Mountainbike Reifen Test: Alles, was Sie wissen müssen

Reifenprofil sei reines Marketing. Provokante Aussage, wird sich der ein oder andere jetzt denken. Doch klar ist: Während zart benoppte MTB-Reifen vor allem Racer anziehen, sprechen massive Profilblöcke in erster Linie Enduro-Mountainbiker an.

Die Bedeutung des richtigen Reifens

Die Wahl des richtigen Mountainbike-Reifens entscheidet über Fahrspaß oder Frust auf dem Trail. Je nach Disziplin, Bike oder Vorliebe des Bikers gibt es eine Vielzahl von Mänteln, die auf die Felge montiert werden können.

Die Reifen sollten je nach Einsatzbereich einen guten Rollwiderstand oder maximalen Grip liefern, pannensicher oder sehr leicht sein. So stellt zum Beispiel ein Enduro- oder All-Mountain-Biker im alpinen Gelände sicherlich andere Anforderungen an den Reifen als ein Cross Country Racer im Rennen.

Minimalprofil vs. Grobstollige Reifen

Doch was spricht eigentlich für einen Mountainbike-Reifen mit Minimalprofil? Kleine, nur wenige Millimeter hohe Stollen, anstelle von groben Gummiblöcken im Legostein-Format.

Natürlich: der Rollwiderstand, schießt es einem spontan durch den Kopf. Das wäre zumindest eine schlüssige Theorie. Doch unser Test von 14 verschiedenen MTB-Reifen (zehn Reifen-Kombinationen) in 29 Zoll für Cross-Country- und Down-Country-Bikes wirft diese These komplett über den Haufen.

Oder hätten Sie erwartet, dass ausgerechnet die ausgezacktesten Profile im Vergleich auch noch am schnellsten rollen? Und schon sind wir mitten drin, im MTB-Reifentest 2022.

Gemeinsamkeiten der getesteten Modelle

Neben der Tatsache, dass alle getesteten Modelle zumindest auf der Lauffläche schwarz sind, gibt es selbstverständlich noch weitere Gemeinsamkeiten zu entdecken. So wurden alle Reifen für den gleichen Einsatzzweck konzipiert. Von der schnellen Runde auf der Cross-Country-Strecke bis hin zum vortriebsorientierten Trail-Einsatz an einem 120-Millimeter-Fully eignen sich die leichten MTB-Reifen von Schwalbe, Maxxis, Continental & Co. am besten.

Testbedingungen

Um die Reifen optimal miteinander vergleichen zu können, nutzen wir drei identische Test-Bikes und tauschen bei jedem Testkriterium mehrfach durch. Nur so lassen sich kleine wie große Unterschiede aufdecken.

Reifenbreite und ihre Auswirkungen

Auch bei der Breite halten sich die Unterschiede in Grenzen: 55 bis 59,6 Millimeter haben wir auf einer Felge mit 30 Millimeter Innenweite bei 1,7 Bar Reifendruck ermittelt. Damit fallen zwar alle Testkandidaten ordentlich breit aus, liegen aber immer noch unterhalb der aufgedruckten Bezeichnung von 2,25 bis 2,4 Zoll.

Warum ist das so? Die Norm besagt, dass die Reifenbreite immer beim aufgedruckten Maximaldruck gemessen werden muss. Damit soll sichergestellt werden, dass die Bike-Reifen auch im Extremfall immer noch den angegebenen Wert einhalten und es keine Probleme mit der Freigängigkeit im Rahmen gibt. Durch den höheren Druck oder auch eine längere Fahrzeit dehnt sich der Reifen in der Regel aus und kann dann bis zu drei Millimeter Breite zulegen.

Schmale Reifen sparen natürlich Gewicht. Breites Gummi verbessert hingegen den Grip, und das schon allein wegen der breiteren Lauffläche. Auch können sie mit weniger Druck gefahren werden. Das macht sie anschmiegsamer und dadurch noch griffiger und weniger pannenanfällig. Zielen Sie auf Schottertouren oder leichte Trails ab, spielen Grip und Pannenschutz nur die zweite Geige. In diesem Fall können Sie zugunsten eines geringeren Gewichts auch zu schmaleren Reifen greifen. Stehen technische Touren auf dem Plan, raten MTB-Magazine wie bike zu mindestens 2,2 Zoll (55 mm) breiten Reifen.

