Thule Fahrrad Gepäckträger Fully Test: Eine umfassende Analyse

Warum also nicht anstatt in den Flieger zu steigen, das Fahrrad voll packen und einfach von Zuhause aus durchstarten? Wer ein Gravel- oder Mountainbike gelegentlich für den Wocheneinkauf oder eine mehrtägige Tour nutzen will, vermisst häufig einen Gepäckträger. Immer mehr Fahrräder werden ohne Gepäckträger ausgeliefert.

Wer auf einem (E-)Mountainbike oder einem Rennrad aber Stauraum für mehrtägige Touren benötigt oder gelegentlich den Einkauf verstauen möchte, kann zumindest temporär einen Träger gebrauchen, etwa um Packtaschen anzubringen. Wir haben sechs Gepäckträger getestet, die sich an fast alle Fahrräder montieren lassen - auch ohne Gewindebohrung am Rahmen.

Flexibilität und Kompatibilität des Thule Tour Rack

Der patentierte Thule Tour Rack spielt dann seine Stärke aus, denn er ist an so gut wie allen Fahrradtypen einfach und flexibel zu montieren. Laut Hersteller ist er sogar an Fully Bikes und Rennräder montierbar. Das ist äußerst praktisch, wenn man mit seinem gewohnten Fahrrad auf Tour gehen möchte. Der Träger kann sowohl vorne, als auch hinten an das Fahrrad angebracht werden.

Montage und Anpassung

Zunächst war ich nach langer Suche erleichtert, dass der Gepäckträger von Thule für ein Mountainbike bis zu 29 Zoll Reifen passend ist. Viele andere Hersteller bieten nur Träger für 27 Zoll Fahrräder an. Außerdem brauchte ich für mein Bike einen Träger, der nicht an der hinteren Achse des Fahrrads verschraubt wird, da bei meinem Mountainbike hier keine Aufnahme/Schraube auf einer Seite ist.

Im Lieferumfang befinden sich drei unterschiedlich lange Versteifungsstege, die zur Anpassung des Trägers an die jeweilige Gabel oder Hinterbaustrebe notwendig sind. Nachdem die richtige Länge am Träger eingesetzt ist wird der Träger über flexible Gurtbänder an Rahmen und Gabel montiert. So stellt die Montage auch an kleinen, großen, ovalen oder eckigen Rohren kein Problem dar.

Die Gurtbänder werden dann durch eine Metall-Lasche gezogen und danach einfach mit einem 5 mm-Inbus festgezogen. Die Auflagepunkte werden durch dicke Kunststoff- und Gummiauflagen ausgestattet, die einerseits für festen und rutschfreien Sitz und andererseits für bestmögliche Schutzwirkung von Lack und Rohren sorgen.

Über die vielen Ösen auf der Kunststoff-Ablagefläche und den seitlich angebrachten Aluprofilen kann Gepäck von verschiedenen Maßen mit Hilfe von Gummiexpandern oder Gurtbändern flexibel fixiert werden.

Montage Erfahrungen

Zunächst müssen die Gurte, die am Rahmen angebracht werden, mit dem Spezialschlüssel geöffnet werden. Dann wird der Träger auch schon über den Bremsleitungen am Fahrradrahmen angebracht. Hier gibt es drei verschiedene Größen, die je nach Fahrradmodell ausgesucht werden müssen. Bei mir hat die mittlere Größe gut gepasst. Anschließend muss der Träger ausgerichtet und ins Wasser gebracht werden und dann können alle Schrauben angezogen werden.

Je nachdem was man genau auf den Träger laden möchte, kann man die seitlichen Schienen, sowie die Platte des Trägers an sich, jetzt noch genauer justieren. Alles in allem war die Montage auch für eine Frau leicht durchzuführen. Zum Ausrichten braucht man etwas Geduld, da man oft wieder etwas verstellt was schon gepasst hat, wenn man an einer anderen Stelle zieht. Hier wäre eine zweite Person auch hilfreich. Alleine dauert es etwas länger, hat aber am Schluss dann auch funktioniert.

Die Demontage ist sehr leicht und in einer Minute erledigt. Hierfür nimmt man einfach den Spezialschlüssel und öffnet mit einem Handumdrehen den Mechanismus mit dem die Bänder am Rahmen befestigt sind. Danach kann man das komplette Gestell abnehmen, im Keller verstauen und es das nächste Mal genauso einfach wieder anbringen.

Design und Konstruktion

Der Gepäckträger besteht aus einer ca. 35 cm langen Grundplatte mit diversen Aussparungen und zwei ca. Die Verarbeitung der Teile ist einwandfrei. Die Konstruktion ist durchdacht und stabil.

Maximale Zuladung

Die möglichen Zuladungsgewichte sind in der Betriebsanleitung genau erläutert. Vorne dürfen maximal 10 kg auf die Grundplatte und 6,2 kg an die Schienen und hinten maximal 11,3 kg auf die Grundplatte und 7 kg auf die Schienen geladen werden.

Erweiterung mit Side Frames

Das Tour Rack kann auch noch mit dem Zubehörteil „Pack ’n Pedal Side Frames“ erweitert werden. Dies sind zwei Seitenteile, auf die Seitentaschen aufliegen, ausbalanciert werden und dadurch nicht in die Speichen geraten können.

