Tipps für lange Radtouren: Vorbereitung für unvergessliche Erlebnisse

Unterwegs die warme Sommersonne oder verschlungene Pfade in farbenprächtigen Herbstwäldern genießen - für eine Radtour bietet sich so gut wie jede Jahreszeit an. Doch egal, wann und wo Sie unterwegs sind, die richtige Planung ist essentiell für den Erfolg der Tour. Eine längere Radtour will gut durchdacht sein. Die richtige Vorbereitung und anforderungsgerechte Planung entscheidet über den Erfolg Ihrer Radreise.

Planung ist das A und O

„Der Planungsbeginn hängt vor allem von der Art und Länge der Tour ab. Für Touren bis zu 1 Woche fange ich meist 2 Tage vorher an, mir Gedanken zu machen, wie die Strecke aussehen soll und was ich so einpacke. Viel Vorbereitung braucht es bei diesen kurzen Touren also nicht. Wenn ich größere Touren vorhabe, dann beginne ich meist 6 Monate vorher mit einer ersten Planung, was Ziel und ungefähre Route angeht. Dann fange ich meist an, die Anreise zu recherchieren und die Route genauer zu vermessen, um die benötigte Zeit zu planen.“ Die Überlegung, wo es denn hingehen soll, steht natürlich an erster Stelle.

Die richtige Strecke wählen

Unterschiedliche Regionen bergen verschiedene Herausforderungen. Die Wahl der geeigneten Strecke wird daher von Faktoren wie der eigenen Fitness oder der Ihrer Mitfahrer und der Tauglichkeit Ihres Rades bei entsprechenden Fahrbahnunterlagen beeinflusst. Egal wohin die Reise geht: Informieren Sie sich im Vorfeld über die Eignung für Fahrradfahrer. Vor allem bei Touren mit Kindern sollten Sie darauf achten, dass Radwege vorhanden sind oder die Route durch verkehrsberuhigte Bereiche führt.

„Oft gibt es nur die eine Route, aber ich schaue schon, dass es nach Möglichkeit nicht an großen Hauptstraßen entlanggeht, sondern mehr durchs Land.“ Natürlich erfolgt die Routenplanung nicht nur für die reine Verbindung von A nach B. Vor allem bei mehrtägigen Radreisen entscheidet die Etappenlänge über die Wahl entsprechender Rastmöglichkeiten und Unterbringungen. Ziele sollten entsprechend der persönlichen Tagesleistung an den Streckenverlauf angepasst werden.

„Die Etappenlänge hängt dabei ganz von der Erfahrung und der Motivation ab. Gedanken zu den Etappenzielen mache ich meist direkt am Tag selber. Natürlich gibt es immer Highlights, bei denen ich länger bleibe und entsprechend versuche, diese als Zwischenziele einzuplanen. Meine Fahrzeiten plane ich in Tageskilometern. Das sind je nach Wegbeschaffenheit und Gelände zwischen 80 und 130 km pro Tag.“

Navigation und Wetter

Egal, wo es Sie hin verschlägt, eine gute Navigation ist ausschlaggebend für den Erfolg und die Freude an der Fahrt. Egal ob Papierkarte, oder übers Smartphone. Ein Problem der langfristigen Planungen einer Radtour sind häufig unzureichende Wettervoraussagen. Unerwartete Regenfälle oder langanhaltende Regenperioden können Ihre Pläne schnell vereiteln. Vor allem Schön-Wetter-Radler sollten sich für diese Fälle einen Plan B zurechtlegen.

„Regen und Schnee sind für mich kein Grund, nicht zu fahren. Es ist dann einfach anders. Heftiger Sturm sorgt maximal für mehr Pausen oder den vorzeitigen Feierabend. Auf Island habe ich dann schon mal mittags Schluss gemacht und gewartet, bis das Wetter sich wieder beruhigt hat. Vorbereiten können Sie sich nur, indem Sie bei der Reiseplanung in etwas wettertechnisch wildere Gegenden einen entsprechenden zeitlichen Puffer einbauen.“

Pausen und Übernachtungen

Pausentage ermöglichen den Radfahrern das Tanken neuer Energie und bilden die Brücke zwischen der sportlicheren Betätigung und der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten und kulturellen Highlights einer Reise. Die Herausforderung besteht darin, auch bei kurzer Rast einen optimalen Ausgleich zwischen Erholung und Erlebnis zu schaffen.

„Ich plane meine Pausen nicht, sondern mache sie dann, wenn mir danach ist. Das ist individuell und vielfach gibt der Körper vor, wie eine Pause am besten zu gestalten ist. Eine Radtour ist ja nicht unbedingt anstrengend. Es ist ja kein Wettrennen, sondern ein Touren. Das ist mal anstrengend und mal nicht. Ausgedehntere Pausen nutze ich, um Sehenswürdigkeiten anzusehen, meine Vorräte aufzufüllen, meine Sachen zu waschen, das Rad und die Ausrüstung zu checken und ein wenig im Internet zu surfen.“

Damit Sie bei Einbruch der Dämmerung nicht erst mühevoll eine geeignete Herberge suchen müssen und eventuell überteuerte Preise bezahlen, sollten Sie die Anzahl und Dauer Ihrer Übernachtungen im Vorfeld gründlich planen und entsprechende Hotelangebote oder Zeltplätze heraussuchen und vergleichen.