Reifenprofil: Mehr als nur Marketing?

Doch zurück zur Anfangs aufgestellten Behauptung: Das Profil eines MTB-Reifens sei nur Marketing. Um den verschiedenen Anforderungen an Vorder- oder Hinterrad besser gerecht zu werden, schicken vier von zehn Herstellern für unseren Test unterschiedliche Reifenkombinationen ins Rennen.

Grob gegen fein: Rollwiderstand des MTB-Reifenprofils

Für mehr Grip und ein gutes Spurverhalten kommt vorne ein offenes Profil mit höheren Stollen und hinten meist ein feineres Profil mit geringer Stollenhöhe und kleineren Freiräumen auf der Lauffläche zum Einsatz. Dadurch rollt der Hinterreifen auf harten Untergründen leiser ab und soll im Idealfall den Rollwiderstand minimieren. So weit so gut.

Mit Ausnahme der Reifenkombination von Maxxis liegt der größte Unterschied aus vorne grob und hinten fein aber gerade mal bei sehr überschaubaren 1,3 Watt, zugunsten des vermeintlich schnelleren Reifenprofils.

Gummimischung macht den Unterschied

Die Form des Profils sagt also nur wenig über den tatsächlichen Rollwiderstand eines MTB-Reifens aus. Mit 5,2 Watt Unterschied geht bei Maxxis die Schere zwischen Rekon und Rekon Race deutlich weiter auf. Hier rollt der hintere Reifen immerhin um 22 Prozent schneller.

Der Blick auf die Seitenwand der beiden Maxxis Rekon-Reifen lüftet das Geheimnis: Die beiden Exemplare rollen auf unterschiedlichen Gummimischungen. Während hinten ein schnellerer Dual-Compound eingesetzt wird, besteht der Rekon am Vorderrad aus der griffigeren 3C-MaxxTerra-Mischung. Die verschiedenen Gummimischungen entscheiden also in erster Linie über den Löwenanteil beim Rollwiderstand, und die lassen sich optisch nicht voneinander unterscheiden. Ohne also die Mischung zu kennen, kann man kaum eine Aussage über das Rollverhalten eines Reifens treffen.

Auch die Pirelli MTB-Reifen sind so ein Musterbeispiel für unsere Theorie: Mit knapp über 30 Watt rollt der Scorpion XC M, trotz seiner feinen Profilierung, mit Abstand am schlechtesten. Im Vergleich dazu braucht man gerade mal die Hälfte der Energie, um den Schwalbe Wicked Will zu bewegen - den Eingangs erwähnten Reifen mit dem mit Abstand gröbsten Profil im Test. Und damit wäre unsere These letztlich eindeutig belegt.

Weitere wichtige Faktoren bei der Reifenwahl

Profilgestaltung

Abstand, Form und Ausrichtung der Noppen nehmen maßgeblichen Einfluss auf Grip, Rolleigenschaften und Bremstraktion. Je gröber das Profil - Experten sprechen auch gerne von einem „offenem Profil“ -, umso besser kann sich der Reifen mit felsigen Untergründen oder Wurzeln verzahnen. Weiterer Vorteil: Der Haftgrund für Matsch verringert sich.

Reifen mit feinem und flachem Profil rollen wiederum geschmeidiger und schneller, weshalb sie gerne im temporeichen Crosscountry-Segment eingesetzt werden. Unser Tipp: Nutzen Sie Ihr MTB häufiger mal auf asphaltierten Strecken, macht sich ein eher dichtes Noppengefüge gut. Bei manchen Reifen verdichten sich die Noppen zur Mitte hin, was auf der Straße ein Vorteil ist. Kurvenfreudigen empfehlen wir, auch den Randzonen Aufmerksamkeit zu schenken.

Geschlitzte Noppen

Häufig werden die Noppen beim MTB-Reifen mit einem Schlitz versehen. Der Grund ist simpel: Unter Last spreizen die Noppen auseinander und verzahnen sich besser mit dem Untergrund.