Wer Seitentaschen an sein Tour Rack hängen möchte, ist mit den Side Frames recht gut bedient. Laut Hersteller, kann man nahezu jeden Packtaschen-Typ damit transportieren und schwere Lasten ausbalancieren. Hier war die Montage kaum erwähnenswert. Einfach die seitlichen Stopfen der Tourenschienen mit einem Inbusschlüssel lösen und dann wird das Side Frame Kit auf die vorhandene Schiene vom Tour Rack aufgeschraubt.

Man kann jetzt noch die Schiene und damit das komplette Side Frame nach vorne oder hinten am Träger schieben, um z.B. mehr Fersenfreiheit zu erzeugen. Außerdem ist es sogar möglich die untere Schiene des Side Frame am Tour Rack anzubringen, um so das Ganze weiter weg vom Boden zu bekommen(siehe hierzu Bilder der Anleitung). Es gibt also wieder sehr viele Möglichkeiten das ganze System auf die Fahrweise, das Fahrrad oder das Gepäck anzupassen.

Zum Abbau muss man nur die Haken am Tour Rack lösen und kann dann das ganze Side Frame Kit nach oben klappen, um an den Schnellverschluss vom Tour Rack ranzukommen und dieses vom Fahrrad zu lösen. Das Side Frame Kit an sich, kann man dann am Träger einfach dran lassen.

Ich habe den Träger und das Side Frame Kit mit drei verschiedenen Packtaschen-Typen beladen und ausprobiert. Alle drei Modelle haben bombenfest gehalten und sind während der Fahrt nicht verrutscht. Mir war es auch einfach wohler zumute, mit dem Wissen, dass die Taschen durch den Side Frame nicht in die Speichen geraten können. Das Side Frame hat weder gewackelt, noch irgendwelche Geräusche erzeugt.

Langzeittest und Stabilität

Das Thule Tour Rack durfte mich und mein Mountainbike auf einer 10-tägigen Radreise von Stuttgart über Lindau auf den Bodensee-Königssee Radweg und den Donauradweg bis nach Wien begleiten. Insgesamt kamen hier knapp über 1000 Kilometer zusammen. Die Strecke verlief auch viel über Schotter und unbefestigte Waldwege. Das Tour Rack hat also den ein oder anderen harten Schlag abbekommen.

Das ein oder andere Mal wurde auch ein Vesper oder Trinkflaschen noch zusätzlich für ein paar Kilometer mitgenommen. Hier wurde das zugelassene Gewicht für die Seitenträger von 7 kg dann auch mal deutlich überschritten. Der Träger hielt dem aber trotzdem stand. Der Gepäckträger wurde während der Reise nicht abgenommen und bewusst auch nicht neu justiert oder etwas an den Schrauben nachgezogen.

Es hat trotz allem nichts gewackelt, vibriert oder irgendwelche Geräusche erzeugt. Der Träger war am Ende der Reise nicht mehr ganz perfekt im Wasser, sondern leicht nach hinten geneigt, hielt aber dennoch bombenfest und behinderte mich nicht. Von daher bin ich sehr positiv überrascht von der Stabilität des Tour Rack.

Nach dem Abnehmen des Tour Rack nach der Reise, sind keinerlei Spuren am Lack von dem Träger zu erkennen. Dafür sind die gummierten Klemmen im Inneren der Bänder verantwortlich. Diese sorgen auch durch den Grip dafür, dass der Träger bei schweren Lasten nicht am Fahrradrahmen herunter rutscht.

Optik und zusätzliche Features

Hinten an dem Träger lässt sich an einem integrierten Halter ein Licht oder ein Reflektor anbringen. Dieser ist im Lieferumfang allerdings nicht enthalten.

Garantie

Thule gibt auf das Trägersystem und die Side Frames 5 Jahre Garantie. Diese deckt jegliche Mängel oder jeglichen Schaden an dem Produkt ab. Hierunter fallen sogar Schäden aufgrund normalen Verschleißes oder natürlicher Verfärbung des Materials. Dadurch muss man sich also keinerlei Sorgen, um die Qualität und Langlebigkeit des Trägers machen.

Der Thule Tour Rack im Einsatz am vollgefederten E-Mountainbike

Wer wünscht sich einen Gepäckträger an einem vollgefederten E-Mountainbike? Niemand, werden manche von euch sofort sagen. Ich, kommt es anderen vielleicht über die Lippen. Für und Wider dieser Lösung laden mit verschiedenen Argumenten zu hitzigen Debatten ein. Diese sind der Industrie ziemlich egal. Sie hat längst Fakten geschaffen. Zum einen mit den sogenannten SUV-E-Bikes, die vollgefedert oft schon serienmäßig einen Gepäckträger verbaut haben. Und zum anderen mit besonderen Gepäckträgern, die sich an E-Bikes mit gefederten Hinterbauten nachträglich montieren lassen.

Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • Flexibel und kann vorne wie hinten am Rad montiert werden.
  • Einfache Montage
  • Hohe Stabilität

Nachteile:

  • Spezialwerkzeug zum Abbauen erforderlich
  • Side Frames müssen separat gekauft werden

Fazit

Das Thule Tour Rack mit dem Zubehörteil Side Frames hat mein Mountainbike in wenigen Schritten zu einem perfekten und sportlichen Reiserad umfunktioniert. Der absolut feste Sitz des Gepäckträgers und die sichere Befestigung der Seitentaschen machen das Tour Rack zu einem verlässlichen Begleiter auf deiner Radreise oder im Alltag.

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