TomTom Rider 400 Motorradhalterung Test: Ein umfassender Überblick

Die Motorradsaison neigt sich dem Ende entgegen. Erstmals überhaupt habe ich mir mit dem Tomtom Rider 400 ein Motorradnavi geleistet.

TomTom Rider 400: Angebot und Ausstattung

TomTom schenkt allen Käufern, die zwischen dem 1. Oktober 2015 und 31. Dezember 2015 einen TomTom RIDER 40 oder 400 gekauft haben, die passende Autohalterung. Um an die kostenlose Autohalterung zu gelangen, muss innerhalb von 30 Tagen nach dem Kauf das Registrierungsformular der Aktion ausgefüllt und ein Kaufbeleg oder die Bestellbestätigung des TomTom RIDER eingereicht werden. Nach erfolgreicher Prüfung verschickt TomTom einen individuellen Gutscheincode, mit dem die Halterung im TomTom Shop bestellt werden kann. Das Angebot gilt auch im stationären Handel.

Der Rider 400 ist ein relativ schweres aber sehr attraktives Gerät mit einer praktischen Motorradhalterung, die leider mittels der üblichen grobschlächtigen und schweren RAM Mounts Adapter am Fahrzeug zu befestigen ist. Die Halterung versorgt das Gerät mittels zweier feiner Federpins und besitzt ein Anschlußkabel ans Bordnetz, welches mit einem wasserdichten Bajonettstecker versehen ist. Man kann dieses Kabel entweder direkt an der Batterie oder aber mit Schaltplus verbinden. Man braucht keinen Spannungskonverter o.dgl.. Alternativ könnte man das Gerät auch über den Micro-USB Stecker versorgen, falls man bereits einen USB Stecker am Fahrzeug hat, aber dann wäre die Wasserdichtigkeit kompromittiert, und man hat die Schwachstelle Stecker direkt am Gerät.

Zwei Hinweise gleich: der Bajonettstecker ist anfangs schwergängig. Gewalt wäre allerdings nicht angebracht, also vorsichtig! Der SD-Kartenslot am Rider 400 ist extrem fummlig. Darauf war ich dank anderer Userberichte vorbereitet. Micro SD Karte richtigrum reinstecken und mit einem flachen Gegenstand vorsichtig eindrücken, bis die Karte einrastet oder sicher sitzt. Sie ragt dann fast nicht mehr aus dem Slot heraus.

Hat man das Versorgungskabel erstmal verlegt, so ist der Anbau des Gerätes auch nicht weiter schlimm. Das Gerät selbst liess sich am Windows Rechner auf den neusten Softwarestand updaten, was allerdings ca 3 Stunden dauerte. Auch das Bluetooth Tethering mit dem Smartphone für Echtzeit-Verkehrs- und Wetterdaten unterwegs, sowie das Tomtom Drive als Cloudapplikation für Routen, Waypoints usw. war relativ problemlos einzurichten. Einige kleine Proberouten habe ich mal berechnet, und das matched bisher in etwa mit meinen gern gefahrenen Strecken.

Die Möglichkeiten der Montage sind vielfältig und die mitgelieferte Allroundhalterung findet meist zwischen den Lenkeraufnahmen Platz. Als smarte Option ist eine Kugel erhältlich, die man mit der Lenkerklemme mitschraubt - ebenfalls recht praktisch. Weitere Optionen sind fahrzeugspezifisch erhältlich. Ich habe z. B. sofort bei der Autohalterung zugeschlagen, weil man den Rider natürlich auch im zweispurigen KFZ ausgezeichnet verwenden kann. Ist auch bei allen Fahrten die nicht auf dem Motorrad stattfinden dabei. Für den raschen Wechsel auf ein fremdes Motorrad habe ich diese Auto-Halterung einfach flott auf einer glatten Fläche (Tank, Glas vom Drehzahlmesser, Verkleidungsscheibe) montiert und war damit sofort navibereit. Die Stromzufuhr kann man entweder fix verkabeln oder man wählt den mitgelieferten USB Stecker.

Erste Erfahrungen und Testfahrt

Bei der ersten etwa 70km langen leicht regnerischen Fahrt enttäuscht der Rider 400 nicht. Angenehmes Routing im Modus „Spannende Tour“, einige mir bisher unbekannte Abschnitte, gute Streckenführung. Man könnte noch etwas mehr kleinere asfaltierte Wirtschaftswege statt Landstraßen einbauen.