Gummimischung und Härtegrad

MTB-Reifen gibt es in verschiedenen Härtegraden. Einen zuverlässigen Hinweis darauf gibt der „A“-Wert. Je höher der Wert, umso härter die Gummimischung. Manche Hersteller kennzeichnen die Gummihärte aber auch nur mit Begriffen wie „soft“ oder „ultra-soft“. Faustregel: Weiches Gummi erzeugt Grip, hartes rollt leichter.

Tubeless vs. Schlauchreifen

Schlauchlose Reifen bringen bei der Montage einen höheren Aufwand mit sich, der sich aber rechnen kann. Zum einen, weil sich der Ballast verringert, zum anderen, weil der Reifen geschmeidiger und dadurch auch etwas flotter rollt. Zudem verbessert sich der Grip. Einen Vorteil sehen Tubeless-Befürworter auch beim Pannenschutz: Denn wo kein Schlauch, dort auch keine sog. „Snakebites“, bei denen der Schlauch - etwa beim Überfahren von Felskanten oder Wurzeln - zwischen Felge und Reifen gequetscht und regelrecht perforiert wird. Kleine Einstiche heilt die Dichtmilch, die beim Tubeless-Reifen den Übergang zwischen Gummi und Felge abdichten soll.

Generell sind alle neueren Mountainbike-Felgen dafür ausgelegt, schlauchlos fahren zu können. Jedoch müssen diese bei Bedarf erst auf Tubeless umgerüstet werden. Nicht nur, dass das Aufziehen der Reifen schwerer ist, das anschließende Aufpumpen kann einen sogar zur Verzweiflung bringen, sollte kein Kompressor zur Hand sein. Durch die teils großen Spalte zwischen Reifen und Felge entweicht die Luft beim Aufpumpen, mit einer normalen Handpumpe ist es dann mehr oder weniger unmöglich, die Reifen aufzupumpen. Sind die Reifen aber erst mal montiert, bieten Tubeless-Reifen einige Vorteile, vor allem die erhöhte Pannensicherheit dank der Dichtmilch.

Diese muss vor dem Aufpumpen in den Mantel gegossen werden, zum Teil über das Ventil. Die Dichtmilch verfestigt sich mit der Zeit und muss in regelmäßigen Abständen erneuert werden. Nur so kann die Dichtmilch ihrer Aufgabe nachkommen und kleine Beschädigungen im Mantel abdichten. Unter anderem werden so eingefahrene Dornen zuverlässig abgedichtet, die sonst den Schlauch zerstechen würden. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass man mit Tubeless einen niedrigeren Reifendruck fahren kann. Wo bei Schlauchreifen der Schlauch den Mantel gegen die Felgen drücken musste, wodurch ein höherer Druck notwendig war, drückt bei Schlauchlos-Reifen die Luft den Mantel direkt in die Felge. Damit geht einher, dass Reibungen zwischen Mantel und Schlauch nicht mehr stattfinden, wodurch auch der Rollwiderstand reduziert wird.

Tubeless ist letztlich also für Biker interessant, die viel fahren, den Mehraufwand bei Montage und Wartung nicht scheuen und die Vorteile der gehobenen Pannensicherheit und Traktion nutzen möchten.

Spezialisierte Reifen und ihre Eigenschaften

Dass Specialized gute Bikes baut, steht außer Frage - doch bei der Marke aus Morgan Hill begann alles mit Reifen. Heute deckt das hauseigene Reifensortiment alles ab: vom leichten XC-Racer bis zum robusten Gravity-Pneu - oft direkt ab Werk montiert, aber ebenso separat im Fachhandel erhältlich. Damit sind Specialized-Reifen längst nicht nur für die hauseigenen Bikes relevant. Doch wie schlagen sich die aktuellen Modelle abseits vom Showroom, wenn’s richtig zur Sache geht?

Specialized Karkassen

  • S-Works: Leichteste und geschmeidigste Karkasse (120 TPI), ideal für XC-Rennen.
  • Control: Allround-XC-Karkasse (60 TPI) mit besserem Durchstichschutz.
  • GRID: Widerstandsfähige Karkasse (60 TPI) mit Seitenwandschutz.
  • GRID Trail: Für härteren Trail-Einsatz (60 TPI) mit Pannenschutzeinlage und verstärkten Seitenwänden.
  • GRID Gravity: Zweilagige Karkasse (60 TPI) für den Gravity-Bereich mit zusätzlichen Schutzeinlagen.

