Transalp mit Hardtail: Erfahrungen und Überlegungen

Eine Transalp mit dem Mountainbike ist für viele ein Traum und eine Herausforderung zugleich. Dabei stellt sich oft die Frage, ob man die Alpen mit einem Hardtail oder einem Fully bewältigen soll. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Hardtails bei Transalp-Touren und gibt Anregungen für die richtige Wahl des Bikes und der Ausrüstung.

Hardtail vs. Fully: Eine Frage der persönlichen Vorlieben und des Terrains

Ob man den Alpencross mit einem Hardtail oder Fully bewältigen will, ist letztlich eine Frage der persönlichen Vorlieben. Tatsache ist, dass man auch mit einem Hardtail gut über die Alpen kommt. Ich schätze mein Hardtail sehr. Kilometer fressen auch auf Waldwegen und auf leichtem Schotter ist kein Thema, easy. Aber: Downhill auf steilen Single Trails und im Mix-Gelände( tiefer Schotter, Wurzelwerk, lose und feste Steine) ist eben nicht das passende Terrain dafür. Schon gar nicht mit den schmalen Pellen und wenn's nass ist.

Ich bin vor 2 Wochen von einer schönen Transalp (Leutasch - Levico Terme TN) zurückgekommen. Rund 370Km mit knapp 15.000HM. Das alles zu roundabout 80% auf Schotter/Waldwegen/Trails. In der 9er-Gruppe waren meine Frau und ich die einzigen mit Hardtails (Cross-Geometrie). Würde ich mit einem Hardtail nicht noch einmal machen.

Alle anderen aus der Gruppe fuhren Trail-Fullys der allerneuesten Generation (21/22-er Modelle). Zumeist v/h 29"er, einer fuhr 27.5"/29". S-Works Turbo Kenovo war dabei (da spielte Geld wohl keine Rolle...), ein Mondraker, 2x Cube, 1x Stevens und zwei Fully-Haie. Meine Frau und ich haben einen Hai in 28", S-Duro Cross 6.0 (aus 2019). Meine Frau in S, ich in XL (187cm Größe, 93er Schrittlänge).

Erfahrungen im Detail

Downhill sah das schon ganz anders aus. An 3 von 5 Tagen war es nass, teils extrem und da zeigte sich, dass mein Hardtail mit sehr steilem Lenkwinkel und 28"x1.65"-Pellen ratzfatz an seine Grenzen kommt (Rahmen XL/hoher Schwerpunkt). Der steile Lenkwinkel und die schmalen Pneus bergab im tiefen Grob- oder Feinschotter oder auf Single-Trails sind die absolute Spaßbremse. Wer mal im Regen mit schmalen Schlappen auf einem "schmalen" Hardtail den Duron-Pass runter musste, weiß was ich meine. Das geht gar nicht und ist alles andere als lustig.

Dito mehr als 15 Kilometer auf den alten Grenzkammpisten Brenner-Sattelbergalm-Sandjöchel-Gossensass. Danach weiß jeder, der das mit nem Hardtail und schmalen Pneus macht, welche Rückenwirbel er hat und wo die sitzen. Gings bergauf oder bergab mal auf geteerter Piste, dann fuhr ich allen ruckzuck davon, was zu erwarten war. Da es aber nicht das Ziel war, möglichst schnell durchzukommen sondern erlebnisreich und mit Spaß, habe ich für mich das Fazit gezogen: jederzeit wieder, aber nur mit Fully.

Meine Frau kam übrigens mit ihrem Hardtail (gleiches Fabrikat) wesentlich besser zurecht als ich. Da liegt aber auch der Schwerpunkt 25cm tiefer, Welten...Trotzdem hat sie bisweilen wie ein Kutscher geflucht. Das bestätigt meine Annahme, lieber ein paar Kilo mehr Bike dabei zu haben, um einfach sicherer (und natürlich auch komfortabler) fahren zu können.

Mit 29"/2.6" wäre es vermutlich auch auf 'nem Hardtail einfacher. Ich besitze ein Fully mit noch klassischer Geometrie mit , für ein MTB, eher steilem Steuerwinkel, jedoch 2,2 " Reifen. Mit einem motorisierten neueren MTB dessen Geometrie mit dem sehr flachen Steuerwinkel und breiten Schlappen wäre sicher noch mehr möglich, aber die Dinger sind sehr teuer und für sonst kaum was brauchbar.

Die richtige Ausrüstung für eine Transalp mit dem Hardtail

Neben der Wahl des Bikes spielt auch die Ausrüstung eine entscheidende Rolle für den Erfolg einer Transalp. Hier einige Tipps:

  • Reifen: Breitere Reifen mit gutem Profil sind im Gelände von Vorteil.
  • Federung: Eine Federgabel mit ausreichend Federweg erhöht den Komfort und die Kontrolle bergab.
  • Bremsen: Zuverlässige Bremsen mit ausreichend Bremskraft sind essenziell, besonders bei langen Abfahrten.

