Wieder wird der Radsport von einem Todesfall überschattet, was auch für große Bestürzung sorgt. Die трагише Vorfälle ereigneten sich auf der Königsetappe der Österreich-Rundfahrt und bei der Tour de Suisse, was erneut die Sicherheitsdebatte im Radsport entfachte.
Aktuelle Todesfälle и Reaktionen
Der Norweger André Drege stirbt bei der Österreich-Rundfahrt. Für Tadej Pogacar war es "ein Schock", Altmeister Alexander Kristoff sprach von "sehr schlimmen Nachrichten" - und auch sonst herrschte im Peloton der Tour de France große Bestürzung. "Es ist schwer zu verarbeiten, was passiert ist. Das ist sehr traurig zu hören", sagte Pogacar und fügte hinzu: "Wir haben einen coolen Job, aber in den meisten Fällen ist er sehr gefährlich.
Drege, der für das Continental-Team Coop Repsol fuhr, kam auf der Abfahrt vom Großglockner Richtung Heiligenblut in einer Ausreißergruppe zu Fall und erlag seinen Verletzungen. Der 25-Jährige wurde bewusstlos am Straßenrand aufgefunden und von Verkehrsteilnehmern reanimiert. Wie es genau zu dem verheerenden Sturz kam, ist noch unklar. Die Österreich-Rundfahrt endete mit einer Kondolenzfahrt.
"Ich kannte ihn ein bisschen, war in der Nationalmannschaft mit ihm. Er war ein guter Typ", sagte sein Landsmann Kristoff, immerhin viermaliger Tour-Etappengewinner: "Er war nah dran an einem Profi-Vertrag. Das ist wirklich unglaublich."
Erst im vergangenen Jahr starb der Schweizer Gino Mäder bei der Tour de Suisse auf einer Abfahrt. In Erinnerung sind auch noch die Todesfälle der beiden Belgier Michael Goolaerts beim Klassiker Paris-Roubaix (2018) und Bjorg Lambrecht bei der Polen-Rundfahrt (2019).
Der Tod der Schweizer Nachwuchsfahrerin Muriel Furrer ist auch am Samstag weiter Thema bei den Straßenradsport-Weltmeisterschaften. Die 18-Jährige war am Donnerstag im Rennen der Juniorinnen zu Fall gekommen und hatte eine schwere Kopfverletzung erlitten. Die junge Frau galt als eines der größten Schweizer Rad-Talente. Sowohl mit dem Straßenrad als auch mit dem Crossrad und dem Mountainbike war sie erfolgreich. Sie absolvierte eine Ausbildung an der Berufsfachschule United School of Sports.
Vor der WM sagte Furrer: "In erster Linie freue ich mich einfach extrem auf die WM - umso mehr, weil es eine Heim-WM ist." Furrer stürzte in einem Waldstück in einer Abfahrt, vermutlich in einer Linkskurve. Sie wohnte nur zehn Kilometer von der Stelle entfernt, an dem sich der Unfall ereignete.
Am Samstag gaben die Organisatoren erste Informationen preis. Die Rettungskette habe "sehr gut" funktioniert, sagte Olivier Senn der Schweizer Nachrichtenagentur "sda". "Innerhalb von Minuten nach dem Eingang der Unfallmeldung war der Arzt samt Rettungswagen vor Ort und begann mit der Erstversorgung. Auch der Rettungshelikopter stand bereit", sagte der 54-Jährige. Allerdings ließ Senn offen, wann die Unfallmeldung genau einging. Der Rad-WM-Chef gab an, dass die Fahnen für den Rest der Weltmeisterschaften auf Halbmast wehen, die Siegerehrungen reduziert würden und die UCI-Gala am Samstagabend abgesagt worden sei.
Historische Todesfälle
Heute vor 30 Jahren kam Fabio Casartelli bei der Tour de France ums Leben. Der grausame Unfall prägte nicht nur seinen damaligen Teamkollegen Lance Armstrong.
Am 18. Juli 1995 - heute vor 30 Jahren - endete das Leben von Fabio Casartelli auf brutale Weise. Casartelli war drei Jahre zuvor Olympiasieger in Barcelona geworden, war ein sympathischer und im Peloton beliebter Kerl. Und vor allem war der Italiener erst 24 Jahre alt, als er seinen Wagemut so teuer wie nur möglich bezahlte.
