Die teuersten Fahrradhelme der Welt im Test: Ein umfassender Vergleich

Die Fahrradbranche boomt, besonders E-Bikes tragen zur Popularität der Zweiräder bei. Durch das höhere Tempo der elektrifizierten Räder steigt allerdings auch die Unfallgefahr. Bei knapp 27.400 Radunfällen ohne weitere Beteiligte verletzten sich im Jahr 2023 rund 6.400 Menschen schwer und 147 tödlich. Dabei sind nicht nur Gehirnerschütterungen, sondern schwere Kopfverletzungen bei Stürzen die häufigste Unfallfolge.

Dieser Artikel bietet einen umfassenden Test und Vergleich von Fahrradhelmen, insbesondere im Hinblick auf Sicherheit, Komfort und Belüftung. Wir testen im Dienste unserer Leserschaft Rennrad-Helme auf Sicherheit - und zwar mit eigenem Equipment, also unabhängig von Herstellern. Und das nicht irgendwie, sondern mit beträchtlichem Aufwand, wie er vergleichbar nur in wenigen Forschungseinrichtungen betrieben wird.

MTB-Helm Test & Vergleich

Die nach offizieller EN-Norm vorgeschriebenen Standardprüfungen sind weniger streng und ignorieren manche Fortschritte im Fahrradhelm-Design der vergangenen 20 Jahre. Seit vielen Jahren werden zwar angepasste Tests-Standards diskutiert, aber die Mühlen der europäischen Komitees für Standardisierung mahlen langsam.

De facto haben sich bei Radhelmen längst neue Sicherheitsfeatures etabliert, die die gängigen Normen nicht abbilden. MIPS im Rennrad-Helm verringert die Rotation des Kopfes. Die Aufgabe dieser inneren Schale besteht darin, bei einem schrägen Aufprall etwas zusätzliche Rotationsbewegung der Helmschale zuzulassen. Das senkt die Wahrscheinlichkeit von Hirnschäden, die auftreten, wenn der Schädel sich so schnell dreht, dass die träge Masse des Gehirns nicht folgen kann und Blutgefäße bei der Scherbewegung zwischen Schädelknochen und Gehirn einreißen. Der Übergang von leichter Gehirnerschütterung zu schwerer Kopfverletzung ist dabei nach Ansicht der Mediziner fließend. Das heißt, man sollte möglichst alles tun, was die Belastung des Gehirns bei einem Unfall senkt.

Die Wahrscheinlichkeit, eine mittlere Gehirnerschütterung durch die Rotation zu erleiden, sinkt sogar um drei Viertel, von durchschnittlich 39 auf nur noch 10 Prozent - verglichen mit einem Helm ohne MIPS. Das heißt nicht, dass ein MIPS Rennrad-Helm Hirnschäden immer vollständig vermeidet, aber das Risiko bei einem schrägen Stoß sinkt signifikant gegenüber Standardhelmen.

Fahrradhelme mit MIPS-Technologie

Das MIPS-Konzept hat viele Hersteller überzeugt, die Technik in die Rennrad-Helme einzubauen, auch wenn das keine Norm fordert und zusätzliches Geld kostet. Wie verbreitet das System ist, lässt sich am aktuellen Angebot eines großen Online-Händlers ablesen: 1000 von insgesamt 4000 verfügbaren Straßen-Fahrradhelmen sind inzwischen mit MIPS ausgestattet, nur wenige Marken beschreiten gänzlich eigene konstruktive Wege in Sachen Sicherheit.

Im Rotationsschutz bei schrägem Aufprall zeigen alle Helme deutlich Wirkung. Vier Modelle können sich vom Feld absetzen, sie zeichnen sich durch besonders niedrige Drehraten bei einem Sturz auf die Stirn aus, darunter auch der günstige Giant Rev Comp. In der klassischen Schlagdämpfung, bei frontalem und seitlichem Aufprall, schneidet der günstige Giant-Helm hingegen etwas schwächer ab.

Insgesamt ist das Sicherheitsniveau des Testfeldes hoch. Im Schnitt schneiden die teureren Rennrad-Helme in der Sicherheitsprüfung einen Tick besser ab als die günstigen. Pauschal kann man aber nicht sagen, dass teurere Fahrradhelme sicherer sind. Die Gewichte der getesteten Rennrad-Helme variieren zwischen 265 und 340 Gramm. Eine Korrelation zwischen Gewicht und Schutzfunktion sehen wir nicht.

Wichtige Aspekte bei der Helmauswahl

Von unseren Noten kann man sich bei einer Vorauswahl für ein Helmmodell nur leiten lassen, denn in der Praxis ist es wichtig, dass der Helm gut sitzt. Die Anpassungssysteme sind zwar ziemlich ausgereift und tolerant, aber der beste Helm nützt nichts, wenn er nicht richtig passt oder schlecht getragen wird. Sitzt der Helm gut, findet er im Falle eines Falles gute Arbeitsbedingungen vor, um sein ganzes Schutzpotenzial zu entfalten.