Seit der Anschaffung im Jahr 2015 bin ich mit dem Rider 400 zufrieden. Wenn man eine Sache als Haupt-Nervpunkt kritisieren darf, wäre es die lahme Rechengeschwindigkeit u.a. beim Rerouting, sofern man unterwegs irgendwas an den Routingeinstellungen ändern muß. Wenn es ganz dumm läuft, kann einen das für Minuten lahmlegen, aber das war wohl ein Extremfall bei mir. Auch bei der Bedienung des Gerätes schläft man jedesmal fast ein, weil die Reaktionen auf Betätigung teilweise um mehrere Sekunden hinterherhinken. Da ist innere Ruhe geboten. Funktional gibt es nichts zu meckern.

Verbesserungswürdig fände ich noch die Ablesbarkeit der Anzeige bei Sonneneinstrahlung (je nach Einstrahlungswinkel ist wenig bis gar nichts sichtbar). Zudem würde ich mir das Gerät etwas leichter wünschen. Es ist ein richtig schwerer Klopper, den man da am Motorrad oder Roller dabei hat.

Vergleich mit anderen Motorrad-Navis

Im Web gibt es zahlreiche Berichte, Blogs, Artikel, Produktbewertungen zum Tomtom Rider 400. Da ist von positiv gestimmt bis sehr problematisch alles dabei.

Becker mamba.4+, Garmin Zumo 390 LM und 590 LM, TomTom Rider 400 und NavGear Tourmate N4 :Irgendwann einmal soll ein Motorradfahrer spurlos im Kreisverkehr verschwunden sein. Ohne Orientierung hat er sich wohl in Luft aufgekreiselt. Vielleicht nur eine moderne Legende, aber mit den fünf aktuellen Motorrad-Navis von Becker, Garmin, TomTom und NavGear sollte das nicht passieren.

Fairerweise muss man sagen, dass sich im unbarmherzigen MOTORRAD-Navitest mit bewusst gestellten Fallen und schweren Aufgaben für die Navisysteme alle fünf Kandidaten von Becker, Garmin, TomTom und NavGear sehr wacker geschlagen haben. Ohne Frage: Navigieren können die Geräte, und normalerweise führen sie gut zum Ziel. Bei Preisen zwischen 270 bis 600 Euro darf man dies auch erwarten.

Schön auch, dass alle Hersteller (wieder bis auf NavGear) lebenslang kostenlose Karten­updates bieten. Falsche Erwartungen wecken hingegen motorradspezi­fische Features wie automatische ­Berechnungen für attraktive Motorradstrecken. Die beiden jüngsten Herausforderer von Becker und TomTom verfügen zwar über individuell steuerbare Algorithmen, wofür Lob gebührt, aber die Testergebnisse waren allenfalls befriedigend.

Ja, wurde er. Immerhin leitete der TomTom Rider 400 richtig. Die anderen Geräte schickten uns zu gesperrten ­Wirtschaftswegen - brumm, brumm, brumm, immer schön im Kreis herum - Hauptsache nicht ans Ziel. Und wenn wir nicht gestorben sind, dann kreiseln wir noch heute.

Hier eine tabellarische Übersicht der getesteten Geräte:

Navi Preis (ca.) Kartenmaterial Besonderheiten MOTORRAD-Urteil
Becker mamba.4+ 479 Euro Europa (Nokia here), unbefristete Updates Einfache Bedienung, schnelle Satellitenfindung, kurze Akkulaufzeit gut
Garmin Zumo 390 LM 449 Euro Europa (Nokia here), unbefristete Updates Kompakt, benutzerfreundlich, Straucheln bei schwierigen Routen gut
Garmin Zumo 590 LM 649 Euro Europa (Nokia here), unbefristete Updates Großes Display, viele Funktionen, Patzer bei Routenführung gut
TomTom Rider 400 499,95 Euro Europa, unbefristete Updates Präzise Navigation, Top-Ausstattung, zeitgemäße Menüführung gut (Testsieg)
NavGear Tourmate N4 269,90 Euro Europa (Nokia here), 2 jährliche Updates Günstig, umständliche Bedienung -

Detaillierte Testergebnisse der einzelnen Geräte

Becker mamba.4+

Funktionalität: sehr einfache und intuitive Bedienung, komfortables Zoomen bei Kartenansicht, Adresseingaben sehr bequem durch großzügige Schaltflächen und ausgezeichnetes Ansprechverhalten. Gerät ist schnell betriebsbereit und findet flott die Satelliten.