„Er ist einfach ein großartiger Junge gewesen. Fabios Tod hat mir erst gezeigt, worum es bei der Tour wirklich geht“, sagte Lance Armstrong, damals 23 Jahre alt und bei jener Frankreich-Rundfahrt Casartellis Teamkollege im Motorola-Team.
Auf der halsbrecherischen, teils über 17 Prozent steilen Abfahrt vom Portet d’Aspet flogen Casartelli, sein Landsmann Dante Rezze und der Deutsche Dirk Baldinger bei Tempo 90 ab, die D618 glich einem Schlachtfeld. Baldinger erlitt einen offenen Hüftbruch, doch Casartelli, das war sofort ersichtlich, hatte es viel schlimmer erwischt.
Der Jungprofi aus Como war mit dem Gesicht voran auf einen Begrenzungsstein geprallt. Erbarmungslos hielten die Kameras fest, wie Casartelli bewusstlos auf dem flirrenden Asphalt lag, das Blut in Strömen aus seinen Wunden schoss. Innerhalb von zehn Sekunden waren die Ärzte bei ihm, konnten ihn reanimieren - doch drei Stunden später starb Casartelli im Krankenhaus von Tarbes.
Für den Radsport Casartellis Tod es eine Katastrophe wie zuvor nur der tödliche Zusammenbruch von Tom Simpson 1967 am Mont Ventoux.
Von Casartellis Tod erfuhr Kollege Armstrong seinerzeit im Rennen per Funk. „Wir mussten die Etappe zu Ende fahren, auch wenn wir vom Schock wie gelähmt waren“, schrieb er in seinem Buch „Tour des Lebens“.
Ein Helm, den 1995 kaum ein Fahrer trug, hätte Casartelli womöglich gerettet. Dennoch dauerte es bis 2003, als der Kasache Andrej Kiwilew bei Paris-Nizza starb, ehe der Weltverband die Kopfschutzpflicht im Rennen durchsetzte.
Weitere tragische Todesfälle im Radsport:
- 1999: Manuel Sanroma (Spanien) zog sich 1000 Meter vor dem Ziel der zweiten Etappe der Katalonien-Rundfahrt einen Genickbruch zu.
- 2001: Ricardo Ochoa (Spanien) wurde beim Training nahe Malaga von einem Auto erfasst und tödlich verletzt.
- 2003: Andrej Kiwiljow (Kasachstan) stürzte auf der 2. Etappe der Fernfahrt Pariz-Nizza und zog sich tödliche Kopfverletzungen zu. Sechs Tage später starb er an den Folgen seiner Verletzungen.
Sicherheitsdebatten und Maßnahmen
Mäders Tod hatte eine Debatte um die Sicherheit im Radsport angestoßen. "Die Streckenabsicherung ist deutlich besser geworden, auch die Streckenführung. Man kann das Risiko nicht auf null reduzieren", sagte der deutsche Radprofi Simon Geschke. Der 38-Jährige erklärte, viele Stürze passierten an sehr übersichtlichen Stellen durch Fahrfehler oder andere Einflüsse. Die Fahrervereinigung CPA sei jedoch deutlich einflussreicher geworden und arbeite besser.
Für die Sicherheit auf der WM-Strecke, eine 27 Kilometer lange Runde durch das Züricher Umland, bekamen die Organisatoren Lob der Fahrer. "Hier hat man viel gemacht. Viele Verkehrsinseln und Hindernisse wurden abgebaut", sagte WM-Fahrer Maximilian Schachmann. Auch seine deutsche Teamkollegin Franziska Koch hob hervor, dass sich seit der Streckenbesichtigung vor einigen Wochen viel getan hat: "Da stand ab und an noch eine Insel im Weg, doch das ist jetzt alles frei. Dass es sich um einen Rundkurs handelt, macht die WM-Strecke aus den Erfahrungen der Fahrer ebenfalls sicherer. "Wir Fahrer wissen, was auf uns zukommt und können das Risiko besser kalkulieren", sagte Schachmann.
So ist die Sicherheitsdebatte im Radsport in vollem Gange. Die Rennen werden jedenfalls immer schneller, auch in diesem Jahr wurden am Col du Galibier wieder neue Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt. "Alle Teams investieren wahnsinnig viel in Performance und Aerodynamik. Das macht es auch gefährlicher, wenn das Material immer schneller wird. Es gibt Ansätze, aber es gibt keinen Königsweg, was die Radrennen sicherer macht.