Zudem bieten viele Fahrradhelme zusätzlichen Komfort. Mit einem Sonnenschutz versehen, reduzieren sie einfallendes Licht. Ein wasserdichter Überzug bietet Schutz bei Regen. Idealerweise sollten Sie einen Fahrradhelm vor dem Kauf immer anprobieren. Nur so können Sie feststellen, ob er optimal zu Ihrer Kopfform passt. Er sollte stramm sitzen, aber nicht drücken. Als Faustformel gilt: Wenn Sie den Helm vor- und zurückbewegen, sollte die Stirn ein wenig Falten schlagen. Dann sitzt der Fahrradhelm fest genug. Ist der Kinnriemen geschlossen, darf sich der Helm nicht nach hinten abstreifen lassen.

Dennoch ist es wichtig, einen Fahrradhelm zu kaufen, der von seiner Dimension her zu Ihrem Kopf passt. Der Kopf lässt sich in folgende vier Altersgruppen unterteilen: Kleinkinder bis zu drei Jahren haben meist einen Kopfumfang von 44 bis 52 Zentimetern, Zwei- bis Siebenjährige einen von 46 bis 57 Zentimetern und Fünf- bis Zwölfjährige messen für gewöhnlich 52 bis 60 Zentimeter. Allen Radfahrern über zwölf Jahren wird ein Helm für einen Kopfumfang von 52 bis 65 Zentimetern empfohlen. Die Angaben dienen jedoch nur der groben Orientierung.

Detaillierte Helmbewertungen

Im Folgenden werden einige der getesteten Helme detaillierter vorgestellt:

O'NEAL Trailfinder Helm für Erwachsene

  • Sicherheitsmerkmale: Außenschale aus robustem ABS, integrierte Lüftungsöffnungen, Größenverstellsystem
  • Zertifizierungen: Erfüllt die EN 1078 Sicherheitsnorm
  • Verschluss: Fidlock-Magnetverschluss
  • Fazit: Bietet ein hohes Schutzgefühl, bequemer Tragekomfort und erfüllt Sicherheitsnormen.

POC Tectal

  • Anwendungsbereiche: Downhill, Enduro, All Mountain
  • Größenverstellsystem: Ja, für individuelle Anpassung
  • Belüftung: Viele Belüftungsöffnungen für gute Luftzirkulation
  • Gewicht: Zwischen 320 und 370 Gramm
  • Fazit: Hohe Sicherheit, gute Passform und Belüftung zu einem guten Preis.

POC Tectal Race MIPS

  • Material: Polycarbonat Außenschale, EPS Innenschale
  • Zielgruppe: Erwachsene
  • Belüftung: Praktisches Belüftungssystem
  • Visier: Verstellbar
  • Größenverstellbarkeit: Ja, durch Verschiebemechanismus des Verschlussbandes
  • Fazit: Gute Belüftung, flexible Anpassung und ideal für lange Fahrradtouren.

Alpina Haga

  • Visier: Nicht abnehmbar
  • Beleuchtung: Halterung für ein Licht
  • Gurtschloss: Benutzerfreundlich mit mehrstufiger Rastautomatik
  • Belüftung: Strategisch angeordnete Lüftungsöffnungen
  • Fliegennetz: Integriert in den vorderen Lüftungsöffnungen
  • Fazit: Praktische Features, gute Passform und zusätzliche Sicherheit im Straßenverkehr.

POC Kortal Race MIPS

  • Visier: Verstellbar, aber nicht abnehmbar
  • Beleuchtung: Keine Halterung für Beleuchtung
  • Größenanpassung: 360-Grad-Anpassungssystem
  • Gewicht: 390 Gramm
  • Fazit: Anpassbare Größe, verstellbares Visier und NFC-Chip für medizinische Notfälle, gehört aber zu den teuren Produkten.

Alpina Carapax 2.0

  • Zielgruppe: Erwachsene
  • Visier: Verstellbar und abnehmbar
  • Beleuchtung: Keine Halterung für Beleuchtung
  • Fazit: Geringes Gewicht und verstellbares Visier, könnte aber eine Halterung für Beleuchtung haben.

Cratoni C-Maniac

  • Belüftung: 17 Ventilationsöffnungen
  • Schale: ABS-Hartschale
  • Visier/Kinnschutz: Abnehmbar
  • Gewicht: 320 Gramm
  • Fazit: Effektive Belüftung, gute Stoßabsorption und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Giro Fixture

  • Radtypen: Enduro, Downhill, All Mountain
  • Größenanpassung: Per Drehrad
  • Belüftung: Sehr gute Belüftung
  • Beleuchtung: Keine Halterung für Beleuchtung
  • Fazit: Gute Belüftung und geeignet für verschiedene Radtypen, aber keine Beleuchtungshalterung.

Uvex I-VO CC

  • Sicherheitsstandards: EN 1078 und CE
  • Belüftung: 24 Belüftungsöffnungen
  • Material: Polycarbonat-Schale mit EPS-Innenschale
  • Fazit: Vielseitig und praktisch, geeignet für Erwachsene und Kinder.