Navigationspraxis: Großes Manko ist die Akku-Laufzeit. Im MOTORRAD-Test stieg das Gerät bereits nach etwa 100 Minuten aus, schlechtester Wert im Vergleich. Bei der City-Testrunde konnte es jedoch gut punkten: flinke Berechnung, klare Ansagen, präzise und mit einem sehr dienlichen Fahrspurassistenten sowie übersichtlicher Kreuzungsansicht. Außerdem Trackaufzeichnung und Überspringen von Wegpunkten möglich. Chapeau! Zudem gute Aufteilung von Kartenansicht und Infoflächen. Die Navigation durch einen Tunnel sowie eine ländliche (knifflige) Zieladresse überforderten jedoch das Gerät.

Routenplanung: Tourenplanungen am PC über den freien Onlinedienst Motoplaner. Für den GPS-Export ist dort das Gerät als Menüpunkt hinterlegt. Hilfreich: Höhenprofil für die geplante Tour. (Eigentlich) gut: mehrstufiger Algorithmus zur Berechnung kurvenreicher Streckenführung. In der Testpraxis deckte sich die vorgeschlagene Route jedoch weitestgehend mit der unattraktiven Strecke über Schnellstraßen.

Motorradtauglichkeit: Die klobige Gerätehalterung mit fummeliger Rändelschraube zur Sicherung wirkt zwar etwas altbacken, aber auch wertig und erfüllt ihren Zweck. Handschuhbedienung: tadellos

Garmin Zumo 390 LM

Funktionalität: Die Eingabe von Zieladressen ist im Vergleich etwas umständlich, weil man sich durch aufgeteilte Buchstabengruppen klicken muss. Ansonsten intuitive Menüführung und schnelle Autovervollständigung bei Eingaben. Gutes Display-Ansprechverhalten. Trackaufzeichnung möglich, einzelne Wegpunkte können sinnvollerweise übersprungen werden.

Navigationspraxis: Der Fahrspurassistent leistet bei unübersichtlicher Verkehrsführung in Ballungsgebieten durch klare Pfeilanzeigen beste Dienste, und eine geteilte Bildschirmansicht sorgt für zusätzliche Übersicht. Sehr durchdacht! Bei einer städtischen Zieladresse strauchelte das Navi, als der Tester mutwillig falsch fuhr. In einem Tunnel verlor sich die Routenführung komplett. Auch beim Routing zur ländlichen Zieladresse patzte das Garmin Zumo 390 LM grob und wollte partout über einen gesperrten Wirtschaftsweg leiten, obwohl der Fahrer bereits den richtigen (und legalen) Weg eingeschlagen hatte. Schwach.

Routenplanung: Die Funktion „Kurvenreiche Straßen“ führte zumindest im Test zu einem passablen Ergebnis und spuckte einen netten „Umweg“ aus - abseits der schnellen Hauptroute. Die Planungssoftware „Basecamp“ ermöglicht eine manierliche Tourvorbereitung.

Motorradtauglichkeit: stabile Halterungen, ein dezenter Anschluss an den Bordstrom und insgesamt kompaktes Gerät, passt wunderbar ins Motorrad-Cockpit! Eingaben stellen selbst mit dickeren Handschuhen kein größeres Problem dar.

Garmin Zumo 590 LM

Funktionalität: Initialisierung des Gerätes bis zum Auffinden der Satelliten hat im Test mitunter recht lange gedauert (über eine Minute). Zieladresseingabe über aufgeteilte Buchstabengruppen zwar von den Bedienflächen her großzügig gestaltet, umständliches Blättern stört aber. Display gut zu bedienen, Menüaufbau insgesamt gut verständlich, Hochformat möglich. Trackaufzeichnung möglich.

Navigationspraxis: leitet sicher und übersichtlich auch durch schwierigste Verkehrsführungen mit mehreren Spuren, Kartenansicht groß genug, sodass sehr vorausschauendes Fahren möglich ist. Findet schnell und präzise den besten Weg zu den städtischen Test-Zieladressen, auch trotz spontaner Umleitung durch einen Tunnel. Patzt aber beim Routing zur abgelegenen Kleinstort-Adresse auf dem Land. Die gemessene Akku-Laufzeit betrug knapp über drei Stunden, nach 90 Minuten zeigte das Gerät aber bereits Akku-Schwäche an. Irritierend.