Packliste für die Transalp

Eine Faustregel, die dafür sorgen sollte, dass die Packlust nicht überhandnimmt, lautet: Maximal acht Kilo sollte der Rucksack (25-30 Liter reichen) für eine Transalp wiegen. Angenommen, man hat Helm, Radhose, Trikot, Buff, Radschuhe, ggf. Handschuhe und Sonnenbrille an und Trinkflaschen und Navigationsgerät am Rad, sollten folgende Dinge in den Rucksack (mit Regenhülle):

  • Hose, Oberteil, Unterwäsche für die (Hütten-)Abende
  • Optional: Ersatz-Trikot und -Radhose, Wechselsocken
  • Regenjacke
  • Isolierende (Wärme-)Schicht (in den Bergen kann es auch im Sommer schnell frisch werden)
  • Erste-Hilfe-Set
  • Biwaksack für Notfälle
  • Smartphone, Lademöglichkeit
  • Karte digital (wenn möglich im Offlinemodus nutzbar) und Papier
  • EC-Karte, Bargeld, Personalausweis, ggf. DAV-Mitgliedsausweis
  • Ggf. Hüttenschlafsack
  • Energieriegel, Snacks
  • Funktionshandtuch (schnelltrocknend)
  • Duschgel/Shampoo
  • Zahnbürste und -pasta
  • Deo
  • Sonnencreme
  • Ohropax
  • Ggf.

Routenwahl und Planung

Die Wahl der Route sollte den persönlichen Fähigkeiten und Vorlieben entsprechen. Für Einsteiger eignen sich Routen mit weniger technischen Schwierigkeiten und moderaten Höhenmetern. Wer es anspruchsvoller mag, kann sich an alpinen Trails und steilen Anstiegen versuchen.

Bei der Planung einer Transalp sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Etappenlänge und Höhenmeter: Realistische Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit.
  • Wegbeschaffenheit: Informationen über den Zustand der Wege und Trails einholen.
  • Unterkünfte: Rechtzeitige Buchung von Unterkünften, besonders in der Hauptsaison.
  • Verpflegung: Planung der Verpflegungsmöglichkeiten entlang der Strecke.
  • Notfallausrüstung: Mitnahme von Werkzeug, Ersatzteilen und Erste-Hilfe-Material.

Bekannte Transalp-Routen

Hier eine kurze Übersicht über einige bekannte Transalp-Routen:

  • Ostalpen: Joe-Route, Heckmair-Route, Via Claudia Augusta
  • Westalpen: Genfersee - Ventimiglia

Flusstäler in den Alpen dienten schon vor hunderten Jahren als Transitwege. Und auch heute führen die einfachsten Routen durch diese: Vom Chiemsee aus gibt es zum Beispiel einfache Routen an den Gardasee über Inntalradweg, Reschenpass, Etschtal und Passo San Giovanni oder über Brenner, Eissack- und Etschtal. Routen mit breiten Fahrwegen bieten sich auch für Transalp-Neulinge an.

Fahrtechnik und Vorbereitung

Eine gute Fahrtechnik ist für eine Transalp unerlässlich. Üben Sie das Fahren auf verschiedenen Untergründen, das Tragen des Bikes und die Bewältigung von technischen Passagen. Auch die Orientierung mit Karte und GPS sollte beherrscht werden.

Zur Vorbereitung gehört auch ein regelmäßiges Training, um die Ausdauer und Kraft zu verbessern. Mehrtagestouren in der Umgebung sind eine gute Möglichkeit, sich an die Belastungen einer Transalp zu gewöhnen.

Gepäcktransport und Organisation

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Gepäck bei einer Transalp zu transportieren:

  • Selbsttransport: Das gesamte Gepäck wird im Rucksack mitgenommen.
  • Gepäcktransport: Ein Dienstleister transportiert das Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft.
  • Organisierte Tour: Der Veranstalter kümmert sich um den Gepäcktransport und die Organisation der Tour.

Die Wahl der Gepäcktransport-Methode hängt von den persönlichen Vorlieben und dem Budget ab. Wer Gewicht sparen möchte, kann auf einen Gepäcktransport zurückgreifen. Allerdings ist man dann weniger flexibel bei der Wahl der Unterkünfte.

Sicherheitshinweise und Risiken

Eine Transalp ist ein anspruchsvolles Unternehmen, das mit Risiken verbunden ist. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Wetter: Informieren Sie sich über die aktuelle Wetterlage und seien Sie auf Wetterumschwünge vorbereitet.
  • Ausrüstung: Verwenden Sie eine funktionierende Ausrüstung und nehmen Sie ausreichend Proviant und Wasser mit.
  • Fahrtechnik: Passen Sie Ihre Fahrweise den Bedingungen an und überschätzen Sie sich nicht.
  • Notfall: Informieren Sie sich über Notrufnummern und Rettungsmaßnahmen.

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