Bei der Tour gab es indes in diesem Jahr relativ wenige Stürze. Dass es gleich mit zwei schweren Etappen losging, die für große Abstände im Gesamtklassement sorgten, half dabei sicherlich. Sprinter Pascal Ackermann, der am Samstag Vierter wurde, führt aber auch die große Erfahrung der Tour-Profis als Grund an. "Bei der Tour kann man sehen, dass die erfahrenen Fahrer nicht so extrem reinhalten wie die jungen", sagte der Pfälzer.
Um die Sicherheit der Fahrer zu verbessern, veränderten die Tour-Organisatoren auf gewissen Etappen auch die Sturz-Regel von drei auf vier bzw. fünf Kilometer. Durch die Regel werden die Zeiten für die Gesamtwertung jeweils an diesen Kilometer-Grenzen genommen. Dadurch geht es bei den Massensprints weniger hektisch zu.
Die Chefs der Landesrundfahrten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sammelten nun in einer Talkshow gemeinsame Ideen.
"2011 habe ich meinen Zimmerkollegen Wouter Weylandt nach einem tödlichen Sturz verloren. Das sitzt nach wie vor sehr tief bei mir, auch wenn er leider einen Fahrfehler beging", sagte Wegmann, als es um das Thema Sicherheit im Radsport ging. "Früher gab es zum Beispiel noch Absperrgitter mit Füßen und die Sicherheitsauflagen wurden auch immer strikter. Aber Fakt ist: Durch das Material und die Aerodynamik werden Rennen immer schneller. Dann sind Konsequenzen bei Stürzen leider dramatischer."
Eine weitere Quelle für Gefahren sind - paradoxerweise - Maßnahmen, die im Alltag zu mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger sorgen sollen. "Ständig werden neue Verkehrsinseln gebaut. Solche verkehrsberuhigenden Maßnahmen der öffentlichen Hand sind für den Radsport nicht förderlich", sagte der Sportdirektor der Deutschland Tour.
Irreführenderweise, so Senn, kann auch zu viel Information für die Fahrer problematisch sein: "Über Funk prasseln Informationen ein, die bei den Sportlichen Leitern und schließlich bei den Radprofis aufgrund von sprachlichen Barrieren oft auch nicht verstanden werden. Deshalb sind wir an einem System in Echtzeit dran, Gefährdungsstellen visuell darzustellen. Das klappt auch mit Bildern, die zehn Minuten vor der Durchfahrt eingespielt werden."
Bei einem weiteren Punkt sind sich die drei Organisatoren einig: der Notwendigkeit eines flächendeckenden GPS-Trackings. Im Falle von Muriel Furrer, die beim WM-Rennen der Juniorinnen in Zürich starb, war der genaue Ort der Unfallstelle lange unklar und es dauerte zu lange, um die Schweizerin zu bergen.
"Wir sind vor gut 55 Jahren zum Mond geflogen. Dann kann es doch nicht sein, dass wir das Verschwinden eines Fahrers oder einer Fahrerin nicht sofort bemerken können. Deshalb sehen wir das GPS-Tracking als Gebot der Stunde, um künftig die Kontrolle über alle Profis bei Rennen erhalten zu können", sagte Senn. Senn, Pupp und Wegmann würden das GPS-Tracking auch ohne den Radsportweltverband UCI einführen.
Statistik: Mortalitätsrisiko bei Sportlern
Im Zuge einer Kohortenstudie untersuchten sie Daten von 546.876 Teilnehmern und 211.592 Nichtteilnehmern niederländischer Lauf-, Fahrrad- und Walking-Events zwischen 1995 und 2017. Das mittlere Alter lag bei 41 Jahren. 23 Sportler starben während des als relevant erachteten Zeitraums 0-7 Tage nach einem Event durch plötzlichen Herztod und 12 während der Referenzperiode nach 14-21 Tagen. Außerdem wurde das langfristige Risiko betrachtet. Während einer Follow-up-Periode von durchschnittlich 3,3 Jahren starben insgesamt 4.625 Teilnehmer und 2.494 Nichtteilnehmer. Damit wiesen Sportler ein um 30 % verringertes Mortalitätsrisiko auf (Hazard Ratio, HR, 0,70). Läufer (HR 0,65) und Fahrradfahrer (HR 0,70) trugen das geringste Risiko, gefolgt von Walkern (HR 0,88).
| Sportart | Hazard Ratio (HR) |
|---|---|
| Läufer | 0,65 |
| Fahrradfahrer | 0,70 |
| Walker | 0,88 |
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