Routenplanung: Planen mit der Basecamp-Software bietet nach einiger Eingewöhnung viele gute Möglichkeiten, Routenimport und das Erstellen einer Tour am PC funktionieren im Vergleich sehr ordentlich. Funktionierte auf Testfahrt gut: „Kurvenreiche Straßen“ und die Vorschläge zu Rundtouren.

Motorradtauglichkeit: Handschuhbedienung auf dem großen Display einwandfrei, Halterungen solide, aber der dicke Kabelstrang lässt sich bei manchen Maschinen schlecht unterbringen.

TomTom Rider 400

Funktionalität: Touchscreen reagiert unmittelbar auf Berührungen, Bilddarstellungen lassen sich mit zwei Fingern einfach größer ziehen. Intuitive Menüführung, einzelne Menüpunkte lassen sich wie bei einer Smartphone-Benutzeroberfläche per Wischgesten ansteuern. Trackaufzeichnung möglich.

Navigationspraxis: innerstädtisch absolut präzise und genaue Navigation, klar ersichtliche Streckenführung durch Fahrspurassistent, auch an kniffligen Kreuzungen narrensichere Führung und sehr verständliche Kartendarstellung. Bis auf eine Zieladresse auf der MOTORRAD-Testrunde Aufgabe mit Bravour erledigt. Auch bei bewusstem Falschabbiegen in einen Tunnel findet der TomTom Rider 400 recht schnell eine passende Alternativroute. Akku hielt im Test über fünf Stunden.

Routenplanung: Bei der Planung am PC mit der „Tyre Pro“-Software müssen sich Anfänger in die Materie hineinfuchsen. Die Funktion „Spannende Tour planen“ erwies sich unterwegs nur bedingt als guter Tourguide. Auf der Testrunde bot der TomTom Rider 400 eine nur wenig spannende, mit Ortsdurchfahrten gespickte Alternative zum schnellsten Weg an. Je bergiger, desto besser spricht die mehrstufige Funktion an und findet schöne Strecken. Gut: Rundtour-Funktion

Motorradtauglichkeit: Der Drehgelenk-Halter und das kontrastreiche Display überzeugen voll. Mit dicken Handschuhen lassen sich manche Schaltflächen nur schlecht bedienen.

NavGear Tourmate N4

Funktionalität: Das Ansprechverhalten des Displays ist mäßig, Zieleingaben dauern im Vergleich lange und gestalten sich umständlich. Die Initialisierungszeit des Geräts geht in Ordnung.

Navigationspraxis: Die Akku-Laufzeit im Test lag bei fast sechs Stunden, allerdings schaltete das Gerät bereits nach 2,5 Std. unabänderlich in einen Stromsparmodus mit geringer Bildschirmhelligkeit...

Alternativen zum Motorradnavi

Installierte Navifunktion im Smartphone taugt mir ebenfalls weniger, da genau dann ein Anruf kommt, wenn verkehrstechnisch wichtige Entscheidungen zu treffen sind. Ich finde nicht, dass ein Smartfone eine Alternative zum Motorradnavi ist. in Kurven Regionen aber doch nicht ganz ungefährlich ist. Der Umgang mit dem Navi will auch gelernt sein.

Aber anders als beim Handy, das im ungeeigneten Moment durch den Gesprächspartner Aufmerksam fordert, hat man es beim Navi besser in der Hand. Man muss doch nicht in der Kurve auf den Bildschirm sehen, sondern an einer übersichtlichen Stelle, ähnlich wie man ja auch nicht in jedem Moment auf den Tacho sieht. Das Navi zeigt auch an, wann das nächste Abbiegen ist, wenn das 10 km hin ist, braucht man ein paar Minuten erst mal gar nicht hinschauen. Natürlich passiert es ab und an mal, einen Abbiegehinweis zu versäumen, jedenfalls, wenn man - wie ich - die Ansage (auf dem Motorrad) nicht nutzt.

TomTom Rider 410: Eine mögliche Alternative?

Da einen ultimativen Gewinner für jeden rauszufinden ist unmöglich. Die Garmins sind sich alle ziemlich ähnlich deshalb werde ich die immer als „die Garmins“ behandeln und auf wichtige Unterschiede hinweisen. Das 345er unterscheidet sich vom 395 im Lieferumfang (Autohalterung z.B.) und in den enthaltenen Lifetime Karten (nur Zentraleuropa). Letzteres ist durch die Möglichkeit der OpenStreetMaps Einbindung mehr oder weniger nichtig, deshalb würde ich immer eher zum 345er als dem 395er raten.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0