Specialized Gummimischungen

  • T5: XC-Mischung für Geschwindigkeit, geringen Verschleiß und gute Schnittfestigkeit.
  • T7: Trail-Mischung für gute Roll- und Gripeigenschaften.
  • T9: Weichste Gummimischung für maximalen Grip und Dämpfung.

Beispiele für Specialized Reifenmodelle

  • Purgatory: Vielseitiger Trail-Reifen mit versetzten Außenstollen für berechenbares Handling.
  • Eliminator: Idealer Trail-Hinterreifen mit flachen Mittelstollen für leichtes Rollen.
  • Butcher: Mit Block-in-Block-Profildesign für viel Auflagefläche und Stabilität.
  • Hillbilly: Für den Gravity-Bereich mit aggressivem Profil für lose Böden.
  • Cannibal: Reinrassiger Gravity-Reifen mit breiten Bremskanten für massig Grip und Kontrolle.

Testergebnisse und Empfehlungen

Schwalbe Hans Dampf

Der Schwalbe Hans Dampf bietet nahezu alles, was man sich von einem modernen MTB-Reifen für All-Mountain- oder Enduro-Touren wünscht. Auf anspruchsvollen oder feuchten Trails bietet er enormen Grip und vermittelt stets ein sicheres Fahrgefühl. Auch ist der Rollwiderstand erstaunlich gering für einen Mantel, der gerne im groben Gelände bewegt wird. Somit macht der Hans Dampf auch auf langen Touren und auf festen Untergründen Spaß.

Continental Kryptotal

Der Continental Kryptotal ist in einer speziellen Vorderrad- und Hinterrad-Version erhältlich. Der Kryptotal-Fr Trail Endurance und der Kryptotal-Re Downhill Soft bieten einen sehr guten Grip bei gleichzeitig guten Rolleigenschaften. Die Reifenkombination macht auf dem Mountainbike einfach nur Spaß und vermittelt ein sicheres Fahrgefühl, sowohl auf schnellen Downhills als auch bei steilen Anstiegen.

Maxxis Aggressor

Der Maxxis Aggressor Exo TR Dual ist ein vielseitiger Mountainbike-Reifen mit Charakter. Der Mantel bietet gute Rolleigenschaften und guten Grip auf nahezu jedem Untergrund. Somit ist der Aggressor ein optimaler Allrounder für ausgedehnte All-Mountain-, aber auch für anspruchsvolle Enduro-Touren, der stets viel Spaß macht.

Die besten Reifen für E-MTB und Tour & Trail (Test 2024)

E-MTB Reifen

E-MTBs sind nicht zu stoppen - ein Großteil aller verkauften Mountainbikes in Deutschland haben seit Jahren einen Motor fix installiert. Grund genug für die Reifenbäcker ihre Produkte auch speziell für E-MTBs anzupassen. Wir haben die besten Modelle im Test:

Platz Reifenmodell (Vorder- und Hinterreifen) Preis (Paar) Gewicht (Paar) Testergebnis
1 Maxxis Assegai / Minion DHR II 147 Euro 2736 g Sehr gut
2 Michelin E-Wild Front / Rear 172 Euro 2782 g Sehr gut
3 Pirelli Scorpion E-MTB S / R 160 Euro 2580 g Sehr gut
4 Schwalbe Eddy Current Front / Rear 150 Euro 2749 g Sehr gut
5 Vittoria E-Mazza / E-Martello 138 Euro 2688 g Sehr gut

Tour & Trail Reifen

Gehören noch lange nicht zum alten Eisen: Tour- und Trail-Reifen sollen Gripstark und dennoch effizient rollen. Welche Reifenhersteller das am besten gestrickt bekommen, lest ihr hier:

Platz Reifenmodell (Vorder- und Hinterreifen) Preis (Paar) Gewicht (Paar) Testergebnis
1 Schwalbe Nobby Nic / Wicked Will 138 Euro 1699 g Sehr gut
2 Continental Mountain King / Cross King 130 Euro 1362 g Sehr gut
3 Kenda Regolith / Karma 2 125 Euro 1681 g Sehr gut
4 Maxxis Forekaster / Rekon 135 Euro 1814 g Sehr gut
5 Specialized Purgatory / Ground Control 105 Euro 1884 g Sehr gut

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