„Zu 90% zelte ich. Entweder wild oder auf Campingplätzen. Die anderen 10% verbringe ich in Hostels. Es gibt Länder, wo sich zelten nicht anbietet, aber wo es billige Zimmer für 5 Dollar gibt.“

Die richtige Kleidung

Auch beim Fahrradfahren bietet sich das Zwiebelschalenprinzip an, bei dem einzelne Kleidungsstück den Witterungen entsprechend an- oder ausgezogen werden. Dünne Funktionsunterwäsche transportiert Feuchtigkeit schnell ab und sorgt dafür, dass Sie beim Schwitzen nicht zu frieren anfangen. Je nach Temperatur folgen ein- oder mehrere Lagen Oberbekleidung, wie Trikot, T-Shirt, oder dünne Pullover. Als oberste Lage empfiehlt sich eine Jacke aus einem wasserabweisendem, atmungsaktiven Material, die sie sowohl vor Wind als auch vor Regen schützt.

Gepäckverteilung und Packliste

Die Länge der Radtour entscheidet darüber, wie viele Taschen Sie mitnehmen sollten. Reicht bei einem Tagesausflug ein einfacher Rucksack, sollten Sie entsprechend aufrüsten, wenn Sie eine mehrtägige Radtour planen. Bewährt hat sie die Kombination aus Satteltaschen und Lenkertasche. Die richtige Gewichtsverteilung ist dabei entscheidend für den Fahrkomfort. „Schwerere Sachen eher nach unten in die Taschen.“

Egal wie erfahren Sie in der Planung und Vorbereitung längerer Radtouren sind, auch Profis sollten sich vor Fahrantritt noch einmal Gedanken zum benötigten Reisegepäck machen. Bei Gruppen-Radtouren kann das Gepäck entsprechend aufgeteilt werden und jeder Fahrer seinen Teil für die Verpflegung der Gruppe beitragen.

„Ich habe für jede Tour eine eigene Packliste. Auch wenn ich eigentlich weiß, was ich mitnehme, gehört es doch zur Vorbereitung, eine solche Liste anzufertigen und dann abzuarbeiten. Alles, was ich auf Tour mitnehme, hat sich im Laufe der Jahre optimiert. Ich fahre mit ca. 15 kg Gepäck ohne Essen und Wasser auch große Touren. Neu an Bord ist ein Kocher, den ich aber eher als Luxusgegenstand betrachte und eigentlich nicht wirklich unterwegs brauche. Mit dabei ist immer mein Leatherman Tool, welches ich mir 1998 auf meiner Tour von Deutschland nach Indien in Kathmandu gekauft habe. Zudem begleitet mich seit fast 20 Jahren auch ein Essbrettchen, welches zwar schon arg mitgenommen ist, aber immer noch gute Dienste leistet. Und natürlich ist immer mein Tourbuch dabei. Ich schreibe dort noch immer meine Erlebnisse des Tages hinein und mache mir Notizen für Artikel oder zu bestimmten Bildern.“

Auf seinem Blog hat Martin Moschek die detaillierten Packlisten seiner Kaukasus, Island und Ostafrikatour veröffentlicht.

Fahrradcheck und Sicherheit

Zur essentiellen Vorbereitung einer Radtour - ganz egal von welcher Länge - zählt der Fahrradcheck. Was Ihnen auf dem Weg zum Bahnhof kaum auffällt, kann auf der Dauer einer mehrstündigen Radtour wertvolle Kräfte zehren, die unzureichende Sicherheit Ihres Rads gefährdet Sie und andere. Schleifende Bremsen, schlecht geölte Ketten oder ein falsch eingestellter Sattel sollten im Vorfeld repariert und angepasst werden- die Funktionalitäts- und Sicherheitsprüfung vor Fahrantritt spart Kraft und Nerven. Wollen Sie auf Nummer sichergehen, bringen Sie ihr Rad zum Fachmann in die nächste Werkstatt.

Training und Fitness

Um dich auf eine Mehrtagestour vorzubereiten, solltest du sechs Wochen lang drei bis vier Tage pro Woche trainieren. Lege nach spätestens zwei Trainingstagen einen Ruhetag ein, an dem du deinen Körper eine Pause gönnst, damit er sich erholen kann. Nutze die Ruhetage, um deinen Körper mit Krafttraining zu stärken, Ausgleichsübungen durchzuführen, im Schwimmbad ein paar Bahnen zu ziehen oder eine Runde Yoga zu machen. Gut geeignet für Ruhetage ist auch ein Mix aus Ausdauer- und Kraftübungen - ganz nach dem Crossfit-Prinzip. Crosstraining stärkt deine Core-Muskulatur (Bauch- und Gesäßmuskeln, Hüfte und Rücken), die eine Schlüsselrolle für Ausdauer und Kraft im Sattel spielt.

Wie viele Kilometer du dir pro Tag vornehmen solltet, lässt sich pauschal nicht sagen. Für Genussradler können Tagesetappen zwischen 50 und 80 Kilometern ausreichend sein, für ambitionierte Rennradfahrer 70 bis 150 Kilometer. Wie lang die Etappen sein sollten, hängt von deiner Fitness, der gewünschten Reiseatmosphäre (sportlich oder gemütlich) und vom Terrain ab.

Die richtige Ernährung

Besonders im Sommer spielt der Flüssigkeitsverlust eine große Rolle. In der Hitze kann man bis zu 1,5 Liter Flüssigkeit pro Stunde verlieren. Das perfekte Sportgetränk sollte im Bestfall leicht hypoton sein. Gerade bei längeren Ausfahrten verliert der Körper Mineralien und Salze.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

  • Planung: Route, Etappen, Unterkünfte im Voraus planen.
  • Ausrüstung: Fahrrad checken, passende Kleidung und ausreichend Proviant einpacken.
  • Fitness: Kondition aufbauen und sich an längere Strecken gewöhnen.
  • Sicherheit: Helm tragen, Verkehrsregeln beachten und aufmerksam fahren.

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