O'Neal Defender 2.0 Wild

  • Konstruktion: In-mould-Konstruktion
  • Besonderheit: Besonders bruchsicher und sturzfest

Zusätzliche Helme und ihre Eigenschaften

Einige weitere Helme, die im Test berücksichtigt wurden, bieten zusätzliche Funktionen und Vorteile:

  • Uvex Urban Planet LED: Bietet zusätzlichen Schutz im Heck- und im Schläfenbereich, LED-Licht, reflektierende Gurtbänder und recycelte Materialien.
  • Uvex Finale Visor: Klappbares Visier, Beleuchtung und Insektenschutz.
  • Abus Pedelec 2.0: Integrierter Regenschutz und LED-Licht.
  • Fischer Urban Plus Brooklyn: Beleuchtung, Sonnen- und Insektenschutz, gepolsterter Kinnriemen und Reflexstreifen.

ROADBIKE Helmtest Ergebnisse

ROADBIKE hat gemeinsam mit TÜV SÜD zwölf aktuelle Top-Helme getestet, wobei das Hauptaugenmerk auf geringem Gewicht, optimaler Belüftung und bestem Schutz lag. Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse:

  • POC Ventral Lite: Geringstes Gewicht (203 Gramm), top Schutz und Belüftung.
  • Specialized S-Works Prevail II Vent: Bester Schutz, beste Belüftung und sehr leicht.
  • Rudy Project Venger: Günstigster Helm im Test, hoher Tragekomfort, gutes Gewicht und Belüftung.
  • Abus AirBreaker: Herausragend leicht, sehr gut belüftet und überzeugende Schutzleistung.
  • Bontrager Velocis MIPS: Gehört beim Schutz zur Spitzengruppe, gute Belüftung und Tragekomfort.

Alternative Rotationssysteme

Neben MIPS gibt es auch andere Technologien zur Reduzierung von Rotationskräften:

  • Smartshock (100%): Kleine, bewegliche Elastomere, die Stöße absorbieren sollen, zeigten im Test keine überzeugende Wirkung.
  • WaveCell (Bontrager): Komprimierbare Zellstruktur, die sich bei einem Aufprall verbiegt, komprimiert und verschiebt, um die Energie vom Kopf wegzuführen.
  • 360˚ Turbine (Leatt): Flexible Kunststoffscheiben, die lineare Stöße dämpfen und Rotationsbeschleunigung verringern sollen, zeigten im Vergleich zu MIPS-Helmen ein höheres Risiko einer Gehirnerschütterung.

Zahlen, Daten, Fakten

Eine Tabelle zeigt die Wahrscheinlichkeit einer Gehirnerschütterung in Prozent sowie die Beschleunigung in g bei den getesteten Helmen. Helme mit MIPS zeigten im Schnitt ein geringeres Risiko für Gehirnerschütterungen.

Risiko einer Gehirnerschütterung bei den Test-Helmen

Die Tabelle zeigt die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Biker, bei dem von uns simulierten Sturzszenario eine mittlere Gehirnerschütterung erleiden würde.

Beschleunigung in g bei den Test-Helmen

Alle Helme im Test bleiben bei den Beschleunigungswerten, also den Kräften, die bei einem Aufprall noch auf den Kopf wirken, weit unterhalb der Norm (250 g).

Newton-Rider Helm

Das dänische Start-up Newton-Rider hat einen Helm mit viskoelastischen Materialien entwickelt, der dünner und komfortabler sein soll. Er passt sich ergonomisch an den Kopf an und ist für Kopfgrößen zwischen 57 cm und 60 cm geeignet. Zudem ist ein Chip für Promotionen per URL-Scanning verbaut.

ADAC Helmtest

Der ADAC hat zusammen mit der Stiftung Warentest 15 Fahrradhelme geprüft. Am besten schnitt das Modell Activ 2 von Casco ab. Der Overade Plixi belegte aufgrund von Schwächen beim Unfallschutz und in der Handhabung den letzten Platz.

Tipps zum Kauf eines Fahrradhelms

Der ADAC empfiehlt, den Helm vor dem Kauf einige Minuten zu tragen und, falls möglich, eine Probefahrt zu machen. Der Helm muss auf die individuelle Kopfgröße angepasst werden können. Verbraucher sollten darauf achten, dass der Helm mit Reflektoren ausgerüstet ist und ein Rücklicht integriert hat. Bei der Wahl der Helmfarbe sollte auf helle Farben geachtet werden.

Fazit

Ein guter Fahrradhelm kann schwere Kopfverletzungen verhindern und Leben retten. Es ist wichtig, einen Helm zu wählen, der gut passt, den Sicherheitsstandards entspricht und zusätzlichen Komfort bietet. Die hier vorgestellten Helme bieten eine Vielzahl von Funktionen und Vorteilen, um den Bedürfnissen verschiedener Radfahrer gerecht zu werden.

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