstruktur des Protektors sorgt für starke Belüftung. Stabile Hüft- und Schultergurte schmiegen sich perfekt an und verteilen die Last auch bei hoher Zuladung ideal. So ist er auch als Begleiter für längere Ausritte oder Mehrtagestouren mit schmalem Gepäck geeignet. Der teuerste Testkandidat erfüllt die Vorgaben der Level-2-Zertifizierung, liegt im Schnitt aber nur knapp unter der 9-kN-Grenze (8,07 kN).Testergebnis: Sehr gut (85 Punkte)

Deuter Attack Serie im Detail

Die Deuter Attack Serie eignet sich gleichermaßen für anspruchsvolle MTB-Touren im Gelände, sowie für Tagestouren. Die Serie mit 16 Liter & 14 Liter Stauraum wurden in mehrere praktische Staufächer aufgeteilt. Der Attack 16 & 14 SL zeigt durch sein eigenständiges Design, dass es sich hierbei um einen Trail-Rucksack handelt. Vorne bietet er Haken zum Befestigen des Helmes, sowie weitere Haken zum Befestigen von Knie- oder Ellbogen Protektoren. Ebenso wurden reflektieren Streifen angebracht, um bei Nacht im Straßenverkehr besser gesehen zu werden. Seitlich befindet sich ein Smartphone-Fach, sowie zwei Taschen, in die zum Beispiel Trinkflaschen eingesteckt werden können.Die Attack Serie ist in weiteren Größen erhältlich: 14, 16,18, 20 & 22 - die Zahlen stehen hier für die Größe des Stauraumes in Liter. Speziell für die weiblichen Bikerinnen gibt es eine angepasste Ausführung, erkennbar an dem Kürzel „SL“. Rückenlänge speziell für Frauen, da diese im Schnitt einen kürzeren Rücken als Männer haben. Das Tragesystem der SL-Modelle ist ist deshalb etwas kürzer angelegt als bei den Deuter Standart-Rucksäcken und das Tragesystem der weiblichen Anatomie angepasst - mehr Infos dazu findet ihr direkt bei Deuter. Wie schon in der Einleitung geschrieben, verfügt der Attack 16 über ein praktisches Stau-/Tool-Fach. Dieses Staufach ermöglicht einen schnellen Zugriff auf Werkzeug, Ersatzteile, Pumpen oder ähnlichem.Über dem Stau/Toolfach befindet sich ein gepolstertes Fach für Brillen oder weiteres Zubehör. Ebenso findet man am Attack ein Karten oder Smartphone-Fach, welches seitlich angebracht wurde. Praktisch ist hierbei, dass man den Rucksack nicht extra abnehmen muss, um sein Smartphone oder die Karte zu erreichen. Im großen Hauptfach findet man genügend Platz für eine Tagestour mit Equipment, Snacks und Ersatzkleidung. An der Rückwand vom Hauptfach zum Protektor hin, befindet sich das Fach für die Wasserblase. Hinter diesem Fach sitzt der Reißverschluss für das Fach des Rückprotektors, dadurch ist ein entnehmen und kontrollieren des Protektors leicht möglich. Im Deuter Attack 16 & 14 SL ist ein Protektor der deutschen Firma SAS-Tec verbaut.SAS-TECDas weiche Multishock Material passt sich gut der Form des Rückens an und muss nach einem Sturz nicht pauschal ausgetauscht werden. Es reicht aus, diesen auf Beschädigungen oder Mängel zu begutachten. Ebenso positiv aufgefallen ist der Tragekomfort des Rückpolsters des Attacks. Dieser schmiegt sich super dem Rücken an. Die gut verstellbaren Schultergurte verteilen das Gewicht angenehm und der Hüftgurt entlastet gut. Zudem waren wir sehr überrascht über das Extra Polster, das für Tragepassagen mit dem Bike konzipiert wurde. Es verhindert das Verrutschen, sowie unangenehme Druckstellen vom Gewicht des Fahrrads.Der Brustgurt, welcher mit einer Schlaufe für den Trinkschlauch ausgestattet ist, lässt sich leicht über eine Schiene verstellen. Auf beiden Seiten des Hüftgurts findet man kleine Taschen, die genügend Platz für Multitool oder Energieriegel bieten. In der zwei Jährigen Garantie werden defekte Rucksäcke nicht entsorgt, sondern von einem eigenen Team ggf. repariert. Auch nach der Garantiezeit wird man von Deuter nicht allein gelassen, hier bietet Deuter einen Reparatur-Service an, der “lebenslang” gilt.Der Attack 16 und 14 SL sticht nicht nur durch seine moderne und doch zeitlose Optik positiv hervor, sondern glänzt auch in Sachen Tragekomfort und Protektor Technik. Man merkt, dass Deuter großen Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit legt, was bei dem eigens zuständigen Team deutlich wird. Wer einen gut durchdachten und langlebigen Trailrucksack sucht, wird mit der Deuter Attack Serie glücklich. Wir sind absolut begeistert von dem Rucksack.
Tabelle: Getestete Mountainbike-Rucksäcke mit Protektor
Modell Gewicht (inkl. Protektor) Volumen Besonderheiten Testergebnis
Amplifi Track 23 1471 g 23 Liter Regenhülle, Helmhalter, Goggle-Fach Sehr gut (87 Punkte)
Camelbak T.O.R.O. Protector 14 - 11+3 Liter Helmhalterung, Protektorenhalterung, Signalpfeife Sehr gut (78 Punkte)
Cube Edge Trail 1360 g 16 Liter Regenhülle, Helmhalter, Goggle-Fach, Smartphone-Fach Sehr gut (81 Punkte)
Deuter Attack 20 L 1566 g 20 Liter Regenhülle, Helmhalter, RV-Hüftgurttaschen, Brillenfach Überragend (92 Punkte)
Ergon BA3 1284 g 15+2 Liter Regenh., Rückenlänge verstellbar, Helmhalter Sehr gut (84 Punkte)
Evoc Neo 16L 1563 g (S/M) 16 Liter Regenhülle, Brillenfach, Anti-Rutsch-Pads, Helmhalter Sehr gut (85 Punkte)

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